Inhalt
1. Philosophie und die Fragen der Neuzeit 2
2. Ontologie des Lebens, Ontologie des Todes 3
3. Ausgangslage 6
4. Natürliche Zwecke 8
5. Anthropozentrik 9
6. Sein und Freiheit 10
7. Vereinbar, aber nicht notwendig: eine Antwort der Biologie 14
7.1 Freiheit und Identität 15
7.2 Verantwortung 16
8. Eine Zwischenbildanz: Keine Rettung vor dem Nihilismus 17
9. Die Nihilismuskritik 20
10. Zeitlichkeit, Gegenwart und Ewigkeit 22
11. Das Selbst: Eine Alternative zur Subjektivitätsphilosophie 25
12. Die Ontologie des Organischen 28
13. Normative Ontologie? Ein alternatives Ethik-Verständnis 30
14. Bibliographie 33
1
1. Philosophie und die Fragen der Neuzeit
Die Philosophie insbesondere der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weist eine gewisse Angleichung der Grundgedanken ihrer relevanten Vertreter auf, weil sie eine Welt vorfindet, die an das Denken deutliche und unmißverständliche Forderungen stellt. Nur wenige Denker haben nicht auf ihre Weise den Wandel und die Vorherrschaft der modernen Naturwissenschaft thematisiert; kaum möglich, sich nicht mit ihren Folgen denkend auseinanderzusetzen – mit der Eventualität von Dingen, von denen noch in der frühen Neuzeit niemand geglaubt hätte, dass sie möglich, geschweige denn problematisch werden könnten. Die Gefahr der Weltzerstörung ist in jeder erdenklichen Form zum Thema geworden. Zwei Fragen stellen sich damit dem Denken der Moderne: Wie ist es geschehen, dass diese Entwicklung zustande kam, in welcher Weise müssen Menschen gedacht haben, so dass sie diese Welt erleben? Und: Gibt es eine Möglichkeit, die scheinbar unbegrenzte Macht über die Natur, über die wir verfügen, zu beherrschen und zu regeln, oder werden wir bereits von ihr beherrscht? Die zentrale Frage, an der das Denken der Neuzeit nicht vorbeikommt, wird meist lapidar mit „Technikkritik“ bezeichnet und steht in Verbindung mit den Ansprüchen und dem Wirken der modernen Naturwissenschaft. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es die Physik, die Heidegger, Wittgenstein und Adorno neben vielen anderen für ein Musterbeispiel und einen Motor des naturwissenschaftlichen Paradigmas hielten. Mittlerweile kommt die Biologie zu ihrem Recht. Wenn das Prinzip der Naturbeherrschung auch das selbe geblieben ist, scheint sich nun der Vorgang seinem Ende zu nähern: mit der Gentechnik wird die Naturbeherrschung und alles, was mit ihr einhergeht, vollständig sein. Denn sie wird einen Abgrund überwinden, der bisher selbstverständlich war: die Kluft zwischen Beherrscher und Beherrschtem, Mensch und Natur, Subjekt und Objekt. Oder ist das eine Sichtweise, die zu kurz greift? „Der Bruch zwischen Mensch und totalem Sein ist am Grunde des Nihilismus.“ 1 diagnostiziert Hans Jonas. Unter den Denkern der Moderne ist er einer derjenigen, die sich am meisten mit den oben beschriebenen Fragen auseinandergesetzt hat, der seine Arbeit entschieden, explizit und engagiert dem Umgang des Menschen mit sich und der Welt in der Neuzeit widmet. Zudem hat sich seine Wirkung – eine direktere Wirkung, als die meisten anderen Philosophen für sich
