-II-
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Rollenverteilung im vorbürgerlichen Zeitalter. 2
3. Rollen von Mann und Frau im bürgerlichen Zeitalter. 3
3.1 Gründe für einen Wertewandel. 3
3.2 Allgemeine Rolle des Mannes 4
3.3 Allgemeine Rolle der Frau. 5
3.4 Bürgerliche Tugenden. 6
3.5 Rollenverteilung in der Arbeiterschicht. 6
3.6 Rollenverteilung im Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum. 7
3.7 Rollenverteilung in der Oberschicht 9
3.8 Empirische Untermauerung 10
4. Entwicklung der Rollenbilder in der Gegenwart 11
5. Zusammenfassung und Fazit. 11
Literaturverzeichnis III
Stefan Arndt - Frauenrollen und Männerrollen im Bür gertum -- 1 -
1.Einleitung
Die Phase des Bürgertums, die ihre Hochzeit im 19. Jahrhundert hatte, brachte im europäischen und damit auch im deutschsprachigen Raum zahlreiche Veränderungen auf politischer und sozialer Ebene. Damit einher ging auch eine Umstrukturierung der Gesellschaft: weg vom feudalen System hin zu einer liberaleren Gesellschaft, die letztlich in die westeuropäischen Demokratien des a usgehenden 19. und 20. Jahrhunderts mündete. Die neue Gesellschaft hatte im Vergleich zum Mittelalter ebenso eine neue Struktur. Ein neues Familienbild entstand in dieser Zeit: die Kleinfamilie. Mit dieser Veränderung sollten sich auch die Rollen, die Männer und Frauen im gesellschaftlichen Prozess einzunehmen hatten, umgestalten. Diese Arbeit wird sich zu einem Teil damit beschäftigen, wie dieses neue Leitbild aussieht und was es auszeichnet. Gleich zu Beginn kann festgehalten werden, dass die Auswirkunge n dieses Prozesses bis in die heutige Zeit feststellbar sind, denn das im Bürgertum entstandene Rollenideal ist immer noch in der modernen Gesellschaft verwurzelt.
Einleitend soll nun die Frage aufgeworfen werden, ob sich dieses Rollenideal auch in Wirklichkeit so gezeigt hat, oder ob es Unterschiede, bzw. Abweichungen davon gab und wenn ja, wie sich diese zeigten. Wie kam es dazu, dass sich die Wertvorstellungen plötzlich änderten. Wer war in den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten für den Hauptverdienst der Familie zuständig? Damit einher geht die Frage, ob es allein der Mann war, der das Geld verdiente oder gab es Situationen, in denen die Frau mitarbeiten musste? Gab es Unterschiede zwischen dem Leben auf dem Land und in der Stadt? Diesen Fragen wird in den nun folgenden Abschnitten nachgegangen. Zunächst erfolgt eine kurze Skizzierung der bestehenden Verhältnisse zu Beginn der Bürgertumsphase, um dann im Hauptteil zu beschreiben, wie die Rollen von Mann und Frau in den Schichten der Gesellschaft - bestehend aus Arbeiterschicht, Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum und Oberschicht - aussahen. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Fazit.
Die Literaturlage zu diesem Spezialthema ist relativ überschaubar, es gibt in der Sozial-und Wirtschaftsgeschichte wenige neue Werke dazu. Diesen Bereich deckt die Sozial- und Familienforschung zum Teil ab.
Stefan Arndt - Frauenrollen und Männerrollen im Bür gertum -- 2 -
2.Rollenverteilung im vorbürgerlichen Zeitalter
Um die Rollenverteilung des Bürgertums besser zu verstehen, ist es hilfreich, zunächst zu betrachten, wie das Leben im vorbürgerlichen Zeitalter ablief und welche Einflüsse es prägten. Dies lässt sich sehr gut am Beispiel Preußen erklären, das im 18. Jahrhundert, wie die meisten Länder in dieser Zeit, ein Agrarstaat war. Zwei Drittel der Erwerbstätigen waren in der Landwirtschaft beschäftigt. Die preußische Landwirtschaft produzierte über den Eigenbedarf hinaus Korn, welches in den Westen exportiert wurde. 1 Die preußischen Kleinbauern unterstanden der sogenannten Gutsherrschaft, die auf der Erbuntertänigkeit basierte, d.h., dass die Bauern den Gutsherren Frondienste schuldeten. Der junkerliche Landadel, der seine Güter hauptsächlich im Gebiet östlich von der Elbe und Saale hatte, verwaltete als Gutsherr diese Güter und sorgte dafür, dass die Kleinbauern nicht gegen die Gutsherrschaft verstießen. Dazu kontrollierte er das Gesinde, forderte die ihm zustehenden Arbeitsdienste ein und diente auch als Rechtsprechungsinstanz.
