INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG. 1
2. BEZIEHUNGEN IM RAHMEN DER NETZWERK-THEORIE 2
3. STARKE VS. SCHWACHE BEZIEHUNGEN - CHARAKTERISTIKA UND VORTEILE. 5
4. EMPIRISCHE RELEVANZ. 10
5. SCHLUSSBEMERKUNG. 17
II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Die „verbotene Triade“ nach Granovetter
Abbildung 2: Graphische Darstellung einer Brückenbeziehung
Abbildung 3: Nutzenfunktion in Abhängigkeit vom Status
Abbildung 4: Studie von Mark Granovetter - Befragungsergebnisse.
III
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Wohlfahrtssurvey - Wege der Stellenfindung (1) 11
Tabelle 2: Wohlfahrtssurvey - Wege der Stellenfindung (2) 11
Tabelle 3: Sozioökonomisches Panel 1985. 12
Tabelle 4: IAB-Befragung zur Stellenfindung, Herbst 1985 13
Tabelle 5: Untersuchung des WSI - Erfo lgreiche Vermittlungswege bei der Stellensuche 14
IV
1. EINLEITUNG
Betrachtet man in Stellenanzeigen die Anforderungsprofile der Arbeitgeber, stellt man sehr häufig fest, dass die Bewerber neben Abschlüssen und Diplomen auch ü ber so genannte „Schlüsselqualifikationen“ 1 wie Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Flexibilität, Kommunikations-und Kontaktfähigkeit und soziale Kompetenzen verfügen müssen. Angesichts fast 4,8 Millionen registrierter Arbeitsloser 2 auf dem deutschen Arbeitsmarkt und lahmender Konjunktur sind es de facto allerdings auch (oder gerade?) Beziehungen, die bei der Jobsuche eine scheinbar immer größere Bedeutung gewinnen. Den Stellensuchenden werden Beziehungen als „das A&O“ 3 , Kontakte im Allgemeinen gar als „Karrierebeschleuniger“ 4 angepriesen; im Volksmund hat sich für dieses Phänomen der Ausdruck „Vitamin B“ 5 etabliert. Die vorliegende Arbeit versucht herauszufinden, ob und warum Beziehungen bei der Stellensuche so hilfreich erscheinen: Zählt es vielleicht sogar als Qualifikation, Beziehungen vorweisen zu können? Hierzu soll zunächst der schillernde Begriff der „Beziehungen“ im Kontext der Netzwerk-Theorie definiert und wichtige Grundbegriffe erläutert werden, bevor Punkt 3 genauer zwischen starken und schwachen Beziehungen differenziert und deren jeweilige Merkmale und Vorteile für den Stellensuchenden gegenüberstellt. Hier soll die vermeintliche Paradoxie der Stärke schwacher Beziehungen beschrieben und erklärbar gemacht werden. Anhand diverser Studien - insbesondere der von Mark Granovetter aus dem Jahre 1973 - zeigt Punkt 4 exemplarisch die empirische Relevanz des Themas auf, b evor unter Punkt 5 die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst werden.
1 Vgl. o.V.: „Richtig bewerben - Schlüsselqualifikationen“, http://www.jobware.de/ra/rb/rb/7.html.
2 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): „Registrierte Arbeitslose-Deutschland“,
http://www.destatis.de/indicators/d/arb110ad.htm (18.08.05).
3 Vgl. o.V.: „Bewerbung“, http://www.karrierefuehrer.de/bewerbung/vitaminb.html (18.06.05).
4 Vgl. o.V.: „Networking - Kontakte als Karrierebeschleuniger“,
http://www.stellenmarkt.de/karrieretipps/networking1.htm (18.06.05).
5 Vgl. Hohn, Hans-Willy: „Soziale Netzwerke und Kooperation im Betrieb - Funktionen informeller Rekrutierung
im dualen System der industriellen Arbeitsbeziehungen“ in Deeke, Axel/Fischer, Joachim/Schumm-Garling, Ursula
(Hrsg.): „Arbeitsmarktbewegung als sozialer Prozess“, S. 83.
1
2. BEZIEHUNGEN IM RAHMEN DER NETZWERK-THEORIE
Die Netzwerk-Theorie versteht unter dem Begriff der „Beziehungen“ verschiedenartige Ausprägungen von Verbindungen zwischen zwei Individuen. 6 Diese Verbindungen, oft auch als „Relationen“ bezeichnet, lassen sich hinsichtlich „ihres Inhaltes, ihrer Intensität und ihrer Form unterscheiden.“ 7 Die Klassifikation der Inhalte reicht hierbei von der Transaktion begrenzter Ressourcen (z.B. Kauf, Geschenk) über Gefühls- und Verwandtschaftsbeziehungen bis hin zu Machtbeziehungen. Beziehungs- oder Relationsintensitäten werden nach ihrer Häufigkeit, ihrer Wichtigkeit für den Akteur oder nach dem Ausmaß des Ressourcentransfers (in Geld oder anderen Einheiten) bestimmt.
Mark Granovetter konkretisiert diese Maßgrößen der Intensität und unterscheidet zwischen starken und schwachen Be ziehungen: nach ihm sind es vier Faktoren, von denen die Stärke einer Beziehung zwischen zwei Individuen (vermutlich linear) abhängt:
§ die gemeinsam verbrachte Zeit,
§ die emotionale Intensität,
§ die Intimität (im Sinne gegenseitigen Vertrauens) und
§ die Reziprozität, also die Gegenseitigkeit der Beziehung. 8
Sozial starke Beziehungen sind folglich Beziehungen zu Familienmitgliedern, eng Vertrauten und guten Freunden. Neben einer relativen Dauerhaftigkeit zeichnen sich solche Beziehungen durch das genannte Krit erium der Gegenseitigkeit und ein häufiges, vor allem außerberufliches Zusammensein bzw. Interagieren aus. 9
Sozial schwache Beziehungen sind andererseits Verhältnisse zu bloßen Bekannten bzw. Personen, die man nur flüchtig kennt und selten zu Gesicht bekommt. Neben d en genannten vier Faktoren sind es laut Bernd Wegener die so genannten „Beziehungsfoci“ 10 , die über die Stärke und Schwäche von Beziehungen entscheiden. „Foci“ sind im Rahmen der Netzwerk-Theorie das, was eine Beziehung ausmacht und worauf sie sich letztendlich begründet: sie können durch Liebe, Familie, Nachbarschaft, aber auch durch Arbeitsplatz, Freizeittreffpunkte und Mitgliedschaft in einer Organisation bestimmt sein.
6 Vgl. Jansen, Dorothea: „Einführung in die Netzwerkanalyse” (2003), S. 44.
7 ebenda, S. 59.
8 Vgl. Granovetter, Mark S.: „The Strength of weak ties“ in: American Journal of Sociology 78 (1973), S. 1360-
1380, S. 1361.
9 Vgl. Wegener, Bernd: „Vom Nutzen entfernter Bekannter“ in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie 39 (1987), S. 278-301, S. 279.
10 Vgl. ebenda, S. 281.
2
Arbeit zitieren:
Michael Wilhelmi, 2005, Beziehungen und "Vitamin B" - Schlüsselqualifikationen bei der heutigen Stellensuche?, München, GRIN Verlag GmbH
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