INHALTSVERZEICHNIS
1 Abkürzungsverzeichnis und Vorbemerkungen 4
2 Einleitung 6
3 Begriffsklärungen und Definitionen
3.1 Das Format 8
3.2 Reality-TV 9
4 Quiz-Shows - „Who Wants To Be A Millionaire?“ 11
4.1 Das Konzept der Sendung 11
4.2 Geschichte und Entwicklung des Formats 12
4.3 Internationale Betrachtung der Show 13
4.4 Erfolgsanalyse 14
4.5 Problematische Vermarktungen 18
4.6 Bewertung der Sendung 19
5 Casting-Shows - „Pop Idol 20
5.1 Das Konzept der Sendung 20
5.2 Geschichte und Entwicklung des Formats 21
5.3 Internationale Betrachtung der Show 21
5.4 Erfolgsanalyse 22
5.5 Die Show in Arabien - „Superstar al-Arab“ 24
5.6 Bewertung der Sendung 26
6 Prominenten-Camps - „I’m A Celebrity - Get Me Out Of Here 29
6.1 Das Konzept der Sendung 29
6.2 Geschichte und Entwicklung des Formats 30
6.3 Erfolgsanalyse 30
6.4 Bewertung der Sendung 33
6.5 „Ekelfernsehen“ in weiteren Ländern 35
7 Reality-Soaps - „Wife Swap , „The Swan und „Supernanny 36
7.1 „Wife Swap 36
7.1.1 Das Konzept der Sendung 36
7.1.2 Geschichte und Entwicklung des Formats 37
7.1.3 Bewertung der Sendung 37
7.2 „The Swan“ 39
7.2.1 Das Konzept der Sendung 39
7.2.2 Geschichte und Entwicklung des Formats 40
7.2.3 Bewertung der Sendung 41
7.3 „Supernanny“ 43
7.3.1 Das Konzept der Sendung 43
7.3.2 Geschichte und Entwicklung des Formats 43
7.3.3 Bewertung der Sendung 44
7.4 Erfolgsanalyse 46
8 Zusammenfassung der Entwicklungen der letzten Jahre in den
Unterhaltungsprogrammen 47
9 Ausblick - Was erwartet den Fernsehzuschauer in naher Zukunft? 50
10 Literaturverzeichnis 53
1 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS UND VORBEMERKUNGEN ABC American Broadcasting Company ATV Austrian Television BBC British Broadcasting Corporation bzw. beziehungsweise epd Evangelischer Pressedienst FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung ITV Independent Television MBC Middle East Broadcasting Corporation MTV Music Television NBC National Broadcasting Company OP Operation RTL Radio Télévision Luxembourg SBT Satellite Business Television SF DRS Schweizer Fernsehen der deutschen und rätoromanischen Schweiz SMS Short Message Service, ein Telekommunikationsdienst zur Über-
SZ Süddeutsche Zeitung TED Umgangssprachliche Bezeichnung und Abkürzung für „Tele-
TF Télévision Francaise TV Television, Fernsehen URL Uniform Resource Locator, Adresse einer Seite im Internet US/USA United States of America Vgl. Vergleiche VTM Vlaamse Televisie Maatschappij, ein niederländischsprachiger privater Fernsehkanal in Belgien.
Begriffe wie „Kandidat“, „Akteur“ oder „Teilnehmer“ erscheinen in dieser Arbeit geschlechtsneutral.
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Im Folgenden werden die einzelnen Sendungen bei ihrem Originaltitel genannt, unter dem sie das erste Mal ausgestrahlt und bekannt wurden. Wird auf die Besonderheiten einer nationalen Ausgabe des Formats eingegangen, so wird diese nach dem Namen der jeweiligen Landessprache benannt.
