Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Dichterdenkmal 2
2.1. Die Vorläufer: Goethe- und Schillerdenkmäler 5
3. Der Auftrag für ein Doppelstandbild 6
3.1. Der Entwurf von Christian Daniel Rauch 7
3.2. Ernst Rietschels Entwurf des Goethe-Schiller- Denkmals 8
4. Das Goethe-Schiller-Denkmal 10
4. 1 Die Porträtvorbilder 11
5. Die Enthüllungsfeier 12
5.1. Kritik und Würdigung 14
5.2 Das Dichterstandbild als Nationaldenkmal? 15
6. Schlussbetrachtung 16
7. Literaturverzeichnis 18
8. Abbildungen S 20
1
1. Einleitung
Aufgrund des 200. Todestages Friedrich Schillers am 9. Mai wurde dieses Jahr 2005 als Schillerjahr deklariert. Neben den Feierlichkeiten in ganz Deutschland und vor allem in Weimar, erschienen zahlreiche Neuauflagen seiner Werke, sowie Monographien, die Schiller in einen aktuellen Zeitbezug stellen und die Aktualität des Dichters betonen. Auch das Fernsehen lieferte zahlreiche Beiträge zum Leben und Schaffen des Dichters. In vielen dieser Dokumentationen war ein Bildnis immer wieder zu sehen: das 1857 von Ernst Rietschel fertig gestellte Doppelstandbild von Schiller und seinem Dichterkollegen und Freund Goethe auf dem Weimarer Theatervorplatz. Neben der Schillerbüste von Dannecker und den Goethebüsten von Rauch und Schadow, ist Rietschels Doppelstandbild wohl die prominenteste Darstellung der beiden Dichter in der bildenden Kunst.
Schon kurz nach der Aufstellung der Plastik und der Aufsehen erregenden Enthüllungsfeier, wurde von einem Nationaldenkmal gesprochen. In der vorliegenden Seminararbeit soll vor allem der Frage nachgegangen werden, ob bzw. inwiefern es sich bei dem Goethe-Schiller-Denkmal um ein Nationaldenkmal handelt. Zunächst soll jedoch auf das Dichterdenkmal, seine Tradition und Bedeutung eingegangen werden. Im folgenden wird dann konkret auf die beiden bedeutendsten Einzeldarstellungen von Goethe- bzw. Schiller eingegangen. Im Hauptteil richtet sich der Fokus schließlich auf das Doppelstandbild Rietschels, bzw. auf die Entwürfe seines Lehrers Rauch, der den Auftrag zuerst erhielt und ihn dann an seinen Schüler abtrat. All dies ist in der Literatur gut dokumentiert und zeigt die Forderungen auf, die an das Werk von den verschiedenen Förderern gestellt wurden. Auch die Enthüllungsfeier, die zeitgenössische Kritik und die Wirkung des Denkmals auf die Nachwelt geben uns Aufschluss über die Bedeutung des Denkmals für die Nationalbewegung dieser Zeit. Was erwarteten die Zeitgenossen von den Denkmal und inwieweit entsprach es den Forderungen des Volkes? Schließlich soll untersucht werden, ob es sich bei dem Weimarer Doppelstandbildnis um ein Nationaldenkmal handelt oder was im 19. Jahrhundert unter einem Nationaldenkmal zu verstehen ist.
