Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Abk ürzungs verzeichnis V
1. Überblick 1
2. Stellenwert der Beziehung zwischen Handel und Industrie 2
2.1 Vertikales Marketingkonzept der Lebensmittelindustrie 4
2.2 Der Wandel der Rolle des Handels bei der Distribution 4
2.2.1 Die Gatekeeper-Position des Handels 5
2.2.2 Der Handel wird zum Kunden 6
3. Handelsgerichtetes Marketing als strategisches Instrument zur
Krisenpr ävention 7
3.1 Machtverteilung in der Beziehung Hersteller/ Handel 8
3.1.1 Schaffung strategischer Wettbewerbsvorteilen 9
3.1.2 Distributives Leistungssystem 10
3.1.3 Macht-, Kosten- und Transaktionsatmosphärenstrategien 11
3.2 Basisstrategien zur Verbesserung der vertikalen Wettbewerbsposition 13
3.2.1 Orientierung am Handel als Kunden 13
3.2.1.1 Key-Account-Management 13
3.2.1.2 Strategisches Beziehungsmanage me nt 14
3.2.1.3 Schnittstellen- und Prozessmanagement 15
3.3 Gesamtbetrachtung strategischer Maßnahmen 15
4. Operatives Marketing als Beitrag zur Krisenbewältigung 15
4.1 Rechtliche Hintergründe und Gefahrenabwehrpflichten 16
4.2 Informationsbeschaffung 17
4.3 Produkt- und Chargenrückverfolgung bei Produktrückruf 18
4.4 Verminderung negativer Konsequenzen aus der
Durchf ührung von Rückzugsmaßnahmen 19
4.5 Gesamtbetrachtung operativer Maßnahmen 20
5. Lebensmittelskandale und ihre Auswirkungen 20
5.1 Handelsgerichtetes Marketing, die Antwort auf Lebensmittelskandale 21
5.2 Die BSE-Krise und ihre Folgen 22
5.3 Maßnahmen im Rahmen der BSE-Krise 23
5.4 Der Nitrofen-Skandal und seine Auswirkungen auf den
Babynahrungshersteller HiPP und den Wursthersteller Meica 26
5.5 Maßnahmen im Rahmen des Nitrofen-Skandals 27
6. Lebensmittelskandale und ihre Zukunft 29
Literaturverzeichnis VI
III
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Absatzkanäle in der Foot-Industrie
Abb. 2: Vorsorgliche öffentliche Warnung
Abb. 3: Produktionsplanung und -steuerung zur Chargenrückverfolgung
Abb. 4: Umsatzzuwachs für Öko-Produkte
Abb. 5: Kontrollsystematik des QS-Systems
Abb. 6: Rückgang des Vertrauens in Bio-Produkte
IV
Abkürzungsverzeichnis
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BSE Bovine Sponingforme Enzephalopathie
CJK Creutzfeldt-Jacob-Krankheit
CMA Centrale Marketing- Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft
Bspw. Beispielsweise
BtB Business-to-Business
Ggf. Gegebenenfalls
HCH Hexachlorcyclohexan
POS Point of sale
QS Qualität und Sicherheit
Sog. So genannten
u. a. unter anderem
u. U. unter Umständen
z. B. zum Beispiel
ZMP Zentrale Markt- und Preisberichtstelle
V
1. Überblick
In den letzten Jahren wird der Lebensmittelsicherheit immer mehr Beachtung geschenkt, wozu unter anderem die langwierige BSE-Krise oder andere Lebensmittelskandale wie z. B. der Einsatz von Wachstumsförderern in der Mast oder Dioxine in Schweinefleisch geführt haben. Auch wenn diese Skandale teilweise nur von kurzer Dauer waren, zogen sie immer einen Vertrauensverlust der Konsumenten nach sich. 1 Das Gesundheits- und Qualitätsbewusstsein der Konsumenten ist deutlich gestiegen, wodurch der Lebensmittelqualität ein höherer Stellwert zukommt. 2
Die oberste Intention der Absatzbemühungen der Lebensmittelindustrie ist es nach wie vor, ein Produkt an den Endkonsumenten zu veräußern. Dafür muss dass Produkt zur richtigen Zeit an einem angemessenen Ort zur Verfügung stehen und möglichst optimal angeboten werden. 3 In der Lebensmittelindustrie sind die Hersteller bei der Distribution ihrer Produkte stark vom Handel abhängig, da die Konsumenten ihre Lebensmittel vorwiegend aus ihrer Gewohnheit h eraus bei nahe gelegenen Einzelhandelsgeschäften oder Supermärkten beziehen, die sie als zuverlässig und vertrauenswürdig einstufen. 4,5
In dieser Arbeit wird die Absatzkette von Lebensmittelprodukten, also der Institutionen des Absatzweges, die ein Gut von der Produktion zum Verkauf durchläuft, betrachtet. 6 Dabei wird auf das vertikale Marketing in der Beziehung Hersteller - Handel eingegangen, welches das Pendant zum horizontalen Marketing (Anbieter - Konkurrent) darstellt.