1 GSG, 379.
2
beanspruchen können – auf das politische Geschehen und die allgemeinöffentliche Meinung erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entfaltet und damit auch das heutige Geschehen direkt beeinflußt. Weniger als andere hat er sich mit dem naturwissenschaftlichen Paradigma befaßt; sein Hauptanliegen war nicht, zu klären, was der Mensch sei und wie er denkt, sondern ihn zu erhalten. Doch um dahingehend etwas zu bewirken, musste Jonas eine Diagnose liefern; die Subjekt-Objekt-Spaltung spielt darin eine wesentliche Rolle. Sie ist, so schreibt er, am Grunde des Nihilismus; jenes Nihilismus, der die geistige und damit die ganze Situation der Moderne überhaupt erst ermöglicht. Nihilismus, das bedeutet: an nichts glauben, nichts für gut halten, nichts schätzen, achten und bewahren. Der moderne Mensch hat die Macht, alles Seiende zu vernichten, einschließlich seiner selbst. Ein totaler Nihilismus würde bedeuten, dass es keinen Grund gibt, davon abzusehen. Diesen Grund will Hans Jonas liefern, den Nihilismus will er durch ein Denken ersetzen, das Gutes kennt, schätzt, achtet und bewahrt. Sein Ansatzpunkt ist dabei eine Neuorientierung der traditionellen Ethik und die Fixierung von Werten im Sein und in der Natur, welche Unabhängig von menschlichem Bewusstsein bestehen. In einem ersten Schritt wollen wir zunächst die praktischen Aspekte von Hans Jonas’ Konzept beleuchten, dabei stützen wir uns vor allem auf seine Gedanken zu einer in der Natur verankerten Freiheit in Organismus und Freiheit sowie die in Das Prinzip Verantwortung aufgeworfene Frage, inwiefern sich eine normative Ontologie mit der Naturwissenschaft vereinbaren lässt.
2. Ontologie des Lebens, Ontologie des Todes
Mit seiner Auslegung des Nihilismus als „Bruch zwischen Mensch und totalem Sein“ folgt Jonas Heideggers Nietzsche-Interpretation, wonach der Nihilismus eine Grundkonstante sei, die sich seit Platon durch die abendländische Kulturgeschichte ziehe. Diese „Grundtatsache unserer Geschichte“ 2 , so Heidegger, sei charakterisiert durch ein Moment der Weltabkehr, das die Abwertung aller diesseitigen Ziele und Werte einerseits und die moralische Überhöhung alles Transzendentalen andererseits beinhalte: „Die Verneinung wird wünschbar durch
2 Heidegger. Gesamtausgabe Bd. 6.1, 158.
3
das Ansetzen des Übersinnlichen als des eigentlich Seienden“ 3 . In Organismus und Freiheit knüpft Jonas weitgehend an Heideggers Auslegung an, schließt diesen jedoch auch in die Kritik mit ein. Der Ausgangspunkt der Entwicklung zum Nihilismus sei ein Panvitalismus gewesen, welcher sich schließlich zu unserem heutigen, von der Naturwissenschaft geprägten Zugang zur Natur gewandelt habe. Der Panvitalismus beschreibt die Welt als lebendig und atmend: „Allem voran jedenfalls geht das überzeugendste Erlebnis allgegenwärtigen Lebens in allem, was ist“ 4 . Der Mensch nimmt auf der Erde keine Sonderstellung ein, da alles beseelt sei. Jonas bezeichnet dieses Weltbild als „Lebens ontologie“, da aus ihm heraus Sein stets nur als lebendiges Sein, nie als tote Materie gedacht werden könne.
Die aufkeimenden Naturwissenschaften, hier exemplarisch an zwei für sie grundlegenden Denkern, Descartes und Francis Bacon, aufgezeigt, festigen die Subjekt-Objekt-Spaltung, welche sich im Platonismus und der Gnosis auftut. Descartes baut sie zu seiner Zwei-Substanzenlehre aus, nach welcher sich in der Welt zwei Grundsubstanzen finden, Geist und Materie. Jeder Substanz komme ein primäres Attribut zu: dem Geist (res cogitans ) das Denken, der Materie (res extensa) die Ausdehnung. In ihren Akzidentien zeigt sich die Inkompatibilität der Substanzen: die Körper sind ausgedehnt, aber unbeseelt, geistlos. Die Seele, umgekehrt, besitzt Bewusstsein und Vernunft, hat aber keine Ausdehnung und ist deshalb grundverschieden und unabhängig von dem Körper mit dem sie verbunden ist. Leibliche Bedürfnisse wie Hunger, sowie Gefühle und Sinneseindrücke gehören nicht primär in die Sphäre der res cogitans, sie entstehen aus der Verknüpfung von Geist und Körper.
Durch die damit hergestellt Sonderstellung des Menschen hat Descartes die gesamte belebte Natur auf die Ebene von Dingen reduziert: da Pflanzen und Tiere nur an der res extensa teilhaben, unterliegen sie in ihrem gesamten Wesen physikalischen und mechanischen Abläufen. Descartes beschreibt Tiere bezeichnenderweise als „automata“, also Maschinen, welche sich von durch Menschen-hand gefertigten Automaten nur durch ihre höhere Komplexität unterscheiden 5 . Freiheit oder Zwecke sind daher bei ihnen nicht denkbar, genausowenig eine Identität, da sie nur ein Teil der Gesamtmasse der unbeseelten, amorphen res extensa sind. Entsprechend kann mit ihnen rein naturwissenschaftlich verfahren werden,
3 a.a.O. 161.