2
2. Das Dichterdenkmal
In der frühen Neuzeit war vor allem das Fürstendenkmal die häufigste Form der Personendarstellung. So wurde die fürstliche Macht auf öffentlichen Plätzen allgegenwärtig in Erinnerung gerufen. Zu Beginn der Aufklärung begann sich dieses Monopol der Darstellbarkeit jedoch aufzulösen, da sich nun auch andere Persönlichkeiten, außer Feldherren und Staatsmänner, durch besondere Verdienste hervorheben konnten. Fürsten, denen ein öffentliches Denkmal errichtet wurde, mussten sich außerdem durch besondere Leistungen, die dem Staat zuträglich waren, auszeichnen. Um sich jedoch vom Volk trotzdem abzusetzen, behielten sich die Fürsten das Recht auf die Darstellung mittels eines Reiterdenkmals vor, welches schon in der Antike als angemessene Form der Herrscherdarstellung galt. Für die Darstellung von Dichtern gab es jedoch auch eine gewisse Tradition, auf die zurückgegriffen werden konnte. 1
Schon in der Antike wurden große Geister wie Philosophen, Dichter und Redner, deren Gedankengut und Werke als zeitüberdauernd und universell galten, durch Standbilder geehrt. Im Unterschied zu der späteren Zeit, wurden auch lebenden Persönlichkeiten Standbilder errichtet. Im vom Christentum geprägten Mittelalter verschwanden diese Darstellungen, da sie nicht in den christlichen Heilsplan passten und somit nicht als darstellungswürdig galten. Erst in der nach dem Humanismus ausgerichteten Renaissance wurde das in der Antike entstandene Standbild wiederbelebt. Neben dem Reiterstandbild wurden auch Dichterstandbilder geschaffen. Einerseits handelte es sich, ganz im Sinne der Renaissance, um die Ehrung antiker Dichter, wie z.B. das Denkmal Vergils in Mantua aus dem 13. Jahrhundert. Vergil übernimmt jedoch nicht nur die Funktion des Stadtpatrons seiner Heimatstadt Mantua, sondern auch die des ehrenvollen Führers Dantes in der göttlichen Komödie. 2 Neben zahlreichen Darstellungen von Ovid, Vergil und Livius in florentinischen Stadtpalästen, die auch der Selbstdarstellung der Stadt dienten, existierten auch Denkmäler für die großen italienischen Dichterfürsten der Frührenaissance: Dante und Francesco Petrarca. Den beiden Dichtern sollten auch in
1 SELBMANN, Rolf: Dichterdenkmäler in Deutschland. Literaturgeschichte in Erz und Stein.,
Stuttgart 1988, S. 2.
2 BLOCH, Peter: Denkmal und Denkmalkult, in: Ausst. Kat. Hamburg, 1990: Ethos und Pathos. Die
Berliner Bildhauerschule 1786-1914, S. 191-192.
3
der Folgezeit zahlreiche Statuen errichtet werden, da sie mit ihrer Dichtung den Grundstein für eine italienische Nationalsprache legten. Beide entschieden sich nach zahlreichen Schriften im damals gängigen Latein, für eine Dichtung in volgare, dem Toskanischen. Nördlich der Alpen griff man ebenfalls auf eine antike Vorstellung zurück. Dort stand der Aspekt des Nachruhmes im Vordergrund und die Dichter wurden als poeta laureatus mit dem Lorbeerkranz dargestellt. Ein solch nichtfürstliches Personendenkmal der Neuzeit konnte einerseits erst durch die Entstehung einer nicht mehr rein monarchisch geprägten Öffentlichkeit mit einem eigenen Selbstbewusstsein und andererseits durch das Erscheinen einer humanistischen Denkweise, welche die Jenseitsversprechungen des Mittelalters in Frage stellte, entstehen. Eine große Anzahl an Dichterdenkmälern entstand jedoch in der Aufklärung, da an den Dichter hohe gesellschaftliche Anforderungen gestellt wurden und den literarischen Leistungen ein besonderes patriotisches Verdienst zugesprochen wurde. 3 Zunächst war die Dichterverehrung jedoch ein privates Vergnügen. Sie nahm ihren Anfang in den Parks des englischen Hochadels und wurde bald auch an aufgeklärten deutschen und französischen Adelshöfen imitiert. Bei den aufgestellten Denkmälern handelte es sich jedoch eher um eine symbolische Gestaltung mittels Tempeln, Büsten und Gedenksteinen, die im Betrachter empfindsame Emotionen auslösen sollten. 4 Zum Ende des 18. Jahrhunderts hin wurden die Dichterdenkmäler in öffentlichen Gärten ausgestellt. Ein für diese Untersuchung besonders interessantes Beispiel stellt das 1799 in Göttingen enthüllte Denkmal für Gottfried August Bürger dar, da es den Wendepunkt von privater Denkmalskunst zum nationalistischen Dichtermonument dokumentiert. Der Aufstellungsort, die Ulrichischen Gärten, waren eine Parkanlage, aber für jedermann zugänglich. Außerdem nahm der Ort eindeutig Bezug auf die Biographie des Dichters, der zu Lebzeiten gerne in diesen wandelte. Das Denkmal zeigt eine monumentale Figur der Germania, die mit einem heroischen Gestus die Urne des Dichters mit einem Eichenkranz huldigt. Nicht nur die Darstellung der Germania