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2 EINLEITUNG
Das Primärziel im Fernsehgeschäft stellt das Erreichen möglichst hoher Quoten dar. Im Konkurrenzkampf um die Gunst des Publikums erweist es sich für die einzelnen Sender als notwendig, möglichst viele Zuschauer an ihr Programm binden zu können. Bei diesem Prozess kommt der Schaffung eines klaren Senderprofils eine wesentliche Bedeutung zu. Ein derartiges Profil lässt sich durch regelmäßig ausgestrahlte Programminhalte, wie beispielsweise Unterhaltungssendungen, schärfen.
Betrachtet man die Entwicklungen der letzten Jahre in den Unterhaltungsprogrammen der Fernsehstationen, so lässt sich ein deutlicher Zuwachs an Quizsendungen und den so genannten Reality-Formaten erkennen. Waren im Jahr 1998 noch kaum derartige Sendungen in den Programmen vertreten, so stellten sie fünf Jahre später in den USA, in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und in den Niederlanden rund 15 Prozent aller Sendungen während der Prime Time dar. 1 Einige dieser Reality-Shows erreichten teilweise Kultstatus. Ein weiterer Trend der letzten Jahre besteht in einem Bedeutungszuwachs internationaler Formate. Verbuchten diese im Jahr 1998 auf den Fernsehmärkten einen Anteil von zwölf Prozent unter allen Programmen in der Prime Time, so stieg dieser Wert bis zum Jahr 2003 auf 30 Prozent. In Deutschland stellte im Jahr 2003 ein Drittel der erfolgreichsten 15 Unterhaltungssendungen ausländische Formate dar, in Frankreich und in den USA war sogar fast die Hälfte der quotenstärksten 15 Sendungen des Jahres fremdländischer Herkunft. 2 Der zunehmende internationale Handel mit den Formaten führt dazu, dass in zahlreichen Ländern der Welt ähnliche Fernsehprogramminhalte vertreten sind. In der Medien- und Kommunikationswissenschaft lassen sich zahlreiche Untersuchungen und Schriften finden, die sich mit den Veränderungen des Reality-TV seit seinem Beginn befassen und sich mit dem Wandel der Programminhalte sowie deren Ursachen beschäftigen. Eine nähere konkrete Beleuchtung der seit der Jahrtausendwende neu entstandenen, international erfolgreichen Formate hat dabei jedoch nur vereinzelt und meist auf eine Sendung beschränkt stattgefunden. Die vorliegende Bachelorarbeit soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Es würde den vorgegebenen Rahmen jedoch um ein Vielfaches sprengen, alle in den letzten Jahren neu entstandenen Formate zu thematisieren. Die Schwierigkeit liegt dabei nicht nur in ihrer enormen Anzahl, sondern auch in der Tatsache, dass jede quotenstarke neu entwickelte Sendung zu zahlreichen Kopien und ähnlich konzipierten Formaten bei Konkurrenzsendern führte. Daher soll im Nachfolgenden der Focus auf die bedeutendsten Trends
1 Vgl. IP International Marketing Committee, 2004, S. 41.
2 Vgl. IP International Marketing Committee, 2004, S. 42.
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gerichtet werden. Gleichzeitig sollen diese chronologisch jeweils an Hand ihres erfolgreichsten Vertreters konkretisiert werden. Dazu werden zur Einführung zunächst das Konzept und der Inhalt der Sendung sowie deren Entwicklungs-und Verbreitungsgeschichte vorgestellt. Neben einer sich daran anschließenden Erfolgsanalyse, einer kritischen Beurteilung des Formats sowie einer Betrachtung der Reaktionen auf die Sendung in der Öffentlichkeit soll auch - soweit vorhanden - auf länderspezifische Unterschiede sowie auf problematische Vermarktungsversuche des jeweiligen Formats eingegangen werden. Eine Zusammenfassung der jüngsten Entwicklungen sowie ein Ausblick auf die zu erwartenden Programminhalte in der näheren Zukunft runden diese Arbeit ab. Bei den Recherchen wurden neben den angegebenen Quellen auch die jeweiligen Sendungen selbst sowie direkte Auskünfte der daran beteiligten Fernsehstationen und Produktionsfirmen herangezogen.
