Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Anwendungsgebiete und Grundcharakteristika von Experten-Interviews 4
2 Die Vorbereitung auf ein Experten-Interview 6
3 Die Durchführung eines Experten-Interviews 8
4 Die Auswertung eines Experten-Interviews 12
5 Fazit 14
Literaturverzeichnis NA
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Einleitung
In der politikwissenschaftlichen Forschung sind Experten-Interviews ein weit verbreitetes Erhebungs verfahren im Rahmen qualitativer Forschungsprojekte. Trotz ihrer häufigen An- wendung sind sie methodisch bisher wenig bearbeitet worden und werden in den meisten Lehrbüchern über empirische Forschungstechniken - wenn überhaupt - nur am Rande er- wähnt. Nur wenige Autoren haben sich dieser Form der mündlichen Datenermittlung bisher explizit gewidmet und diese methodisch reflektiert. Zu ne nnen sind an dieser Stelle vor allem die Aufsätze von Meuser und Nagel (1991 und 1994), Abels und Behrens (1998) sowie Schmid (1995), welche die w esentliche n textliche n Grundlage n dieses Papiers bilden. Die thematischen Schwerpunkte in diesen Aufsätzen sind unterschiedlich. Während bei den einen Fragen des Feldzugangs und Probleme des Diskursverlaufs im Vordergrund stehen (so bei Abels und Behrens, 1998), richtet sich das Augenmerk der anderen vor allem auf Strategien und Probleme der Interviewauswertung (so bei Meuser und Nagel, 1991).
Anliegen des Papiers ist es, die Erkenntnisse dieser unterschiedlichen Betrachtungsweisen in einem Gesamtkonzept zu vereinen. Auf diese Weise sollen die drei Phasen eines Experten- Interviews (Vorbereitung, Durchführung und Auswertung) anscha ulich gemacht werden und konkrete Empfehlungen zur Vorgehensweise gegeben werden. Zentral ist bei der Darlegung der verschiedenen Phasen die Frage nach dem maximalen Nut zen für den Forscher. Anders formuliert: Wie sollte der Forscher im jeweiligen Stadium des Forschungsprozesses vorgehen, um seine Ziele bestmöglich zu erreichen?
Ausgangspunkt ist eine theoretische Schilderung des Experten-Interviews als Forschungs- technik. Es soll deutlich gemacht werden, in welchen Bereichen es eingesetzt wird, wodurch es sich auszeichnet, und worauf es abzielt (Kapitel 1).
Anschließend wird auf die Vorbereitungsphase einer Expertenbefragung eingega ngen. Hier wird vor allem der Auswahl der „richtigen“ Gesprächspartner, der Leitfadenkonstruktion so- wie der inhaltlichen Vorbereitung auf ein Gespräch besondere Beachtung geschenkt (Kapitel 2).
Die Kernpunkte des dritten Kapitels, das sich mit der eigentlichen Gesprächssituation be- schäftigt, bilden verschiedene Strategien und Taktiken der Interviewführung, insbesondre der angemessene Umgang mit Interaktionseffekten.
Das vierte Kapitel widmet sich schließlich der Interviewauswertung. Die einzelnen Arbeits- schritte einer von Meuser und Nagel entwickelten Auswertungsstrategie werden in Form einer Anleitung vorgestellt.
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1 Anwendungsgebiete und Grundcharakteristika von Experten-Interviews
Der Einsatz von Experteninterviews ist in den verschiedensten Forschungsfeldern verbreitet. Häufig als ergänzende Instrumente der Datenerhebung im Rahmen eines Methodenmix, aber auch als eigenständige Verfahren, kommen sie in der Policy- und Implementationsfo rschung, in der Eliten- und Verwendungsforschung sowie in der Industriesoziologie zum Einsatz (vgl. Meuser/Nagel 1994: 123). Insbesondre dann, wenn der Wissensstand über die Struktur eines Forschungsgegenstands so gering ist, dass die Anwendung eines standardisierten Verfahrens unmöglich ist oder keinen Sinn macht, nutzt man Experten-Interviews um quantitativ nicht messbare Hintergrundinformationen zu erhalten, die zur Klärung eines Problembereichs bei- tragen (vgl. Brosi u.a. zitiert in Schmid 1995: 310). Gegenstand von Experten-Interviews sind Wissensbestände im Sinne von Erfahrungsregeln, die das Funktionieren von sozialen und politischen Systemen bestimmen. Dazu zählen ungeschriebene Gesetze des Expertenhandelns, handlungsleitende Regeln jenseits von Verordnungen, Deutungsmuster und Relevanzstruktu- ren (vgl. Meuser/Nagel 1994: 123).
