1. EINLEITUNG:
Ich möchte zunächst die Globalisierungstendenzen in der Touristikbranche darstellen. Die Länder der Dritten Welt setzen viele Hoffnungen in den Tourismus. Was sie sich vom Ausbau des Tourismus versprechen und welche Risiken damit verbunden sind möchte ich schildern.
Es ist unbestritten, dass Tourismus viele Auswirkungen auf das Reiseland, seine Bewohner und seine Landschaft mit sich bringt. Diese Auswirkungen zeigen sich besonders deutlich in Ländern der Dritten Welt, die mit extremen humanitären, wirtschaftlichen und strukturellen Problemen zu kämpfen haben.
Aus der Vielzahl der Folgeerscheinungen des Tourismus möchte ich hier die wirtschaftlichen und räumlichen Effekte eingehender betrachten.
Dabei soll der Schwerpunkt auf den Auswirkungen für die Menschen vor Ort liegen: Wie sind die Beschäftigungseffekte des Tourismus, wie verändert sich die Struktur des lokalen Wirtschaftsgefüges? Und welche Effekte ergeben sich durch raumverändernde Maßnahmen für die Menschen in den bereisten Ländern?
2. DER INTERNATIONALE TOURISMUS
Der internationale Tourismus gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Welt. Er hat Jahr für Jahr hohe Wachstumsraten, im Jahr 2001 wurden weltweit schon 689 Mio. Touristenankünfte gezählt --> Abbildung.
Die touristischen Anbieter befinden sich weltweit in einem harten Konkurrenzkampf. Seit vielen Jahren schon zeichnet sich die Touristikbranche durch zunehmende horizontale und vertikale Konzentration aus. Reiseveranstalter tun sich zusammen mit Fluggesellschaften und transnationalen Hotel- und Restaurantketten. So bilden sich große Konzerne, die ausschließlich in den Industrielände beheimatet sind. Im Preiskrieg des globalisierten Reisemarktes versuchen sie, sich gegenseitig zu unterbieten.
Nur wer seine Reiseangebote billiger anbieten kann, behauptet sich auf dem umkämpften Markt. Dabei wird immer am untersten Glied der Kette gespart: bei den Umwelt- und Personalkosten. So wird die für wirtschaftliche Globalisierungsprozesse
typische Abwälzung sozialer und ökologischer Kosten auf die Allgemeinheit auch im Tourismus aufrechterhalten.
Die Reise selbst wird dabei zu einer immer leichter erschwinglichen Ware. Sie nimmt den Charakter eines Konsumguts an, auf das in den Industrieländern niemand mehr verzichten will und das zu einem Massenphänomen geworden ist.
"Manche Reisenden haben sich über die eingekaufte `Ware` kaum mehr informiert als über die Zahlungsmodalitäten und Qualitäten anderer teurer Konsumartikel.
3. DER TOURISMUS IN DIE DRITTE WELT:
3.1. Ausmaß
Noch liegen Europa und die USA als die klassischen Urlaubsziele an der Spitze der Top Ten touristischer Destinationen. Aber immer mehr Menschen reisen in die Dritte Welt: Der Anteil der Entwicklungsländer an den internationalen Touristenankünften und an den Welteinnahmen aus dem Tourismus beträgt derzeit rund 30 Prozent. Allerdings verteilen sich diese Zahlen zu sehr ungleichen Teilen an die einzelnen Länder.
Da die meisten dieser Länder überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen, kann man davon ausgehen, dass sich ihr Anteil weiter erhöhen wird. Schon jetzt ist in jedem dritten Entwicklungsland der Tourismus die Haupteinnahmequelle für Devisen.
3.2. Chancen
Die Länder der Dritten Welt sehen die Förderung des Tourismus als Chance, ihre wirtschaftliche Not zu mildern. Dies gelingt ihnen mit dem Export herkömmlicher Waren und Rohstoffe nicht ausreichend, die Handelsbilanzen fallen wegen der sinkenden Rohstoffpreise immer negativer aus und die Verschuldung wächst weiter und weiter.
Der Tourismus ist eine der wenigen Möglichkeiten, dringend benötigte Devisen ins Land zu bringen.
Die touristischen "Rohstoffe", mit denen die EL auf dem Weltmarkt aufwarten können, sind sonniges und stabiles Klima, "unberührte" Natur, spektakuläre Landschaften, wilde Tiere und exotische Kulturen.
Von der Tourismusförderung verspricht man sich in den 3WL die Schaffung von
Arbeitsplätzen, Devisengewinne und Wirtschaftsbereiche. Der Ausbau des Tourismus wird so zu einer Entwicklungsstrategie, auf die von staatlicher Seite her viel Kraft und Kapital verwendet wird.
