1) Einleitung S. 4
2) Ursprünge und Besonderheiten der kanadischen Föderation 2.1) Das „ethnische Mosaik“ Kanadas S.4
2.2) Die Entstehung der Föderation S.6
2.3) Die regionalen Unterschiede innerhalb des Föderalstaats S.8
2.4) Die „Pendelbewegung“ im kanadischen Föderalismus S.9
3) Die Institutionen des Kanadischen Föderalismus 3.1) Regierungsform S.9 3.2) Senat S.10 3.3) Unterhaus S.10 3.4) Parteien S.10 3.5) Kompetenzverteilung S.10
4) Hauptprobleme des Kanadischen Föderalismus 4.1) Sezessionsbewegungen der Québecer S.11
4.2) Ungleichheiten Zentrum-Aussenregionen S.12
4.3) Einbindung der Urbevö lkerung in den Staat S.12
5) Gründe für den Fortbestand der Kanadischen Föderation 5.1) Kanadische Identität
5.2) Mosaik -Vorstellung gegen Melting Pot S.15 5.3) Rechtliche Gründe S.17
5.4) Wirtschaftliche Absicherung S.18
6) Fazit S.18
Quellen S.21 Anhang S.22-24
3
1) Kanada wurde weltweit als dritter föderaler Staat, hinter den USA und der Schweiz, 1867 gegründet. Der Weg hin zum kanadischen Föderalismus, so wie wir ihn heute kennen, führt über viele Kompromisse und gescheiterte Versuche, eine multiethnische Nation in einem Staat zu einen. Föderalismus ist eine Staatsform, in der gerade multiethnische Krisen und Probleme auf demokratische Art und Weise organisiert und gemeistert werden können; eine Lösung für die Spannungen, die gerade in multiethnischen Staaten entstehen, bietet dieses System aber nicht. Man muss sich die Frage stellen, ob multiethnische Föderationen nur eine Station sind auf dem Weg hin zu einzelnen souveränen Staaten, ein Auseinanderfallen solcher heterogenen Föderationen also vorprogrammiert ist.
Auch Kanada hat mit einigen Problemen zu kämpfen, die Anlass geben könnten, den Fortbestand der kanadischen Föderation immer wieder in Frage zu stellen. Im Nachfolgenden soll die Entstehung der kanadischen Föderation mit den derzeitigen Institutionen beschrieben werden und die Probleme, mit denen sich die kanadische Regierung in Bezug auf die Föderation auseina ndersetzen muss, diskutiert werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Gegensätzen der französischen und englischen Sprachgemeinschaften und damit verbunden den Sezessionsbestrebungen der Québecer, den Ungleichheiten der Provinzen untereinander und auf dem Einfluss, den die USA als Wirtschaftsmacht und kultureller Trendsetter in der Welt auf den Nachbarn Kanada haben. Weiterhin soll ein Ausblick gegeben werden auf die Zukunft Kanadas als föderaler Staat und versucht werden zu analysieren, welche Faktoren für einen Fortbestand der kanadischen Föderation sprechen.
2.1) Die Zusammensetzung der Kanadischen Bevölkerung gleicht, im Gegensatz zum „Melting Pot“ der Amerikaner, eher einem Mosaik, in dem sich vier Hauptgruppen ausmachen lassen. Chronologisch gesehen bezüglich ihrer Einwanderung nach Nordamerika sind dies zum einen die Ureinwohner , dann die so genannten „Gründernationen“ der Anglo- und Frankokanadier; des weiteren die erst später eingewanderten europäischen Minderheiten sowie die „sichtbaren
4
Minderheiten“ aus Ländern der Dritten Welt und Asien, die zum Grossteil erst in den 70er Jahren nach Kanada gekommen sind.
Über viele Jahrtausende hinweg hatten die Ureinwohner (Indianer, Eskimos) den amerikanischen Kontinent mit ihrer Vielfalt an Kulturen alleine bewohnt. In der heutigen Zeit jedoch sind sie durch die Massen von Einwanderern nur noch auf eine kleine ethnische Minderheit reduziert worden und in eine extreme politische, ökonomische, soziale und kulturelle Randlage gedrängt worden. Eine Sonderrolle spielen die so genannten Métis, die auch zu den Ureinwohnern Kanadas gezählt werden 3 .