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3 BEGRIFFSKLÄRUNGEN UND DEFINITIONEN
3.1 DAS FORMAT
Der Begriff „Format“ stammt ursprünglich aus dem Druckgewerbe und beschreibt dort eine bestimmte Seitengröße in einem Buch. Anfang der 50er Jahre trat er erstmals in der Radioszene der USA auf. Ein Radio-Format setzte sich damals aus einem kurzen Namen, einer Musikbeschreibung und der angesprochenen Zielgruppe zusammen. 3 In Deutschland hingegen sind Radio-Formate erst seit dem Ende der 80er Jahre bekannt, wobei hier das „Format“ den Überbegriff für die Kombination aus Struktur, Inhalt und Präsentation eines Radioprogramms bildet. 4 Die Bezeichnung findet mittlerweile auch im Bereich des Fernsehens Verwendung. Die Definition dieses Begriffs im heutigen internationalen TV-Geschäft soll an Hand folgender Grafik erläutert werden:
Die Abbildung verdeutlicht, dass sich ein Fernsehformat - abhängig vom Entwicklungsgrad - in zwei Begriffe untergliedern lässt. Beim „Paper Format“ handelt es sich um ein „detailed written document that presents the initial concept for a TV programme format“ 6 . Neben der Idee, dem Inhalt und dem Layout 7 können hier auch der Titel, die Zielgruppe oder die Länge der Sendung festgehalten sein.
Das „TV format package“ bzw. das „TV programme format“ lässt sich als „recipe and ingredients that gives the knowledge to reproduce an existing TV programme in another country“ 8 definieren. Es repräsentiert also das Wissen, das im Rahmen der Produktion von auf dem „Paper Format“ aufbauenden Sendungen gewonnen wurde. Dadurch ermöglicht das „TV format package“ eine Reproduktion der existierenden Sendung, unter eventueller Berücksichtigung nati- 3 Vgl.Paech/Schreitmüller/Ziemer, 1999, S. 155 ff.
4 Vgl. Haas/Frigge/Zimmer, 1991, S. 157 ff.
5 Die Grafik wurde mit Zustimmung des Rechteinhabers von der Internetseite http://www.tvformats.com/formatsexplained.htm entnommen.
6 http://www.tvformats.com/formatsexplained.htm.
7 Hierzu zählen beispielsweise Bühnenbau, Studiodekoration, Vorspann und Logo.
8 http://www.tvformats.com/formatsexplained.htm.
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onaler Besonderheiten, in andere Länder. Das „+…“-Symbol rechts unten in der Grafik kennzeichnet die Tatsache, dass ein „TV format package“ noch zusätzliche Aspekte enthalten kann, die sich in der Praxis aus dem Formatverkauf ergeben. Als Beispiele hierfür seien alle Auftritte außerhalb des Fernsehbildschirms genannt, wie eine Internethomepage, ein Printmagazin oder die Off-Air-Promotion der Sendung.
Auch in der juristischen Literatur findet man zahlreiche Definitionen des Fern-sehformats, welche die eben dargestellten Ausführungen bestätigen. Schwarz beschäftigte sich im Jahr 1990 erstmals mit dem Begriff und versteht darunter die „Gesamtheit der den besonderen Stil einer Fernsehshow bildenden Elemente“ 9 . Eine der neuesten Definitionen stammt von Holzporz. Er betrachtet das Fernsehshowformat als „Synthese aller konstitutiven gestalterischen Mittel und analytischen Aspekte, die der Fernsehshow einen stabilen Strukturrahmen verleihen, in den sich die wechselnden Besonderheiten der Einzelsendungen einfügen und damit das konkrete Erscheinungsbild der jeweiligen Show ausmalen.“ 10
Der Begriff „Fernsehformat“ lässt sich sowohl im fiktionalen als auch im nonfiktionalen Bereich finden. Daher spricht man von Show-, Serien- und Nachrich-tenformaten, wobei sich die ersten beiden Arten für die folgenden Kapitel als relevant erweisen.