3 Vgl. SELBMANN 1988, S. 3.
4 SELBMANN, Rolf: Dichterdenkmäler im 19. Jahrhundert und das Dichterdoppeldenkmal in
Weimar, in: APPELBAUM, Dirk (Hrsg.): Das Denkmal. Goethe und Schiller als Doppelstandbild in
Weimar, Tübingen 1993, S. 50.
4
weist auf seine nationale Bedeutung hin, sondern auch die aus den verschiedenen deutschen Staaten eingegangenen Spenden für das Projekt. 5 Neben den Gartendenkmälern waren im 18. Jahrhundert vor allem Dichterdarstellungen in Form von Büsten und Medaillen verbreitet. Diese waren Zeichen des damals herrschenden Freundschaftskultes unter den Dichtern. Goethe favorisierte diese Form der Darstellung, ohne die Inflationierung dieser zu berücksichtigen. Grund für diese Vorliebe war nicht nur ein strenger Klassizismus, sondern auch die Angst vor der Schutzlosigkeit öffentlicher Denkmäler gegenüber den Witterungen und der Beschmutzungen der sich konstituierenden Öffentlichkeit. 6 Bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts war die Diskussion über die Darstellung einer Geistesgröße als Standbild oder Büste noch äußerst lebhaft. Der Philosoph Arthur Schopenhauer nahm in dieser Streitfrage eine eindeutig klassizistische Position ein und forderte für die Darstellung eines Geistesheroen die Büstenform. Standfiguren sind seiner Meinung nach nur solchen Personen angemessen, die sich mit ihrem ganzen Körper für das Wohl des Volkes eingesetzt haben, d.h. für Helden, Heerführer, Herrscher, Staatsmänner, Heiligen usw. Schopenhauers Kategorisierung bezüglich des Körpereinsatzes dieser Beispiele wirft in heutiger Zeit jedoch einige Fragen auf! Männer hingegen, die sich durch ihr Genie auszeichneten und sich vor allem durch Geistesleistungen unsterblich machten, gebühre lediglich die Darstellung des Kopfes, ergo eine Büste. 7 Noch evidenter als diese Diskussion, war der so genannte „Kostümstreit“, der von den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts währte. Die Debatte entzündete sich an den Plänen zu einem Denkmal für Friedrich den Großen und stellte schließlich die Frage, welche Personen am besten in einem antik-idealen oder in einer modernen Bekleidung zu zeigen seien. Die Befürworter des antik-idealen Gewandes, zu denen die Mehrheit der Befragten und auch Goethe und der Weimarer Kunstkreis gehörten, war der Meinung das ein Monument für die Ewigkeit bestimmt sei, und sich deswegen nicht nach dem Geschmack der Zeit zu richten habe. Die Befürworter des historischen Kostüms bemängelten die Verfremdung und den ewig gleich bleibenden Charakter
5 Vgl. SELBMANN 1988, S. 32-34.
6 Vgl. SELBMANN 1988, S. 45-46.
7 SCHRADE, Hubert: Das Deutsche Nationaldenkmal. Idee, Geschichte, Aufgabe, München 1934, S.
38.
Arbeit zitieren:
Ilka Dischereit, 2005, Das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar. Ein Nationaldenkmal?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Familie in Lessings "Emilia Galotti" und Schillers "...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 23 Seiten
Das Bürgerliche Trauerspiel bei Schiller und Lessing
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Zwischenprüfungsarbeit, 20 Seiten
Die Gräfin Orsina und Lady Milford. Gelehrte, mächtige Frauen oder las...
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Ilka Dischereit's Text Das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar. Ein Nationaldenkmal? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ilka Dischereit hat den Text Das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar. Ein Nationaldenkmal? veröffentlicht
Ilka Dischereit hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare