Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Pädagogik als Grundsachverhalt 4
2.1. Was bedeutet Erziehung für die kindliche Entwicklung 4
3. Die Schwarze Pädagogik und ihr geschichtlicher Hintergrund 5
3.1. Die Epoche der Aufklärung 6
3.2. Über Jahrhunderte vererbter Aberglaube zum Thema Erziehung 7
4. Die Schwarze Pädagogik 8
4.1. Der psychologische Aspekt 9
5. Erziehungsmittel und ziele in der Schwarzen Pädagogik 9
5.1. Erziehungsmittel 9
5.1.1. Das Lob als Erziehungsmittel 10
5.1.2. Die Prügelstrafe 11
5.1.3. Die Stigmatisierung 11
5.1.4. Verwöhnen verzärteln und verziehen…………………………………….12
5.2. Erziehungsziele 13
5.2.1. Schuldgefühle verinnerlichen……………………………………………..13
5.2.2. Die Abwehr der Triebe 14
6. Folgen der Schwarzen Pädagogik 14
7. Antipädagogik ist keine Schwarze Pädagogik 15
8. Schlussbemerkung 16
Literaturverzeichnis……………………………………………………………………………..18
Eidesstattliche Erklärung 19
2
1. Einleitung
Unter dem Begriff der Schwarzen Pädagogik ist grundlegend eine Erziehungstheorie zu verstehen, die nie eine selbständige, allgemein verständliche Erziehungsform einer Gesellschaft darstellte. Wenn man sich mit den Erziehungsmittel n der Schwarzen Pädagogik beschäftigt, stellt man schnell fest, dass es sich dabei keineswegs um Erziehung in unserem heutigen Verständnis handelt. Vielmehr kommt sie einer Anleitung zur gezielten Drangsalierung von Kindern unter d em Decknamen der Erziehung nahe. Dennoch fallen darunter Erziehungsmethoden, mit denen unsere Groß- und Urgroßeltern in erhöhtem Maß aufwachsen mussten und es lässt sich nicht leugnen, dass auch unsere Generation, inwieweit auch immer, von schwarzen Erziehungsbräuchen geprägt ist. 1
Wesentliches Erziehungsziel in der Schwarzen Pädagogik ist der uneingeschränkte Gehorsam des Kindes gegenüber dem Erzieher. Der Erwachsene soll in den Augen der Kinder als vollkommen unfehlbar gelten, wobei den Kindern Boshaftigkeit, ständige Gefährdung und „Neigung zur Unart“ unterstellt wird.
Bereits Martin Luther hatte eine bestimmte Vorstellung von „Erziehung“. In seinem „Deutschem Katechismus“ 2 äußert er sich dazu mit den Worten: „Willst du nicht Vater und Mutter gehorchen und dich lassen ziehen, so gehorche dem Henker… gehorche dem Steckbein, das ist der Tod.“ 3
Das zu erziehende Kind sollte sich ohne beurteilendes Hinterfragen in die Ordnung der kirchlichen, politischen und sittenstrengen Wertvorstellung einfügen. Es galt den Willen des Kindes zu brechen und seine natürliche Neugier, auch in Bezug auf die Entdeckung seiner Sexualität, zu unterbinden. Nach den Erziehungsratschlägen der Schwarzen Pädagogik sollte das Kind ununterbrochen bewacht, überprüft und bloßgestellt werden. Das Kind wurde an moralischen Maßstäben gemessen, denen wahrscheinlich nicht einmal ein Erwachsener standhalten könnte.
Die folgenden Seiten möchte ich dazu nutzen einen Einblick darüber zu verschaffen, was unter der Erziehungsform der Schwarzen Pädagogik zu verstehen ist, welche Ziele sie verfolgte und welche Folgen sie mit sich brachte. Doch bevor ich näher auf diese Themen eingehe, erscheint es mir bedeutsam, zunächst einmal vorzustellen was Pädagogik bzw. Erziehung eigentlich ist und welche Rolle sie in der kin dlichen Entwicklung spielt. Des Weiteren werde ich einen 1 vgl. Miller, Alice: Am Anfang war Erziehung. 1983, S. 11 2 Lehrbuch für den christlichen Glaubensunterricht 3 Flittner: „Konrad sprach die Frau Mama…“, 1982, S. 15
3
Einblick in den geschichtlichen Hintergrund aufzeigen, in dem die Schwarze Pädagogik ihre Blütezeit erlebte, um möglicherweise ein besseres Verständnis für die erfolgreiche Verbreitung die ser Art der Pädagogik zu erwecken.
2. Pädagogik als Grundsachverhalt
Erziehung hat etwas mit der Einstellung, dem Verhalten und dem Verhältnis zwischen Erzieher und zu Erziehendem zu tun und bedeutet zunächst einma l, unabhängig jeglicher Erziehungsmethoden, Verantwortung für das Kind zu übernehmen. Der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen besteht darin, dass Erwachsene voll entwickelte menschliche Wesen sind, während Kinder dies erst noch werden müssen. Die Erziehung sollte das Kind während dieser Entwicklung angemessen begleiten. Erziehung ist also etwas anderes, behutsameres als die schwarze Pädagogik, in der ein zielstrebiges Eingreifen in die Welt der Kinder im Vordergrund steht, um dieses nach eigenen Vorstellungen zu formen.
2.1. Was bedeutet Erziehung für die kindliche Entwicklung?
Der Mensch wird Mensch durch die Interaktion, so drückt Mead es aus. Von dieser These ausgehend ist Erziehung eine Instanz, die dem Kind bei dem Prozess der Einordnung in die Gesellschaft und der damit verbundenen Übernahme gesellschaftlich geforderter Verhaltensweisen, zur Seite steht und stehen soll. Jedoch stellt Erziehung keine Regeln und Anweisungen bereit , mit denen ein gelingendes Leben oder das Gelingen der Erziehung selbst gewährleistet wird. Erziehung ist etwas Gegenseitiges, dass sich auf ein wertgerichtetes Handeln bezieht, also ein Handeln, dass zwar mit moralischen und logischen Grundsätzen verbunden ist, aber nicht rein von der Vernunft ausgeht.
4
3. Die Schwarze Pädagogik und ihr geschichtlicher Hintergrund
Die Geschichte der Kindheit ist ebenso eine Geschichte der Gewalt. Vom Altertum an bis in die Neuzeit waren Kinder Opfer grausamer Gewalt durch Erwachsene. Mit Peitschen und Stöcken wurde selbst auf kleinste Kinder eingeschlagen. 4 Körperliche Gewalt und das Züchtigen wurden als notwendig angesehen, so ist bereits in der Bibel ist zu lesen (Sirach 30,1): „Wer sein Kind lieb hat, der hält es stets unter der Rute, dass er hernach an ihm erlebe.“
Die Kindstötung galt bis zum 4. Jahrhundert nach Christus in Griechenland wie auch in Rom weder vor dem Gesetz noch in der öffentlichen Meinung als etwas Unrechtes. 5 Kinder wurden, entsprachen sie nicht den Vorstellungen der Eltern, ausgesetzt, vernachlässigt, misshandelt, verstümmelt oder getötet. 6 In Rom existierte das so genannte Zwölftafelgesetz, dass es verbot, missgebildete Kinder aufzuziehen, sie wurden getötet. 7 Besonders Mädchen und uneheliche Kinder beiden Geschlechts sind sehr häufig umgebracht worden, worauf die Tatsache hindeutet, dass im Jahr 800 nach Christus das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen bei 1,56 zu 1 und gut 500 Jahre später sogar bei 1,72 zu 1 jeweils zu Gunsten des männlichen Geschlechts lag. Das natürliche Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen beträgt etwa 1 zu 1. 8
Kleinkinder bis zu drei Jahren machten in Deutschland zwischen 1750 und 1800 etwa 30% aller Verstorbenen aus. Weit über die Hälfte davon starben im ersten Lebensjahr. Auch hier waren Mädchen zahlenmäßig deutlich überlegen. 9 Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden viele Babys in weiten Teilen Europas zu so genannten Säugeammen gegeben. Die meisten dieser Kinder überlebten das erste Lebensjahr nicht. 10 So starben in London beispielsweise im 19. Jahrhundert 80% der unehelichen Kinder, die in Pflege gegeben wurden. 11
Ein sehr großer Prozentsatz der Kinder, die vor dem 18. Jahrhundert geboren wurden waren „geschlagene Kinder“. 12 Gewalt in der Schule war die Regel und gehörte zur Tagesordnung.
4
vgl. Faltermeier, J.: Gewalt gegen Kinder. Blätter der Wohlfahrtspflege – Deutsche Zeitschrift für Sozialarbeit 6, 1992, S. 159
5
vgl. de Mause, L.: Hört ihr die Kinder. 1980, S. 47
6
vg. ebd., a.a.o.
7 vgl. Zenz, G.: Kindesmisshandlung und Kindesrechte. 1981, S. 21 8 vgl. de Mause, L.: Hört ihr die Kinder. 1980, S. 51 9 vgl. Johansen, E.: Betrogene Kinder. 1978, S. 55 10 vgl. de Mause, L.: Hört ihr die Kinder. 1980, S. 59 11 vgl. Kempe, R.S. & Kempe, C.H.: Kindesmisshandlungen. 1984, S. 11 12 vgl. de Mause, L.: Hört ihr die Kinder. 1980, S. 67
5
Arbeit zitieren:
Britta Brokate, 2005, Schwarze Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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