Das Ziel jeder Formatkonzipierung liegt in der Sicherung eines weltweiten Erfolgs. Der Siegeszug eines TV-Formats in einem Land führt häufig auch zu hohen Quoten der entsprechenden Sendung in anderen Nationen. Die festgelegten Konzepte sowie der daraus resultierende international ähnliche Erscheinungsstil führen dabei zu einem hohen Widererkennungseffekt rund um den Erdball. Je nach den verschiedenen kulturellen oder religiösen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern gestalten sich eine genaue Anpassung und Ausrichtung auf den betreffenden Staat als notwendig, um das Format in diesem erfolgreich umsetzen zu können. Die wirtschaftliche Bedeutung liegt in der Möglichkeit einer Gewinn bringenden Verwertung begründet, wodurch Formate begehrte Handelsgüter darstellen.
3.2 REALITY-TV
Als Beginn des Reality-TV-Zeitalters kann man das Jahr 1948 und die seit diesem Jahr ausgestrahlte US-amerikanische Sendung „Candid Camera“, einem Vorläufer der deutschen Sendung „Verstehen Sie Spaß?“, definieren. Die erste Reality-Sendung im deutschen Fernsehen stellte 1967 „Aktenzeichen XY - un-
9 Schwarzin Scheuermann, 1990, S. 203 f.
10 Holzporz, 2002, S. 14.
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gelöst“ dar. Reality-TV hat heutzutage in verschiedenen Formen Eingang in das tägliche Fernsehprogramm gefunden. Unter dem Begriff, den man deutlich vom Journalismus abgrenzen muss, lässt sich ein weites Spektrum unterschiedlichster Sendungen zusammenfassen. Diese verschiedenen Formen des Reality-TV erschweren eine exakte und allgemein gültige Begriffsklärung. Daher soll im folgenden Definitionsversuch der Fokus nur auf diejenige Art von Reality-TV gerichtet werden, die sich im Hinblick auf das Thema der vorliegenden Arbeit als relevant erweist. Unter Reality-TV versteht man demnach Formate, die im Stil einer Dokumentation den Alltag oder bestimmte Teile des täglichen Lebens von überwiegend nicht-prominenten Menschen thematisieren. Zu diesem Zweck werden die Akteure derartiger Sendungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg von Fernsehteams begleitet und die Ereignisse entweder in Echtzeit, häufiger aber in Zusammenfassungen, den Zuschauern präsentiert. Zahlreiche derartige Shows ähneln einem Wettkampf, bei dem entweder eine Jury oder das Fernsehpublikum über das Scheitern bzw. Weiterkommen einzelner Protagonisten entscheidet. Reality-TV erlebt seit der Jahrtausendwende einen Boom, der durch das Format „Big Brother“ 11 ausgelöst wurde: „Kein Sender kann es sich leisten, auf Reality TV zu verzichten. Schauen Sie sich die phänomenalen Quoten an! Jeder Sender wäre verrückt, keine Reality-Show zu haben“ 12 , ist sich ein Produzent des US-Senders NBC sicher. Reality-TV wird überwiegend von Jugendlichen oftmals mit Begeisterung rezipiert, löst aber auf Grund des Aufbrechens bis dahin geltender Tabus medialer Darstellung auch immer wieder zahlreiche - teils hitzig geführte - öffentliche Diskussionen aus. In diesen werden die Sendungen von Fernsehzuschauern und Medienwächtern oftmals als voyeuristisch und abstoßend kritisiert. Zudem werden Befürchtungen geäußert, die Akteure könnten durch ihre Teilnahme an derartigen Shows psychische Schäden erleiden. Der freiberuflich tätige Journalist Kai-Uwe Müller merkt dazu an: „Die Fernsehsender schrauben das Niveau fast im Stundentakt nach unten. Glaubt man, die unterste Schublade wäre gerade geöffnet worden, so muß man sich schon kurz darauf vom Gegenteil überzeugen lassen.“ 13 Charakterisiert diese Aussage tatsächlich die Entwicklung der letzten Jahre in der Fernsehunterhaltung?
