GLIEDERUNGVERZEICHNIS
GLIEDERUNGVERZEICHNIS
GLIEDERUNGVERZEICHNIS I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
C D - INHALTSVERZEICHNIS IX
EINLEITUNG 1
E.1 Einführung in den Themenkomplex 1
E.2 Ziel der Arbeit 2
E.3 Aufbau der Arbeit 3
1. THEORIE UND ZIELE MULTINATIONALER UNTERNEMEN 5
1.1 Definition des multinationalen Unternehmens 5
1.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung multinationaler
Handlungsstrategien 7
1.2.1 Firmenspezifische Wettbewerbsvorteile von Hymer 7
1.2.2 Die Produktlebenszyklustheorie von Vernon 13
1.2.3 Der systematische Ansatz von Hirsch 15
1.2.4 Der Transaktionskosten- bzw. Internalisierungsansatz 18
1.2.5 Der eklektische Ansatz von Dunning 21
1.2.6 Der erweiterte eklektische Ansatz von Stehn 24
1.3 Dimensionen der Multinationalität 26
1.3.1 Horizontale Multinationalität 26
1.3.2 Vertikale Multinationalität 27
1.3.3 Diversifizierte Multinationalität 28
1.4 Ziele multinationaler Unternehmen 28
I
GLIEDERUNGVERZEICHNIS
2. AUSRICHTUNG DER MULTINATIONALEN UNTERNEHMENS-
STRATEGIE AM SHAREHOLDER VALUE 30
2.1 Notwendigkeit der strategischen Orientierung am Shareholder Value 30
2.2 Shareholder- vs. Stakeholder-Ansatz 32
2.3 Ausgewählte Shareholder-Value-Ansätze 34
2.3.1 Der Ansatz von Rappaport 35
2.3.2 Der Ansatz von Copeland / Koller / Murrin 39
2.3.3 Der Ansatz von Lewis 42
2.3.4 Der Ansatz von Stern / Stewart 44
2.3.5 Resümierende Diskussion der Shareholder-Value-Ansätze 46
3. THEORETISCHE DISKUSSION DER KAPITALSTRUKTUR DES
MULTINATIONALEN UNTERNEHMENS 48
3.1 Irrelevanz der Kapitalstruktur 48
3.2 Relevanz der Kapitalstruktur 52
3.3 Kapitalstrukturpolitik des multinationalen Unternehmens 57
3.3.1 Finanzierungsquellen multinationaler Unternehmen 58
3.3.2 Die strategische Gestaltung der Kapitalstruktur von
multinationalen Unternehmen und ihren Tochtergesellschaften 59
3.3.2.1 Die Eigenkapitalquotenminimierung 60
3.3.2.2 Die Anpassung an die landesübliche
Eigenkapitalquote 60
3.3.2.3 Konzernweite Eigenkapitalquotenadaption des
Mutterunternehmens 61
3.3.2.4 Die Irrelevanz der ausländischen Eigenkapitalquote 61
3.3.3 Die Nutzung der Kapitalmarktsegmentierung als
Handlungsstrategie des multinationalen Unternehmens 63
3.3.4 Kritische Würdigung der Kapitalstrukturdiskussion 65
4. DER VERMÖGENSMARKT, SEINE AKTEURE UND DEREN
HANDLUNGSKALK ÜLE 67
4.1 Die relevanten Handlungsakteure am Vermögensmarkt 67
4.2 Direktinvestitionen vs. Portfolioinvestitionen 72
4.3 Investitionskalküle der Handlungsakteure 73
II
GLIEDERUNGVERZEICHNIS
4.3.1 Investitionskalkül des Kapitaleigentümers - Risikominimierung 73
4.3.1.1 Capital Asset Pricing Model 76
4.3.1.2 International Capital Asset Pricing Model 77
4.3.2 Investitionskalkül des multinationalen Unternehmens -
Cashflow -Steigerung 80
4.3.3 Eigentümer- vs. Unternehmensrendite 82
5. HANDLUNGSANLEITENDE STRATEGIEN FÜR DAS
MULTINATIONALE UNTERNEHMEN 84
5.1 Strategische Zielbildung zur Unternehmenssicherung 84
5.2 Unternehmenswertsteigerung als Strategie der langfristigen
Unternehmenssicherung - Die Wertzuwachshypothese 85
5.2.1 Internes vs. externes Unternehmenswachstum 86
5.2.2 Unternehmenswertsteigernde Investitionsentscheidungen 87
5.2.3 Strategische Finanzierung der Multinationalität 89
5.2.4 Kapitalkostenreduktion 93
5.2.4.1 Reduktion des Unternehmensrisikos 93
5.2.4.2 Die externe Informationspolitik des Unternehmens
zur Beeinflussung von Marktwert und Kapitalkosten 95
6. VERSCHIEBUNG DER MACHTVERHÄLTNISSE AM
VERMÖGENSMARKT 98
6.1 Finanzierungszange - Das Zusammenspiel von Unternehmenswert
und durchschnittlichen Kapitalkosten 98
6.2 Das multinationale Unternehmen unter Handlungsdruck 99
6.3 Unternehmen als Ware - Der Markt für Unternehmenskontrolle 101
6.4 Fazit 102
SCHLUSSBETRACHTUNG 104
LITERATURVERZEICHNIS 107
III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1.1 : Kurz- und langfristige Durchschnittskostenkurven
Abbildung 1.2 : Inländische Produktions- bzw. Absatzmenge eines multi-
nationalen Unternehmens innerhalb des Produktlebenszyklus
Abbildung 1.3 : Koordinationsformen nach Williamson
Abbildung 1.4 : Die OLI - Entscheidungsmatrix des eklektischen Ansatzes
Abbildung 1.5 : Die erweiterte Entscheidungsmatrix des eklektischen
Ansatzes
Abbildung 2.1 : Stakeholder- und Shareholder-Ansatz im Vergleich
Abbildung 2.2 : Das Shareholder-Value-Netzwerk
Abbildung 2.3 : Das Demsky-Modell
Abbildung 2.4 : Werthebel des Wertmanagements
Abbildung 3.1 : Kapitalkostenverläufe bei Irrelevanz der Kapitalstruktur
Abbildung 3.2 : Optimalitätskriterien der Unternehmensfinanzierung
Abbildung 3.3 : Kapitalkostenverläufe bei Relevanz der Kapitalstruktur
Abbildung 3.4 : Zahlenbeispiel
Abbildung 3.5 : Internationalisierung der Kapitalkosten
Abbildung 4.1 : Geld- und Informationsflüsse der Handlungsakteure auf den
Finanzm ärkten
Abbildung 4.2 : Effizienzgrade (Kapitalmarktlinie) bei Existenz einer risiko-
losen und vieler risikobehafteter Kapitalanlagemöglichkeiten
Abbildung 4.3 : Risikoreduktion durch ausländische Investitionen
Abbildung 5.1 : Erwartete Projektrendite, erforderliche Projektrendite und
