Gliederung:
Einleitung : 3
Strukturaufbau von Kants Werk 3
Kants Bestimmung des höchsten Gutes 4
Der bedingte Wert der Glücks- und Naturgaben. 6
Schon das bloße Wollen zählt 9
Kants Haltung zu den Konsequenzen einer Handlung 9
Die Telosbestimmung in Kants Werk 12
Pflichtbegriff und Entwicklung des kategorischen Imperativs 18
Zusammenfassung 20
Literaturangabe : 21
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„Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer der selben zu denken
möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein der gute
Wille“(GMS 28,1-3) Einleitung:
Mit diesen Worten wird der erste Abschnitt der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“(GMS) eingeleitet. In meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem guten Willen in Kants Werk beschäftigen. Dazu möchte ich Leitfragen, wie zum Beispiel welche Bedeutung Kant dem guten Willen beimißt, wie er über Tugenden oder die Glückseligkeit urteilt und wie sich der gute Wille dazu verhält, klären. Außerdem möchte ich aufzeigen, wie Kant über den guten Willen und dessen näherer Erläuterung durch den Pflichtbegriff, zum Aufbau des ersten kategorischen Imperativ kommt. Um diese und andere Leitfragen aufzulösen, werde ich Schöneckers und Allens Kommentar(KSA) zur GMS benutzen und mich zudem an Höffes kooperativen Kommentar(KKH) über Kants Arbeit halten. Auffällig ist, dass Kant eine Behauptung aufstellt, die, ohne dass sie begründet wird, Ausgangspunkt für seine weiteren Ausführungen ist. Dem Leser bleibt nur die eine Möglichkeit, diese Ansicht zu teilen, will er dem Gedankengang des Autoren weiterhin folgen. Nur wenn er mit dem Philosophen und dessen Blick übereinstimmt, ergeben die weiteren Argumentationsschritte einen Sinn. Wird jedoch Kants Aussage in Frage gestellt oder gar abgelehnt, so kann der Leser seine Lektüre bereits an dieser Stelle abbrechen und zur Seite legen, denn die folgenden Schritte ergeben sich aus diesem Fundament und werden ihn so niemals ohne logische Brüche überzeugen können. Dem Leser, der sich davon nicht abschrecken läßt, bieten sich nun zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten dieser Eingangsformulierung.
Strukturaufbau von Kants Werk
Der Aufbau, der des an sich guten Willen betreffenden Passagen ist relativ gut zu erkennen, so dass schnell klar wird, das Kant diesen Abschnitt in zwei Hauptteile splittet. Zunächst zeigt Kant, dass Natur- und Glücksgaben nur als eingeschränkt wertvoll erachtet werden können.(GMS 28;5-29;23) Außerdem stellt er die Behauptung auf, dass weder Tauglichkeit noch Wirkung für den Wert des guten Willen eine große Rolle spielen.(GMS 29;24-30;14) Den zweiten Teil zum Willensbegriff bildet das teleologische Argument, was den Nachweis
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erbringen soll das die Vernunft nicht Glückseligkeit, sondern den guten Willen hervorbringen soll.(GMS 30;15-33;21) Als drittes zeichnet er den Übergang vom guten Willen zum Begriff der Pflicht auf und führt danach zur ersten Definition des kategorischen Imperativs hin. Diesen dritten Teil werde ich aber nur überblicksmäßig beschreiben.
