1 Einleitung 3
2 Lafcadio 4
2.1 Herkunft und soziales Umfeld 4
2.2 Moralvorstellungen und Charakter 5
2.3 Der Mord an Amédée 7
2.4 Lafcadios Reaktion und Schuldgefühle nach dem Mord 8
3 Tullio 10
3.1 Soziales Umfeld und Moralvorstellungen. 10
3.2 Tullios Leid nach Julianes Ehebruch. 11
3.3 Der Mord an Raimund 13
3.4 Tullios Reaktion und Schuldgefühle nach dem Mord 14
4 Schlussbemerkung. 16
5 Bibliographie 17
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1 Einleitung
„Moral ist die sittliche Haltung eines Einzelnen oder einer Gruppe“ 1 , so steht es im Brockhaus. Doch was ist eigentlich Moral? Ist sie immer für eine ganze Gesellschaft gültig oder kann auch ein Mensch alleine eine eigene Moral aufstellen? In zahlreichen weiteren Lexikonartikeln und philosophischen Schriften kann man über dieses Thema lesen. Klar ist, dass es nicht nur eine einzige Moral gibt. Sie unterscheidet sich je nach Zeit, nach Gesellschaft, nach kulturellem Kreis, vielleicht aber auch je nach Individuum.
Die von den meisten Gesellschaften am schärfsten moralisch verurteilte Tat ist die Tötung eines Menschen. Ist es möglich einen Mord ohne Motiv und ohne jegliche moralische Bedenken zu begehen? Und ist es möglich eine auf den ersten Blick moralisch verwerfliche Handlung zu rechtfertigen? Das sind Fragen, die sich bei der Lektüre von Gides „ Les caves du Vatican“ und D’Annunzios „ L’Innocente“ aufdrängen.
In dieser Seminararbeit möchte ich untersuchen, inwieweit bei den Morden in den beiden Romanen moralische Bedenken im Vorfeld und Schuldgefühle nach der Tat bei den handelnden Personen eine Rolle spielen. Ist Lafcadio wirklich frei von jeglicher Moral, wie es zu Beginn scheint? Und wie steht es mit Tullio? Zunächst werde ich untersuchen, in w elchem gesellschaftlichen Umfeld sich Lafcadio bewegt und welches seine Wertvorstellungen und Charakterzüge sind. Danach werde ich mich damit beschäftigen wie es zu dem Mord kommt und ob für den Protagonisten moralische Bedenken und Schuldgefühle eine Rolle spielen. Im nächsten Kapitel möchte ich die Herkunft und die Moralvorstellungen von Tullio darstellen und anschließend herausarbeiten welche Gründe ihn zum Mord führen. Als letztes werde ich auf den Mord an Raimund und Tullios moralische Bedenken und Schuldgefühle eingehen.
Lafcadio Wluiki ist 19 Jahre alt. Geboren ist er 1874 in Bukarest. Er ist der uneheliche Sohn von Justus de Baraglioul und dessen Geliebter Wanda. Lafcadio wächst auf ohne zu wissen wer sein Vater ist. Neben seiner Mutter haben auch die häufig wechselnden Lebensgefährten der Mutter, die er Onkel nennt, einen erheblichen Einfluss auf Lafcadios Erziehung und Entwicklung. Diese Onkel, alles Vertreter höherer Gesellschaftsschichten, stammen alle aus verschiedenen Ländern und sind in ihrem Charakter sehr unterschiedlich. Allerdings sind sie alle Exzentriker mit ausgeprägten Neigungen. Mit dem „Onkel“ Wladimir Bielkowski leben Lafcadio und seine Mutter drei Sommer lang in Ungarn. Hier erfährt der Junge ein Leben, das geprägt ist von „ plaisir“, durch Bielkowski wird auch das Dasein von Lafcadio und seiner Mutter zu einer „ fête éperdue“ (Les caves du Vatican, Seite 84). Ardengo Baldi bezeichnet der Sohn Wandas als „ jongleur, escamoteur, prestidigitateur, acrobate“ (Les caves du Vatican, Seite 84). Mit Fabian Taylor, Lord Gravensdale, von Lafcadio Onkel Faby genannt, ziehen Mutter und Sohn nach Duino. Dort lebt Lafcadio sehr frei und ungebunden, „en sauvage“ (Les caves du Vatican, Seite 86). Mit 16 Jahren wird der Junge schließlich nach Paris geschickt um dort zur Schule zu gehen. Der strenge Unterricht im Gegensatz zu der zuvor genossenen Freiheit fällt Lafcadio sehr schwer. Etwas Erleichterung verschafft ihm die Bekanntschaft mit Protos. Dieser wird für den Sohn Wandas zu einer Art Vorbild. Er ist älter und reifer, Lafcadio sagt dass, er von ihm eine Befreiung erhoffte: „(...) je me tournais vers lui comme s’il avait dû m’apporter la délivrance.“ (Les caves du Vatican, Seite 87).