4 OUF, 20.
5 Vgl. Cottingham, 15.
4
da sich ihr Wesen und ihr Verhalten auf mathematische Größen reduzieren lässt. Die richtige Vorgehens weise zum Verständnis eines Gegenstands, sei die methodische Zerlegung in seine Einzelteile — bei Lebewesen demnach die Sektion. Sind die kleinsten Bestandteile identifiziert und erklärt, wird von ihnen ausgehend, zu komplexen Vorgängen, die sich aus ihrem Zusammenspiel ergeben, voran geschritten. Aus gangs punkt sind dafür einfache, evidente Grundannahmen, analog zu Euklids geometrischen Axiomen. Metaphysische Faktoren werden bewusst aus geblendet, da sie für eine Analyse und kausale Erklärung überflüssig sind 6 .
Francis Bacon setzt sich für ein methodisches Vorgehen mit einer systematischen Datenerfassung durch Experimente ein. Auch in der von ihm beschriebenen Induktion sind nur naturwissenschaftlich erfassbare, also messbare, Größen zugelassen. Seine Absicht war, die Wissenschaft dem Zugriff und der Kontrolle durch die Theologie zu entziehen. Er trennte scharf zwischen 'wahrer' Forschung einerseits und von metaphysischem 'Wunschdenken' verwässerter Wissenschaft andererseits. Von Philosophie und Theologie gleichsam kontaminierte Untersuchungen erzeugten, so Bacon, Trugbilder — idola theatri — die eine falsche Welt vorgaukelten und ungeeignet seien, zu Erkenntnissen über die Welt zu gelangen. Auch Jonas' Projekt von der Wiedereinführung der Metaphysik in der Naturwis senschaft würde Bacon zweifelsohne zu diesen Trugbildern zählen. Descartes und Bacon haben, gemeinsam mit vielen anderen Denkern der Renaissance und der Aufklärung dazu beigetragen dass sich die heute selbstverständliche Annahme, dass nur eine mathematische, explizit nichtmetaphysische Forschung zu objektiver Erkenntnis über die Natur führen könne, etabliert hat. Die Absicht, aus dem Ist ein Sollen, der Natur innewohnende ethische Forderungen, zu folgern, ist somit ausgeschlossen. Diese Auffassung erreicht seine schärfste Formulierung in Comtes Positivismus, der eine Idee des Fortschritts und der Verbesserung in der Geistes geschichte zum Inhalt hat: mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Betrachtung erreiche der menschliche Geist seine höchste Stufe, in bewusstem Verzicht auf philosophische Letztbegründung und Allaussagen. Metaphysische Begriffe sind dem Positivis mus zufolge leere Worthülsen und daher unproduktiv und im wissenschaftlichen Diskurs fehl am Platz 7 .
Francis Bacon erhob die Naturbeherrschung zum Ziel der Wissenschaft,
6 Diese Idee geht schon auf einige frühere Denker zurück, beispielsweise William von Ockham.
7 Vgl. Rehfus, 550.
5
die im Auftrag des Wohles der ganzen Menschheit handele, doch diese Absicht bekommt von Hans Jonas einen negativen Stem pel aufgedrückt. All dies führe in eine Ontologie des Todes 8 . Neben der offensichtlich wertenden Wortwahl werden in dem Begriff der „Todesontologie“ zwei der oben aufgeführten Aspekte vereint: Zum einen die den cartesianischen Ideen folgende A uffassung dass alle nichtmenschliche Natur, auch tierisches und pflanz liches Leben, lediglich tote Materie sei, welches die Instrumentalisierung zu menschlichen Zwecken bedingungslos ermöglicht. Zum anderen die von Platon eingeführte Überhöhung der transzendenten Welt und die damit verbundene Todessehnsucht des Sokrates , denn in der Todesontologie ist der Tod der eigentliche Modus des Seins, das Leben hingegen wird zum problematischen Sonderfall. Die Welt wird durch und aus dem Tod heraus begriffen, Leben ist dabei nichts als eine vorübergehende Laune der toten Materie. Auch Heideggers Ontologie reiht Jonas in diese Tradition der „Herabsetzung der zielgründenden Kraft des 'Lebens' selbst“ 9 ein, da er bei ihr einen Mangel an Gegenw ärtigkeit und das F ehlen von Existentialen der körperlichen Bedürftigkeit feststellt, und Heidegger die Dinge als „Zuhandenes“ beschreibt, dessen Sein von dem Nutzen abhängt den sie für den Menschen bereit halten. Heidegger habe demnach die nihilistische Denktradition richtig benannt, bleibe ihr aber dennoch verhaftet. Jonas zufolge gilt es, sich davon freizumachen. Seine Lösung besteht darin, der belebten Natur als Ganzen zwei Eigenschaften, die ihr im Rahmen der „Todes ontologie“ abgesprochen wurden, wieder anzuerkennen. Diese Eigenschaften sind Freiheit einerseits und die Fähigkeit, Zwecke zu haben, andererseits.