Kants Bestimmung des höchsten Gutes
Als Grundfrage im ersten Teil seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten stellt sich Kant, was wir als moralisch uneingeschränkt gut verstehen und worauf wir uns beziehen, wenn wir etwas als moralisch gut oder böse betrachten, wobei „gut“, bei Kant, im Sinne von wertvoll zu verstehen ist. Mit der Ausgangsthese, dass als uneingeschränkt gut nur ein guter Wille zu denken möglich ist, stellt sich Kant bewußt in den Problemzusammenhang der ethischen Prinzipienlehre, wie er in der Antike mit ihrer Diskussion des höchsten Gutes vorgezeichnet wurde und beschreibt somit den Zustand der Dinge, der von Menschen vernünftiger Weise um seiner selbst wegen und alles andere seinetwillen erstrebt, geschätzt und gebilligt wird. Anders formuliert, Dinge die wir immer und unter allen Umständen für moralisch gut und damit für lobenswert halten. Doch im Unterschied zur Antike geht es Kant primär um die Antwort auf die Frage nach der Moralität des Erkenntnismittels, worin der Wert an und für sich als Beurteilungsmittel selbst besteht. Sekundär geht es ihm, laut Forschner, wodurch man zur Bonität, zur Güte bewegt wird.(KKH 68) Kant kreuzt dabei die spezifisch Antike mit der vermeintlich spezifisch neuzeitlichen Fragestellung. Bei seiner Ausgangsthese will Kant, laut Schönecker und Allen (KSA 40;20f), n icht sagen, grundsätzlich alle Güter seien nur in Abhängigkeit zu einem guten Willen wertvoll, da es auch moralisch gleichgültige Handlungsschemen gibt, in denen etwas für etwas anderes uneingeschränkt gut sein kann. Kants These dabei ist, dass sie in moralischer Hinsicht keinen unbedingten Wert haben. Mit dieser Sicht auf die Dinge behauptet Kant, die Natur- und Glücksgaben seien „ohne Zweifel in mancher Absicht gut und wünschenswert“(GMS 28;12-13), also sagt er damit nicht, dass sie nur dann lobenswert sind, wenn sie mit einem moralisch guten Willen verknüpft werden. Erst wenn man gut als moralisch gut oder absolut wertvoll interpretiert, stimmt diese These. Daher will Kant auch keineswegs sagen, der gute Wille an sich sei nur gut. Kants Behauptung ist nic ht, dass die Naturgaben und besonders die Glückseligkeit keinen Wert an sich haben. Ausdrücklich sagt er sogar, dass wir „nach einer Naturnotwendigkeit“(GMS 60;21), der Glückseligkeit streben. „Dass ein Gut intrinsisch gut ist, macht es für Kant noch nicht
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uneingeschränkt gut; umgekehrt folgt aus der Tatsache, dass nur der gute Wille einen unbedingten inneren Wert hat nicht, dass es keine intrinsischen Güter gibt.“(KSA 41;11-15) Kant macht klar; „Dieser Wille darf also zwar nicht das einzige und ganze, aber er muß doch das höchste Gut und zu allen übrigen, selbst allem Verlangen nach Glückseligkeit die Bedingung sein,...“(GMS 33;2-5).
Somit geht er nochmals auf die Stellung des guten Willens bei der Bestimmung des höchsten Guts im Rahmen der Prinzipien der Moralität ein. Er verdeutlicht dadurch auch, welche klassischen Antwortalternativen er ausschließen zu können glaubt. Es sind diejenigen die Moralität bzw. deren Prinzipen nicht zum wesentlichen Bestandteil, sondern allenfalls zum unentbehrlichen Mittel des höchsten Guts machen. So zieht Kant aus den Ansichten der Sokratiker und den Aufzeichnungen der Stoa den rigorosen Schluß, dass unter Dingen die gemeinhin gut genannt werden viele sind, die mißbraucht werden und für den Besitzer oder Andere zum Nachteil ausschlagen können. Nur die Tüchtigkeit des Menschen identifiziert mit praktischer Weisheit läßt sich nicht mißbrauchen und kann für niemand wahrhaft schändlich sein. Jedoch hatte schon Aristoteles dies verworfen und bestand darauf, dass Güter, die Mißbrauch zulassen und nachteilig werden können gleichwohl Güter sind, allerdings Güter ohne jede Einschränkung nur in der Hand des Tüchtigen. Denn sie werden durch ihn geadelt und kommen ihm nach Gesichtspunkten der Gerechtigkeit auch zu. Hingegen scheint Kants Formel vom höchsten Gut und seiner Erläuterung der These des guten Willens mit Aussagen von Aristoteles auf einer Herkunftslinie zu liegen, denn der sieht den Wert einer sittlichen Handlung umgekehrt auch glänzen, wenn der Mensch, der sie besitzt in seiner Aktivität behindert und von Schicksalsschlägen heimgesucht wird.