I
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 1
2. WISSENSMANAGEMENT 3
3. TECHNOLOGIE WIKI 5
3.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG VON WIKIS 5
3.2 WAS IST EIN WIK?I 7
3.2.1 WIKI-IMPLEMENTIERUNGEN 10
3.2.2 WIKI-ANWENDUNG: ENZYKLOPÄDIE WIKIPEDIA 13
4. PROBLEME IN DER PRAX IS UND LÖSUNGEN 16
4.1 TRADITIONELLE LÖSUNGEN 16
4.1.1 ELECTRONIC MAIL 16
4.1.2 INSTANT MESSAGING 17
4.1.3 GROUP WARE 18
4.2 EINSATZMÖGLICHKEITEN VON WIKIS 20
4.2.1 KOMMUNIKATION UND KOORDINATION 21
4.2.2 DOKUMENTENMANAGEMENT 22
4.2.3 KOLLABORATION 23
4.2.4 WEITERE EINSATZMÖGLICHKEITEN 24
4.3 ERFAHRUNGSBERICHTE AUS DER PRAXIS 25
4.3.1 MOTOROLA 25
4.3.2 MICHELIN CHINA 26
4.3.3 WIND RIVER 27
5. SCHLUSSFOLGERUNG UND AUSBLICK 29
LITERATURVERZEICHNIS 31
1. Einleitung
Der Übergang zur vielzitierten Informationsgesellschaft, deren Beginn mit den vielfä ltigen technischen Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) einhergeht, ist kaum mehr zu übersehen [2]. Die ständige Flut an Informationen, mit der man in der heutigen Zeit unweigerlich konfrontiert ist, hat dazu beigetragen, Anstrengungen im Bereich des Managements von Informationen zu unterne hmen. Mit einem gezielten Informationsmanagement 1 sollen Informationsströme koordiniert, Geschäftsprozesse unterstützt und somit Produktivitätsgewinne eingefahren werden [2]. Im Zentrum aller Prozesse steht dabei der Faktor Information, der in diesem Zusammenhang als entscheidender Produktionsfaktor angesehen wird. Im Gegensatz zur Informationsgesellschaft steht der gegenwärtig oft postulierte Umbruch zu einer Wissensgesellschaft, die ihren Schwerpunkt primär auf den Menschen und seine Fähigkeiten legt [4]. Eine besondere Stellung kommt hier dem Produkti-onsfaktor Wissen zu, der sich durch ein erfolgreich geführtes Wissensmanagement (Knowledge Management) zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln kann. Die sich ständig verbessernden Möglichkeiten Wissen zu sammeln, darzustellen und zu übertragen, haben dazu geführt, dass sich in den Organisationen ein Bewusstsein gebildet hat, welches Wissen als zusätzlichen Erfolgsfaktor betrachtet.
Diese Arbeit betrachtet den Einsatz der Wiki-Technologie als eine technische Lösungsmöglichkeit zur Verwaltung und Verbreitung von organisatorischem Wissen in einer Unternehm ung . Wikis sind flexible Anwendungen, die verstärkt innerhalb von Unternehmen und Organisationen eingesetzt werden, um Informationen auf eine einfache Weise zu erstellen und zu verteilen. Gleichsam kann ihr Einsatz als Medium dienen, um im täglichen Geschäft mit Kunden, Partnern und der Öffentlichkeit zu kommunizieren [5].
1 Informationsmanagement umfasst auf unterschiedlichen Ebenen das Management von Informatio-
nen, von Informationssystemen und von Informations- und Kommunikationstechnologie [3]
Neben technologischen Aspekten zum Thema Wiki, wird auch der Begriff des Wissensmanagements eine zentrale Rolle in diesem Seminar einnehmen. Obgleich derzeit keine allgemeingültige Definition zum Begriff Wissensmanagement existiert, werden ein Definitionsversuch sowie wichtige Elemente und Zielsetzungen dieser Managementaufgabe skizziert. Abschließend werde ich praktische Anwendungsbeispiele vorstellen, die durch eine erfolgreiche Integration von Wikis ein verbessertes Kommunikations - und Kollaborationsverhalten erreicht haben.
