Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 4
2. Alkoholabhängigkeit 5
2.1 ICD - 10. 6
2.2 Psychische und schädliche Erkrankungen. 7
3. Alkoholikerfamilien 7
3.1 Co - Abhängigkeit 8
4 Schädigungen und Risiken des Alkoholismus bei Kindern. 11
4.1 Epidemiologie 11
4.2 Physische, psychische und soziale Schäden. 11
5. Kinder und Jugendliche als Angehörige von suchtkranken Eltern(-teilen) 15
5.1 Erkennen gefährdeter Kinder 15
5.2 Kontakte mit dem Betroffenen / sonstigen Personen 15
5.3 Kindes Äußerungen beachten und Rollenmuster erkennen 18
5.3.1 Der Sündenbock 19
5.3.2 Das Maskottchen 20
5.3.3 Das Verlorenes Kind 20
5.3.4 Held, Heldin 21
6. Präventionsmöglichkeiten 22
7. Schlusswort 28
8. Quellen/Literaturangaben 31
9. Anhang: 2
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1 Einleitung
Alkoholabhängigkeit wird seit einigen Jahrzehnten als Krankheit anerkannt, erforscht und behandelt. Sowohl professionelle Bemühungen durch Mediziner, Soziologen, Psychologen etc. als auch Aktivitäten der Betroffenen selbst (insbesondere Selbsthilfegruppen und -organisationen) sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert.
Im Laufe der Zeit kam man zu der wichtigen Erkenntnis, dass in Bezug auf „Sucht” in der Regel nicht ein einzelnes, isoliertes Individuum „zur Behandlung ansteht”, sondern dass sich Abhängigkeit entwickelt, dass vielfache Ursachen hierfür maßgeblich sind und - vor allemdass die Menschen in der sozialen Umgebung des Süchtigen an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Suchtkrankheit mitwirken. Dies geschieht fast immer unwissentlich und sehr oft besonders dann, wenn sie selbst in hohem Maße unter der Krankheit des Betroffenen leiden und alles nur Menschenmögliche tun, um ihm (scheinbar) zu helfen. Mitbetroffene in diesem Sinne sind natürlich vor allem die jeweiligen (Ehe-) Partner der Abhängigen. Söhne und Töchter sowie Eltern oder andere enge Verwandte können hier angesprochen sein.
Der Fachbegriff für dies unbeabsichtigt suchtfördernde Verhalten lautet „Co-Abhängigkeit” oder „Co-Alkoholismus”. Der Erkenntnisgewinn bezüglich dieser Sachverhalte brachte wichtige Impulse in Bezug auf bessere Hilfe und Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Daher werden im weiteren Verlauf hierzu weitere nähere Erläuterungen zu dieser Problematik gegeben.
Hauptsächlich jedoch soll im Folgenden von einer Gruppe die Rede sein, die bislang in den Hintergrund trat: den Kindern aus Alkoholikerfamilien. Sie sind Mitbetroffene in besonderer Hinsicht. Einerseits verfügen auch sie nicht über die notwendigen Informationen und verhalten auch sie sich in der Regel auch unbewusst so, dass der süchtige Vater oder die süchtige Mutter in der Krankheit bleibt, keine Anstalten unternimmt, die Sucht zum Stillstand zu bringen. Andererseits sind die Kinder aber Opfer in doppeltem Sinn, denn sie sind sowohl körperlich unterlegen, als auch rechtlich höchstens beschränkt handlungsfähig und ganz allgemein mit weniger Möglichkeiten und Kompetenzen versehen als jeder erwachsene „Co”. Erst seit vergleichsweise wenigen Jahren hat sich die Forschung dieser Kinder angenommen. Ganz konkrete, praktische Einrichtungen, Hilfen und „Strategien zur Hilfe” fehlen bislang noch in hohem Maße.
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Kinder bewegen sich im öffentlichen Raum, sei es im Kindergarten, im Hort, der Schule, in offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen oder verschiedenen sonder-/sozialpädagogischen Einrichtungen. Vielfach wäre es möglich -früher und öfter als bisher- die von Sucht massiv mitbetroffenen Kinder zu erkennen und ihnen zu helfen.