Die sowohl zahlenmäßig als auch politisch und kulturell dominanten Gruppen sind die Anglo- und Frankokanadier, die sich aufgrund der Kolonialisierung des heutigen Kanadas auch als „Gründernationen“ bezeichnen. Noch zu Beginn des 20ten Jahrhunderts stellten sie fast 90 Prozent der Bevölkerung Kanadas, seither geht ihr Anteil an der Bevölkerung aber stetig zurück. Der Grossteil der Kanadier kommt heutzutage aus Mischehen, nur ein gutes Drittel der Kanadier stammt noch aus rein britischen oder französischen Familien. Die dritte große Gruppe in der Kanadischen Gesellschaft, die europäischen Minderheiten, kamen in zwei großen Schüben ins Land. Einmal an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, um bei der Besiedlung des Westens zu helfen und dann kurz nach dem zweiten Weltkrieg, als man wegen der wachsenden Nachkriegswirtschaft Einwanderer benötigte.
Die „sichtbaren Minderheiten“ haben sich erst seit den 70er Jahren zu einem zahlenmäßig gewichtigen Teil des kanadischen Mosaiks entwickelt. Mit dem Inkrafttreten des neuen Einwanderungsgesetzes 1967, das auf einem so genannten „farbenblinden“ Punktesystem beruht und das die Einwanderungserlaubnis an individuelle Qualifikation bindet, kamen vermehrt auch Migranten aus Asien und der Dritten Welt nach Kanada.
3 Nachkommen aus früheren Verbindungen und Ehen von Europäern und Ureinwohnern; mit einer
besonderen Identität als Métis und einem spezifischen Rechtsstatus; überwiegend in den
Prärieprovinzen Westkanadas ansässig
5
2.2)
Mit der Entdeckung des amerikanische n Kontinents kamen die „Gründernationen“ in die Gegend des heutigen Kanadas und besiedelten das Land. Es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft zwischen den Kolonialmächten. 1759 schließlich musste Frankreich bei der Schlacht auf den Plains of Abraham kapitulieren, woraufhin „New France“ der britischen Krone unterstellt wurde. Die Bevölkerung dieser Kolonie entlang des Sankt-Lorenz-Stroms war mehrheitlich katholisch, sprach Französisch und bildete eine kulturell und ethnisch recht homogene Gruppe. Daher fiel es den Briten auch schwer, die französisch-stämmigen Siedler zu assimilieren. Von Seiten der Britischen Krone wurden mehrere Versuche unternommen, die verschiedenen politischen Interessen der beiden Volksgruppen in einem Staat zu einen. So wurde 1774 der „Québec Act“ erlassen, der Menschen französischer Herkunft das Recht zusprach, an der Kolonialverwaltung teilzuhaben. Bedingt durch den Unabhängigkeitskrieg in den heutigen USA, wanderten viele Siedler, die loyal zur britischen Krone standen, in die nördlicheren Provinzen ab. Der britische Bevölkerungsanteil wurde dadurch zahlenmäßig überlegen und es war schwer, die im „Québec Act“ versprochenen Rechte, zum Beispiel auf Beibehaltung des römisch -katholischen Glaubens, des französischen Rechtssystems, der französischen Sprache und die Sicherung des bis zur Niederlage besiedelten Gebiets, einzulösen. Daher kam es 1791 zum „Constitutional Act“, der die Provinz in Upper- (englischer Herkunft) und Lower- (französischer Herkunft) Canada, mit jeweils eigenen Verwaltungen teilte. Trotz der regionalen Trennung blieben die beiden Volksgruppen weiterhin im Streit. Die englischen Krone unternahm einen weiteren Versuch, die Kolonie zu befrieden: Lord Durham, ein radikaler Whig 4 , wurde als Governor General nach Kanada gesandt, um die Situation zu analysieren. Er legte seiner Regierung in Großbritannien einen Bericht über die Lage in der Kolonie vor. Seine Vorschläge führten schließlich 1841 zum „Act of Union“, der die Rechte der englisch-stämmigen Kanadier stärkte und den Frankokanadiern vorschrieb, sich an die britische Kultur anzupassen. Französisch wurde zum ersten Mal als offizielle Sprache verboten, das britische Rechtssystem des Common Law wurde in Lower-Canada, wo vorher
4 Aus den Whigs entstand nach 1832 die Liberale Partei Großbritanniens.
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Arbeit zitieren:
Laura Engel, 2003, Die kanadische Föderation - Zukunftsperspektiven für eine multiethnische Föderation, München, GRIN Verlag GmbH
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