Investitionsentscheidungen
IV
Abbildung 5.2 : Verteilung der Erträge zwischen Mutterunternehmen und
Abbildung 5.3 : Verhältnis von Eigenkapitalkosten und Unternehmensrisiko 94
Abbildung 5.4 : Die Wirkungsweise von Investor Relations 96
Abbildung 6.1 : Kapitalkostenverläufe bei Relevanz der Kapitalstruktur
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Abb. Abbildung AER American Economic Review (Zeitschrift) AG Aktiengesellschaft Aufl. Auflage BCG Boston Consulting Group BRI Business Risk Index bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise CAPM Capital Asset Pricing Model CFROI Cashflow Return on Investment DCF Discounted Cash Flow DCGK Deutscher Corporate Governance Kodex DUV Deutscher Universitäts-Verlag d. h. das heißt FAB Frankfurter Allgemeiner Buch-Verlag FDI Foreign Direct Investment (ausländische Direktinvestitionen) EVA Economic Value Added e.g. exempli gratia (zum Beispiel) et al. et alteri (und andere) FAJ Financial Analysts Journal ff. fortfolgende FK Fremdkapital Fn. Fußnote HBM Harvard Business Manager (Zeitschrift) HGB Handelsgesetzbuch Hrsg. Herausgeber IAS International Accounting Standards ICAPM International Capital Asset Pricing Model JoBE Journal of Business Ethics JoF Journal of Finance JoIE Journal of International Economics LC Local Currency (heimische Währung)
VI
LDC Less Developed Countries LDK Langfristige Durchschnittskostenkurve M / M Modigliani / Miller MIT Massachusetts Institute of Technology MVA Market Value Added NOPAT Net Operating Profit After Tax NOPLAT Net Operating Profit Less Adjusted Taxes NWB Neue Wirtschafts-Briefe (Verlag) NYSE New York Stock Exchange o. V. ohne Verfasser OECD Organisation for Economic Cooperation and Development OLI Ownership, Internalization, Localization advantages resp. respektive ROI Return on Investment ROIC Return on Invested Capital S. Seite SGE Strategische Geschäftseinheit SHV Shareholder Value sog. so genannte(n) TNC Transnational Corporation TVM Total Value Management UNCTAD United Nations Conference on Trade und Development USA United States of America US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles UwM Unternehmenswertorientiertes Management u. und u. a. unter anderem / und Andere u. ä. und ähnliche(s) u. dgl. und dergleichen U.N. United Nations vgl. vergleiche vs. versus VWF Verlag für Wissenschaft und Forschung WACC Weighted Average Cost of Capital WiSt Wirtschaftswissenschaftliches Studium (Zeitschrift)
VII
WSI-Mitteilungen Monatszeitschrift des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen
Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung ZfB Zeitschrift für Betriebswirtschaft ZfbF Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung ZGR Zeitschrift für Unternehmens- und Gesellschaftsrecht z. B. zum Beispiel
VIII
E I N L E I T U N G
E. 1 Einführung in den Themenkomplex
Die Globalisierung der Weltmärkte führt zu einer noch nie da gewesene Vernetzung geografischer Wirtschaftsräume. Dies impliziert einen immer stärker werdenden Wettbewerb auf güterwirtschaftlicher Ebene, da alle produzierenden Unternehmen zwangsläufig mit ihren internationale Konkurrenten hinsichtlich Faktor- und Produktionskosten konkurrieren müssen, um letztlich ihre produzierten Produkte am Zielmarkt konsumentengerecht bzw. preisgünstig anbieten zu können. Von der Globalisierung der Gütermärkte profitieren dabei am Stärksten die multinationalen Unternehmen, da sie die Möglichkeiten haben, sich auch auf anderen geografischen Märkten nach geeigneten Produktionsstätten umzuschauen. In diesem Zusammenhang spielen vor allem die Faktor- und Produktionskostenvorteile und die potentielle Erschließung neuer Absatzgebiete eine entscheidende Rolle für die Multinationalisierung. Die Errichtung von ausländischen Produktionsstätten verlangt dabei ein hohes Maß an Investitionskraft. Dieser vermehrte Kapitalbedarf für „die erforderlichen Investitionen in Form von Direktinvestitionen, Akquisitionen, Fusionen und Kooperationen“ 1 wird dabei häufig über internationale Kapitalmärkte abgedeckt. 2
Die voranschreitende Globalisierung der Weltmärkte verschärft dabei nicht nur den Wettbewerb auf den internationalen Gütermärkten sondern auch auf den internationalen Kapitalmärkten. Auf Seiten der Nachfrage profitieren dabei wiederum die multinationalen Unternehmen am Stärksten von der internationalen Vernetzung der Kapitalmärkte, da sie in der Lage sind ihre Beteiligungstitel über sämtliche geografischen Grenzen hinweg anzubieten und darüber hinaus ihre Fremdkapitalnachfrage nicht nur auf die heimischen Kreditmärkte beschränken müssen. Mit der internationalen Kapitalbeschaffung setzten sich die multinationalen
1 A. G. Coenenberg (2001), S. 43
2 Gerade in den 90er Jahren wurde der Gang an die Börse zur Eigenkapitalbeschaffung angestrebt, da sich
die Unternehmen durch die hohen Aktienkurse relativ leicht ein hohes Volumen an Eigenkapital
beschaffen konnten. (vgl. H. Hirsch-Kreinsen, 1999, S. 328)
1
Unternehmen jedoch einem dem güterwirtschaftlichen Wettbewerb vergleichbaren Wettbewerb um das einzusetzende Kapital aus.
