Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG. 3
2. VORGESCHICHTE DES ITALIENISCHEN KRIEGSAUSTRITTES 4
3. DIE BESETZUNG ITALIENS DURCH DIE WEHRMACHT. 5
3.1. DER FALL „ACHSE 5
3.2. DIE REPUBLIK VON SALÒ 7
3.2. ROM OFFENE STADT 9
3.3. ITALIENISCHE MILITÄRINTERNIERTE. 9
4. RESISTENZA UND „BANDENBEKÄMPFUNG 12
4.1. DAS ATTENTAT IN DER VIA RASELLA UND DIE ANSCHLIEßENDE
„VERGELTUNGSMAßNAHME” IN DEN FOSSE ARDEATINE. 13
4.2. PARTISANENBEKÄMPFUNGSBEFEHLE UND REPRESSALTÖTUNGEN. 15
4.2.1. „BANDENBEKÄMPFUNG“ 15
4.2.2. REPRESSALTÖTUNGEN ALS VERGELTUNGSMAßNAHME. 16
4.2.3. ZUR RECHTMÄßIGKEIT VON GEISELERSCHIEßUNGEN NACH DER HAAGER
LANDKRIEGSORDNUNG 18
4.3. ZUR LEGITIMITÄT DER RESISTENZA. 19
5. SCHLUßBETRACHTUNG. 22
6. LITERATURVERZEICHNIS. 24
2
1. Einleitung
Als am 25. Juli 1943 Mussolini auf der Sitzung des Großen Faschistischen Rates gestürzt und die konstitutionelle Entscheidungsgewalt an König Vittorio Emanuele III. gegeben wurde, zerschlugen die Römer unter allgemeinem Jubel faschistische Embleme und Symbole der letzten 20 Jahre wie Rutenbündel, Kaiseradler oder Büsten des Duce 1 . Die allgemeine Überzeugung, daß Mussolinis Entmachtung und Verhaftung den Frieden bringen werde, erwies sich noch am gleichen Abend als Illusion, als der neue Regierungschef Pietro Badoglio im Radio verkündete, daß „der Krieg weitergehe” 2 . Die nachfolgenden chaotischen Ereignisse während der „45 Tage unter Badoglio” bis zum Waffenstillstand mit den Alliierten und die unmittelbar anschließende Besetzung Italiens durch die deutsche Wehrmacht brachten nicht den erhofften Frieden, sondern machten das Land zum Schauplatz zweier sich überschneidender Kriege, dem der vorrückenden Alliierten mit Deutschland, und dem Partisanenkrieg gegen die Besatzer und das neu errichtete faschistische Regime der „Republik von Salò“.
Das rücksichtslose Vorgehen der Deutschen, die die Ressourcen des Landes für ihre Kriegswirtschaft ausbeuteten und arbeitsfähige Männer als „gigantisches Arbeitskräftereservoir” 3 verhafteten und nach Deutschland deportierten, ihre im sogenannten „Nero-Befehl” vom 18. September angeordnete „Politik der verbrannten Erde” 4 sowie die zunehmend drastischeren Repressalien als Antwort auf Widerstandsaktionen sorgten für starken Zulauf zu den gleichzeitig mit der Kapitulation entstandenen Partisanenverbänden.
In der vorliegenden Arbeit soll die Vorgeschichte des italienischen Kriegsaustrittes kurz skizziert, sowie die Zeit der Besetzung Roms durch die Deutschen charakterisiert werden. Hierbei liegt der Augenmerk auf dem Status Roms als „offener Stadt” und dabei besonders dem Attentat in der Via Rasella. Abschließend soll die Rechtmäßigkeit von Geiselerschießungen im 2. Weltkrieg kurz erörtert und einige Überlegungen zur Legitimität des Attentats gemacht werden.
