I
1. Einleitung. 2
2. Einführung in das Konzept des "modernen Welt-Systems" 2
2.1 Drei Zonen. 3
2.1 Historie 4
2.1 Rolle der politischen Konstitution. 5
2.2 Bedeutung der französischen und russischen Revolution. 5
2.3 Nationalismus, Rassismus und Sexismus 7
2.4 Ausbreitung des Liberalismus 8
2.5 Kapitalistische Produktionsweise. 9
2.6 Das moderne Welt-System ein Auslaufmodell? 9
3. Vergleich: Marx meets Wallerstein 11
3.1 Überschneidungen 11
3.2 Diskrepanzen 12
4. Kritik am "modernen Welt-System" 13
4.1 Wissenschaftliche Unschärfe 13
4.2 Voraussetzung für die Entwicklung der Kerne 14
4.3 Die Welt-Systeme-Theorie ist eurozentrisch. 15
5. Schlussbetrachtung. 15
6. Literaturverzeichnis 16
2
1. Einleitung
Mit dem 1974 erschienenden ersten Band (1980 folgte der zweite und 1988 der dritte) des "Modern World-System" bot der einflussreiche amerikanische Sozialwissenschaftler Immanuel Wallerstein mit seiner historischen und politökonomischen Makrotheorie eine sehr kontroverse diskutierte Alternative zu gängigen Globalisierungstheorien 1 . Zu verorten ist Wallersteins Welt-Systeme-Theorie unter den Einflüssen der Dependenztheorie 2 , der marxistischen Kapitalismusanalyse und der französischen "Annales"-Schule 3 um Ferna ud Braudel und als Gegenbewegung zur Diffusionstheorie und ihrer spezielle n Fassung, der Modernisierungstheorie.
Wallerstein gehört zu den Weltsystemtheoretikern, die zwei Ansätze gemein haben: Es existiert ein Weltsystem außerhalb nationalstaatlicher Grenzen, das aus sich selbst heraus erklärt werden kann und dieses System hat Auswirkungen auf die Entwicklung bzw. Unterentwicklung der untereinander abhängigen Nationalstaaten. 4 Nach Wallerstein gibt es Welt-Systeme und Mini-Systeme. 5 Welt-Systeme haben eine Arbeitsteilung und können aus mehreren Kulturen bestehen. Sie müssen nicht die ganze Welt umfassen. Mini-Systeme haben nur eine kulturelle Bindung und sind relativ kleine, sehr autonome Subsistenzwirtschaften mit vollständiger Arbeitsteilung.
Im folgenden skizziere ich Wallersteins Konzept des "modernen Welt-Systems", stelle dieses Konzept dem marxistischen gegenüber und lasse die Kritiker zu Wort kommen.
2. Einführung in das Konzept des "modernen Welt-Systems"
Bereits zwischen 1450 und 1640, so die These von Immanuel Wallerstein, hat sich als Reaktion aus der Krise des Feudalismus ein modernes und kapitalistisches Welt-System herausgebildet. 6 Angetrieben von den Bauernrevolten und
1 Vgl. Wirtschafts- & Sozialgeschichte Modul 7, 21.05.2004, S.17
2 Vgl. Onlineverbindung 2005 : www.lateinamerika-studien.at
3 Vgl. Onlineverbindung 2005: www.klett-franzoesisch.de
4 Vgl. Imbusch, Peter 1990, S. 13
5 Vgl. Wallerstein 1979, S. 35
6 Vgl. Wallerstein 1974, Band I, S. 100
3
der Agrarkrise entwickelte sich ein auf Expansion, endloser Kapitalakkumulation und einer Arbeitsteilung basierendes System. Anfänglich, hauptsächlich in E uropa und Teilen der westlichen Hemisphäre, hat sich dieses System in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts geografisch global ausgeweitet und andere Weltsysteme wie die russischen oder osmanischen verdrängt. Seit dem 20. Jahr-hundert schließt dieses System auch entlegende sich dem Zugriff bis dahin entzogene Weltregionen ein. Wallerstein nennt das Inkorporierung. 1 Zu unterscheiden sind Weltreiche mit einem gemeinsamen politischen System eine rseits und andererseits ökonomische Einheiten, die Weltwirtschaften ohne gemeinsames politisches System. Bei dem "modernen Welt-System" handelt es sich um eine ökonomische Einheit ohne eine gemeinsame politische Instanzum eine Weltwirtschaft, ein kapitalistisches System. Politik spielt sich in diesem System auf nationalstaatlicher Ebene ab. Weiteres Kennzeichen ist der ökonomische Konsens: größtmöglicher Profit, Arbeitsteilung über Staatsgrenzen hi naus, endlose Kapitalakkumulation mit der Auswirkung der Konkurrenz zwischen Staaten um Arbeitskräfte, Rohstoffe und Märkte und der Expansion in noch nicht integrierte Wirtschaften, ungleich entwickelte Zonen und Krisen.