Der Handel wird im Folgenden in Hinblick auf seine institutionelle Funktion als eine Einrichtung verstanden, die sich um die Leistungsverwertung bemüht. Hierzu zählen die Betriebe des Groß- und Außenhandels sowie die Ein- und Ausfuhrhändler. 7 Mittelpunkt dieser Arbeit sind Lebensmittelskandale als „Störfaktor“ im vertikalen Marketing. Das Wort „Skandal“ stammt in seinem Ursprung aus dem Griechischen, Lateinischen, Französischen. Es bedeutet: Ärgernis, Aufsehen erregendes,
1 Vgl. Böcker, Albrecht (2001) S. 374.
2 Vgl. Irrgang (1993) S. 109.
3 Vgl. Strecker, Reichert, Pottebaum (1990) S. 236.
4 Vgl. Strecker, Reichert, Pottebaum (1990) S. 240; S. 252.
5 Vgl. Böcker, Albrecht (2001) S. 372.
6 Vgl. Nieschlag, Dichtl, Hörschgen (1994) S. 11.
7 Vgl. ebenda.
schockierenden Vorkommen. 8 Da durch Lebensmittelskandale immer wieder Ärgernisse bei den Konsumenten hervorrufen werden und durch schockierende Ereignisse Aufsehen erregt wird, werden in dieser Arbeit die handelsgerichteten Aktivitäten der Industrie als wichtiges Instrument in diesen Situationen dargestellt. Sie stellen ein wichtiges Instrument des BtB-Marketing 9 in der Beziehung Handel -Industrie dar und können im Falle eines Lebensmittelskandals hilfreich zu Seite stehen.
Dieses Zusammenspiel von Handel und Hersteller, das für einen Hersteller existenziell wichtig ist, kann geschädigt durch Lebensmittelskandale werden, die den Hersteller oder dessen Produkte betreffen. 10 Ein Skandal ist immer unerwünscht, da er auf Grund der teilweise sehr drastischen Konsumentenreaktionen auch in der Beziehung zwischen Industrie und Handel seine Spuren hinterlässt. Denn ein Industrieunternehmen als Produzent kann nur dann erfolgreich sein, wenn möglichst viele Händler als Absatzmittler die Produkte der Industrie verkaufen und diese Beziehungen nicht dauerhaft gestört werden, wie z. B. durch Lebensmittelskandale. Entgegenwirken kann die Industrie nur durch ein gutes Zusammenspiel mit dem Handel als Vertreiber der Produkte, wobei der Handel eine größere Rolle spielt als der „Waren-Vermittler“ 11 .
Die Darstellung der handelsgerichteten Aktivitäten erfolgt zunächst in allgemeiner Form, wobei hier die Markenführung nicht gesondert betrachtet wird. Anschließend wird die dargestellte Theorie anhand der BSE-Krise und der Auswirkungen des Nitrofen-Skandals auf die Markenartikelhersteller HiPP und Meica verdeutlicht.
2. Stellenwert der Beziehung zwischen Handel und Industrie
Die Lebensmittelindustrie zeichnet sich durch mehrere markante Merkmale aus: Massenmarketing, hohe Innovationsdichte, hohe Umschlaggeschwindigkeit und einer auf Grund des hohen Wettbewerbs notwendigen Produktdifferenzierung. 12 Ebenso ist die hohe Distributionsdichte, also die Anzahl der Handelsbetriebe, die im
8 Vgl. Duden (2002) S. 920.
9 Vgl. Belz (2004) S. 527.
10 Vgl. Otzen-Wehmeyer (1996) S. 11.
11 Vgl. Schneider (1989) S. 93.
12 Vgl. Strecker, Reichert, Pottebaum (1990) S. 25.
2
Absatzgebiet eine Marke im Sortiment führen 13 , für die Lebensmittelindustrie prägnant.