1 Procacci, S. 379.
2 Mantelli, S. 165.
3 Klinkhammer, S. 555.
4 Vgl. ebda., S. 56-57.
3
2. Vorgeschichte des italienischen Kriegsaustrittes
In den „45 Tagen unter Badoglio” zwischen dem monarchischen Staatsstreich und der Verkündigung des Waffenstillstandes am 8. September 1943 verfolgte der Ministerpräsident eine Politik des Zeitgewinns und der kleinen Schritte, ohne daß große Entscheidungen getroffen wurden; seine Regierungszeit gilt als ein „nicht überbotenes Beispiel politischer Unfähigkeit” 5 : Die faschistische Partei wurde zwar aufgelöst, die Miliz jedoch in die Armee integriert und deutschfreundliche Militärs im Amt belassen. Außerdem blieben herausragende Führungskräfte und Parteifunktionäre unbestraft 6 . Bis zur Bekanntgabe der Kapitulation wurde die Bildung neuer Parteien verhindert. Verhandlungen zogen sich in die Länge und fanden oft parallel, ohne gegenseitige Unterrichtung, statt. Während der neue Außenminister Guariglia seinem deutschen Kollegen versicherte, daß sich die italienische Außenpolitik nicht ändern werde, knüpfte er gleichzeitig Kontakte zu den Alliierten, um die Konditionen eines Waffenstillstandes zu ermitteln.
Marschall Badoglio und der König wollten das Unmögliche erreichen: Vordringlich Monarchie und das Haus Savoyen retten, einen Separatfrieden mit günstigen Waffenstillstandsbedingungen mit den Alliierten erreichen 7 und sich gleichzeitig mit Zustimmung der Deutschen aus dem Krieg zurückziehen 8 .
Unterdessen war Italien nicht nur den Bombardements der Alliierten ausgesetzt, sondern Deutschland konnte die verstreichende Zeit nutzen, um seine Stellungen in Norditalien auszubauen. Bereits einen Tag nach dem Staatsstreich, am 26. Juli, wurden deutsche Truppen südwärts in Marsch gesetzt, weitere 18 Divisionen zu den bisherigen 7 in Italien verbracht 9 .
Die Ereignisse zwischen der Unterzeichnung der Kapitulation am 3. September 1943 10 und deren verspäteter Bekanntgabe am 8. September sind bis heute nicht vollständig geklärt. Ba-
5 Procacci,S. 380.
6 Ebda., vgl. auch Battaglia, S. 64, sowie S. 25-27.
7 Italien wollte einen Teil der Kolonien behalten und seine institutionelle Ordnung retten; dabei wurde jedoch die Forderung der Alliierten auf bedingungslose Kapitulation völlig außer Acht gelassen, vgl. Mantelli, S. 166.
8 Vgl. Procacci, S. 380-381.
9 Battaglia, S. 28.
10 Im sog. Kleinen Waffenstillstand, der nur militärische Bestimmungen enthielt, mußte man alle Bedingungen der Alliierten annehmen: Sofortige Einstellung der Kriegshandlungen gegen Alliierte, Verpflichtung, den Deutschen den Zugriff auf Einrichtungen oder Materialien zu verwehren, Überstellung der Gefangenen und Internierten an den alliierten Oberbefehlshaber, Auslieferung aller Kriegsschiffe und Flugzeuge, uneingeschränkte Nutzung von Flughäfen und Häfen. Korsika und Italien
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doglio wollte durch Stillschweigen erreichen, daß Deutschland erst von dem Waffenstillstand erfuhr, nachdem alliierte Truppen in Süditalien gelandet und Luftlandetruppen über Rom abgesprungen waren. Diese Geheimhaltung hatte ein unbeschreibliches Chaos zur Folge 11 . Den italienischen Truppen wurden keine klaren Anweisungen gegeben; erst am 5. 9. erteilte man Order, sich gegen „Angriffe gleich von welcher Seite” zu verteidigen 12 . Als man feststellte, daß die Deutschen inzwischen alle Flughäfen besetzt hatten und eine Flotte mit Landungstruppen nach Salerno unterwegs war, gab General Eisenhower über Radio Algier am 8. September 1943 um 17.00 Uhr die Meldung heraus, daß die italienische Regierung um bedingungslose Kapitulation ihrer Streitkräfte gebeten habe 13 . Kurz darauf berichtete auch Radio London und zwei Stunden später, um 19.45 Uhr, sprach Badoglio im italienischen Rundfunk: Er verkündete offiziell den Waffenstillstand, befahl seinen Truppen, jeden Widerstand gegen die Alliierten einzustellen und „möglichen Angriffen von anderer Seite entgegenzutreten” 14 . Die Kriegserklärung an Deutschland erfolgte allerdings erst nach langem Zögern am 11. Oktober.