Im Folgenden wollen wir diskutieren, wie Jonas diese Forderung philosophisch entwickelt. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei die Ausgangslage haben aus der heraus er seine Theorie entwickelt, sowie gewisse Schwierigkeiten, die sich bei ihrer Formulierung ergeben.
3. Ausgangslage
Jaspers beschreibt den Nihilismus als einen Materialismus, in dem die Natur als wert- und zweckfrei aufgefasst und auf Kausalität und mechanische Abläufe reduziert wird. Ein vollkommener, konsequenter Nihilismus, welcher der dies- 8 Vgl.OuF, 29.
9 a.a.O.
6
seitigen Welt keinerlei Wert mehr beimisst wäre gleichbedeutend mit Selbstmord. Ein solcher Nihilismus ist für ihn jedoch nicht denkbar 10 . Jonas hingegen ist diese Ansicht zu optimistisch, da er die Selbstzerstörung bereits im Gange sieht. Zur Zeit der Entstehung von Das Prinzip Verantwortung begann sich im Angesicht von Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung ein ökologisches Bewusstsein zu formen, nachdem der Club of Rome Anfang der siebziger Jahre ein düsteres Bild von den Grenzen des Wachs tums zeichnete. Seine Ethik der Verantwortung, welche auf den ontologischen Untersuchungen von Organismus und Freiheit gründet, ist unter diesen Eindrücken entstanden. Er entwickelt sie aus einer besonderen Situation, bzw. aus einem Bewusstsein heraus, das noch fünfzig Jahre zuvor, als Jaspers’ Psychologie der Weltanschauungen erschien, nicht existierte. Ernst Blochs fortschritts optimistischem Prinzip Hoffnung setzt Jonas sein wissenschaftskritisches Prinzip Verantwortung entgegen. Es widmet sich im Kern dem größten anzunehmenden Unfall, nämlich eben dem Selbstmord der Menschheit, oder, für Jonas in der Konsequenz nahezu gleichbedeutend, dem Abstieg in ein menschlich unwürdiges Dasein. Die Technik habe eine zerstörerische Eigendynamik entwickelt, der man mit äußerstem Pessimismus, einer „Heuristik der Furcht“ begegnen müsse. Jonas’ Ethik ist die Antwort auf eine Krise. Er sieht die Notwendigkeit einer Neubestimmung des Verhältnisses von Naturwis senschaft und Philosophie, von einer Wiedereinführung des ethischen Diskurses in Biologie und Physik. Die fortschreitende Umweltzerstörung, die Bedrohung durch Nuklearwaffen und den scheinbar wertfreien Umgang mit der Gentechnologie sieht Jonas als Belege dafür an, dass die traditionelle Ethik für den Erhalt menschenwürdigen Daseins wirkungslos geworden ist. Jonas Frage lautet: „wie muss eine Ethik beschaffen sein, so dass sie den Selbstmord der Menschheit vermeiden kann“? Bedeutet dies, dass Jonas' Philosophie von der Dringlichkeit der Umstände diktiert wird und ihre Legitimation und ihren Wahrheitsgehalt aus der Fähigkeit, auf diese zu antworten, erhält? Jonas nimmt diese Frage selbst vorweg indem er fragt, ob sich eine Einbettung der Ethik in die Biologie nur utilitaristisch oder durch die Klugheit begründen lässt 11 . Wir wollen im Folgenden einige wichtige Punkte in der Entwicklung von Jonas alternativem Entwurf nachvollziehen und prüfen, inwiefern er seinem eigenen Anspruch, keine bloß pragmatische Philosophie zu formulieren, gerecht werden kann.
