- I -
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Gang der Untersuchung 2
2 Begriffliche Grundlagen 2
2.1 Neoklassik und Transaktionskostentheorie 2
2.2 Soziale Einbettung und soziale Netzwerke 4
3 Rolle und Relevanz sozialer Beziehungen in der Wirtschaft 6
3.1 Soziale Einbettung auf individueller Ebene 7
3.2 Soziale Einbettung auf Firmenebene 7
3.2.1 Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg 7
3.2.2 Preisbildung in sozialen Netzwerken 9
4 Chancen und Risiken von sozialen Netzwerken 10
4.1 Grenzen der sozialen Einbettung 11
4.2 Optimale Netzwerkstruktur 11
5 Zusammenfassung und Ausblick 12
L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 1 3
- 1 - 1Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
In den letzten zwei Jahrzehnten sind Soziologen und Ökonomen zu der Erkenntnis gelangt, dass die Soziologie weitreichende Einblicke in die Analyse wirtschaftlichen Handelns bieten kann. So zählt das Konzept der sozialen Einbettung mittlerweile zum festen Bestandteil der Soziologie. Mitunter spricht man auch von der sogenannten „neuen Wirtschaftssoziologie“ 1 . Wirtschaftssoziologen haben nachgewiesen, dass ökonomisches Handeln von sozialen Beziehungen und Strukturen beeinflusst wird, in welche die Akteure eingebettet sind. Diese Perspektive wurde in der Neoklassik und der Transaktionskostentheorie fast vollkommen vernachlässigt. Anhand des Konzeptes der sozialen Einbettung ist es möglich, bisher unerklärbare Phänomene der Neoklassik und der Transaktionskostentheorie plausibel zu erläutern. So greifen Firmen zum Beispiel sehr oft auf bewährte Verkaufsmuster zurück und bestellen kontinuierlich bei bevorzugten Lieferanten 2 , auch wenn diese Handelsweise nicht die profitabelste ist und damit auch nicht als streng rationale Entscheidung im Sinne der Neoklassik angesehen werden kann. Eine zufriedenstellende Erklärung für diese Beobachtung kann dagegen die Perspektive der strukturellen Einbettung 3 liefern. Heutzutage bietet die strukturelle Einbettung die Grundlage für eine Fülle von Untersuchungen und Studien. Problematisch dabei ist, auf welchen Ebenen von wirtschaftlichen Beziehungen soziale Strukturen ein Rolle spielen und inwiefern diese Beziehungen das Wirtschaftsleben überhaupt beeinflussen. Auf der einen Seite vertreten manche Ökonomen weiterhin die Ansicht, dass soziale Beziehungen nur einen geringen oder gar keinen wirtschaftlichen Einfluss ausüben. 4 Auf der anderen Seite sind Ökonomen der Meinung, dass wirtschaftliches Handeln nur durch die Betrachtung von sozialen Beziehungen vollkommen verstanden und erklärt werden kann. 5 Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss und die Auswirkungen von sozialen Beziehungen für die Unternehmung zu untersuchen und die Signifikanz dieser Beziehungen für das Wirtschaftsleben aufzuzeigen, wobei auch ihre Grenzen kritisch betrachtet werden sollen.
1 SWEDBERG (1990), S. 96.
2 Vgl. GRANOVETTER (1985), S. 192.
3 Die Begriffe soziale Einbettung und strukturelle Einbettung werden synonym verwendet.
4 Vgl. PETERSON / RAJAN (1994), S. 35.
5 Vgl. GRANOVETTER (1985), S. 201 f.
- 2 - 1.2Gang der Untersuchung
Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf sozialen Strukturen, in welche ökonomisches Handeln eingebettet ist. In Kapitel 2.1 werden die wesentlichen Grundlagen der Neoklassik und Transaktionskostentheorie erläutert, um anschließend in Kapitel 2.2 die essenziellen Unterschiede zum Konzept der sozialen Einbettung verständlicher darstellen zu können. Des Weiteren wird in diesem Kapitel näher auf die soziale Einbettung an sich eingegangen und dargelegt, wie soziale Netzwerke entstehen, um die Basis für das weitere Verständnis der Arbeit und die Bedeutung von sozialen Strukturen in der Ökonomie zu legen.
