Inhalt
Einleitung 3
Die Ursprünge des jiddischen Liedes die Musik der Chassidim 4
Das jiddische Lied 6
Einbindung der Musik in das Theater in Rumänien 9
Komponisten und Dichter jiddischer Lieder 12
Abraham Goldfaden 12
Itzik Manger 15
Mordechaj Gebirtig 18
Nachwort 21
Literatur 22
Glossar 23
2 Anhang 4
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Einleitung
Das jiddische Lied und die Klezmer-Musik üben einen besonderen Reiz aus, der gerade in der heutigen Zeit sehr stark wirkt. Viele Menschen fühlen sich fasziniert angezogen von der Melodie und Harmonik, die dieser Musik zugrunde liegt.
Aber was ist das Besondere an diesen Harmonien und Melodien? Was reizt uns daran? Diesem Phänomen soll mit dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden. Neben einer analytischen Betrachtung der harmonischen und melodischen Strukturen werden die geschichtlichen und sozialen Ursprünge des jiddischen Liedes, die im Chassidismus und in der jüdischen Erziehung liegen, dargestellt. Des weiteren soll versucht werden, durch Beschreibung einiger Lieder (im Anhang auch als Noten zu finden) und biographischer Notizen zu einigen bedeutenden Schöpfern jiddischer Musik, diese bekannter zu machen. In seiner Einfachheit und stets überschaubarer Struktur (jiddische Lieder sind ohne Noten schnell lernbar und meist einfach und in beliebiger Besetzung zu begleiten) bemüht sich das jiddische Lied um die Vermittlung von Bildern und Szenen aus dem jüdischen Alltag. Ähnlich wie in den deutschen Volksliedern tragen die vertonten Texte immer eine Moral, die durch das häufige Singen das Volk erziehen soll. Das faszinierende an dem jüdischen Humor ist die Fähigkeit, in tiefster Not über das eigene Leid zu lachen, um in der Fröhlichkeit die Trauer zu überwinden. Dies stellt – besonders im Bewusstsein des zweiten Weltkriegs – das jiddische Lied und das jiddische Theater in ein besonderes Licht.
Somit bekommt das jiddische Lied für unsere Zeit eine immer aktuellere Bedeutung und Wichtigkeit. Durch seine Verbreitung gelangt man zu einem besseren Verständnis der jüdischen Tradition und Denkweise. Darüber hinaus erzieht sie – mehr denn je – den Sänger wie den Zuhörer durch seinen Charme zu einer gelassenen Lebenshaltung.
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Die Ursprünge des jiddischen Liedes – die Musik der Chassidim
Das Lesen und Studieren der Tora und des Talmud spielten im traditionellen Judentum eine große Rolle bzw. die Hauptrolle für einen gläubigen Juden. Jedoch wandten sich Ende des 18.Jhdts. v.a. die weniger gebildeten Juden einer neuen Bewegung zu – dem Chassidismus, der das Gebet in den Mittelpunkt stellte und als wichtiges Gerüst auch Gesang und Musik in den Dialog mit Gott nahm. Bis dahin diente Musik nur der Vermittlung heiliger Texte. Und Texte zur jüdischen Musik existierten erst ab dem 16ten Jahrhundert. Instrumentale Musik war in der Synagoge verboten. 1
Im Chassidismus wurden auch Tanz und Körperbewegungen, wie sich vor und zurück wiegen und Händeklatschen als wichtig erachtet. 2 Die Anhänger des Chassidismus sprachen mit den Gelehrten nicht hebräisch, sondern jiddisch, weil ihnen das Hebräische fremd war. 3 Um nicht nur das Gebet der breiten Masse zugänglich zu machen, übersetzte man auch die Legenden der Wunderrabbis ins Jiddische. Angeleitet wurde die chassidische Bewegung von Israel ben Elieser (1700-1760), auch Ba’al Schem Tow genannt; sie breitete sich rasch in den osteuropäischen Ländern aus. 4
Abbildung 1 Frankl, Topsy, Wenn der Rabbi singt, Jiddische Lieder, Gütersloh 1996; S.45 Abbildung 2: Lilienfeld, Francois, o.J. Deckblatt, Pan-Verlag
1 Bauer, Susan: Von der Khupe zum Klezkamp. Klezmer-Musik in New York, Berlin 1999 2 Vgl. S.76/77 in Ottens, Rita; Rubin, Joel, Klezmer-Musik, Kassel 1999 (im Folgenden: Klezmer-Musik) 3 Akademie der Künste Berlin (Hrsg.), Alexander Granach und das Jiddische Theater des Ostens, 1971 4 Klezmer-Musik S.77
4
Dagegen stand der Rabbinismus, der sich hauptsächlich im Baltikum ausbreitete und mit einer strengen Talmud-Gelehrtheit das Jiddische vollkommen ablehnte. Sie beriefen sich dabei auf Moses Mendelssohn, der Jiddisch als „Kauderwelsch, als missratenes Deutsch“ 5 bezeichnet hatte. Doch weil Jiddisch so weit verbreitet war fingen die Misnagdim (Hebräisch für „Opponenten“) an ihre Bücher in Jiddisch zu schreiben, damit sie verstanden wurden und man fertigte sogar Übersetzungen wichtiger Bücher aus dem Hebräischen ins Jiddische an. Oft wurde in der jiddischen Literatur in der Zeit Selbstkritik geübt. Das Leben in der Gemeinde wurde geschildert, die Missstände aufs Korn genommen und versucht, diese durch einen pädagogischen Fingerzeig in der Literatur zu ändern.