11 Bei „Big Brother“ handelt es sich um ein erfolgreiches, gleichwohl heftig umstrittenes TV-Format. Dabei lebt eine Gruppe von Kandidaten mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre in
einem Container und wird bis auf wenige Ausnahmen ununterbrochen von Kameras und Mikro-
fonen überwacht. Einen wichtigen Bestandteil der Sendung bilden Wettkämpfe und Spiele um
größere Essensrationen oder eine luxuriösere Unterbringung. Die Zuschauer können per Tele-
fonabstimmung jene Leute wählen, die die Wohngemeinschaft verlassen müssen. Demjenigen
Kandidaten, der bis zum Schluss den Container bewohnt, winkt in der Regel ein hoher Geldge-
winn.
12 Spiegel Online: „Ekel-TV - Schweinefleisch aus dem Piranha-Tank“, 2004.
13 Feige, 2001, S. 8.
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4 QUIZ-SHOWS - „WHO WANTS TO BE A MILLIONAIRE?“
„Der moderne Mensch will nicht mehr in den Himmel kommen, sondern ins Fernsehen“ 14 , ist sich der deutsche Philosoph Odo Marquardt sicher. Am Liebsten möchte der besagte Mensch dabei wohl auf dem Kandidatenstuhl einer Quiz-Show Platz nehmen: Das „Duden Lexikon der Allgemeinbildung“ warb vor einigen Monaten mit dem Slogan „Damit Sie bei jeder Quiz-Show gewinnen”, Schüler antworten mitunter auf Lehrerfragen „Darf ich einen Freund anrufen?“ und „Letzte Antwort?“ avancierte zu einem geflügelten Wort in unserer Gesellschaft. Dieses Phänomen ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen Ländern auf der ganzen Welt zu beobachten. Ursache und Zugpferd des Quizbooms der jüngsten Vergangenheit ist die Fernsehsendung „Who Wants To Be A Millionaire?“.
Die Idee, Quizsendungen im Fernsehen auszustrahlen, ist jedoch nicht neu. Diese Unterhaltungsform stammt aus den USA, in denen das Quiz im Jahr 1936 durch die Radiosendung „Professor Quiz“ einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde. Bei der 1940 eingeführten Show „Take It Or Leave It“ konnte sich ein Kandidat von einer 2-Dollar-Frage bis zu einer 64-Dollar-Frage emporarbeiten. Dieses Quiz wurde 1955 unter dem Namen „The $ 64000 Question“ in den Sender CBS und somit in das Fernsehen übernommen, wo es Marktanteile von bis zu 85 Prozent verbuchen konnte. Auf Grund des Erfolgs wurde dieses Format international erfolgreich lizenziert und in Deutschland 1956 als „Alles oder Nichts“ bekannt. Es mag somit verwundern, dass eine Fernsehsendung mit einer fast 70-jährigen Geschichte in der heutigen Zeit ein regelrechtes Ratefieber ausgelöst hat. Worin liegen der große Erfolg und die Beliebtheit der Sendung „Who Wants To Be A Millionaire?“ begründet?
4.1 DAS KONZEPT DER SENDUNG
Zu Beginn einer jeden Runde der Quizshow „Who Wants To Be A Millionaire?“ treten zehn Kandidaten gegeneinander an und müssen dabei per Computer innerhalb von 20 Sekunden vier Begriffe in der korrekten Reihenfolge ordnen. Derjenige Teilnehmer, der die Aufgabe als schnellster richtig löst, darf sich im so genannten „Hot Seat“ dem Moderator gegenüber setzen. Hier spielt er mit 15 in ihrer Schwierigkeit ansteigenden Multiple-Choice-Fragen um eine hohe Geldsumme, die in den meisten Staaten eine Million der jeweiligen Landeswährung beträgt. Der Kandidat wird auf seinem Weg zum Gewinn durch drei Joker unterstützt, die ihm die Möglichkeit bieten, auch Fragen außerhalb seiner Wis- 14 Zitiertnach Kreiner, 2004.