Der Schwerpunkt in Kapitel 3 liegt darauf, wo und inwiefern soziale Beziehungen in der Wirtschaft eine Rolle spielen können. Dabei wird zunächst in Kapitel 3.1 sehr kurz auf deren Auswirkungen auf persönlicher Ebene eingegangen. In Kapitel 3.2 werden dann die Einflüsse und Konsequenzen sozialer Beziehungen auf Unternehmensebene thematisiert. Zusammen sollen die beiden Kapitel die Praxisrelevanz von sozialen Beziehungen auf verschiedenen Ebenen in der Wirtschaft verdeutlichen, wobei der Schwerpunkt dieser Arbeit auf den Konsequenzen auf der Firmenebene liegt. In Kapitel 4 wird daraufhin untersucht, wie man soziale Beziehungen für das wirtschaftliche Handeln nutzen kann. Dazu wird in Kapitel 4.1 erläutert, bis zu welchem Grad die soziale Einbettung vorteilhaft für das wirtschaftliche Handeln ist und wann sich soziale Beziehungen negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirken können. Darauf basierend wird in Kapitel 4.2 erläutert, wie soziale Beziehungen möglichst optimal genutzt werden können und der größtmögliche wirtschaftliche Erfolg erzielt werden kann.
Abschließend erfolgt in Kapitel 5 eine kurze Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse.
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Neoklassik und Transaktionskostentheorie
Die Neoklassik ging Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts aus der Klassischen Wirtschaftstheorie hervor. Sie besagt unter anderem., dass sich aufgrund von Selbstheilungskräften des Marktes stets ein dauerhaftes Gleichgewicht [zwischen
- 3 -Angebot und Nachfrage] einstellt 6 und der Markt somit als stabil angesehen werden kann. Leitbild der Neoklassik ist der sogenannte „homo oeconomicus“ 7 , der nur darauf bedacht ist, seinen persönlichen Nutzen aufgrund von streng rationalen Überlegungen und Handlungen zu maximieren. Die Neoklassik ist als makroökonomische Theorie anzusehen, betrachtet also die ökonomischen Zusammenhänge aus einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive.
Im Gegensatz dazu beleuchtet die Transaktionskostentheorie das Wirtschaftsgeschehen aus der Mikro-Perspektive bzw. aus dem Fokus des Unternehmens. Ein wesentlicher Punkt der Transaktionskostentheorie ist, dass bei jeder Benutzung des Marktes, zum Beispiel beim Kauf oder Verkauf von Gütern, sogenannte Transaktionskosten anfallen 8 . Unter Transaktionskosten versteht man unter anderem Abwicklungskosten wie Maklercourtagen oder auch die Kosten, die bei der Beschaffung von Informationen anfallen.
Der Hauptgedanke der Transaktionskostentheorie ist es demzufolge, eine größtmögliche Effizienz von Transaktionen zu erreichen. Transaktionen sind dann effizient, wenn sie von Unternehmen so organisiert werden, dass sie im Vergleich zu anderen Vertragsformen die geringsten Transaktionskosten aufweisen. 9 In der Transaktionskostentheorie werden bestimmte Annahmen getroffen, zum Beispiel wird von begrenzter Rationalität 10 der handelnden Personen ausgegangen. Das bedeutet, dass ein Individuum nicht die kognitiven Fähigkeiten besitzt, alle relevanten Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Ein Wirtschaftssubjekt ist also nie in der Lage, auf der Basis von vollständigen Informationen gänzlich rationale Entscheidungen zu treffen.
Eine weitere Annahme in der Transaktionskostentheorie ist, dass Individuen opportunistisch handeln. 11 Das heißt, dass Wirtschaftssubjekte ständig versuchen, ihre eigenen Interessen zu verwirklichen und Entscheidungen auch dann getroffen werden, wenn andere Parteien durch sie benachteiligt oder geschädigt werden können. Anreize zu opportunistischem Verhalten entstehen zum Beispiel bei Informationsasymmetrien zwischen den Parteien, also wenn eine Partei über bessere Informationen verfügt als die
6 Vgl. WOHLTMANN (2000), S. 14.
7 Siehe SPRANGER (1922), S. 130-148 für eine detaillierte Beschreibung des homo oeconomicus.
8 Vgl. COASE (1937), S. 390.
9 Vgl. WILLIAMSON (1985), S. 22.
10 SIMON (1957), S. 199, führte als erster den Begriff der begrenzten Rationalität ein; siehe auch
WILLIAMSON (1981), S. 553.
11 Vgl. WILLIAMSON (1985), S. 47-50.
Arbeit zitieren:
Roman Jan Surowiecki, 2005, Die soziale Einbettung wirtschaftlichen Handelns, München, GRIN Verlag GmbH
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