2.1 Drei Zonen
Im "modernen Weltsystem" macht Wallerstein in Anlehnung an das "Zentrum-Peripherie-Modell" in der Dependenztheorie eine hierarchische Struktur der Weltgesellschaft auf. Das Zentrum (Wallerstein nennt das "Core" bzw. "Kern") dieser Struktur bilden die höchstentwickelten Industrienationen und die Peripherie die Entwicklungsländer. 2 Dieses Modell fasst die Existenz von Entwicklungsländern und die Interaktion zwischen Kern und Peripherie zusammen, die Voraussetzung für die Entwicklungsdynamik der Industrienationen. Gleichzeitig werden dadurch Entwicklungsländer unterentwickelt gehalten. In diesem Abhängigkeits-Modell gibt es auch eine nationale Ebene , auf die ich aber nicht weiter eingehen will, da sie für die Einführung keine entscheidende Rolle spielt. Wichtig dagegen ist Wallersteins Ergänzung des "Zentrum -Peripherie-Modells".
1 Vgl. Wallerstein 1989, Band III, S. 184 f.
2 Vgl. Wallerstein 1974, Band I, S. 450
4
Zwischen dem Kern und der Peripherie zieht er eine dritte von ihm so genannte "Zone" ein, die Semiperipherie. 1 Diese Semiperipherie besitzt weniger wirtschaftliche, sondern politische Funktion. Diese Zone soll verhindern, dass die Polarisierung der Kern- und Peripherie- Zone zu einer Gefährdung oder gar Zerstörung des Systems führt. Die Semiperipherie soll politische Spannung abfedern, sie hat eine Puffer-Funktion.
2.1 Historie
Die Entwicklung der kapitalistische Weltwirtschaft hat sich nach Wallerstein in vier Stadien vollzogen:
1. Stadium 2 : Im 16. Jahrhundert entstand nach dem Scheitern der Habsburger ein Weltreich aufzubauen 3 der Kern der europäischen Weltwirtschaft, vor allem England und die Niederlande gehörten dazu. Adlige gingen dazu über ihre Ländereien mit dem Ziel der Geldgewinnung zu bewirtschaften und nicht mehr mit dem Ziel der Subsistenz. Spanien und die norditalienischen Stadtstaaten sanken auf die Semiperipherie ab. Nordosteuropa und Hispano-Amerika wurden zur Peripherie. Außerhalb der kapitalistischen Weltwirtschaft bewegten sich zu der Zeit noch Russland, Afrika, Indien und China.
2. Stadium 4 : England behauptet sich in der Mitte des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts gegen die Niederlande und Frankreich.
3. Stadium 5 : Zunächst in England entsteht in der zweiten Hälfte des 18. Jahr-hunderts der Industriekapitalismus und weitet sich global aus. Mit dem Einzug des 19. Jahrhunderts hat die kapitalistische Weltwirtschaft alle Mini-Systeme vereinnahmt , und es gibt nach Wallerstein außer der kapitalistischen Weltwirtschaft (auch) keine anderen Welt-Systeme mehr. Russland zieht in die Semiperipherie um, Asien und Afrika werden zur Peripherie. In den Kerngesellschaften brodelt eine Krise. Auf der einen Seite gewinnen die Arbeiter an Einfluss, indem sie sich organisieren, und auf der anderen Seite kann die Kaufkraft nicht mit der
1 Vgl. Wallerstein 1980, Band II, S. 205 ff.
2 Vgl. Wallerstein 1980, Band II, S. 81 ff. :Phase 1 von 1651-1689
3 Vgl. Wallerstein 1974, Band I, S. 247 ff.
4 Vgl. Wallerstein 1980, Band II, S. 283 ff. :Phase 2 von 1689-1763
5 Vgl. Wallerstein 1989, Band III, S. 80 ff. :Phase 3 von 1763-1815
Arbeit zitieren:
Gunnar Vollering, 2005, Wallersteins Konzept des modernen Welt-Systems, München, GRIN Verlag GmbH
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