JOHANNES GUTENBERG-UNIVERSITÄT MAINZ
SS 1999
Thema:
Die Brücke von Remagen
Hauptseminar: Die Goebbels-Tagebücher 1945
von
Jörg Erdmann
Inhalt
1. Zielbestimmung 1
2. Die Ausgangssituation Anfang 1945 1
2.1 Der amerikanische Vormarsch 1
2.2 Die taktische Ausgangslage bei der Rheinbrücke von Remagen 2
3. Die Entwicklung bis zum 6. März 1945 4
3.1 Remagen unter der Verantwortlichkeit der 5. Panzerarmee 4
3.2 Remagen unter der Verantwortlichkeit des LXVII. Armeekorps 6
4. Die Eroberung der Brücke durch amerikanische Truppen 7
4.1 Der Vormarsch der amerikanischen Einheiten 7
4.2 Die Ereignisse an der Brücke 8
5. Die Sicherung des Brückenkopfes durch die Amerikaner und die deutschen Gegenmaßnahmen 9
6. Das ‘fliegende Standgericht’ 11
6.1 Einsetzung, Aufgaben und Organisation 11
6.2 Verhandlungen und Urteile des ‘fliegenden Standgerichts’ 12
7. Schlußbemerkung 15
8. Literaturverzeichnis 16
1. Zielbestimmung
Am 07. März 1945 gelang es den Amerikanern, die Remagener Ludendorff-Brücke unzerstört in ihre Hand zu bekommen. Durch die Eroberung der Brücke und die rasche Sicherung des so entstandenen rechtsrheinischen Brückenkopfes war ihnen der erste Übergang über den Rhein geglückt und damit - wie es General Eisenhower als erster zugab - der Sprung über ein „ernsthaftes militärisches und psychologisches Hindernis“1. Die Eroberung der Brücke selbst jedoch war die Folge einer Reihe von für die deutsche Seite unglücklichen Zufällen und Entwicklungen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine Rekonstruktion sowohl der Ereignisse, die zur Eroberung der Brücke führten, als auch ihrer Hintergründe und Folgen.
2. Die Ausgangssituation Anfang 1945
2.1 Der amerikanische Vormarsch
Nach erfolgreicher Abwehr der deutschen Ardennenoffensive verstärkten die alliierten Truppen unter der obersten Führung von General Dwight D. Eisenhower den Druck auf die noch westlich des Rheines stehenden deutschen Truppen. Ziel war zunächst eine völlige Zurückdrängung der Deutschen hinter die Rheingrenze; es wurden jedoch auch bereits Vorbereitungen für einen alliierten Rheinübergang getroffen2. Eisenhower selbst vertrat eine „Strategie der breiten Front“3 und überließ es seinen Heeresgruppenkommandanten, einen geeigneten Rheinübergang zu finden.
General Bradley, Kommandant der 12. US-Heeresgruppe, sah die geeignetsten Möglichkeiten für einen solchen Rheinübergang in den beiden Abschnitten Köln-Bonn bzw. Andernach-Koblenz. Entsprechend instruierte er General Hodges, mit seiner 1. US-Armee in Richtung Köln, Bonn, Sinzig und Koblenz vorzustoßen, dort die Rheinlinie von deutschen Kräften zu säubern, Widerstandsgebiete zu beseitigen und einen möglichen Rheinübergang zwischen Koblenz und Andernach zu erkunden4. Dem III. US-Korps dieser Armee unter Generalmajor John Millikin gelang es auch bald, die deutsche 15. Armee stark in Richtung Rhein zurückzudrängen und auf Bonn vorzustoßen. Das Gebiet des Raumes Remagen-Sinzig-Bad-Neuenahr unterlag dabei dem Vormarsch der 9. USPanzerdivision unter Generalmajor John W. Leonard5.