Regalplätze sind im Lebensmittelhandel nur in begrenzter Menge vorhanden, sodass nicht alle von der Industrie angebotenen Produkte in das Sortiment aufgenommen werden können. Die Industrie muss tendenziell größere Anstrengungen als potentielle Nachfrager unternehmen, um am Marktgeschehen teilnehmen zu können. 14 Durch den raschen Wandel und das vielfältige Angebot werden ihre Produkte leicht durch den flexibleren Handel austauschbar und durch die eines anderen Herstellers ersetzbar. 15 Andere Hersteller versuchen ihrerseits ebenfalls die frei werdenden Regalplätze schnellstens zu besetzen. Die Umstellung der Produktpalette des Handels auf einen anderen Hersteller ist wesentlich anpassungsfähiger als der Hersteller mit seiner langfristig geplanten Produktion. Da die Industrie ihre Fertigung nicht laufend umstellen kann, wird Bedeutung einer guten Beziehung zum Handel immer wichtiger. 16
Der Handel führt in der heutigen Zeit Funktionen aus, die in früheren Zeiten durch die Industrie erbracht wurden. 17 Um seine im Laufe der Zeit vorteilhafter gewordene Position in der Beziehung zur Industrie wissend, stellt der Handel zunehmende Forderungen nach Konditionszugeständnissen sowie Neben- und Zusatzleistungen an bzw. durch die Industrie. Im Gegenzug wird die Listung im Handel erschwert 18 und die Industrie als Hersteller zur erweiterten Kostenübernahme für die erweiterten Funktionen des Handels verpflichtet 19 .
Die Position der Industrie hat einen deutlichen Machtverlust erlitten, die den Absatz ihrer Produkte zunehmend schwieriger gestaltet. Aus diesem Grund wird ein ausgeklügeltes handelsgerichtetes Marketingkonzept der Industrie notwendig, damit die Rolle der Industrie nicht noch mehr an Bedeutung einbüßt. Dieses System wird durch die Industrie strategisch aufgebaut.
13 Vahlens Großes Wirtschaftslexikon (1994) S. 464.
14 Vgl. Nieschlag, Dichtl, Hörschgen (1994) S. 9.
15 Vgl. Otzen-Wehmeyer (1996) S. 12.
16 Vgl. Otzen-Wehmeyer (1996) S. 13.
17 Vgl. Feige (1997) S. 2.
18 Vgl. ebenda.
19 Vgl. Otzen-Wehmeyer (1996) S. 20/ 21.
3
2.1 Vertikales Marketingkonzept der Lebensmi ttelindustrie Konsumenten decken ihren Bedarf an Lebensmitteln zu fast 70% über den Handel, was die Bedeutung dieser Institution sowohl für den Konsumenten als auch für die Industrie unterstreicht. Dabei ist der Handel bei der Beratung durch seine Sachkunde im Gesamtsortiment für die Konsumenten ebenso unentbehrlich wie die andere durch den Handel angebotene Dienstleistung wie etwa Parkmöglichkeiten oder Zustellung der gewünschten Ware. 20 Der Konsument setzt zunehmend auf Frische und vor allem auf Qualität d er Ware. Dem Handel fällt folglich eine sehr wichtige und verantwortungsvolle Rolle bei der Distribution der Produkte der Industrie zu. Folgende Grafik soll dies verdeutlichen:
Diese Stellung besaß der Handel jedoch nicht immer. Sie hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt.
2.2 Der Wandel der Rolle des Handels bei der indirekten Distribution Der Absatzweg ist ein Teil des betrieblichen Distributionssystems, das den Informationsfluss zwischen Produzent und Absatzmittler zustande bringen soll. 22 Absatzmittler sind die in die Distributionskette eingeschalteten Einzel- und Groß-
20 Vgl.Strecker/ Reichert/ Pottebaum (1990) S. 252/ 253.
21 Quelle: Feige (1997) S. 3.
22 Vgl. Vahlens Großes Wirtschaftslexikon (1994) S. 15.
4
Arbeit zitieren:
Marina Wilgen, Magnus Flatken, 2004, Handelsgerichtete Aktivitäten der Industrie bei Lebensmittelskandalen, München, GRIN Verlag GmbH
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