Der Expertenstatus ist ein „soziales und methodisches Konstrukt“ (Deeke zitiert in A- bels/Behrens 1998: 81). Wer Experte ist, hängt somit von der jeweiligen Fragestellung ab. Allgemein kann gesagt werden, dass als Experte entweder interviewt wird, wer in irgendeiner Weise Verantwortung trägt für einen Entwurf, eine Implementierung oder die Kontrolle einer Problemlösung, oder aber wer über privilegierten Zugang zu Informationen über Persone n- gruppen oder Entscheidungsprozesse verfügt, die für die jeweilige Fragestellung relevant sind (vgl. Meuser/Nagel 1991: 443). Abels und Behrens (1998: 81) bezeichnen Experten darüber hinaus als in der Regel „gut ausgebildete und statusbewusste Personen, die es gewohnt sind, sich darzustellen, mit Fragesituationen umzugehen und komplexe Zusammenhänge darzule- gen“.
Experten-Interviews stellen eine spezifische Form qualitativer Interviews dar. Eigenheiten in der Gesprächsführung und in der Gesprächsauswertung – auf die in den folgenden Kapiteln aus führlicher eingegangen wird – zeichnen dieses Verfahren aus und unterscheiden es von anderen qualitativen Befragungsmethoden (vgl. Meuser/Nagel 1997: 482).
Die Spezifik des Experten-Interviews liegt in erster Linie im Zweck den das Verfahren für den Forscher hat. Es geht um Informationsgewinnung, darum, das bereits vorhandene Wissen zu vertiefen und besser interpretieren zu können. Im Gegensatz zu normalen Interviews ist nicht die Persönlichkeit des Interviewpartners von Interesse – es wird dementsprechend nicht nach individuellen Einstellungen oder dessen Biographie gefragt – sondern der organisatorische und institutionelle Zusammenhang in dem er agiert oder über den er aus anderen Gründen
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besonders gut informiert ist. Der Befragte wird also nicht als Person sondern als Repräsentant einer Organisation oder Institution angesprochen und soll allein als Informationslieferant fun- gieren (vgl. Schmid 1995: 310). In der Praxis erweist sich diese angestrebte Trennung jedoch als ein Ideal, dass nicht umgesetzt werden kann. Abels und Behrens (1998: 80 f.) machen deutlich, dass sich Experten-Interviews gerade dadurch auszeichnen, dass die Befragten im Interview in einer Doppelrolle präsent sind, nämlich einerseits als Professionelle und anderer- seits als Personen. Aus dieser Doppelrolle ergeben sich in jedem Gespräch Interaktionseffek- te, die mitunter starken Einfluss auf die Fülle und die Qualität der gewonnen Daten haben können.
Neben einem besonderem Erkenntnisinteresse und einer spezifischen Befragtengruppe weist auch der Gesprächsverlauf deutliche Unterschiede zu anderen Interviewformen auf. So basie- ren Experteninterviews vor allem auf einer Stellungnahme, die der Befragte zu einem vorge- gebenen Rahmenthema abgibt. Wenige stichpunktartige Thesen können genügen, um den Interviewpartner zu einer ausführlichen Beantwortung anzuregen ( vgl. Alemann; Mül- ler/Schmidt zitiert in Schmid 1995: 309 f.). Im Idealfall gelingt es dem Forscher, den Exper- ten für seine Sache zu interessieren, so dass der Experte seine Sicht der Dinge entfaltet. „Die- ser bedient sich der verschiedensten Darstellungsformen: er berichtet, typisiert, rekonstruiert, interpretiert, kommentiert und exemplifiziert“ (Meuser/Nagel zitiert in Schmid 1995: 295) Damit ist es der Befragte, der die Interviewsituation dominiert, den Bedeutungsrahmen struk- turiert und während des Gesprächs entsche idet, was wichtig ist und was nicht (vgl. Dexter zitiert in Abels/Behrens 1998: 80).
Auf der anderen Seite bringt diese Befragungstechnik auch für den Interviewer einen recht großen Spielraum mit sich. Im Normalfall wird die Befragung auf der Basis eines groben In- terviewleitfadens durchgeführt, mit dem der Forscher äußerst flexibel umgehen kann. Der Leitfaden garantiert lediglich, dass alle forschungsrelevanten Themen auch tatsächlich ange- sprochen werden, bzw. dass eine zumindest rudimentäre Vergleichbarkeit der Interviewer- gebnisse gewährleistet wird (vgl. Schnell/Hill/Esser 1999: 355). Ein wenig vorstrukturierter Leitfaden gibt dem Forscher die Möglichkeit, seine Themen im Gespräch so zu positionieren, dass ein natürlicher Interaktionsfluss nicht gestört wird. Im Gegensatz zu stärker standardi- sierten und strukturierten Befragungstechniken kann er besser auf den Befragten eingehen, spontan Fragen und Nachfragen formulieren und frei über deren Anordnung entscheiden. Aus dieser offenen Gesprächsführung ergeben sich zahlreiche Vorteile gegenüber standardi- sierten Befragungstechniken. Durch die Erweiterung von Antwortspielräumen kann der Be- zugsrahmen des Befragten bei der Fragenbeantwortung miterfasst werden, um so Einblicke in
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Matthias König, 2004, Experten-Interviews in der politikwissenschaftlichen Forschung - Theoretische Grundlagen und praktische Durchführung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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