E. 2 Ziel der Arbeit
Ganz intuitiv lassen sich die Multinationalisierungstendenzen der Unternehmen durch den wachsenden globalen Wettbewerbsdruck auf den Gütermärkten begründen. Wählt man allerdings als Betrachtungshintergrund die internationalen Kapitalmärkte, so scheinen auch diese geeignet, die Multinationalisierungstendenzen zu erklären. Diese Argumentation bildet den Hintergrund der vorliegenden Arbeit. Die Kapitalstruktur des multinationalen Unternehmens soll dabei als ein Instrument zur Erklärung strategischer Handlungsspielräume multinationaler Unternehmen dienen. Die maßgebliche Fragestellung dieser Arbeit lautet in diesem Zusammenhang, ob das multinationale Unternehmen ausländische Direktinvestitionen ausschließlich aus Faktorkostenvorteilen tätigen, oder ob auch die kapitalmarkttheoretischen Beweggründe der Unternehmenswertsteigerung eine Rolle bei der Entscheidungsfindung einnehmen. 3
Der Begriff der Kapitalstruktur wird in dieser Arbeit als ein Begriff verstanden, der die Eigen- und Fremdkapitalien in einem gewissen Verhältnis zueinander abbildet und demnach verschiedene externe Kapitalrechte am Unternehmen deutlich macht. Die Wahl der kostenoptimalen Kapitalstruktur soll insbesondere unter Einbezug der relevanten Handlungsakteure des Kapitalmarkts betrachtet werden. Am Beispiel des multinationalen Unternehmens soll somit durch die Zusammenführung der Theorie des multinationalen Unternehmens und der des Shareholder-Value-Ansatzes, unter Berücksichtigung der angestrebten Zielkapitalstruktur, eine Aussage über die strategische Handlungsautonomie des multinationalen Unternehmens getroffen werden.
3 „Die wechselseitigen Zusammenhänge zwischen der […] aktionärsbezogenen unternehmenspolitischen
Reorientierung und der Internationalität […] betroffener Unternehmen“(S. Eckert, 2004, S. 6) ist immer
noch ungeklärt.
2
E.3 Aufbau der Arbeit
Da das multinationale Unternehmen als Beschreibungshintergrund gewählt wird, werden ausgehend von einer definitorischen Heranführung an den Begriff des multinationalen Unternehmens, wie er in dieser Arbeit Verwendung findet, in Kapitel 1 die verschiedenen theoretischen Ansätze zur Erklärung multinationaler Handlungsstrategien herausgestellt. Dabei soll deutlich werden, dass multinationale Unternehmen über einen größeren Handlungsspielraum verfügen als nationale Unternehmen. Aufbauend auf den verschiedenen theoretischen Erklärungen multinationalen Handelns werden die Ziele des multinationalen Unternehmens zu einer Zielstrategie verdichtet.
In Kapitel 2 wird zunächst der theoretische Hintergrund für die Notwendigkeit der Unternehmensausrichtung am Shareholder-Value gebildet. Nach einer zweckdienlichen Gegenüberstellung des Shareholder- und des Stakeholder-Ansatzes, werden die bekanntesten Shareholder-Value-Konzepte herausgearbeitet, um einen Überblick über die verschiedenen Kennzahlen und Herangehensweisen der
Unternehmenswertsteigerung zu geben.
Kapitel 3 führt in die theoretische Diskussion der Kapitalstruktur des multinationalen Unternehmens ein. Den Anfang bildet die Irrelevanztheorie von Modigliani / Miller, die einer kritischen Betrachtung unterzogen wird, um den Fokus auf die Relevanz der Kapitalstruktur zu richten. Die Kapitalstrukturpolitik des multinationalen Unternehmens wird dabei insbesondere in Bezug auf die verschiedenen Finanzierungsquellen untersucht. Darüber hinaus soll hier maßgeblich herausgearbeitet werden, welche Kapitalstruktur für das Tochterunternehmen zu wählen ist und welche Auswirkungen die Kapitalstruktur des Tochterunternehmens auf die konsolidierte Kapitalstruktur des multinationalen Unternehmens hat.
In Kapitel 4 werden die relevanten Handlungsakteure am Vermögensmarkt einer näheren Betrachtung unterzogen. Hierbei werden mit den Portfolioinvestoren und den multinationalen Unternehmen die maßgeblichen Protagonisten herausgestellt. Neben diese treten noch die Analysten, die Raider und die Banken. Ziel ist es, die unterschiedlichen Handlungskalküle der Portfolioinvestoren und die des multinationalen
3
Unternehmens gegenüberzustellen und diese vor dem Hintergrund der ständigen Präsenz von Analysten und Raidern auf dem Markt zu beschreiben. Darüber hinaus werden die Investitionskalküle des Portfolioinvestors und die des multinationalen Unternehmens untersucht.
In Kapitel 5 werden handlungsanleitende Strategien für das multinationale Unternehmen diskutiert. Ausgehend von der strategischen Zielbildung in Kapitel 1 wird als langfristige Unternehmensstrategie die Wachstumsstrategie zur
Unternehmenswertsteigerung herausgestellt. Dabei wird insbesondere auf die unternehmenswertsteigernde Investitionsentscheidung und ihrer Finanzierung eingegangen. Anschließend werden Möglichkeiten der Kapitalkostenreduktion erläutert.
Kapitel 6 stellt die Machtverschiebungen am Vermögensmarkt heraus. Gemäß der in dieser Arbeit angestrebten Argumentation wird dort der Frage nachgegangen, ob die Beteiligungsfinanziers die Handlungsmächtigen am Vermögensmarkt sind und inwiefern diese mögliche Machtverschiebung die Handlungsspielräume der multinationalen Unternehmen tangiert.
Abschließend werden die herausgearbeiteten Ergebnisse in der Schlussbetrachtung zusammengetragen und diskutiert.