Die Form des familiären Zusammenlebens, die in der vorbürgerlichen Zeit die dominierende war, ist die des sog. „ganzen Hauses“. 2 Die Rede ist hier von einer Einheit der Produktion von Lebenszusammenhängen, einer Ganzheit von Arbeit und Leben. Im „ganzen Haus“ hatte jedes Familienmitglied seine zugeteilten Aufgaben zu erfüllen. Da es sich hierbei um Gutshöfe oder kleinere Bauernhöfe handelte, kümmerte sich der Mann zumeist um die schweren Aufgaben auf dem Felde, während die Frau sich vor allem „leichteren“ Tätigkeiten draußen, der Weiterverarbeitung der Ernte oder auch der Hausarbeit widmete. Abschließend bleibt festzuhalten, dass diese Hausarbeit auf einem Level mit der Arbeit stand, die auf dem Felde anfiel, das heißt, beide Tätigkeiten hatten den gleichen Wert und leisteten den gleichen Anteil zum gemeinschaftlichen Leben. Die Kinder waren von Beginn an in die Arbeit auf dem Hof integriert, eine Phase der Kindheit, wie sie später auftreten wird, war hier noch gänzlich unbekannt. Betreuung und Erziehung der Kinder fand neben und im Rahmen der täglichen Arbeiten statt und nur zu einem ganz geringen Teil durch die Eltern selbst. Zumeist standen die Kleinkinder unter der Aufsicht von Ammen, Knechten, Mägden, also anderen Mitgliedern des Haushaltes, natürlich in Abhängigkeit der Größe des Gutes.
1 Vgl. Kaufhold, K. - H., 1991, S. 77.
2 Vgl. Knapp, U., 1984, S. 110.
Stefan Arndt - Frauenrollen und Männerrollen im Bür gertum -- 3 -
Dieses Gesinde und Dienstpersonal war in die Familiengemeinschaft integriert und lebte mit der eigentlichen Kernfamilie zusammen. Abgetrennte Wohnbereiche gab es nicht, alle aßen und schliefen gemeinsam. 3
3. Rollen von Mann und Frau im bürgerlichen Zeitalter
Der nun folgende Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in der Phase des Bürgertums. Sie umfasst für diese Arbeit einen Zeitraum zwischen den Jahren 1830 - 1915. Zunächst soll eine kurze Einführung der Frage nachgehen, ob es einen Wertewandel gab, wenn ja, wie er zustandekam und welchen Einfluss er auf das Familien- und Rollenideal hatte. Daraufhin stellt sich die Frage nach den Rollen von Mann und Frau, die sie in der Gesellschaft einnahmen. Ebenso muss ein Blick auf die nun geltenden neuen Werte geworfe n werden, um den Lebensstil des Bürgertums verstehen zu können.
3.1 Gründe für einen Wertewandel
Die preußische Regierung hatte im Oktober des Jahres 1807 ein Reformpaket erlassen, welches die Basis zu elementaren Veränderungen in der Gesellschaft legte. So wurde mit der Bauernbefreiung unter anderem die Grundlage dafür geschaffen, dass sich der einzelne Bauer aus der Gutsherrschaft lösen konnte und nun persönlich frei war. 4 Selbiges erscheint deshalb so bedeutsam, da die Bauern in der Folge nun auch vermehrt in die Stadt ziehen und anderen Berufen nachgehen konnten. Seit dem Mittelalter gab es die bekannte Formulierung „Stadtluft macht frei“, die diesen Zustand beschreibt. Mit der Reform des Heeres wurde die Wehrpflicht in Preußen eingeführt 5 , was zu einer zunehmenden Disziplinierung und Militarisierung der Gesellschaft führte. Dieser Aspekt wirkte sich auf die spätere Industrialisierung dahingehend aus, dass z.B. bei Schichtbetrieben in Fabriken große Zeitdisziplin seitens der Arbeiter notwendig war, um nicht unnötigen Leerlauf bei Maschinen zu haben. Ein wichtiger Gesichtspunkt
3 Vgl. Maihofer, A. /Böhnisch, T. /Wolf, A., 2001, S. 14.
4 Vgl. o.V., 1963, S. 64.
5 Vgl. o.V., 1963, S. 67.
Arbeit zitieren:
Dipl. Volksw. Stefan Arndt, 2005, Ein kurzer Überblick über Frauen- und Männerrollen im bürgerlichen Zeitalter (1830 - 1915), München, GRIN Verlag GmbH
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