Es gibt einige typische Verhaltensweisen und oft eingenommene Rollen von Kindern aus Alkoholikerfamilien, dasselbe gilt für den mitbetroffenen Partner und auch den Süchtigen selbst. In der Begegnung mit dem Kind, dem Partner, möglicherweise auch dem Betroffenen diese Rollen zu kennen, kann nicht nur hilfreich sein, oft ist es eine der Grundbedingungen für das rechtzeitige „In - Gang - Setzen” eines Hilfeprozesses. Hierzu sind zunächst einmal die entsprechenden Kenntnisse notwendig. Geklärt werden müssen also Begriffe und Sachverhalte wie „co-abhängiges Verhalten” und „typische Rollenmuster der Kinder”.
Es soll demnach im Folgenden zunächst noch einmal auf die Krankheit und auf das Verhalten des jeweils dem Süchtigen am nächsten stehenden Menschen eingegangen werden. Anschließend werden die Risiken und Schädigungen hinsichtlich der betroffenen Kinder näher geschildert. Schon hier wird deutlich werden, dass das vorliegende Thema ein wichtiges bleibt, mit dem zu beschäftigen es sich lohnt.
In der Folge soll dann einiges zum Thema “Prävention und Intervention in pädagogischen Einrichtungen” (wie Kindergärten, Horte, Schulen und in der offenen Kinder-/Jugendarbeit) gesagt werden, insbesondere zu den Voraussetzungen hierfür. Detaillierte Handlungspläne, Schilderungen entsprechender didaktischer Einheiten und Projekte, u.ä. können dagegen hier nicht gegeben werden, dies würde den Rahmen der Arbeit sprengen.
(Feuerlein,W.; ”Alkoholismus-Mißbrauch und Abhängigkeit", Stuttgart,1975. , Feuerlein,W.; Dittmar,F., “Wenn Alkohol zum Problem
wird”, TRIAS Stuttgart,3.Aufl.,1989. , Feuerlein,W.; Krasney,O., et al., “Alkoholismus”, DHS & BZgA/Achenbach Hamm,1991.)
2. Alkoholabhängigkeit
Alkoholabhängigkeit wird heute in der Fachliteratur als Synonym für die älteren Begriffe „Trunksucht“ und „Alkoholismus“ verwendet. Wegen der Mehrdeutigkeit des Begriffs „Sucht“ (z.B. auch Wassersucht oder Gelbsucht) empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1964, den Begriff aufzugeben, bzw. ihn durch Zusammenstellung mit der Nennung einer psychotropen Substanz - Alkohol - als stoffgebundene Abhängigkeit zu spezifizieren.
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2.1 ICD - 10
Die Alkoholabhängigkeit wird nach der diagnostischen Einteilung des ICD-10 der WHO oder der DSM IV der Amerikanischen Psychiatrischen Association (APA) beschrieben.
(Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)e.V., Suchtmedizinische Reihe Band 1,
Alkoholabhängigkeit, DHS INFO, 2003)
Im ICD 10 werden zehn verschiedene, alkoholbedingte Syndrome unterschieden. Lindenmeyer (Schizophrene Symptomatik, 1999) betont, dass diese Syndrome nicht gleichwertig sind, aber durchaus nebeneinander klassifiziert werden können. So findet man folgende alkoholbedingten Syndrome:
• F 10.0 Intoxikation ( aktueller Rauschzustand)
• F 10.1 Schädlicher Gebrauch,
• F 10.2 Abhängigkeitssyndrom,
• F 10.3 Entzugssyndrom( z.B. Tremor, Schweißausbrüche, Angst),
• F 10.4 Entzugssyndrom mit Delir,
• F 10.5 Psychotische Störung (z.B. Alkoholhalluzinose, alkoholische Paranoia),
• F 10.6 Alkoholbedingtes amnestisches Syndrom (z.B. Korsakow-Syndrom),
• F 10.7 Alkoholbedingter Restzustand (z.B. auch nach Abstinenz anhaltende Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung),
• F 10.8 Andere alkoholbedingte psychische Verhaltensstörungen,
• F 10.9 Nicht näher bezeichnete alkoholbedingte psychische Verhaltensstörung. Eine weitere Unterteilung des Alkoholabhängigkeitssyndroms sieht die fünfte Stelle des Klassifizierungsschemas des ICD 10 vor: Es reicht von gegenwärtig abstinent (aber in beschützender Umgebung) zu gegenwärtig abstinent (aber in der Handlung mit aversiven oder hemmenden Medikamenten) bis hin zu gegenwärtigem Alkoholkonsum (ständiger Alkoholkonsum bis zum episodischen Alkoholkonsum).