Remagen selbst war als möglicher Rheinübergang von den amerikanischen Generälen aufgrund seiner nachteiligen geographischen Lage - eingerahmt vom unzugänglichen Westerwald, mit beschränkter Verkehrsanbindung und ungünstigen Strömungsverhältnissen des Rheines - weitgehend ausgeschlossen worden6. General Bradley mit seiner 1. US-Armee sah deshalb auch bei seinem Vormarsch in diesen Raum seine vordringliche Aufgabe eher im Zurückdrängen der deutschen Kräfte hinter die Rheinlinie und dem eigenen Vorrücken zur weiter südlich kämpfenden 3. US-Armee, als in der Auffindung eines geeigneten Rheinüberganges7.
2.2 Die taktische Ausgangslage bei der Rheinbrücke von Remagen
Die zwischen 1916 und 1918 aus taktischen Gründen als zweigleisige Eisenbahnbrücke erbaute Ludendorff- Brücke bei Remagen verlief in etwa nord-südlicher Richtung mit einer Gesamtlänge von 325 m über den Rhein. Die auf beiden Stromseiten von gemauerten, fünfgeschossigen Turmpaaren flankierte Brücke bestand aus einer Stahlkonstruktion, die sich auf zwei Strompfeiler abstützte und auf der zu beiden Seiten Fußgängersteige angelegt worden waren. Die Eisenbahnstrecke mündete auf dem Ostufer in einen 383 m langen Tunnel, der mit einer Linkskrümmung durch das Felsmassiv ‘Erpeler Ley’ geführt wurde8.
Der Schutz der Brücke oblag seit 1943 der Pionierkompanie 12./Landespionier-Regiment 12 unter dem Komp.-Chef und Brückenkommandanten Hauptmann Carl Christian Friesenhahn. Die Aufgabe der Anfang 1945 zwischen 30 und 40 Mann umfassenden Pionierkompanie bestand vornehmlich in der pioniertechnischen Instandhaltung der Brücke und ihrer Sicherung gegen Sabotage und feindliche Angriffe. Vorgesetzte Dienststelle war das III. Batallion des Landespionierregimentes 12 unter Führung des Major August Kraft in Bendorf-Sayn9.
Seit dem Beginn der Invasion der Alliierten in der Normandie wurde die 12./Ld.Pi.Rgt. 12 durch eine sog. ‘Brückensicherungskompanie’ verstärkt, bestehend aus vorübergehend nicht kriegsverwendungsfähigen Angehörigen des Grenadier-Ersatz- und Ausbildungsbatallions 80, Koblenz10. Die Sicherungskompanie stand seit Ende 1944 unter der Führung von Hauptmann Willi Oskar Bratge und hatte Anfang März 1945 lt. Aussage ihres Kommandanten eine Ausrückstärke von 36 Mann11.
[....]
1 Chandler/Fisenne 1979, S. 972.
2 Zum Vormarsch der alliierten Truppen in Richtung Rhein vgl. bes. Chandler/Fisenne 1979, S. 972 bzw. Hechler 1993, S. 3-10.
3 Chandler/Fisenne 1979, S. 972.
4 Vgl. Chandler/Fisenne 1979, S. 972 f. bzw. MacDonald 1973, S. 208 f.
5 Vgl. zur taktischen Gliederung des III. US-Korps bes. Brüne/Weiler 1994, S. 98 f.
6 Daß dies auch weitgehend die Auffassung der deutschen Heeresleitung war, läßt sich Bratge/Michler 1955, S. 37 entnehmen.
7 Vgl. MacDonald 1973, S. 208.
8 Vgl. Brüne/Weiler 1994, S. 60 f.
9 Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 11 f. bzw. Brüne/Weiler 1994, S. 64 f.
10 Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 13 bzw. Brüne/Weiler 1994, S. 66.
11 Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 49.
Arbeit zitieren:
Jörg Erdmann, 1999, Die Brücke von Remagen, München, GRIN Verlag GmbH
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