Dabei sind aber zuerst viele Vorleistungen notwendig: es braucht Flughäfen und Strassen, es braucht Transportmittel, Hotels verschiedener Kategorien und es braucht eine Wasser- und Energieversorgung.
Doch diese Vorleistungen sind wegen Devisenmangel nur schwer zu erbringen. So wundert es nicht, dass ausländische Investoren für Tourismusanlagen mit großzügigen Anreizen gelockt werden, bspw. indem ihnen günstige Konditionen beim Kapitaltransfer und der Gewinnversteuerung versprochen werden. Oder es werden die Zölle für touristische Importgüter gesenkt bzw. abgeschafft. Auch der Bau großer Hotelanlagen wird oft staatlich subventioniert.
Auch internationale Geldgeber empfehlen den Tourismus als Ausweg aus der Wirtschafts- und Verschuldungskrise der Dritten Welt. So fördert beispielsweise die EU Tourismusprojekte in verschiedenen Entwicklungsländern. Auch die Weltbank unterstützt kapitalintensive Projekte. Die Liste der dabei geförderten Projekte ließt sich wie ein Who is Who der weltweit operierenden Hotelkonzerne. Weitere Kredite fließen für den Straßenbau und zur touristischen Erschließung neuer Gebiete. Zu dieser Entwicklungsstrategie gehört auch die Liberalisierung des Tourismusmarktes. Sie soll Einschränkungen bei Kapitalbeteiligung und Marktzugang ausländischer Unternehmen aufheben und insbesondere soll die Zahl ausländischer Arbeitskräfte im Tourismus nicht mehr begrenzt werden.
3.3. Risiken
Solche Maßnahmen bewirken, dass ausländisches Kapital weniger zur Förderung der Wirtschaft im Zielland beiträgt. Ein internationales Hotel kann jetzt Lebensmittel und Baumaterialien nach Belieben aus dem Ausland importieren. Dabei wird die lokale Wirtschaft benachteiligt und die touristischen Firmen in den Gastländern werden umgangen.
Es ist zu befürchten, dass die Touristikkonzerne ihre Vormachtstellung weiter ausbauen und in Zukunft noch mehr Geschäfte innerhalb ihrer Unternehmensverbände
abwickeln. Sie können also eine starke Marktmacht ausüben und durch verschiedene Mittel, wie beispielsweise durch Werbung, entscheidend mitbestimmen, welche Reiseziele bereist werden sollen.
Für die Entwicklungsländer ist dieses Nachfragemonopol der Konzerne kaum zu durchbrechen. Die Chancen für Unternehmen aus der Dritten Welt, im internationalen Touristikmarkt Fuß zu fassen, stehen also sehr schlecht.
Hinzu kommt noch eine starke Konkurrenz der Zielländer untereinander, da die Reiseziele leicht austauschbar sind. Deshalb sind die Entwicklungsländer genötigt, die Preise niedrig zu halten und ihr touristisches Angebot auszubauen und zu diversifizieren. Das schafft weitere Abhängigkeit und begünstigt eine touristische Monokultur, eine einseitige Ausrichtung auf den Tourismus.
Dieser ist jedoch ein sehr sensibler, krisenanfälliger Wirtschaftszweig. "Fernsehnachrichten können eine Tourismusindustrie in Sekunden ruinieren." Die Nachfrage nach einem Reiseziel wird von vielen irrationalen Faktoren bestimmt, die ein abruptes Ausbleiben der Touristenströme bewirken können. Hierzu zählen in den Herkunftsländern der Touristen: Konjunkturrückgang, touristische Moden oder Boykotts. Im Zielland sind es Naturkatastrophen, soziale Unruhen, politische Unsicherheit oder Anschläge. (z.B. Ägypten) Solche Faktoren sind für das Urlaubsland nicht kalkulierbar. Bleiben die Touristen einmal aus, so bedeutet dies einen enormen wirtschaftlichen Einbruch, und zwar auf lokaler und auf nationaler Ebene. Oft muss ein Dritte-Welt-Land so für Fehler büßen, die an anderen Orten und von anderen Akteuren begangen wurden.
4. WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DES TOURISMUS
4.1. Tourismus als Devisenquelle?
Der Tourismus soll dringend benötigte Devisen bringen. Angesichts des ungeheuren Kapitalvolumens, das in der Reisebranche umgesetzt wird, erscheint diese Rechnung plausibel ( Abbildung) Doch dieser erste Eindruck relativiert sich, wenn man die Zahlen nicht isoliert betrachtet: Zuerst einmal bleiben etwa die Hälfte der touristischen Ausgaben zuhause,
Arbeit zitieren:
Daniel Lehmann, 2003, Tourismus in die Dritte Welt, München, GRIN Verlag GmbH
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