In der Fachliteratur unterscheidet man zwischen „schädlicher“ und „psychischer“ Alkoholabhängigkeit. (s.o)
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2.2 Psychische und schädliche Erkrankungen
Als psychische Erkrankung liegt Alkoholabhängigkeit bei einem
• oft starken, gelegentlich übermächtigen Wunsch, Alkohol zu konsumieren,
• bei einer Einengung des Denkens und der Interessen auf Alkoholkonsum sowie
• einer verminderten Kontrolle über getrunkene Mengen vor.
In der Regel leidet die psychisch erkrankte Person auch unter Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen, welche Ausdruck der körperlichen Abhängigkeit sind.
Als schädliche Erkrankung bezeichnet man einen Alkoholkonsum, der gemessen an seinen Folgen zu einer Gesundheitsschädigung führt. Dabei wird Alkohol gewohnheitsmäßig meist in größeren Mengen getrunken, damit seine positiven Wirkungen immer wieder erlebt werden können. Hier spricht man eher von einem Gebrauch/Missbrauch als von einer Abhängigkeit.
3. Alkoholikerfamilien
Unter den Begriff „Alkoholikerfamilien” lassen sich theoretisch recht verschiedene Familiensysteme einordnen. So könnten in größeren Familien durchaus auch die Großeltern abhängig sein. Denkbar wäre genauso, dass ein bereits erwachsenes Kind der Alkoholiker oder dass ein Elternteil (oder beide) Alkoholiker ist (bzw. sind). Nicht selten sind auch allein stehende Mütter von sich entwickelnder Alkoholsucht betroffen.
Obwohl sich hier Probleme der Vernachlässigung und Gefährdung des Kindes stark aufzeigen lassen, möchte ich mich auf Grund des Umfangs der Arbeit auf den wohl häufigsten Fall beziehen, nämlich, dass der Vater der Problemträger der Familie ist. In mehr oder weniger hohem Maße sollten aber viele der Aussagen übertragbar sein.
Die Rolle des Alkoholikers in seiner Familie wird im Krankheitsverlauf zunehmend von Einsamkeit geprägt. Entweder ist er von vornherein mehr oder weniger allein stehend im Familienverbund oder es trennen sich die engsten Bezugspersonen im Laufe der Zeit von ihm. In jedem Falle entsteht nach und nach ein immer größer werdender innerer Abstand zu den Mitmenschen: weder Zeit noch Lust ist vorhanden, sich mit diesen zu beschäftigen, möglicherweise stören sie ihn beim „Trinken“. Auch ist es oft der Fall, dass der Abhängige zunehmend weiß oder ahnt, dass er sich hier und dort, bei dieser und jener Gelegenheit wieder einmal “danebenbenommen” hat. So übergeht oder verdrängt man die Situation und meidet
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dann vorsorglich weitere Gelegenheiten ganz. Dieser Abstand, diese Isolation von der Außenwelt, den Freunden und Bekannten entsteht im Prinzip fast immer. Die Krankheit “Sucht” braucht - insbesondere beim Alkoholismus- oft viele Jahre, bis sie ein gravierendes Ausmaß erreicht hat. So leben viele Alkoholiker in Familien, die meist noch in “besseren Zeiten” gegründet wurden, sie haben demnach einen Ehepartner und gar nicht selten auch ein Kind oder mehrere. Diese Konstellationen bleiben häufig noch erstaunlich lange (nach außen hin) stabil. Grund hierfür ist, dass die jeweiligen Partner die Ehe und die Familie sehr lange aufrecht zu erhalten versuchen und dass sie dem Betroffenen, wenn auch oft auf ungeeignete Weise, zu helfen versuchen. Der Betroffene, der jeweilige Angehörige und eben auch die Kinder nehmen bei diesem Prozess Schaden.
Diese Tatsachen sollen nun näher erläutert und belegt werden, da die dabei vermittelten Kenntnisse grundlegend für eine verbesserte Hilfe, für die Kinder sind.
(Al-Anon, Familiengruppen; “Tatsachen über Alateen / Nr. 708”, Essen, © 1984., Bertling, A.A., “Wenn die Eltern trinken”, Verlag M.
Bögner - Kaufmann Berlin,1993.)