3. Die Besetzung Italiens durch die Wehrmacht
3.1. Der Fall „Achse”
Deutschland hatte spätestens seit Herbst 1942 15 Gegenvorkehrungen für einen vermuteten und seit Mai 1943 als bevorstehend eingeschätzten Kriegsaustritt der Italiener getroffen. Die operativen Weisungen für ein Eingreifen der Wehrmacht in Italien mit seinen Inseln und dem italie nisch besetzten Südfrankreich waren unter dem Codenamen Alarich bekannt; Pläne für die vom Bündnispartner okkupierten Gebiete auf dem Balkan und den dortigen Inseln unter Konstantin 16 . Seit dem 28. Juli 1943 wurde die faktische Machtübernahme in Italien und in allen vom Bündnispartner besetzten Gebieten Südeuropas und Südfrankreichs durch die deutsche Wehrmacht als Fall „Achse” 17 zusammengefaßt. Endgültige Richtlinien für deutsche
sollten den Alliierten als Operationsbasis zur Verfügung stehen. Vgl. hierzu Schreiber, S. 73. Am 29. 9. 1943 folgte der Lange Waffenstillstand mit zusätzlichen politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Bestimmungen.
11 Hausmann, S. 14.
12 Mantelli, S. 168.
13 Schreiber (1990), S. 93.
14 Procacci, S. 381, vgl. auch Schröder, S. 281-282.
15 Seit dem 22.7. wies Mackensen auf innenpolitische Hochspannung hin, vgl. Schröder, S. 215.
16 Dazu ausführlich Schröder, S.176-195. Vgl. auch Schreiber (1990), S. 40.
17 Schröder, S. 218.
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Gegenmaßnahmen ergingen bereits am 30. August 18 . Vorgesehen war die totale Entwaffnung der italienischen Streitkräfte sowie Herrschaft über Territorium und Verwaltungsapparate; die Vorbereitungen liefen gewissermaßen unter den Augen der Regierung in Rom ab 19 : Nach dem Staatsstreic h vom 25.7. hatte Deutschland unmittelbar seine Stellungen verstärkt und verschlüsselte Botschaften an alle Kommandostellen auf dem Balkan gesandt mit dem Befehl, sich auf die Übernahme der italienischen Positionen in Griechenland und Kroatien vorzubereiten. Gegenüber den italienischen Dienststellen seien diese Bewegungen notfalls mit anderen Aufgaben zu begründen. Bei Widersetzen sollte rücksichtslos von der Waffe Gebrauch gemacht werden 20 .
Als der Waffenstillstand am 8. September bekanntgegeben wurde, war die deutsche Besetzung von Nord- und Mittelitalien detailliert vorbereitet. Als noch am gleichen Abend um 20.00 Uhr der Chef des Wehrmachtführungsstabes, General Jodl 21 das Stichwort „Achse” 22 auf Weisung Hitlers fernmündlich durchgab, mußte lediglich die Machtübernahme vollzogen werden 23 . Dennoch kam die Bekanntgabe der Kapitulation offenbar so überraschend, daß die Aktionen 48 Std. Anlaufzeit benötigten. Die italienische Marine konnte diese Zeit nutzen, sich nach Malta abzusetzen, ebenso wurden die meisten Maschinen der Luftwaffe dem deutschen Zugriff entzogen. Danach lief die Entwaffnung des italienischen Heeres nach Plan; am 9.9. 1943 erteilte das Oberkommando der Wehrmacht die Weisung, auch alle bei deutschen Kommandobehörden vorhandenen italienischen Verbindungsstäbe in Sicherheitsverwahrung zu nehmen 24 .
Bereits am gleichen Tag waren die Alpenpässe in deutscher Hand, das italienische Oberkom-mando in Monte Rodondo bei Rom war ausgeschaltet, die Hauptstadt besetzt. Trotz der Überlegenheit der italienischen Truppen zu diesem Zeitpunkt (4 Divisionen gegen 2 deutsche in der Umgebung Roms) kam es zur „Versäumten Verteidigung Roms”, denn man hatte den
18 Schreiber (1990), S. 78.
19 Mantelli, S. 165.
20 Vgl. Steinberg, S. 202.
21 Schreiber (1990), S. 99.
22 Die noch am gleichen Abend von Außenminister Guariglia informierten Deutschen werteten den Waffenstillstand als „Verrat” und verbreiteten dies bereits einen Tag später in amtlichen Mitteilungen als „willkommenes Propagandainstrument”. S. Klinkhammer, S. 554, vgl. auch Andrae, S. 26.
