Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 3
2. Zeitliche Einordnung 5
3. Inhalt und Zielrichtung des Gesetzes 7
4. Befürworter des Gesetzes 9
5. Gegner des Gesetzes 11
6. Gründe für das Scheitern und die Rolle Gladstones 14
7. Fazit und Ausblick 18
8. Anhang: Zeittafel 21
9. Anhang: Wahlergebnisse der Unterhauswahlen 1868 bis 1892 24
10. Literaturverzeichnis 27
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1. Einleitung
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem ersten Home Rule-Gesetz 1 Premierminister Gladstones 2 aus dem Jahre 1886. Die Home Rule-
Gesetzgebungund damit das Selbstbestimmungsrecht der Iren war ein wesentlicher Bestandteil Gladstonescher Politik. Es war ein, wenn nicht sogar der entscheidende Bestandteil zur Lösung der Irischen Frage. Bis es aber zu diesem ersten Gesetz kam war ein la nger, steiniger Weg zurückzulegen. Seit dem Act of Union 3 stand die
Irische Frage immer wieder, mal mehr mal weniger, mitunter auch mit Gewalt auf der Tagesordnung englischer Politik. Irische Nationalisten suchten sie zum Teil gewaltsam zu lösen und englische Politiker sahen mit und in ihr das Empire gefährdet. Ignoriert werden konnte die Irische Frage allerdings nicht, aber die Mittel die zur Lösung führten, waren mehr als umstritten. Innerparteiliche Gegner versuchten Gladstones Bemühungen zu unterlaufen, was schließlich zur Gründung einer neuen Partei und einer jahrzehntelangen Schwäche der Liberalen führte.
Letztendlich hatte dieses erste Home Rule-Gesetz sehr weit reichende Auswirkungen: auf die irische Nation, auf die irische Nationalbewegung, die britische Parteienlandschaft und schließlich die politische Zukunft Gladstones. Wenngleich es vorsah dem irischen Volk eine Selbstbestimmung zu geben, war hiermit allerdings keine Unabhängigkeit gemeint wie man sie später in der britischen Kolonialgeschichte erlebte.
Home Rule wird oftmals nur als ein exakt abgrenzbarer Teil irischer und englischer Geschichte betrachtet. Dies erweckt den Eindruck,
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als ob die Frage nach der Selbstbestimmung des irischen Volkes nur zu bestimmten Zeitpunkten, insbesondere in den Jahren 1886, 1893, 1913 oder während des wenig später stattfindenden Unabhängigkeitskrieges eine Rolle gespielt hätte. Dies kann aber verneint werden. 4 Vielmehr war Home Rule ein langer und nachwir-
kender Prozess, dessen Auswirkungen bis in die aktuelle Tagespolitik reichen. Letztendlich beruht der derzeitige Versuch einen gesicherten Frieden in Nordirland zu schaffen auf den Auswirkungen des im Jahre 1913 verabschiedeten und zum dritten Mal eingebrachten Home Rule-Gesetzes. Letztendlich ist ein wesentlicher Teil Ulsters weiterhin Bestandteil des Vereinigten Königreiches und damit wird auch die Vereinigung Irlands, in welcher Form auch immer, weiterhin auf der politischen Agenda stehen.
Im Rahmen dieser Hausarbeit ist insbesondere zu klä ren, warum sich das Parlament in Westminster überhaupt mit der Irischen Frage beschäftigen musste und welche Probleme es in Irland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab. Welchen Anteil konnte dabei das Home Rule-Gesetz zu einer Lösung beitragen? Welche Intention steckte hinter dem Gesetz und wie war es inhaltlich ausgestaltet? Wer befürwortete es, wer waren die Gegner und warum scheiterte schließlich im Jahre 1886 doch der erste Versuch den Iren ihre Selbstverwaltung wieder zu geben?
Diese Fragen sollen im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit be-handelt werden. Hierzu werde ich zunächst kurz auf die Geschichte der englischen Herrschaft in Irland und die inneririschen Verhältnisse seit dem Beginn der großen Hungerkatastrophe im Jahre 1845 eingehen, um mich dann näher mit dem Inhalt und der Zielrichtung des Gesetzes zu beschäftigen und dabei die o. a. Fragen zu be-antworten.
Es stellt sich die Frage, ob das Home Rule-Gesetz ein sinnvoller Schritt in Richtung des Selbstbestimmungsrecht Irlands war oder ob
das Voranpreschen Gladstones nicht eher kontraproduktiv war und so der Grundstein für das verstärkte Misstrauen der unionistische n Bevölkerungsteile gelegt w urde. Wäre die Selbstbestimmung schneller gekommen, wenn Gladstone im Jahre 1886 auf das überhastete Einbringen des Gesetzentwurfs verzichtet hätte? Eins ist sicherlich klar, das erste Home Rule-Gesetz hat seine Spuren hinterlassen. Warum die Irische Frage allerdings 1886 nicht gelöst werden konnte, soll ebenfalls nachfolgend dargestellt werden.