4
1. THEORIE UND ZIELE MULTINATIONALER UNTERNEMEN
1.1 Definition des multinationalen Unternehmens
Aufgrund einer Vielzahl von theoretischen Erklärungsansätzen multinationaler Unternehmen, gestaltet sich die Abgrenzung einer einheitlichen Definition als äußerst schwierig. Um für die vorliegende Arbeit eine geeignete Definition bilden zu können, bietet es sich daher zunächst an, die wichtigsten Merkmale, die von den verschiedenen Definitionsmustern zur Erklärung multinationaler Unternehmen verwendet werden, herauszustellen. Dies schon deshalb, „da sich die Theorie der Multinationalen Unternehmung sonst kaum von einer allgemeinen Theorie der Großunternehmung unterscheiden würde.“ 4
Zur Definitionsbestimmung werden die Definitionsklassen von Aharoni 5 herangezogen. Aharoni klassifiziert die in der Literatur vorhandenen Definitionsversuche in strukturorientierte, ergebnisorientierte und verhaltensorientierte Definitionen. Merkmalsausprägungen wie „die Anzahl und die Verteilung von Tochtergesellschaften auf verschiedene Länder [6] , den Sitz der Muttergesellschaft, die Nationalität der Entscheidungsträger, die Eigentumsverhältnisse sowie die Kontroll- und Organisationsstrukturen“ 7 werden den strukturorientierten Definitionen zugeordnet. Die Höhe der Auslandsgewinne, der Anteil des Auslandsvermögens und die Anzahl der Auslandsbeschäftigten bilden die Parameter der ergebnisorientierten Definitionen. Die verhaltensorientierten 8 Definitionen beziehen sich auf den Grad der Auslandsbezogenheit, den das Management bei Ihren Entscheidungen berücksichtigt. 9
4 I. Stein (1992), S. 4 - 5
5 Vgl. Y. Aharoni (1971), S. 27 - 37
6 Aliber spricht bereits bei einer ausländischen Produktionsstätte von multinationalen Unternehmen: „If
the new market is a foreign country, the decision to establish a productive facility by construction or
purchase means the firm becomes multinational.” (R. Z. Aliber, 1993, S. 170) ; In der Fachliteratur
herrscht jedoch bei der Festlegung der Auslandsanteile Uneinigkeit, teilweise sogar vollkommene
Beliebigkeit. So beginnt die Forderung nach Unternehmenstätigkeit in mehr als einem Land und reicht
bis zur Forderung nach Unternehmenstätigkeit in mehr als fünf Ländern. (vgl. J. Gann, 1996, S. 12 - 13)
7 I. Stein (1992), S. 7
8 Diese werden nach Gann als „schwer meßbar und deshalb wenig zur Klassifizierung geeignet“
(J. Gann, 1996, S. 13) beurteilt.
9 Vgl. I. Stein (1992), S. 7
5
Demnach ist nach Aharoni ein multinationales Unternehmen „one whose top management thinks internationally“ 10 .
Mit Hilfe des „Merkmalportfolios“ von Aharoni und des Kontrollaspekts von Dunning 11 lässt sich die folgende Definition für die vorliegende Arbeit festhalten.
Unter einem multinationalen Unternehmen ist ein Konzernverbund 12 zu verstehen, der über nationale Grenzen hinweg organisiert ist und unter der einheitlichen Leitung der inländischen (direktinvestitionstätigenden) Kapitalgesellschaft (Mutterunternehmen) steht, die der Rechtsform nach eine Aktiengesellschaft ist. 13
Anzumerken bleibt, dass in der deutsch- und englischsprachigen Fachliteratur an Stelle des Begriffs des „multinationalen Unternehmens“ bzw. „multinational enterprise“ synonym u. a. Begriffe wie „transnational corporation“ (TNC) und „multinational corporation“ verwendet werden. Es gibt jedoch auch Wissenschaftler, die eine strikte Trennung der beiden Begriffe „transnational“ und „multinational“ fordern. 14 So trennt beispielsweise Bargel transnationale Unternehmen streng von multinationalen Unternehmen und bedient sich damit Welfens Sichtweise, die an der Finanzierungsseite des Unternehmens ansetzt. 15 „Demnach sind solche Unternehmen als transnational zu bezeichnen, deren Eigenkapital international gestreut ist. Eine solche Eigenkapitalstruktur ist häufig auch bei Multinationalen Unternehmen zu beobachten.“ 16 Aus diesem Grund soll auch der nach Bargel / Welfens abgegrenzte Begriff des transnationalen Unternehmens mit dem Terminus des „multinationalen Unternehmens“ synonym im weiteren Verlauf der Arbeit verwendet werden.
10 Y. Aharoni (1971), S. 33
11 Vgl. J. H. Dunning (1995), S. 1
12 „Die Gesellschaften sind in eine Konzernstruktur eingebunden und in ihren Entscheidungen der
Konzernzentrale untergeordnet; ihnen fehlt das Merkmal der wirtschaftlichen Unabhängigkeit.“
(F. Giesel, 1982, S. 7)
13 Die Eingrenzung der Rechtsform soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit das Spannungsverhältnis
zwischen Aktionär und Management aufzeigen.