3.1 Co - Abhängigkeit
Die Situation der Familienmitglieder ist meistens durch ein Phänomen gekennzeichnet: Die Co - Abhängigkeit. Eine Zusammenstellung kurzer Definitionen stellt z.B. Bertling vor: “Die Begriffe, Co-Abhängigkeit und, Mitbetroffenheit sind auf alle die Menschen bezogen, die mit einem Abhängigen leben (Lebenspartner, Ehepartner, Kinder und weitere Angehörige) oder außerhalb des Familienlebens mit ihm Kontakt haben (Arbeitskollegen, Vorgesetzter, Arzt, Seelsorger, Therapeut und Freunde). Der Begriff der, Co-Abhängigkeit' wird sehr unterschiedlich definiert …“(Bertling, „Wenn die Eltern trinken“, S.24/25, 1993)
- R. Subby beschreibt die Co-Abhängigkeit' als ein „Lebensbewältigungs- und Problemlösungsmuster“. (Bertling, „Wenn die Eltern trinken“, S.24/25, 1993) Dies entsteht durch familienspezifische Regeln, die im sozialen System aufrechterhalten werden. Diese Regeln schränken ein gesundes Wachstum und konstruktive Veränderungen ein, was das Zusammenleben erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht.
- Die Co-Abhängigkeit definiert Cruse -Wegscheider als einen besonderen Zustand, der gezeichnet ist durch intensiven, besonderen Kontakt zu einem anderen Menschen und dessen Abhängigkeit. Durch diese oft emotionale, soziale oder körperliche Abhängigkeit kann der Zustand der anderen Person pathologisch werden, beziehungsweise kann die Person in ihren anderen Beziehungen gestört werden. (Bertling, „Wenn die Eltern trinken“,1993)
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- Währenddessen spricht Robin Norwood von „Co-Alkoholikern“. Sie ist der Meinung, dass
das Wort „Co-Alkoholiker“ sich auf Menschen bezieht, bei denen das Verhalten im Umgang mit anderen Menschen gestört ist, weil sie eine sehr enge Beziehung zu Personen hatten,die alkoholkrank waren. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Beziehung sie zu dem Alkoholiker standen. Es treten meist beim „Co-Alkoholiker“ bestimmte Gefühle und Verhaltensweisen auf. Dies könnte von einem niedrigen Selbstwertgefühl oder einem Bedürfnis, gebraucht zu werden, bis hin zu einem starken Verlangen danach, andere zu verändern und zu kontrollieren reichen; auch eine erhöhte Leidensbereitschaft ist möglich. (Bertling, „Wenn die Eltern trinken“, 1993)
Mit diesen Ansätzen zur Begriffsbestimmung ist schon vieles deutlich geworden. Anders als Bertling sehe ich keine Probleme darin, diese Definitionen nebeneinander stehen zu lassen. Ausdrückliche Widersprüche finden sich nicht, im Gegenteil werden die unterschiedlichen Facetten des Begriffs recht gut dargestellt.
Um das Verhalten der „Co-Abhängigen“ kurz zu beschreiben, sei gesagt, dass sie aus einem Mitgefühl gegenüber dem Abhängigen heraus sich sorgen und dem Abhängigen helfen wollen. Sie verbünden sich mit ihm, indem sie seine Abhängigkeit vor sich selbst und vor anderen Personen leugnen, den Abhängigen in Schutz nehmen, ihn für sein Verhalten entschuldigen, ihm jede Verantwortung abnehmen, um sie sich selbst aufzubürden und sich als ,,Verräter" fühlen, wenn sie die Abhängigkeit eines ihnen nahe stehenden oder gut bekannten Menschen gegenüber sich selbst und anderen Menschen preisgeben.
(Bertling, „Wenn die Eltern trinken“,1993, S.24/25)
In der co-abhängigen Rolle befinden sich zwar zum Teil auch die Kinder selbst, insbesondere nimmt diese aber der gesunde Elternteil ein, der die Kinder zu Hause und schulisch betreut. Seine Situation und seine Verhaltensmuster müssen den pädagogischen Einrichtungen ebenfalls bekannt sein, wenn Hilfe in einer Form angeboten werden soll, die für diesen Mitbetroffenen auch wirklich annehmbar ist. (Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe, Co - Abhängigkeit erkennen) Eine inhaltlich nähere Erklärung für die Beziehungskonstellationen im Rahmen der „Co-Abhängigkeit“ bietet eine Einteilung in sich entwickelnden Phasen, wie sie Schmieder darstellt:
1. die Beschützer- oder Erklärungsphase,
2. die Kontrollphase,
3. die Anklagephase
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Arbeit zitieren:
Markus Wohlleber, 2005, Sozialisation und Entwicklung der Kinder von alkoholabhängigen Eltern, München, GRIN Verlag GmbH
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