5 Akademie der Künste Berlin (Hrsg.), Alexander Granach und das Jiddische Theater des Ostens, 1971; S.135
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Das jiddische Lied
Die jiddische Musik hat ihre Wurzeln in der Musik, die in der Synagoge gesungen wird. Es gibt verschiedene Skalen, die der Klezmer-Musik zugeordnet sind. Sie benennen sich nach den Gebetsanfängen der Synagoge und werden in ihrer Einteilung zurückgeführt auf den Wiener Hasan Josef Singer (Illinik, Ungarn, 1841- Wien, 1911 6 ), der sie 1886 erstmalig zusammengefasst und beschrieben hat. 7 Hier sei zuerst auf seine Darstellung der 6 Modi eingegangen.
Der erste „Schtejger“ oder (Modus, auch „Gustn“ genannt) heißt bei ihm „Adoschem Malach“, was so viel heißt wie „Der Herr regiert“. Er ähnelt dem mixolydischen Modus, eine Dur-Tonleiter mit erniedrigter 7. Tonstufe.
Abbildung 3: Adoschem Malach Schtejger 8
„Magen Avoth“ (Der Schutz unserer Vorfahren) heißt der nun folgende Schtejger. Er ist einer der ältesten synagogalen Modi und ähnelt dem natürlichen Moll. Er wird in Liedern und Weisen zum Thema Begrüßung und Abschied eingesetzt.
Abbildung 4: Magen Avoth Schtejger
Der am weitesten verbreitete Modus ist der „Ahava Rabah-Schtejger“, was so viel heißt wie „Modus der großen Liebe (Gottes)“. Er heißt im allgemein üblichen Sprachgebrauch der Klezmorim auch „Frejgisch“, was man mit „Phrygisch“ übersetzen könnte, doch funktioniert Frejgisch noch anders: Es hat im Gegensatz zum normalen „Ahava Rabah-Schtejger“ nur manchmal einen Halbtonschritt zwischen der 1.und 2. Tonstufe, dafür aber einen übermäßigen Sekundschritt zwischen der 2.und 3.Tonstufe.
6 Horowitz, Josh, The Main Klezmer Modes, Jewish Mailing List 1999 in:
http://www.klezmershack.com/articles/horowitz/horowitz.klezmodes.html#submode
7 vgl. MGG Bd. 07, S. 243 ff. (c) Bärenreiter-Verlag 1986
6
Abbildung 5: Ahava Rabah Schtejger
„Av Harahanim-„ oder auch „Mi Sheberach Schtejger“ wird auch als „Ukrainische Moll- Skala“ bezeichnet. Sie ähnelt unserer Dorischen Skala und wurde früher oft mit dieser verwechselt. Das Besondere hier ist, dass ihre 4. Stufe erhöht sein kann. Auch die 7. Stufe kann erhöht sein, meist wird dann aber gleichzeitig die 6. Stufe herunter gesetzt. Die „Ukrainische Moll-Skala“ findet man sehr häufig in der Klezmer-Musik an.
Abbildung 6: Av Harahanim Schtejger
Der „Jischthabah Schtejger“ ist verwandt mit dem „Magen Avoth Schtejger“, der oft die gleichen melodischen Kadenzen verwendet. Weiterhin ist er charakterisiert durch zeitweiliges Erniedrigen der 2. und 5. Stufe.
Abbildung 7: Jischthabah Schtejger
Zu dem 6. Schtejger „J’kum Purkan“ gibt es am wenigsten Informationen. Er hat wenig Besonderheiten mit seiner Dur-Skala und der erniedrigten 7. Stufe.
Abbildung 8: J'kum Purkan Schtejger
8 HS: Halbschluss, GS: Ganzschluss
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Arbeit zitieren:
Friederike v. Moellendorff, 2005, Das Jiddische Lied, München, GRIN Verlag GmbH
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