(KKH 70) Kant steht mit seiner Eingangsidee „von dem absoluten Werte des bloßen Willens,...“(GMS 30;15-16) also auf dem selben Boden wie die Ethik der Vergangenheit. Er hält sich auch an den Begriff des physischen Nutzens Ciceros, wenn er bei der Schätzung der Güte des Willens keinerlei Nutzen dieses Willens im Anschlag gebracht wissen will. So findet er einen Teil der Abschlußformel, nach dem der gute Wille „das höchste Gut..“(GMS 33;3-4) sei, in Ciceros „Panaitios“, in der es gelte mit der Tugend stets zusammenzustimmen, die übrigen Dinge aber die naturgemäß sind, so und dann auszuwählen, dass sie der Tugend nicht widerstreiten.(KKH 71)
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Der bedingte Wert der Glücks- und Naturgaben
Für Kant verdient eine Person nicht schon deswegen moralische Anerkennung, weil sie bestimmte „Talente des Geistes“(GMS 28;8) und „Eigenschaften des Temperaments“(GMS 28;10) als Natur- oder Glücksgaben besitzt. Diese Talente und Eigenschaften sind, laut seiner These, nur bedingt gut und haben im Unterschied zum an sich guten Willen „keinen inneren unbedingten Wert“. (GMS29;6-7)
Mehr oder weniger dauerhafte Eigenschaften eines Menschen, welche zu seiner natürlichen Ausstattung gehören, sind für Kant die Naturgaben. Geteilt in die „Talente des Geistes“(GMS 28;5), zum Beispiel Witz, Verstand, Urteilskraft und die „Eigenschaften des Temperaments“(GMS 28;7),zum Beispiel Mut, Entschlossenheit, Mäßigung in Affekten und Leidenschaften, Selbstbeherrschung und nüchterne Überlegung sowie Beharrlichkeit im Vorsatz. Dagegen erhalten die Glücksgaben ihren Namen offenkundig wegen ihres Beitrags zur Glückseligkeit. Doch sind Glücksgaben, laut Kants Meinung, in erster Linie nicht natürlich gegeben, wie etwa die Naturgaben, sondern müssen in einem sozialen Gefüge erworben werden. Kants Argument bezüglich der Naturgaben ist einfach und überzeugend; wenn die aufgezählten Naturgaben an sich moralisch und damit unbedingt wertvolle Werte wären, so müsste eine Person, die sie oder einen Teil von ihnen in sich vereint, in unserer moralischen Schätzung als ein Mensch mit gutem Charakter gelten. Zweifellos gibt es aber Menschen, die jene genannten Eigenschaften besitzen, denen wir dennoch aber keinen guten Charakter zugestehen wollen, da ihre Absichten oder gar Handlungen als moralisch verwerflich eingeschätzt werden. So kann man eine zynische Person, deren Witze auf den ersten Blick zwar erheiternd anmuten, sich aber doch auf die Kosten eines anderen Menschen lustig machen und sich damit dessen Leides bedienen, nicht als moralisch lobenswert ansehen. Also können diese Eigenschaften nicht als uneingeschränkt wertvoll beschrieben werden, da ihr Wert durch den Kontext, in dem sie Anwendung finden, eingeschränkt wird. Naturgaben können also nicht für unbedingt gut gehalten werden, da es etwa den Willen gibt, insofern ihr Wert vom Wert des Willens abhängig ist, der sie einschränkt, wenn er von ihnen „Gebrauch“(GMS 28;11) macht. Sieht man das Verhältnis zwischen der unbedingt guten Sache, also dem an sich guten Willen und der bedingt guten Sache, zum Beispiel den Talenten des Geistes, so erkennt man das unbedingt Gute als Bedingung für die Güte des bedingt Guten, da die Güte des bedingt Guten durch den guten Willen als unbedingt Gutes eingeschränkt wird. Die Bedingtheit der Naturgaben, ob nun gut oder auch böse, liegt also in der jeweiligen „Absicht“(GMS 28;8) des Willens. Werden die Gaben der Natur von einem
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Arbeit zitieren:
Toni Bäurich, 2004, Der gute Wille bei Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, München, GRIN Verlag GmbH
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