23 Klinkhammer, S. 554.
24 Vgl. Andrae, S. 30.
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Truppen befohlen, sich zum Schutz des Königs Richtung Brindisi zurückzuziehen 25 . Vittorio Emanule III. hatte bereits am frühen Morgen des 9. September zusammen mit den wichtigsten politischen und militärischen Amtsträgern die Flucht ergriffen, ohne der Armee Befehle oder Weisungen zu hinterlassen 26 .
Drei Tage später, am 11. September, war das italienische Gebiet von den Alpen bis zur Frontlinie Salerno-Benevento-Eboli unter deutscher Kontrolle 27 . Noch im gleichen Monat setzte man in allen Städten Oberitaliens deutsche Standortkommandanten ein. Zwei „Operationszonen” wurden provisorisch den Gauleitern von Tirol und Kärnten als „Oberste Kommissare” unterstellt 28 : Das „Alpenvorland” mit den Provinzen Bozen, Trient und Beluno und das „Adriatische Küstenland” mit den Provinzen Görz und Triest, sowie Istrien und Slowenien. Bevollmächtigter des Großdeutschen Reiches in Italien im „übrigen besetzten Gebiet” 29 wurde Botschafter Rahn; Karl Wolff ernannte man zum „polizeilichen Sonderberater” - so hatte man weite Einflußmöglichkeiten bei der neueingesetzten faschistischen Regierung, der Repubblica Sociale Italiana (RSI), geschaffen 30 .
3.2. Die Republik von Salò
Bereits in der Nacht vom 8. auf den 9.September 1943 wurde per Radio die Errichtung ei ner achsentreuen „provisorischen faschistischen Nationalregierung” unter Mussolini in Erwartung seiner Befreiung von nach Deutschland geflohenen Parteifunktionären verkündet. Für Hitler war der Duce die Garantie für Bündnistreue, ohne ihn war die Achse in Frage gestellt 31 . Am 12. September 1943 befreiten deutsche Fallschirmspringer Mussolini aus sei nem Gefängnis am Gran Sasso, setzten ihn als Regierungschef der „Italienischen Sozialen Republik”, auch „Republik von Salò” 32 genannt, im Norden Italiens ein.
25 Battaglia, S. 33, vgl. auch Andrae, S. 32: Der Befehlshaber der italienischen 5. Armee in der Toskana befahl zwar, die Deutschen am Marsch auf Rom zu hindern, dies unterblieb jedoch, als Generalstabschef Roatta befahl: „Non attacare ma reagire con forza ad ogni atto di violenza”.
26 Vgl. Schröder, S. 291.
27 Mantelli, S. 169.
28 Im Herbst 1944 wurden beide Operationszonen offiziell zum deutschen Hoheitsgebiet erklärt. Andrae, S. 44.
29 vgl. Lill (1988), S. 364-365.
30 Klinkhammer, S. 557.
31 Mantelli, S. 165.
32 In der RSI versuchten die Regierenden „aus zweiter Reihe” zum frühen faschistischen sozialen Radikalismus zurückzukehren: Ein republikanisches und antisemitisches Programm, das private
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Elke Timme, 2001, Rom unter deutscher Besetzung 1943 - 1945, München, GRIN Verlag GmbH
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Rom unter deutscher Besetzung.
Der Titel steht bereits für die Richtigkeit.
Rom war vom 11.9.1943 bis 2.6.1944 von deutschen Truppen besetzt, wenn man Polizeikräfte zu den Truppen zählen möchte. Das Literaturverzeichnis deutet bereits daraufhin, wo diese Arbeit hingehen soll. Wenn diese Arbeit dann noch mit 1,3 bewertet wird, so muß ich sehr zurückhalten mit meiner Ansicht. Ich habe lediglich die gesammelten Unterlagen zu diesem Vorgang zur Verfügung. will man sich informieren, so sei auf die Magisterarbeit von Steffen Prauser hingewiesen, das Buch Fosse Ardeartine und Marzabotto von Jochaim Staron ist ebenfalls zu empfehlen. Selbst diese Ausführungen kommen noch immer nicht an den Kern heran.
Leider bin ich in der Lage, da mein Vater Carl Schütz, Leiter der Sicherheitspolizei in dieser Zeit in Rom gewesen ist, besser Auskunft geben zu können.
Bisher haben sich Historiker oder angehende Historiker nicht entschließen können, wegen der "political correctness" dieses heikle Thema anzugehen. Daher ist es besser für die Autoren das nachzuschreiben, was Andere unwahre geschrieben haben.
Axel-Elmar Schütz
am Tuesday, May 09, 2006-