Lafcadio flüchtet schließlich aus Paris und findet seine Mutter mir ihrem neuen Lebensgefährten, dem Marquis de Gesvres, in Baden-Baden. Dieser bringt ihn wieder zurück nach Paris und weckt dort seine Begeisterung für Kleidung und Mode und das sorglose Geldausgeben. Als schließlich seine Mutter stirbt, bleibt Lafcadio alleine und ohne Geld zurück. Auch die Onkel kümmern sich nicht mehr um ihn. Er lebt nun in ärmlichen Verhältnissen in einem verwahrlosten Haus in Paris.
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2.2 Moralvorstellungen und Charakter
Wie im vorherigen Abschnitt beschr ieben, ist Lafcadio nicht in geregelten Familienverhältnissen aufgewachsen. Der Leser erkennt schnell, dass der Junge keine gesellschaftliche Verwurzelung und keine einheitliche Erziehung hat. Die Lebensgefährten der Mutter haben ihm zwar viel beigebracht (Sprachen, Mathematik etc) und ihm einiges von der Welt gezeigt, doch alle standen im Gegensatz zu bürgerlichen Wertvorstellungen. Sie alle waren sehr exzentrisch und mit jedem Partnerwechsel erfuhr der kleine Lafcadio große Veränderungen im Lebens- und Erziehungsstil.
Rückhalt und Sicherheit hat er nie erlebt und auch innerhalb der Kirche hat er keine Verankerung gefunden. Er ist oft umgezogen, hat keine Heimat, gehört nirgendwo richtig hin und ist haltlos. Es stellt sich also die Frage, ob Lafcadio überhaupt ein Wertesystem und Moralvorstellungen hat. Nachdem der Leser Lafcadios Herkunft erfahren hat, ist er geneigt dies zu verneinen, da ihm durch seine Erziehung keine Moral vermittelt wurde. Ob dies so stimmt, ist anhand des Textes zu untersuchen. Seine uneinheitliche Erziehung und seine Haltlosigkeit zeigen sich auch in Lafcadios gespaltenem Charakter und seiner Wechselhaftigkeit. Er rettet Leben (selbstlos befreit er Kinder aus einem brennenden Haus), sagt aber explizit, dass das Leben des Menschen nicht viel wert wäre: „Que peu de chose la vie humaine“ (Les caves du Vatican, Seite 187) und stellt sich vor wie es wäre eine alte Frau umzubringen.
An manchen Stellen scheint es, als wäre Lafcadio mit sich unzufrieden und wenig selbstbewusst. Er verstümmelt sich mit einem Messe,r um sich zu bestrafen. Als er die Kinder aus dem Feuer gerettet hat und ihm die Leute zujubeln, wird er rot und denkt, die Menschen würden ihn für einen Clown halten: „On me prend pour un clown“ (Les caves du Vatican, Seite 65). An a nderen Stellen wirkt er sehr selbstbewusst und auch arrogant. Er zeigt beispielsweise Julius gegenüber keinerlei Respekt, scheint ihn sogar von oben herab zu behandeln. Auch scheint er sich anderen überlegen zu fühlen: Zusammen mit Protos hat er bereits zu Schulzeiten die Menschen in zwei Klassen eingeteilt: die „subtils“, zu denen sie beide gehören, als die Schlauen, die sich zu verstellen wissen, und die „ crustacés“, die niedrigere Klasse.
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Arbeit zitieren:
Christina Döpfert, 2005, Die Moralvorstellungen und Schuldgefühle von Lafcadio und Tullio in Gides 'Les caves du Vatican' und d'Annunzios 'L'Innocente', München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Die Gefahr des Lesens. Die Lektüre der Emma Bovary
Romanistik - Französisch - Literatur
Seminararbeit, 14 Seiten
Le mouvement d'étudiants en mai 1968, en Allemagne et en France
Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Christina Döpfert hat den Text Die Moralvorstellungen und Schuldgefühle von Lafcadio und Tullio in Gides 'Les caves du Vatican' und d'Annunzios 'L'Innocente' veröffentlicht
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