Meine Hausarbeit stützt sich dabei im Wesentlichen auf die Veröffentlichungen von James Camlin Beckett, Jürgen Elvert. Michael Maurer und Frank Otto, ergänzt durch die aktuellen Forschungen zu Home Rule durch Alvin Jackson.
2. Zeitliche Einordnung
Als 1800 der Act of Union das Ende der irischen Selbstständigkeit besiegelte, war noch nicht absehbar wie sich die irische Geschichte weiter entwickeln wird, und ob es jemals wieder zu einem unabhängigen irischen Staat kommen könnte.
Irland war im Jahre 1834, so wie in den Jahrhunderten zuvor, ein zutiefst katholisches Land. Es gab 80,9 % Katholiken, 8,1 % Presbyterianer und 10,7 % der Bevölkerung gehörten der Church of Ire-land an.
Die Volkszählung von 1861, deren Ergebnisse als recht genau gelten, zeigte keine wesentlichen Änderungen bei der Religionszugehörigkeit auf. Weiterhin bekannte sich demnach eine überragende Mehrheit der irischen Bevölkerung zum katholischen Glauben. Exakt waren 77,7 % Katholiken, 9 % Presbyterianer und 12 % Anglikaner. Nun konnte niemand mehr der Meinung sein, dass die angli-
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kanische Staatskirche jemals die Kirche des irischen Volkes würde. 5
Die Relation von Katholiken und Protestanten veränderte sich also insgesamt nur wenig. Die geringfügigen Veränderungen beruhten auf den Tatsachen, dass von Hunger, Krankheiten und Emigration stärker die Armen, die Gälischstämmigen und Katholiken betroffen waren. Ein weiterer Grund für die leichte Abnahme des katholischen Bevölkerungsanteils lag im Souperism. Bei dieser Armenspeisung erhielten irische Einwohner nur dann staatliche Suppe, wenn sie zur Staatskirche übertraten. 6
Nach der Hungerkatastrophe befand sich Irland im Zustand wirtschaftlicher und politischer Erschöpfung. Die irischen Widerstands-organisationen gegen die Union existierten nicht mehr , das „Junge Irland“ hatte sich aufgelöst und wurde kaum noch erkannt, niemand fand sich, der O´Conells 7 Platz hätte einnehmen können, Irland ver-
fügte über keine nationale Partei und die britische Regierung zudem über keine einheitliche Irlandpolitik.
Vierzig Jahre später, also in den 1880er-Jahren, hatte sich die Situation von Grund auf geändert. Parnell 8 war im Besitz einer Füh-
rungsposition, die ebenso eindeutig - wenn auch nicht so gesichert
- war wie die O´Connells, und er hatte eine geschlossene Gruppe von Abgeordneten hinter sich, die über 80 % aller Abgeordneten Ir-lands in London umfasste. 9
Trotz dieser starken politischen Repräsentation bestanden die eigentlichen Probleme in Irland über das Ende der 1870er-Jahre unverändert fort: Missernten und Hungersnot auf dem Lande vereint
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mit Auswirkungen der zunehmenden Industrialisierung und Mechanisierung vor allem in Großbritannien, welche die weniger entwickelten Gewerbe in Irland an den Rand des Ruins brachten.
Das Hauptthema in der irischen Geschichte während der Jahrhunderte englischer Dominanz war der Drang nach Selbstbestimmung. Die moderne Home Rule-Bewegung begann 1870 mit Isaac Butt. Dieser wandte sich mit seinem Programm hauptsächlich an die irische Mittelklasse. Die tiefe Krise in der Landwirtschaft begann 1873 und brachte die Home Rule-Bewegung voran. Parnell brachte auch die Arbeiter in der Landwirtschaft auf die Seite der Home Rule- Bewegung,ebenso wie dies bei der Fenier-Bewegung der Fall war. In dieser waren nur Wenige bereit Gewalt der Sache wegen anzuwenden. Selbst Parnell lehnte den Mord an zwei britischen Beamten im Dubliner Phoenix Park im Jahr 1882 ab.
Die Irische Frage stand demnach ganz oben auf der innenpolitischen englischen Agenda. Ihr Aufkommen und erste Schritte zur Lösung fallen größtenteils in die Amtszeit Premierminister William Ewart Gladstones, der vier Regierungen in den Jahren 1868 bis 1874, 1880 bis 1885, 1886 und 1892 bis 1894 vorstand.
3. Inhalt und Zielrichtung des Gesetzes
Premierminister William Ewart Gladstone versuchte, die Irische Frage durch das Home Rule-Gesetz zu lösen, welches er 1886 formell einbrachte.
Dieses Home Rule-Gesetz setzte voraus, dass die oberste Gesetzgebung für Irland auch weiterhin in Westminster verblieb. Dennoch konnte das irische Parlament weit reichende inländische Entscheidungen treffen. Zu den Entscheidungen die sich Westminster allerdings vorbehielt, und über die nach wie vor ein von London zu ernennender Lord Lieutenant an der Spitze der Dubliner Verwaltung
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Wilfried Pott, 2005, Das erste Home Rule-Gesetz Premierminister Gladstones und die Gründe für das Scheitern, Munich, GRIN Publishing GmbH
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