14 Vgl. M. Herkenrath (2003), S. 20
15 Vgl. M. Bargel (1993), S. 24 - 25 ; Oftmals wird die strikte Trennung der beiden Begriffe auch
aufgrund unterschiedlicher Unternehmensstrategien multinationaler und transnationaler Unternehmen
getroffen. Diese Trennung soll jedoch in dieser Arbeit vernachlässigt werden, da auch die später
folgenden Theorieansätze auf eine solche verzichten. (vgl. M. Herkenrath, 2003, S. 20)
16 M. Bargel (1993), S. 25
6
1.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung multinationaler Handlungsstrategien
Die theoretischen Erklärungsversuche multinationaler Unternehmen „und die eng damit verbundenen Erklärungsansätze für ausländische Direktinvestitionen liegen im Grenzbereich mehrerer wirtschaftswissenschaftlicher Fachgebiete“ 17 . Der zwingende „Zusammenhang zwischen multinationalen Unternehmen und Direktinvestitionen“ 18 lässt sich dadurch begründen, dass „multinationale Unternehmen im Ausland mit Tochtergesellschaften oder Beteiligungen aktiv sind“ 19 . Die Literatur bietet bei der Erklärung grenzüberschreitender Tätigkeit von Unternehmen eine beinahe unüberschaubare Menge von Ansätzen an. Dabei gilt: „Many answers may be needed because there may be many motivations, varying with the firm involved, the industry, the home country, the host country and the time at which the decision is made.” 20
Da es diese Fülle von Erklärungsansätzen multinationaler Unternehmen bzw. multinationaler Handlungsstrategien gibt, sollen die nachfolgenden Theorieansätze stellvertretend für diese stehen und die nötige grundlegende theoretische Basis für den späteren Beschreibungshintergrund multinationaler Tätigkeit bzw. multinationaler Charakterisierung bilden. Hierbei wird nicht das Ziel eines historischen Aufbaus theoretischer Gedankenmodelle der Multinationalisierung verfolgt, sondern eine stringente, theoretisch aufeinander aufbauende Theorieverdichtung der einzelnen Ansätze angestrebt. Eng verbunden mit dem Begriff der Multinationalisierung ist dabei der Begriff der Internationalisierung. Die nachfolgenden Internationalisierungs- bzw. Multinationalisierungstheorien sollen für das multinationale Unternehmen im späteren Verlauf der Arbeit im Rahmen grenzüberschreitender Tätigkeit handlungsanleitend sein.
1.2.1 Firmenspezifische Wettbewerbsvorteile von Hymer
Die Theorie des monopolistischen Vorteils von Stephen Hymer ist vom „Entstehungszeitpunkt her gesehen der älteste Erklärungsansatz für
17 A. R. Klau (1995), S. 21 ; Klau führt in diesem Zusammenhang insbesondere die Außenhandelstheorie,
die Theorie der Firma, die Investitions- und Finanzierungstheorie, die Industrieökonomik, sowie den
Transaktionskostenansatz an. (vgl. A. R. Klau, 1995, S. 21)
18 H. Knödler (1999), S. 88
19 H. Knödler (1999), S. 88
20 U.N. Center on Transnational Corporations (1993), S. 24
7
Direktinvestitionen.“ 21 Hymer wies gemeinsam mit Kindleberger 22 „darauf hin, daß ausländische Investoren erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber inländischen Unternehmen zu überwinden haben.“ 23 Zu den Wettbewerbsnachteilen zählen insbesondere die hohen Kosten der Informationsbeschaffung, bspw. über die Gesetzgebung, über die politischen Verhältnisse oder über die vorherrschende Marktstruktur sowie die höheren Kommunikationskosten zwischen Mutter- und Tochterunternehmen. 24 Die Kosten der Informationsbeschaffung ordnet Hymer den festen Kosten zu. 25 Einen dauerhaften Wettbewerbsnachteil weist Hymer jedoch der Diskriminierung der ausländischen Unternehmung von Seiten der Regierung, der Konsumenten und der Marktanbieter des Ziellandes zu. 26
Die Antwort, warum sich Unternehmen trotz der erheblichen Wettbewerbsnachteile, die ihnen auf ausländischen Märkten entgegenstehen, zur Multinationalität bzw. zur Tätigung von Direktinvestitionen entscheiden, findet Hymer in der Unvollständigkeit der betreffenden Wettbewerbsmärkte. 27 Grundlage der Investitionsentscheidung sind demnach monopolistische Vorteile, mit denen das ausländische Unternehmen „ihren “natürlichen“ Kostennachteil überkompensieren“ 28 kann. Mit diesen monopolistischen Vorteilen bietet sich für die ausländische Unternehmung die Möglichkeit, einen höheren Cashflow aus der Investitionstätigkeit zu erwirtschaften, als es inländischen Wettbewerbern möglich ist. 29 Zu den Marktunvollkommenheiten, die zu monopolistischen Vorteilen führen, zählt Kindleberger vier Arten. So nennt er a) unvollkommene Konkurrenz auf Gütermärkten, b) unvollkommene Konkurrenz auf
21 H. Heinen (1982), S. 119
22 Der Ansatz des monopolistischen Wettbewerbsvorteils ist auf die zunächst unveröffentlichte
Dissertation von Stephen Hymer aus dem Jahre 1960 (veröffentlicht posthum 1976) zurückzuführen.
Charles P. Kindleberger verfeinerte den Ansatz von Hymer und veröffentliche ihn bereits im Jahre
1969. (vgl. J. Stehn, 1992, S. 56 sowie A. R. Klau, 1995, S. 23)
23 J. Stehn (1992), S. 56
24 Vgl. S. H. Hymer (1976), S. 34 sowie J. Stehn (1992), S. 56
25 „Once incurred by establishing a foreign operation, it need not be incurred again.“ (S. H. Hymer, 1976,
S. 34)
26 Vgl. S. H. Hymer (1976), S. 34
27 Vgl. A. R. Klau (1995) S. 23 ; Bei vollkommenen Märkten wären die inländischen Unternehmen
schließlich immer in der Lage die ausländischen Direktinvestitionen durch strategisches Ausnutzen der
Markteintrittsbarrieren abzuwehren. (vgl. A. R. Klau, 1995, S. 23)
28 J. Deitmers (1982), S. 138
29 Vgl. J. Deitmers (1982), S. 138 ; Der Wettbewerbsvorteil gegenüber der inländischen Unternehmung
stellt sich so dar, dass die Unternehmung entweder einen höheren Einkommensstrom aus der
Investitionstätigkeit erwarten kann oder bereits bei einer niedrigeren Diskontierungsrate rentabel
investiert.
