Anthropologisch: Die Heilige Schrift gibt uns Antworten auf schwierige Lebensfragen der Menschheit und „fordert uns zur Auseinandersetzung mit ihren Deutungen und Gestalten heraus.“ (Zitat aus: Iris Bosold/ Peter Kliemann (Hg.): „Ach, sie unterrichten Religion?“, Calwer/Kösel, München/Stuttgart 2003, S. 268)
Gesellschaftlich: Christliche Positionen werden in verschiedenen Gesellschaften begründet, indem man auf Bibelaussagen verweist.
Ziele und Probleme des Biblischen Unterrichts
Zu einer der Hauptaufgaben des katholischen Religionsunterrichts gehört es nun, den Schüler zum sachgemäßen Umgang mit der Heiligen Schrift zu qualifizieren. Darin ist das Erschließen und Verstehen biblischer Texte mit inbegriffen. Das alles ist auch im Lehrplan für Katholische Re ligion festgehalten: D as zweite Rahmenthema des Lehrplans lautet „Zuspruch und Anspruch der Bibel“. Es ist das Ziel der Lehrer den Schülern in ihrer Grundschullaufbahn die Bibel als das Buch nahe zu bringen, in dem der Zuspruch und Anspruch Gottes deutlich wird. Außerdem sollen die Schüler in den Bibelgeschichten von Leuten erfahren, die ihr Leben vollkommen nach Gott ausgerichtet haben. Des Weiteren sollen sie über die Bibeltexte lernen, dass Gott der menschenfreundliche Gott für uns ist.
Obwohl die Behandlung der Heiligen Schrift im Lehrplan festgehalten ist, macht sich in der Schule, was den biblischen Unterricht angeht, leider Gottes immer mehr Langeweile breit. Für diese nicht wünschenswerte Entwicklung ist verantwortlich, dass die Bibel von vielen Kindern und Jugendlichen nicht mehr akzeptiert wird. Nicht selten kommt es sogar zur totalen Ablehnung. Dieses Verhalten erklären die jungen Menschen damit, dass sie das Buch als realitätsfern, nicht aktuell, langweilig oder als sprachlich und inhaltlich unverständlich beschreiben. Kaum ein Schüler erkennt, dass die Bibel heute noch als Inspiration für humane Lebensgestaltung dient. Nahezu niemand glaubt mehr oder weiß nicht einmal, dass die Überlieferungen nach wie vor eine Orientierung für ein gelingendes Leben darstellen. Ein weiterer Grund für eine negative Haltung der Bibel gegenüber seitens der Schüler könnte die biblische Überfrachtung der religiösen Bildungsarbeit in Kindergarten und Schule sein. Immer wieder tauchen dieselben Inhalte auf und sind oft ähnlich aufgebaut wie zuvor. Kein Wunder, dass da Langeweile aufkommt.
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Die Aufgabe der Religionslehrer besteht angesichts der o. g. Situation darin, die Barrieren der Kinder und Jugendlichen gegenüber der Heiligen Schrift zu überwinden. Das Interesse der neuen Generation muss wieder geweckt werden. Es gibt kein Patentrezept dafür, wie man dieses Ziel erreichen kann, aber einige wenige Dinge können einem als Lehrer schon weiterhelfen:
Grundsätzliches zur Arbeit mit der Bibel
Den Anfängergeist beachten:
Wenn der Lehrer den Schülern als der Allwissende gegenübertritt, so fördert das bei den Lernenden Langeweile. Und das ist eine der schlimmsten Formen von Lernhemmern. Sie zerstört den Anfängergeist der Schüler. Man sollte also als Lehrer dem Schüler - ungeachtet des eigenen Vorwissens - aufmerksam zuhören. So ist der Lehrer nicht mehr der Experte, er wird dem Schüler nahezu ebenbürtig und die Schüler bleiben bei der Sache. Die Bibel als Nachricht aufnehmen:
Wir neigen heutzutage dazu alles nur oberflächlich wahrzunehmen. Aus diesem Grunde sollten wir der Forderung Martin Wagenscheins nachgeben und wieder die Langsamkeit als Grundlage des Lernens entdecken. Es besteht eine Distanz zwischen Text und Leser. Deshalb muss man die Inhalte mit Bedacht aufnehmen. Doch das muss erst einmal wieder gelernt sein. Den Text nicht auf eine Aussage festlegen, sondern als Textur lesen: Durch das Festlegen auf eine Aussage, wird ein Text in seiner Vieldeutigkeit beschränkt. Aber gerade Bibeltexte sind vielfältig auslegbar und das sollte beibehalten werden. Bibeltexte als Antworttexte verstehen:
Man sollte die Bibeltexte als Antworten auf damalige Probleme und Konflikte zu interpretieren. Auf welche Aspekte des früheren gesellschaftlichen Lebens waren sie gerichtet und was haben sie möglicherweise bewirkt?
Bibeltexte als Modelle und Inspiration gelingenden Lebens verstehen: Die Bibelinhalte müssen kontextorientiert aufgenommen werden. Nur auf diese Weise können sie Glaubensantworten auf Lebensfragen der heutigen Menschen geben und den Menschen auf den Weg eines gelungenen Lebens führen. Im Unterricht lässt sich dieses Konzept am besten umsetzen, wenn man biblische und erfahrungsbezogene Themen miteinander verknüpft.