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sensgebiete erfolgreich lösen zu können. 15 In die Fragenleiter sind zwei Platt-formen eingebaut. Beantwortet der Teilnehmer eine Frage unterhalb der ersten Gewinnstufe falsch, so muss er die Sendung mit leeren Händen verlassen. Hat er hingegen die erste Plattform erfolgreich gemeistert, fällt er bei falscher Be-antwortung einer nachfolgenden Frage auf die schon sicher erreichte Stufe zurück. Das Spiel endet bei einer Falschantwort sowie bei einem freiwilligen Ausstieg des Kandidaten, der jederzeit möglich ist. In diesem Fall wird dem Teilnehmer seine bis dahin erspielte Summe auf sein Konto überwiesen.
4.2 GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG DES FORMATS
Die Idee zur Sendung stammt von dem englischen Journalist und Produzenten David Briggs. Briggs entwickelte seit Beginn des Jahres 1996 zusammen mit Paul Smith, dem Chef und Gründer der Londoner Produktionsfirma Celador, in zweijähriger Arbeit ein genaues Konzept - das „Paper Format“ - und konnte 1998 den britischen Privatsender ITV von der Rentabilität der Show überzeugen. Die erste Sendung wurde am 4. September 1998 auf ITV ausgestrahlt, wo sie in der Folgezeit bis zu 18 Millionen Zuschauer erreichen konnte und somit den Grundstein für einen globalen Erfolg legte. Auf Grund der langen und detailreichen Entwicklungsphase mussten nach der ersten Folge weder am Spiel noch am Studiodesign Änderungen vorgenommen werden. Lediglich das Verfahren beim Ziehen des Telefonjokers wurde leicht verändert: Rief der Modera-tor Chris Tarrant diesen in der ersten Show persönlich per Handy an, so wählen seit der zweiten Sendung Assistenten hinter der Bühne die Telefonnummer, der Moderator sowie der Kandidat sprechen also mit einer Stimme aus dem Off. Die Sendung verbreitete sich über das europäische Festland, für das die holländische Produktionsfirma Endemol die Rechte besitzt, auf die ganze Welt. In Deutschland feierte das Quiz am 3. September 1999 auf RTL Premiere. Heute zählt „Who Wants To Be A Millionaire?“ zu den größten Erfolgsformaten und Exportschlagern der Fernsehgeschichte, wurde das Format doch mittlerweile in 120 Länder verkauft. 16 Die Show muss in all diesen Nationen in exakt gleicher Weise ausgestrahlt werden und jede auch nur minimale Änderung des Studiodesigns, der Musik oder der Beleuchtung bedarf der Zustimmung des Rechteinhabers Celador. Seit einigen Jahren werden in zahlreichen Ländern Bücher,
15 Der Kandidat kann mit Hilfe des 50:50-Jokers zwei falsche Antworten löschen lassen, mit dem Publikumsjoker kann er das Studiopublikum einen Vorschlag für die Antwort machen las-
sen. Der Telefonjoker erlaubt es dem Kandidaten, einen Verwandten oder Bekannten zu Hause
anzurufen und sich von diesem Rat zu holen. Jeder dieser drei Joker darf nur ein Mal einge-
setzt werden.
16 Stand: Juli 2005. Quelle: Celador.
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Arbeit zitieren:
Markus Sebastian Müller, 2005, Entwicklung, Erfolg und Bewertung neuer internationaler TV-Formate, München, GRIN Verlag GmbH
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