8
Faktormärkten, c) externe oder interne economies of scale sowie d) staatliche Maßnahmen als Bestimmungsgründe für Direktinvestitionen. 30
zu a) unvollkommene Konkurrenz auf Gütermärkten
Durch Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen, die auf die Präferenzen der Konsumenten abgestimmt sind, gelingt dem Unternehmen eine bessere Produktdifferenzierung, so dass die Konsumenten das hergestellte Produkt anderen Alternativprodukten vorziehen. Mit speziellen Marketingfähigkeiten lassen sich durch diese Präferenzen Markennamen kreieren, die der Endverbraucher beispielsweise mit besonderer Qualität in Verbindung bringt. Stimmen die Präferenzen der inländischen Konsumenten mit denen ausländischer Konsumenten überein, generiert dieser monopolistische Vorteil nach Kindleberger ein erfolgreiches Auslandsengagement. 31
zu b) unvollkommene Konkurrenz auf Faktormärkten
Unvollkommene Konkurrenz auf Faktormärkten kann „auf dem Zugang zu günstigen Finanzierungs- und Informationsquellen oder auf Vorhandensein von besonderen Managementfähigkeiten beruhen.“ 32 Der mithin gewichtigste Vorteil ist der des unternehmerischen Know-how. Der Vorteil des immateriellen unternehmensspezifischen Vermögenswertes Wissen liegt dabei in seiner Kostenstruktur. Sind erst einmal die Forschungs- und Entwicklungsphasen abgeschlossen, kann das „Produkt“ Wissen beinahe ohne weitere Kosten im Produktionsprozess eingesetzt oder für andere Unternehmen oder Märkte vervielfältigt werden. 33 Innerhalb der Unternehmung nimmt das Wissen dabei die Position eines öffentlichen Gutes 34 ein, welches „am profitabelsten innerhalb des multinationalen Unternehmens übertragen werden“ 35 kann. 36
Die Entscheidung dieses Wissen nicht an ein ausländisches Unternehmen zu verkaufen, sondern die Kontrolle an dem Wissen durch Direktinvestitionen zu erhalten, lässt sich vor allem dadurch erklären, dass man durch die Lizenzierung den Preis und die
30 Vgl. H. Heinen (1982), S.120 sowie G. Heiduk / J. Kerlen-Prinz (1999), S. 37
31 Vgl. H. Heinen (1982), S.120 sowie G. Heiduk / J. Kerlen-Prinz (1999), S. 37
32 J. Stehn (1992), S. 57
33 Vgl. H. Schulte-Mattler (1988), S. 13
34 Vgl. dazu R. E. Caves (1996), S. 4 sowie J. R. Markusen (2002), S. 18
35 H. Teufel (1991), S. 17
36 Dies wird ebenfalls von Caves aufgegriffen: „Once a piece of knowledge has been developed and
applied at a certain location, it can be put to work elsewhere at little extra cost and without reducing the
capacity available at the original site.” (R. E. Caves, 1996, S. 4)
9
Ausbringungsmenge für das mit dem Wissen herstellbare Produkt nicht mehr steuern kann. 37 Weiterhin besteht auf Käuferseite erhebliche Unsicherheit über den Wert des immateriellen Vermögenswertes. Dies erschwert es dem Verkäufer einen angemessenen Preis zu erzielen. 38 In diesem Zusammenhang fügt Hymer an: „If the firm which possesses the advantages does not license but instead undertakes the operations itself, there is less difficulty in achieving maximum profits.“ 39 Schulte-Mattler stellt darüber hinaus bei der Entscheidung zur eigenen Vermarktung des „Produktes“ Wissen insbesondere den Qualitätsaspekt und die Beständigkeit der Produktentwicklung sowie die des Produktionsprozesses heraus. 40 Abschließend bleibt festzuhalten, dass der firmenspezifische Vorteil Wissen auf der „exklusiven bzw. privilegierten Verfügungsmöglichkeit über Ressourcen“ 41 basiert und als solcher der erfolgreichen Umsetzung ausländischer Direktinvestitionen dient.
zu c) externe oder interne economies of scale
„Externe Firmengrößenvorteile (external economies of scale) entstehen durch die effektivere Koordination aufeinanderfolgender Produktionsstufen“ 42 , welche mittels vertikaler Direktinvestition in das multinationale Unternehmen integriert werden. 43 Die Kostensenkungspotentiale bei der Einbettung der vor- bzw. nachgelagerten Produktionsstufen in das multinationale Unternehmen entstehen nach Hymer durch die Erlangung der Kontrolle über die externen Märkte. 44 Mit der Kontrolle der Beschaffungsmärkte ergibt sich somit ein weiterer monopolistischer Vorteil, der auf den ausländischen Märkten ausgespielt werden kann.
Interne Firmengrößenvorteile sind eng mit der horizontalen multinationalen Unternehmensstruktur verbunden. 45 Dabei können „horizontal stark ausgeweitete Unternehmen […] Kostensenkungseffekte durch Massenproduktion erreichen.“ 46 Die Vernetzung räumlich dezentraler Produktionsaktivitäten innerhalb einer Organisation „erlaubt optimale Kapazitätsplanung, optimale Losgrößen, […] und die Streuung des
37 Vgl. S. H. Hymer (1976), S. 49
38 Vgl. M. Bargel (1993), S. 41 sowie G. Heiduk / J. Kerlen-Prinz (1999), S. 42 - 43
39 S. H. Hymer (1976), S. 49
40 Vgl. H. Schulte-Mattler (1988), S. 12
41 M. Bargel (1993), S. 38
42 J. Deitmers (1982), S. 153
43 Vgl. J. Deitmers (1982), S. 153 - 154
44 Vgl. H. Heinen (1982), S. 121
45 Vgl. J. Deitmers (1982), S. 154
46 H. Heinen (1982), S. 121
10
finanziellen Risikos.“ 47 Betriebsgrößenersparnisse liegen dann vor, wenn die Stückkosten eines Produktes mit der Steigerung der Ausbringungsmenge sinken. 48 „Die kostentheoretische Fundierung der economies of scale ist die langfristige Durchschnittskostenkurve (LDK).“ 49 Die nachstehende Abbildung 1.1 zeigt den Verlauf der langfristigen Durchschnittskostenkurve. 50 Mit Hilfe der LDK lassen sich Investitionsentscheidungen planen, da sie der erwarteten Ausbringungsmenge auch die kostenminimale Betriebsgröße zuordnen kann. 51