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Bei der Arbeit mit der Heiligen Schrift im Religionsunterricht müssen in der heutigen Zeit die Lernchancen aus den Bibeltexten in den Vordergrund gestellt werden. Die entscheidende Aufgabe ist demnach die biblische Botschaft und Grundfragen und -erfahrungen der Kinder und Jugendlichen miteinander zu verknüpfen und ins Gespräch zu bringen. Das Problem dabei ist, dass die Erfahrungen, die die Kinder heute machen, nicht unmittelbar auf den Bibeltext bezogen werden können. „Es kann nur die damalige im Text vorausgesetzte Lebenssituation und den damit verbundenen menschlichen Erfahrungen mit Situationen heute, in denen Menschen heute ähnliche Erfahrungen machen, verglichen werden“ (Zitat aus: Iris Bosold/ Peter Kliemann (Hg.): „Ach, sie unterrichten Religion?“, Calwer/Kösel, München/Stuttgart 2003, S. 270). Das funktionie rt aber nur dann, wenn die Kinder in der Lage sind eine ihnen fremde Situation aus der Bibel mit einer ähnlichen aus ihrem Leben in Verbindung zu bringen.
Ein guter Religionslehrer sollte sich bei der Planung seines Bibelunterrichts folgende Fragen stellen, um den Unterricht schülergerecht und interessant aufzubereiten:
- Wie kann der Lebensbezug der biblischen Überlieferung aufgezeigt und erschlossen werden?
- Wie kann den Lernenden an der Bibel etwas für sie Wichtiges aufgehen?
- Wie kann die biblische Überlieferung die Lernenden ganzheitlich ansprechen und ihre imaginativen Kräfte stärken?
- Wie kann der biblische Unterricht zum Austausch und zur Zusammenarbeit anregen?
- Wie kann der biblische Unterricht eigene Aktivitäten und selbständiges Handeln der Lernenden fördern?
Methoden biblischer Texterschließungen
1. Zur aufmerksamen Wahrnehmung anleiten:
Wir neigen heutzutage zur flüchtigen und oberflächlichen Wahrnehmung von Texten. Doch das hat zur Folge, dass meist erst gar kein Kontakt zwischen Leser und Text entstehen kann. Um einer solchen flüchtigen Wahrnehmung vorzubeugen, kann man zwei Methoden anwenden:
- Verlangsamen: Meist wird ein Text in Sätze gegliedert, die einzeln gelesen werden. Nach jedem Satz entsteht ein Anstoß zum Fragen oder Weitererzählen. Auf diese Weise setzt man sich intensiv mit dem Text auseinander.
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- Verfremden: Die Methode des Verfremdens wird in Betracht gezogen, wenn die Texte den Schülern schon ausrechend bekannt sind. Durch eine Verfremdung werden die Texte wieder interessant, weil sie aus einem anderen Blickwinkel gesehen werden können. Schüler werden auf diese Weise zur kritischen Rückfrage gezwungen. Man unterscheidet bei der Verfremdung zwei Arbeitsbereiche: ? Arbeit mit Verfremdungen: Schülern wird eine Verfremdung vorgelegt, was in Form von Bildern oder verbal erfolgen kann. Dadurch entsteht eine Art Provokation. Diese Verfremdung muss nun gemeinsam analysiert werden. ? Verfremden als Methode: Hier verfremden die Schüler selbst einen ihnen bekannten Bibeltext.
2. Biblisches Erzählen:
Das biblische Erzählen spielt weiterhin die wichtigste Rolle im Religionsunterricht. Hierbei h andelt es sich um eine Transformation der biblischen Texte in ein anderes Medium. Sie ist äußerst kindgerecht, denn eine Erzählung kommt der Eigenart des kindlichen Verstehens besonders entgegen. Zudem ist die Erzählung die wesentliche Form der christlichen Überlieferung.
Beim Erzählen gibt es allerdings einige Grundregeln zu befolgen:
- Man muss E lementarisieren (vereinfachen), aber gleichzeitig überlegen, welche Informationen unbedingt weitergegeben werden müssen.
- Es sollten vorwiegend Hauptsätze gebildet werden, denn diese können besser Sachverhalte zum Ausdruck bringen als Nebensätze und sie ermöglichen dem Hörer ein leichteres Verfolgen der erzählten Handlung. Ob man die Hauptsätze einfach nur durch simple „und“ oder „und dann“ Bindeglieder aneinandergereiht werden sollen ist unklar. Hier scheiden sich die Meinungen. Steinwede ist ein Befürworter einer solchen Aneinanderreihung der Hauptsätze. Pscolla hingegen befürchtet, dass hierdurch die Sprachentwicklung der Kinder beeinträchtigt werden könnte.
- Adjektive sollten sparsam verwendet werden. Ein Grund hierfür ist, dass die Bibeltexte ebenfalls nur wenige Adjektive aufweisen.
- Die direkte Rede hat gegenüber der indirekten Rede eindeutig Vorrang. Auf diese Weise wird die Erzählung lebendig und in die Gegenwart verschoben.
- Was die Zeitform angeht, so schlägt man vor das Perfekt bzw. Imperfekt zu verwenden, da sie der Umgangssprache innewohnen.
- Gefühle und Handlungsmotive müssen den Schülern durch die Erzählung verdeutlicht werden.
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Arbeit zitieren:
Nicole Kandels, 2005, Bibeltexte erschließen im Religionsunterricht - ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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