2. Wissensmanagement
Die Bedeutung des Produktionsfaktors Wissen ist in den letzten Jahren ständig gestiegen und hat zur Folge, dass innerhalb der Unternehmen Investitionen in die Wissensressourcen als weitaus profitabler eingeschätzt werden, als solche in materielle Anlagen [2]. 2 Sucht man nach den Wurzeln des Managements von Wissen, so erkennt man, dass die Idee nicht so neu ist, wie sie auf den ersten Blick zu erscheinen mag. Die Idee, Wissen über Ressourcen gezielt auf diese Ressourcen anzuwenden, ist Resultat einer Entwicklung, die spätestens mit Frederic Taylor 3 begonnen hat [7]. Er war es, der erkannte, dass die Produktivität eines Unterne hmens enorm gesteigert werden kann, wenn das Wissen einzelner Mitarbeiter identifiziert, analysiert und in standardisierte betriebliche Systeme und Abläufe integriert werden kann [8]. Mit der Trennung von Kopf und Hand und der Spaltung in ausführende und dispositive Tätigkeiten, wie es Taylor vorsah, wurde Wissen als Produktionsfaktor relevant. Das Wissen über den Arbeitszusammenhang wurde damit vom Arbeiter auf die Leitung übertragen und die Geburtsstunde der Profession Management, also die gezielte Handhabung von Wissen über einen Sachverhalt, eingeleitet [7].
Sucht man in der Literatur nach einer einheitlichen Definition für den Begriff Wissensmanagement, so stößt man schnell auf eine Vielzahl unterschiedlicher Auslegungen. Diese Vielfalt an Deutungen entsteht durch die verschieden Perspektiven (technisch, wirtschaftlich, organisatorisch etc.), aus der Wissensmanagement abgeleitet werden kann, und macht es schwierig, eine allgemeingültige Definition zu schaffen. Im Folgenden möchte ich dennoch einen Definitionsversuch vorstellen und damit eine begriffliche Grundlage für das weitere Vorgehen dieses Seminars scha ffen. Gemäß Schmid et al. [9] ist Wissensmanagement ein
§ systematischer und strukturierter (explizites Management)
§ ganzheitlicher Ansatz (z.B. Hintergrund in IKT, Human Resource)
§ der implizites (z.B. verborgenes Expertenwissen) und explizites (z.B. dokumentierte Standardabläufe)
2 Diese Aussage wird auch durch eine Knowledge Management Studie der Internationalen Instituts für
lernende Organisation und Innovation (ILOI) gestützt. Ausführliche Ergebnisse findet man in [6].
3 Taylor 1911 gilt als erster Unternehmensberater, weil er konsequent versuchte, Wissen über Ar-
beitsprozesse gezielt für deren Rationalisierung einzusetzen. Die Folgen dieser Managementrevolu-
tion bescherten die bisher größten Produktivitätsgewinne in der Geschichte der Industrialisierung.
Wissen im Unternehmen als strategische Schlüssel-Ressource versteht und daher darauf abzielt,
§ den Umgang mit Wissen auf allen Ebenen (Individuum, Gruppe, Organisation etc.) nachhaltig zu verbessern,
§ um Kosten zu senken, Qualität zu steigern, Innovation zu fördern und Entwicklungszeiten zu verkürzen.
Dieser Definitionsversuch weist auf wesentliche Elemente des praktischen Wissensmanagements hin, aus denen die wichtigsten Interventionsfelder des Wissensmanagements abgeleitet werden können. Die Komplexität der Aufgabenstellung erfordert demnach ein abgestimmtes Instrumentarium:
§ zur Entwicklung und Umsetzung einer wissensorientierten Unternehmensstrategie,
§ zur Beeinflussung von Humanfaktoren (z.B. Unternehmenskultur ),
§ zur Gestaltung organisatorischer Gegebenheiten (Aufbau- und Ablauforganisation) und
§ zur Nutzung technologischer Unterstützung (Systeme der IKT, Intranet, Dokumentenmanagementsysteme, Groupware etc.) Im Rahmen dieses Seminars werde ich mich auf den letzten Punkt der technologischen Unterstützung von Wissensmanagement konzentrieren. Dabei wird die Wiki-Technologie als Möglichkeit zur Verwaltung und Verbreitung von organisatorischem Wissen untersucht.
3. Technologie Wiki
Bevor ich auf konkrete Einsatzmöglichkeiten der Technologie Wiki zu sprechen komme, werde ich dieses Kapitel allgemeinen Aspekten dieses besonderen Konzeptes widmen. Nach einer Beschreibung der historischen Entwicklung werden die Eigenschaften von Wikis untersucht und gezeigt, warum gerade sie im Bereich des Wissensmanagements gut einsetzbar sind. Im Anschluss werde ich eine Übersicht über die wichtigsten Wiki-Implementierungen schaffen und Wikipedia als eine konkrete A nwendung effizienter Wissensspeicherung vorstellen.