Kosten
Die internen economies of scale „können zur Cash-flow-Steigerung vor allem dann genutzt werden, wenn die Nachfragemenge eines nationalen Marktes nicht ausreicht, um einem Anbieter in diesem Markt die optimale Betriebsgröße zu ermöglichen.“ 52 Die horizontale Verteilung der Produktion auf mehrere internationale Produktionsstandorte bietet den multinationalen Unternehmen zusätzlich die Möglichkeit, international divergierende Konjunkturverläufe sowie Wechselkursschwankungen zu umgehen und einen höheren Auslastungsgrad als ihre inländische Konkurrenz zu realisieren. 53
47 J. Deitmers (1982), S. 154
48 Vgl. H. Schulte-Mattler (1988), S. 12
49 I. Stein (1992), S. 46
50 Es wird ein ertragsgesetzlicher Verlauf unterstellt, der den einzelnen Betriebsgrößen die jeweilige
kurzfristige Kostenkurve zuordnet. (vgl. I. Stein, 1992, S. 46)
51 Vgl. hierzu auch A. Koutsoyiannis (1980), S. 107 - 112
52 M. Ringlstetter / P. Skrobarczyk (1994), S. 338
53 Vgl. A. R. Klau (1995), S. 34
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zu d) staatliche Maßnahmen
Staatliche Eingriffe in Form von Steuern, Zinssätzen sowie Wechselkursen führen zu internationalen Marktunvollkommenheiten, die von den multinationalen Unternehmen ausgenutzt werden. Dieses „Ausnutzen“ wird dabei von den jeweiligen ausländischen Volkswirtschaften teilweise bewusst provoziert, da es für Volkswirtschaften je nach Wirtschaftswachstum und Wirtschaftskraft von großer Bedeutung sein kann, ausländische Unternehmen durch Handelserleichterungen oder Investitionsprogramme als sog. Wirtschafts- und Jobmotoren ins Land zu holen. 54 Umgekehrt bietet gerade diese Möglichkeit, auf andere Märkte ausweichen zu können, multinationalen Unternehmen eine besondere Verhandlungsposition gegenüber Regierungen. Ein monopolistischer Wettbewerbsvorteil kann in diesem Zusammenhang bereits in Form von Steuererleichterung u. ä. vorliegen und lässt ein Auslandsengagement als lohnenswert erscheinen. 55
Hymers Erklärungsansatz ausländischer Direktinvestitionen multinationaler
Unternehmen durch monopolistische Vorteile ist innerhalb der Wissenschaft nicht ohne Kritik geblieben. So lässt Hymer „die Frage nach der Vorteilhaftigkeit einer Direktinvestition zur Bedienung des Auslandsmarktes gegenüber der Alternative Export“ 56 offen. Zudem schenkt Hymer der in der Praxis beobachtbaren Strategie der Auslandsinvestition zur Erringung monopolistischer Vorteile (z. B. Verringerung von Transaktionskosten) auf Auslandsmärkten keine Beachtung. Weiterhin benötigen multinationale Unternehmen kaum noch kompensierende Vorteile, da die Markteintrittsbarrieren in der von Hymer beschriebenen Höhe für multinationale Unternehmen nicht mehr existieren. 57
54 Vgl. V. Styrsky (2003), S. 14
55 Vgl. auch M. Ringlstetter / P. Skrobarczyk (1994), S. 338
56 G. Heiduk / J. Kerlen-Prinz (1999), S. 37
57 Vgl. G. Heiduk / J. Kerlen-Prinz (1999), S. 37 - 38
12
1.2.2 Die Produktlebenszyklustheorie von Vernon
Die von Vernon konzipierte Produktlebenszyklustheorie versucht mit Hilfe des mikroökonomischen Konzeptes des Produktlebenszyklus Internationalisierungsaktivitäten zu erklären. 58 Der Ansatz rückt innovative Unternehmen in den Mittelpunkt der Betrachtung und stellt somit eine dynamische Variante der Theorie des monopolistischen Vorteils dar. 59 Den Ausgangspunkt bildet ein Unternehmen, welches durch hohe technologische Faktorausstattung im Inland Vorsprünge gegenüber ausländischen Unternehmen besitzt. 60
Der Lebenszyklus eines Produktes wird von Vernon in drei Phasen eingeteilt. Nach der Forschungs- und Entwicklungsphase wird das innovative Produkt in der ersten Phase des Lebenszyklus in heimischer Produktion für den inländischen Markt hergestellt. In der Wachstumsphase wird neben dem inländischen auch der ausländische Markt mittels Exporten bedient. Die dritte Phase ist durch den Export der Technologie ins Ausland in Form von Direktinvestitionen bzw. Vergabe von Lizenzen sowie durch den Import des Produktes gekennzeichnet. Die im Anfangsstadium von hoher Qualifikations- und Arbeitsintensität geprägten Produktionskosten werden durch den monopolistischen Vorteil des Alleinanbieters vom Unternehmen mehr als kompensiert. Im Zeitablauf treten jedoch immer mehr Nachahmer in den Markt ein und es entwickelt sich ein kapitalintensiver Wettbewerb, der über die Qualität und den Preis entschieden wird. 61
58 Vgl. A. R. Klau (1995) S. 26 ; Vernon versuchte vornehmlich „das makroökonomische Phänomen der
zunehmenden Auslandsaktivitäten US-amerikanischer Unternehmen nach dem zweiten Weltkrieg zu
erklären.“ (A. R. Klau, 1995, S. 26)
59 Vgl. J Deitmers (1982), S. 194
60 Vgl. J. Dunning (1993), S. 70 ; A. R. Klau (1995) S. 26 sowie G. Heiduk / J. Kerlen-Prinz (1999), S. 34
61 Vgl. Schulte-Mattler (1988), S.13
