Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Austauschtheorie
I. sozialer Austausch
II. wirtschaftlicher Austausch
III. Idee der Austauschhandlungen
C. Austauschbeziehungen zwischen Geschwistern
I. im Kontext der Gesellschaft
II. in 5 Kategorien - Beziehungsmodi
III. im großen und kleinen Altersabstand
IV. im Sinne der negativen Verhältnissen wie Rivalität und Macht
V. im Sinne der positiven Verhältnissen wie Vertrautheit und Nähe
D. Fazit
Literaturverzeichnis
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A. Einleitung
Gesellschaften formen sich aus den Beziehungen zwischen ihren Mitgliedern. Jede Gesellschaft ist das Ergebnis der Kooperation einer Menge Integrations- und Differenzierungsmechanismen, die sich überkreuzen, zu komplizierten Verschachtelungen unterschiedlicher Beziehungssysteme führen und zueinander im Gegensatz stehen. Dass die Menschen soziale Beziehungen mit anderen Menschen aufnehmen liegt daran, dass sie Bedürfnisse haben, die sie befriedigen wollen. Außerhalb gesellschaftlicher Beziehungen, also ohne Hilfe anderer Menschen, können diese Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Deswegen sind sie aufeinander angewiesen. Die gesellschaftlichen Beziehungen, die auf der Gegenseitigkeit beruhen, können als eine Art von Austausch verstehen werden. Beide Seiten, die am Austausch beteiligt sind, kooperieren um sich gegenseitig Wünsche zu erfüllen. Derjenige, der als erster den Wunsch seines Mitmenschen erfüllt, veranlaßt den anderen zur Gegenleistung. Die Austauschbeziehungen basieren auf Leistungen und Gegenleistungen. 1
Ich beschäftige mich in meiner Arbeit mit Austauschbeziehungen unter Geschwistern. Dieses Thema wurde bis zu den 70er Jahren oft unterschätzt und vernachlässigt zu Gunsten der Mutter-Kind-Beziehung, weil diese Beziehung als vorrangig prägend für die kindliche Entwicklung galt. 2 Eine Ausnahme bildete der Österreicher Alfred Adler (1928), dessen Forschung auf Aspekte der Geschwisterkonstellationen wie Geburtenrangposition, Geschlecht und Altersabstand zurückgeht. 3 Erst in den 70er, und mehr noch in den 80er, Jahren fingen Sozial- und Humannwissenschaften an, sich für Geschwisterbeziehungen zu interessieren. 4 Die aktuelle Forschung ist sich in einem Punkt einig, und zwar in dem, dass Geschwister eine herausragende Rolle im Lebenslauf spielen. Geschwisterbeziehungen haben ihre Anfänge in der frühen Kindheit und bleiben je nach Qualität und Intensität bis ins hohe Alter bestehen. Neben den Eltern stellen Geschwister die am nächsten stehenden Personen dar, mit denen man eine ganze Menge von Gefühlen, Reaktionen und Handlungsmustern ausprobiert und durchspielt. Deshalb kann man mit Bestimmtheit erklären, dass Geschwisterbeziehung die dauerhafteste aller Bindungen ist.
Geschwister haben eine wichtige Aufgabe als Sozialisationsagenten, weil sie sich gegenseitig anregen und lernen sich zu verstehen und sich auseinander zu setzen. Als Geschwister werden
1 Blau, 1977, S. 97
2 Frick, 2004, S. 12
3 Kasten, 1998 S. 13
3
laut Hartmut Kasten (1993) Personen definiert, die teilweise identische Erbanlagen haben, da sie entweder dieselben Eltern, dieselbe Mutter oder denselben Vater haben. 5
B.
Austausch im Sinne der Austauschtheorie, sind Handlungen, die nicht durch physische Gewalt erzwungen worden sind und die durch eine erwartete Gegenleistung des anderen motiviert werden. Einen der Ausgangspunkte der Austauschtheorie bildet der Text von Peter M. Blau: Konsultation unter Kollegen. In diesem Text geht es um Beamte, die bestimmte Aufgaben ausführen mußten. Es war ihnen jedoch offiziell verboten, sich gegenseitig in schwierigen Fragen zu beraten. Dennoch ließ die Suche nach richtigen Lösungen ein System gegenseitiger Konsultation entwickeln. Dreiviertel der Beamten hatten ein bis drei intensive Konsultationspartnerschaften, in denen sie den Vorrang bestimmten Gruppenmitgliedern gegenüber den anderen gaben. Es bestand ein komplexes Verhältnis zwischen der Kompetenz eines Beamten und der seiner Kollegen und auch der Intensität der von ihm unterhaltenen Konsultationsbeziehungen. Genau genommen wurde der Austausch von Respekt und Ratschlägen untersucht. Der Preis für die Ratschläge in dieser Behörde war beweglich, weil jeder Kollege angesichts seiner Kompetenz eine Menge und Qualität an Ratschlägen anbot. 6
B I.
Die beobachteten Erscheinungen werden in dem Moment verständlich, in dem der Prozeß der Konsultation als ein sozialer Austauschprozeß betrachtet wird. Es besteht nämlich ein Unterschied zwischen dem sozialen Austausch und dem wirtschaftlichen Austausch. Im sozialen Leben sind die Institutionen, die den Austausch von Kontrolle vereinfachen sollen, nicht so gut entwickelt, wie Institutionen für den Austausch von wirtschaftlichen Ressourcen. 7 Der soziale Austausch beruht auf einem Dienst, den eine Person der anderen erweist ohne, dass die Art der zu erwartenden Gegenleistungen im einzelnen festgelegt worden wäre. 8 Das heißt, im sozialen Austausch achten Menschen auf das faire Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ihrer Interaktionen, auf die Abhängigkeit der Leistungen von Gegenleistungen und
4 Klagsbrun, 1993, S. 8
5 Papastefanou, 2002, S. 192 f
6 Blau, 1977, S. 98 ff
7 Coleman, 1991, S. 46 f
8 Blau, 1977, S. 114
4
umgekehrt und sie sind sich bewußt, dass die unausgewogenen Beziehungen zu Konflikten führen. 9
B II.
Die Grundlage des wirtschaftlichen Austausches bildet ein formaler Vertrag, in dem die genauen Mengen der auszutauschenden Waren festgesetzt sind. Im Unterschied zum sozialen Austausch liegt der besondere Charakter der wirtschaftlichen Austauschbeziehungen darin, dass der Vertrag im Voraus bestimmt, welche Leistungen und Gegenleistungen zu erbringen sind. 10 Er findet normalerweise auf freiwilliger Basis s tatt und meistens sind die Tauschgeschäfte von gegenseitigem Nutzen. Darüber hinaus kann es aber auch zum gezwungenen Austausch kommen, wobei eine Seite selber die Kontrolle über bestimmte Ressourcen und Ereignissen übernehmen will. Unter den Begriff von Austausch fallen auch Bestechungen, Drohungen, Versprechen und Investitionen an Ressourcen. 11
B III.
Die Idee der Austauschhandlungen, die sich spontan bilden, kann man an der folgenden Abbildung deutlich machen:
Akteure Ereignisse Akteure
A1 • ??????????? • ??????????• A1
A2 • ??????????? • ??????????• A2
9 Blau, 1977, S. 100
10 Blau, 1977, S. 114
11 Coleman, 1991, S. 47
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Arbeit zitieren:
Katarina Bezakova, 2004, Austauschbeziehungen zwischen Geschwistern, München, GRIN Verlag GmbH
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