Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Geschichte der Erziehungs- und Familienberatung 4
3. Allgemeines 7
4. Eine spezielle Thematik in der Erziehungs- und Familienberatung:
die Arbeit mit Pflegefamilien 10
5. Eine Leipziger Erziehungs- und Familienberatungsstelle:
der Caktus e. V. 13
6. Erziehungs- und Familienberatung in Zahlen 16
7. Literaturverzeichnis 18
2
1. Einleitung:
Im ersten Teil meiner Ausarbeitung widme ich mich der geschichtlichen Entwicklung von Erziehungs- und Familienberatung in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit.
Dann folgt eine allgemeine Beschreibung der gesetzlichen Grundlagen, auf die Beratung heute basiert, der fachlichen Grundlagen, denen sie folgen muss, der Arbeitsfelder der Beratungsstellen und des Verlaufs einer gelungenen Beratung. Das Ende des allgemeinen Teils bildet die kurze Vorstellung zweier Methoden der Intervention.
Im Anhang daran stelle ich ein Gebiet der Erziehungsberatung näher vor. Es handelt sich dabei um die Arbeit mit Pflegefamilien, die zwar nicht repräsentativ für den Alltag einer Beratungsstelle ist, mir aber aus genau diesem Grund auch interessant erschien. Außerdem ist diese Gruppe mit durchschnittlich 5 % Anteil an den Gesamtklienten in Beratungsstellen deutlich überrepräsentiert im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. (vgl. Hundsalz 1995, S. 234)
Der vierte Teil dieser Hausarbeit widmet sich der detaillierten Beschreibung einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle namens Caktus e. V. in Leipzig und den Abschluss bilden Zahlen und Fakten r und um die Erziehungsberatung wie die Geschlechter- und Altersverteilung der Klienten oder die Berufsausbildung der Mitarbeiter.
3
2. Geschichte der Erziehungs- und Familienberatung:
Das Arbeitsgebiet der Erziehungsberatung entwickelte sich in Folge der großen sozialen Veränderungen während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, in dessen Zuge die funktionierende Sozialordnung zerfiel, die lohnabhängige Arbeiterklasse entstand, die Verstädterung großer Bevölkerungsteile begann, Wohnungsnot herrschte, die Familien ohne Arbeit ihr Überleben nicht sichern konnten und durch verstärkte Außenarbeit keine ausreichende Betreuung der Kinder mehr gewährleistet war. Vor allem die in den psychiatrischen Kliniken arbeitenden Ärzte wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den vielfältigen Folgen dieser Entwicklung konfrontiert und so kam es, dass die ersten pädagogischen Einrichtungen und Beratungsstellen auf Initiativen dieser Berufsgruppe zurückgingen. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 273)
Als Anfang der institutionellen Erziehungsberatung gilt die Errichtung der „Medicopädagogischen Poliklinik für Kinderforschung, Erziehungsberatung und ärztliche Behandlung“ 1906 in Berlin durch den Psychiater W. Fürstenheim, der weitere heilpädagogische Beratungsstellen unter ärztlicher Leitung folgten, wie z. B. 1917 die des „Vereins zur Fürsorge für jugendliche Psychopathen e. V.“ in Berlin. W. Fürstenheim wechselte nach Frankfurt a. M. und gründete dort eine Jugendsichtungsstelle, die ein Jahr später vom Stadtjugendamt übernommen wurde. Auffällige Kinder und Jugendliche wurden dort mithilfe zahlreicher medizinischer, psychiatrischer und psychologischer Tests gesichtet, um herauszufinden, ob ihren Störungen ein krankhafter Defekt oder Schwierigkeiten im häuslichen Milieu zugrunde lagen. Je nach Ausgang der Untersuchungen erfolgte eine Überweisung in Sonderkindergärten oder Erziehungsklassen oder die Fortsetzung der Erziehung in einer staatlichen Einrichtung. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 275) In Anlehnung an den Pädagogen August Aichhorn, der ein Netz von Erziehungsberatungsstellen in Wien aufgebaut hatte, wurden ab 1922 auf der Grundlage des Reichsjugendwohlfahrtgesetzes weitere Beratungsstellen innerhalb der Jugend-fürsorge geschaffen. Im RJWG wurde außerdem das Recht des Kindes auf Erziehung zum ersten Mal gesetzlich verankert, die Städte mit über 10000 Einwohnern zur Errichtung eines Jugendamtes verpflichtet und daraufhin einheitlich geregelt, dass die
4
Jugendämter die freien Verbände an den Ausführ ungen zu beteiligen haben. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 276)
Während der Weltwirtschaftskrise kam es zu einem deutlichen Abbau sozialer Leistungen, auch innerhalb der Jugendhilfe. 1932 wurde sogar das Reichsjugendwohlfahrtgesetze um den § 73 erweitert, der aus Kostengründen die Ausgliederung der unerziehbaren Jugendlichen aus der Fürsorge anordnete. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 277)
Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde die institutionelle Erziehungsberatung weiter verringert. Dafür sollte jeder Mitarbeiter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt in erzieherischen Maßnahmen tätig werden, (vgl. Menne 1993, S. 272) so lange es sich um „erbgesunde“ und „hochwertige“ Kinder handelte. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 279) „Unerziehbare“ oder „erbbiologisch Minderwertige“ wurden ab 1941 dem Reichskriminalamt unterstellt und in Jugendschutzlagern verwahrt, wo sie durch Arbeit und Terror erzogen werden sollten. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 284) Nach Meinung von Geib, Rosarius und Trabant gab es nach Kriegsende kaum personelle, institutionelle und ideologische Veränderung innerhalb der Erziehungsberatung, viele Mitarbeiter setzten ihre Karriere in den angestammten Institutionen fort, Arbeitsgrundlagen wurden nur um einige, nicht mehr zeitentsprechende Beiträge gekürzt. Es gab zwar zahlreiche Bestrebungen, ein Jugendamt neuer Prägung zu schaffen, aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis dies umgesetzt werden konnte. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 285)
Im US-Sektor kommt es 1949 zur Gründung einer Child Guidance Clinic, an der sich in den Anfängen der 50er Jahre zahlreiche weitere neugegründete Beratungsstellen orientierten. Diese Einrichtungen wollten die Anpassung des Kindes an seine Umwelt und gleichzeitig seine freie individuelle Persönlichkeitsentwicklung fördern. 1961 wird die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. gegründet, die es sich als Fachverband u. a. zum Ziel gesetzt hat, die Konkurrenz zwischen den Fachrichtungen und Schulen zu überwinden. (vgl. Geib; Rosarius; Trabant 1994, S. 287) Im Rahmen einer europäischen Tagung befasste sich die WHO 1956 mit Erziehungsberatung, deren Empfehlungen die für die Jugendhilfe zuständigen Minister und Senatoren der Bundesländer 1973 in einer einheitlichen Regelung übernahmen. Aufgrund dieser Förderrichtlinien und verbesserten psychotherapeutischen
5
Arbeit zitieren:
Andrea Englisch, 2005, Erziehungs- und Familienberatung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Mediation - eine sozialpädagogische Methode der Beratung nach § 17 SGB...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 22 Seiten
Konzepte der Trennungs- und Scheidungsberatung - Im Fokus: Mediation
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Diplomarbeit, 114 Seiten
Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Magisterarbeit, 96 Seiten
Triple P und "Starke Eltern - starke Kinder" - Zwei Elternku...
Hausarbeit, 37 Seiten
Methodische Anforderungen an den Sozialarbeiter bei Konfliktvermittlun...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 37 Seiten
Scheidung - Zusammenbleiben fürs Kind, oder lieber scheiden lassen?
Diplomarbeit, 104 Seiten
Sozialpädagogische Diagnosen nach Mollenhauer & Uhlendorff
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Essay, 9 Seiten
§17 SGB VIII - Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Sche...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Trennung und Scheidung der Eltern im Erleben des Kindes
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Mediation zwischen Therapie und Beratung am Beispiel der Trennungs- un...
Hausarbeit, 20 Seiten
Mediation - Allgemeine Grundlagen der Mediation und die Anwendung nach...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 26 Seiten
Brennpunkt Paränese - Zur intendierten Einheit des Muspilli
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 59 Seiten
Andrea Englisch's Text Erziehungs- und Familienberatung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Andrea Englisch hat den Text Erziehungs- und Familienberatung veröffentlicht
Andrea Englisch hat einen neuen Text hochgeladen
Theorie und Praxis der Landwirtschaftlichen Familienberatung
Ein Beitrag zur Humanisierung ...
Hans Goldbrunner
Genogramme in der Familienberatung
Randy Gerson, Monica McGoldrick, Sueli Petry, Irmela Erckenbrecht
Eine Lern- und Praxisanleitung...
John B. Burnham, Heidi Nielsen
Lehrbuch für Erzieherinnen und Erzieher. Kinder erziehen, bilden und b...
Lehrbuch für Ausbildung und St...
Handwörterbuch für Erzieherinnen und Erzieher
Cornelia Gericke, Gabriele Czerny, Irmgard Büchin-Wilhelm, Karl Bönner, Dagmar Bickmann, Bernward Bickmann, Ingeborg Becker-Textor, Wilma Aden-Grossmann, Raimund Pousset
Erziehen, bilden und begleiten
Das Lehrbuch für Erzieherinnen...
Hartmut Böcher, Britta Ellinghaus, Eva König, Margret Langenmayr, Herbert Österreicher, Bodo Rödel
Erziehen, bilden und begleiten
Das Arbeitsbuch für Erzieherin...
Hartmut Böcher, Eva König, Margret Langenmayr, Herbert Österreicher, Britta Ellinghaus, Bodo Rödel
0 Kommentare