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Besonders deutlich wird die Produktlebenszyklustheorie durch die Abbildung 1.2. Der Zeitabschnitt t 0 bis t 1 zeigt die steigende Nachfrage nach dem „neuen“ Produkt, die durch eine relativ geringe Preiselastizität gekennzeichnet ist. Innerhalb der Wachstumsphase steigt ab t 1 die Produktionsmengenfunktion des inländischen Unternehmens stärker an als die Absatzmengenfunktion im Inland, was sich durch eine steigende Nachfrage aus dem Ausland erklären lässt. 62 Das Unternehmen wird den ausländischen Markt solange mit Exporten bedienen, „wie die Produktions- plus Transportkosten der exportierten Güter kleiner sind als die erwarteten Kosten der Auslandsproduktion.“ 63 Gleichzeitig wird das Unternehmen mit dem Aufkommen eines intensiveren Wettbewerbs durch Imitatoren im In- und Ausland 64 nach kostengünstigeren Produktionsstandorten im Ausland Ausschau halten. 65 Durch Produktionsmöglichkeiten im Ausland gehen die Exporte vollständig zurück und ab t 2 wird die inländische Nachfrage in steigendem Maße durch die im Ausland kostengünstigere Produktion bedient. 66
62 Vgl. R. Vernon (1971), S. 65 - 77 sowie J. Pensel (1977), S. 190 - 192
63 H. Schulte-Mattler (1988), S. 15
64 „Direktinvestitionen werden nicht nur aus Kostenvorteilen vorgenommen. Erst eine Bedrohung auf
dem Exportmarkt gibt einen ausreichend starken Antrieb zu Direktinvestitionen.“ (H. Heinen, 1982,
S. 113)
65 „Die Produktzyklustheorie unterstreicht die relative Bedeutung der standortspezifischen Charakteristika
der Gastländer auf die Investitionsentscheidung der Unternehmen.“ (H. Schulte-Mattler, 1988, S. 13)
66 Vgl. R. Vernon (1971), S. 65 - 77 ; J. Pensel (1977), S. 190 - 192 sowie H. Knödler (1999), S. 95 - 99
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„The work of Raymond Vernon […] on the product cycle theory […] was of particular value, partly because it treated trade and investment as part of the same process of exploiting foreign markets, and partly because it explained this relationship in a dynamic context.” 67 Die strenge Einteilung der beiden Internationalisierungsstrategien in Exporttätigkeit und ausländische Direktinvestitionen bildet die Wirklichkeit jedoch nur begrenzt ab. So kommt es in der Praxis oft zu einem Parallelverhalten von Exporten und Direktinvestitionen, um den Produktlebenszyklus über internationale Grenzen hinweg zu verlängern. 68
1.2.3 Der systematische Ansatz von Hirsch
„The problem of choosing between a different set of options of servicing a foreign market was first taken up systematically by Hirsch […], who produced a model identifying the conditions under which a firm might exploit its […] advantages through exports or foreign direct investment.” 69 Im Modell von Hirsch wird somit „die relative Vorteilhaftigkeit von Exporten und Direktinvestitionen in einem allgemeinen Modell gegenübergestellt“ 70 . Neben den unternehmensspezifischen Wettbewerbsvorteilen berücksichtigt Hirsch allerdings auch die standortabhängigen Produktions-, Informations- und Kommunikationskosten. Im Gegenteil zu Vernon, der Direktinvestitionstätigkeit auch zur Bedienung des Inlandsmarkts vorsieht, berücksichtigt Hirsch Auslandsinvestitionen jedoch ausschließlich zur Bedienung ausländischer Absatzmärkte. 71
Das Modell von Hirsch setzt sich aus folgenden Determinanten zusammen. Die Produktionskosten im Stammland A (P a ) und im potentiellen Gastland B (P b ) beinhalten neben den Kapitalkosten auch sämtliche bei der Produktion anfallenden Faktorkosten. Die Variable (K) stellt den firmenspezifischen Wettbewerbsvorteil der Unternehmung dar. Weiterhin berücksichtigt Hirsch die Vertriebskosten des inländischen (M d ) und des ausländischen (M x ) Marktes. Die (positive) Vertriebskostendifferenz (M = M x - M d ) spiegelt vor allem die höheren Kosten (z. B. Transport-, Verpackungs- und Versicherungskosten) des Exports wider. Die mit der Direktinvestition anfallenden
67 J. H. Dunnig (1995a), S. 186
68 Vgl. J. Stehn (1992), S. 32 - 33
69 J. H. Dunnig (1995a), S. 187
70 A. R. Klau (1995), S. 94 - Im Original vorhandene Hervorhebungen wurden übernommen -
71 Vgl.G. Heiduk / J. Kerlen-Prinz (1999), S. 33
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Kontrollkosten im Ausland (C x ) stellt Hirsch den inländischen Kontrollkosten (C d ) gegenüber. Die (positive) Kostendifferenz (C = C x - C d ) ist insbesondere auf die Entfernung zwischen Mutter- und ausländischer Tochtergesellschaft sowie auf unterschiedliche staatliche Rahmenbedingungen zurückzuführen. 72
Aus diesen Determinanten lassen sich nun sechs Ungleichungen aufstellen, die den Unternehmen als Entscheidungshilfe dienen sollen. So wird das Unternehmen in Land A den ausländischen Markt B mit Exporten bedienen, wenn gilt 73 :
Das Unternehmen in Land A wird demnach dann exportieren, wenn sowohl die Auslandsproduktionskosten zuzüglich der Kontrollkostendifferenz (P b + C) als auch die Auslandsproduktionskosten zuzüglich der Kosten für den monopolistischen Vorteil (P b + K) höher sind als die Inlandsproduktion zuzüglich des Vertriebs (P a + M).
Das Unternehmen in Land A wird Güter mittels Lizenzverträgen in Land B produzieren lassen, wenn gilt 74 :
Die Entscheidung zur Lizenzierung fällt somit dann positiv aus, wenn die Summe der Inlandsproduktionskosten und der Vertriebsdifferenz (P a + M) sowie die Summe der Auslandsproduktionskosten und der Kontrollkostendifferenz (P b + C) höher ist als die Summe der Auslandsproduktionskosten und der Kosten des monopolistischen Vorteils (P b + K).
72 Vgl. J. Stehn (1992), S. 51 - 52
73 Vgl. J. Stehn (1992), S. 52
74 Vgl. H. Schulte-Mattler (1988), S. 42
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Paulina Schneider, Hermann Büttner, 2005, Die Bedeutung der Kapitalstruktur für die strategischen Handlungsspielräume multinationaler Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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