3.1 Historische Entwicklung von Wikis
Auf der Suche nach dem Ursprung des Konzeptes Wiki muss man eine Dekade zurückblicken. Die dokumentierte Geschichte der Wikis beginnt am 16. März 1995 mit einer ergreifend schlichten Email von Ward Cunningham 4 , an eine n amerikanischen Software-Designer, an einen gewissen Steve [10]:
"Steve - ich habe eine neue Datenbank auf meinem Web -Server installiert und bitte Dich,
mal einen Blick darauf zu werfen. Es ist ein Web von Menschen, Projekten und Mustern,
auf das man über ein cgi-bin-Skript zugreifen kann. Es bietet die Möglichkeit, ohne HTML-Kenntnisse mit Formularen Text zu editieren. Es wäre schön, wenn Du mitmachen oder
wenigstens Deinen Namen in der Liste der RecentVisitors eintragen könntest…
Die URL ist http://c2.com/cgi-bin/wiki - danke schön und beste Grüße." Diese Informationen reichten aus , um weitere Personen von der Idee von Wikis zu begeistern. Cunningham beschäftigte sich zur damaligen Zeit mit Entwurfsmustern, die in der Software-Entwicklung für möglichst allgemeine Standardlösungen wiederkehrender Probleme stehen. Um solche Muster archivieren und um die Zusammenarbeit mit Entwicklern aus aller Welt erleichtern zu können, programmierte Cunningham eine einfache Datenbank für Entwurfsmuster, die er WikiWeb nannte [10].
Die erste Anwendung bildete das Portland Pattern Repository, ein offenes Dokumentationssystem für wiederkehrende Muster in der Softwareentwicklung. Sehr rasch entwickelt sich daraus die Gemeinschaft WikiWikiWeb, in der Cunningham nicht nur zum technischen Vater des WikiWeb, sondern auch zum geistigen Vater der Wiki-WebCommunity erklärt wurde [11]. Gemeinsam mit den Kollegen und Nut-
4 WardCunnigham ist ein Computerprogrammierer und ist Erfinder des WikiWiki-Konzepts. Er ist
Gründer der Cunningham & Cunningham Inc. und der Hillside Group. Seit Dezember 2003 arbeitet
er in der Patterns and Practices Group bei Microsoft.
zern seiner Community prägt er seither die spezifische Wiki-Kommunikationskultur, die technische und soziale Neuerungen vorschlägt bzw. entwickelt.
Obwohl die Idee von Wikis schnell zahlreiche Anhänger in einem engen Kreis von Wissenschaftlern und Software-Entwicklern fand und sich auch viele Wikis zu fast jedem erdenklichen Thema etablierten, verbrachten Wikis im Internet eine lange Zeit ihr Schatte ndasein. Wer zufällig über Google auf eine Wiki-Webseite gelangte, nahm in der Regel nur die befremdliche Syntax, das rudimentäre Design und mit etwas Glück eine Zusammenfassung des Prinzips auf. In den meisten Fällen konnten die Besucher wenig mit dem Leitsatz "jeder kann alles editieren" anfangen und so verließen sie die Wiki-Seiten ohne das Konzept verstanden oder genutzt zu haben [10].
Die Situation änderte sich aber im Jahre 2001. Zum einen wurde in diesem Jahr das Buch „The Wiki Way [12]“ veröffentlicht, welches die Idee und das Konzept des WikiWeb der breiten Öffentlichkeit näher brachte. Zum anderen wurde im Januar 2001 das Wiki-Prinzip erstmals auf eine Enzyklopädie angewendet. Larry Sanger war zum damaligen Zeitpunkt Chefredakteur vom Projekt Nupedia, einer vom Unternehmer Jimmy Wales unterstützten Enzyklopädie im Internet. Zwar sollten die Inhalte dieses Projekts interessierten Lesern frei zugänglich angeboten werden; zunächst mussten sie jedoch eine strenge Qualitätskontrolle durchlaufen, die aus qualifizierten Experten und einem bürokratischen Veröffentlichungsprozess bestand [13]. Diese komplexe Qualitätssicherung und eine undurchsichtige Bürokratie waren die Gründe, die den Erfolg dieses Projektes verhinderten und unweigerlich zum Scheitern führten.
Der Chefredakteur Larry Sanger hielt jedoch an der Idee einer freien Enzyklopädie fest und starte mit Wikipedia 5 einen neuen Versuch auf Basis des Wiki-Prinzips. Mit dieser Lösung standen nicht nur die Inhalte frei zur Verfügung , jeder Leser konnte sich auch völlig frei an der Weiterentwicklung der Inhalte beteiligen [14]. Mit seiner wachsenden Beliebtheit konnte die Wikipedia erheblich dazu beitragen, so dass die Idee hinter dem Wiki-Prinzip seither einen immer größeren Nutzerkreis erschließt. Mittlerweile hat das Wiki-Konzept alle Erwartungen übertroffen. Es ist flexibel, direkt, leicht anwendbar und benötigt nur einen Webbrowser, weshalb Wikis für eine Vielzahl von Anwendungen verwendet werden können. Wiki-Implementierungen existie-
5 Nähere Informationen zur freien Enzyklopädie Wikipedia findet man in Kapitel 3.2. 2.
Arbeit zitieren:
Diplom-Wirtschaftsingenieur Georg Schumacher, 2005, Einsatz von Wikis im Wissensmanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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