10 Vgl. Vercellone, 112.
11 Vgl. PV, 27.
7
4. Natürliche Zwecke
Ist das Betätigungsfeld der Biologie in sich auch ein ethisches? Hans Jonas sagt ja und widersetzt sich damit einer langen Tradition, die beide Sphären strikt voneinander trennt. Wie Francis Bacon fordert führt nach gängiger Meinung kein direkter Weg vom Sein zum Sollen. Eine Ableitung von ethischen Normen aus biologischen und physikalischen Daten wird als „naturalistischer Fehlschluss“ ausgeschlossen. Jonas muss nun zeigen, dass dies, wie er sagt, ein „Dogma“ sei, und dass sich im rein materiellen Sein ein objektives, von partikularen Situationen und von Einzelmeinungen unabhängiges Gut verorten lässt. Jonas geht davon aus, dass Ethik für die Materie nur dann relevant sein kann, wenn ein physikalischer oder biologischer Zustand aus sich selbst heraus einem anderen vorzuziehen ist, also einen höheren Wert hat. Lässt sich der Natur ein solcher immanenter, metaphysischer Wert zuschreiben? Hans Jonas verknüpft diese Frage mit dem Begriff des Zwecks. Als Zweck gilt in der Regel ein Ziel, um dessentwillen etwas geschieht oder eine Handlung vollzogen wird. Ausschlaggebend ist bei der Setzung von Zwecken die teleologische Ausrichtung der ihnen unterliegenden Handlung. Wenn Ziele gesetzt werden, dann werden auch Werte gesetzt, d.h. man möchte sein gestecktes Ziel erreichen und nicht etwa ein anderes. Hier nimmt der Diskurs ethische Züge an. Hans Jonas muss also nun, um ein objektives Gut in der Natur festzustellen, zeigen, dass die Natur immanente, d.h. Nicht-menschliche, Zwecke unterhält. Dabei genügt es ihm festzustellen, dass die Natur überhaupt Zwecke habe, nicht, welche sie im Einzelnen innehabe. Denn allein die Fähigkeit, Werte zu setzen, sei ein Gut, das es vor der Zerstörung zu bewahren gilt:
Es sei zu beachten, dass mit der bloßen
Zusprechbarkeit
von Wert an
Seiendes, gleichgültig wie viel oder wenig davon aktuell vorhanden sein mag, der Vorrang des Seins über das Nichts—dem schlechterdings gar nichts, weder Wert noch Unwert, zusprechbar ist—bereits entschieden ist [...]
12 PV, 100.
8
Quote paper:
Jens Rymes, Viola Nordsieck, 2004, Sein und Sollen (es hat nicht Sollen Sein) - Eine Untersuchung von Hans Jonas' normativer Ontologie vor dem Hintergrund seiner Kritik an Martin Heidegger, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Wege aus der Sackgasse? Die Auswirkungen von Reformmodellen in der Pfl...
Diploma Thesis, 90 Pages
Hintergrundfähigkeiten und die Erklärung gesellschaftlicher Erscheinun...
Philosophy - Philosophy of the Present
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Nihilismus - Eine okzidentale Krankheit? Zur Genealogie des metaphysis...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 39 Pages
Ausbildungswege in den Journalismus und deren Veränderungen während de...
Communications - Journalism, Journalism Professions
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 18 Pages
Erstellung und Einsatz von elektronischen Lerninhalten
Computer Science - Internet, New Technologies
Diploma Thesis, 147 Pages
Das Semantic Web und seine Anwendungen
Computer Science - Commercial Information Technology
Scholarly Research Paper, 36 Pages
Sokrates kontra Dionysos oder: Die Notwendigkeit der Illusion
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Jens Rymes has published the text Sein und Sollen (es hat nicht Sollen Sein) - Eine Untersuchung von Hans Jonas' normativer Ontologie vor dem Hintergrund seiner Kritik an Martin Heidegger
Jens Rymes has uploaded a new text
Los hijos de Heidegger : Hannah Arendt, Karl Löwith, Hans Jonas y Herb...
Richard Wolin, María Cóndor
The Legacy of Hans Jonas: Judaism and the Phenomenon of Life
Hava Tirosh-Samuelson, Christian Wiese
The Legacy of Hans Jonas (Paperback): Judaism and the Phenomenon of Li...
Hava Tirosh-Samuelson, Christian Wiese
Lecture de la Lettre sur l'Humanisme de Martin Heidegger
à la lumière de l'Amour
Olivier-Paul Nirlo
0 comments