Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung. 4
2. Verschiedene Arten der Vorausdeutung im Nibelungenlied. 5
2.1 Vorausdeutungen des Erzählers. 6
2.1.1 Vorausdeutungen, die zu einem komplexen Verständnis
des Textes durch den Leser führen. 6
2.1.2 Ereignisse, die der Leser ausschließlich als
Vorausdeutung erfährt. 7
2.1.3 Positive und negative Vorausdeutungen. 8
2.2 Vorausdeutungen in der dargestellten Handlung. 9
2.2.1 Träume. 9
2.2.2 Prophezeihungen. 11
2.2.3 Argumentation. 12
2.2.4 Reaktionen und Verhalten der Protagonisten auf die
Vorausdeutungen. 13
2.2.5 Vorausdeutungen als Vorbereitung auf künftiges
Geschehen. 13
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3. Die Funktion der Vorausdeutungen im Nibelungenlied. 14
3.1 Die formale Funktion der Vorausdeutung. 15
3.2 Vorausdeutungen, die sich auf die Ermordung Siegfrieds
beziehen. 15
3.3 Vorausdeutungen, die sich auf den Untergang der
Burgunden beziehen. 16
3.3.1 Die Bedeutung der Vorausdeutungen für den Leser. 17
3.3.2 Die Vorausdeutung als ein Hinweis auf
das tragische Ende. 18
3.3.3 Vorausdeutungen, die im weiteren Verlauf
der Handlung keine Berücksichtigung finden. 19
4. Schlussbetrachtung. 20
5. Literaturverzeichnis. 21
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1. Einleitung
Im Folgenden befasse ich mich mit den verschiedenen Arten der Vorausdeutung im Nibelungenlied. Es gibt eine große Anzahl von verschiedenen Vorausdeutungen, die z. B. als Traum oder als Prophezeihung auftreten können; an anderer Stelle findet der Leser Vorausdeutungen in der Argumentation von Protagonisten vor und des Weiteren ist eine Vielzahl an Vorausdeutungen des Erzählers vorhanden. In dieser Arbeit werden Beispiele helfen, in die Thematik der Vorausdeutungen einzuführen. Ich möchte den Leser dabei mit den unterschiedlichen Formen dieses Phänomens im Nibelungenlied vertraut machen. Diese Arbeit soll nicht nur den Unterschied zwischen Vorausdeutungen mit enger und weiter Wölbung, sondern auch das Verhältnis zwischen positiven und negativen Vorausdeutungen aufzeigen. Bei meinen Untersuchungen beziehe ich mich haup tsächlich auf die Nibelungen-Forscher Peter Göhler, Hansjürgen Linke, Julian Steh und Burghart Wachinger.
Außerdem erfährt der Leser, dass es sich bei den meisten Vorausdeutungen nicht nur um Vorausdeutungen im eigentlichen Sinne handelt, sondern dass sie auch bestimmte Funktionen innerhalb des Handlungsverlaufes einnehmen oder sich in bestimmte Rubriken einordnen lassen. Viele Vorausdeutungen bergen für den Gesamtkontext und das Hin-tergrundwissen in Bezug auf die Charaktereigenschaften der Protagonisten weitere In-formationen.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich dann konkret auf die Funktion dieser Vo rausdeutungen sowie deren Beziehungen zum Gesamtkontext eingehen. Insgesamt möchte ich den Leser also mit den Vorausdeutungen selbst und deren Funktionen ve rtraut machen, um ihn für diese Thematik in Bezug auf das Nibelungenlied zu sensibilisieren.
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2. Verschiedene Arten der Vorausdeutung im Nibelungenlied
Zunächst lassen sich zwei Arten der Vorausdeutung, die ich von Wachinger überno mmen habe, unterscheiden. Zum einen handelt es sich um die Vorausdeutungen des Erzählers selbst, zum anderen treten Vorausdeutungen in der dargestellten Handlung auf, die der Erzähler wiederum nur vorträgt (vgl. Wachinger 1960: S. 6 und S. 32). Die Vorausdeutungen in der dargestellten Handlung sind allerdings austauschbar mit dem von Linke verwendeten Begriff der „epischen Vorausdeutungen“ (Linke 1976: S. 112). Allgemein lassen sich die Vorausdeutungen in zwei weitere Arten unterteilen. Beziehen sich Vorausdeutungen auf einen Sachverhalt, der sich in der selben Aventiure vollzieht, so spricht Burger von einer „engen Wölbung“ (Burger 1985: S. 41). Als ein Beispiel ist der Sachsenkrieg zu erwähnen, der in der vierten Aventiure in Vers 171.4 angekündigt („dar umbe muosen degene sider kíesén den tôt.“) und dann bereits in den Versen 176.3/4 („mit roube und ouch mit brande wuosten si daz lant, daz ez den fürsten beiden wart mit arbeit bekannt.“) bzw. 177.4 (jâne wart den Sahsen geriten schedelîcher nie.“) beschrieben wird. Der zeitliche Unterschied zwischen Vorausdeutung und tatsächlichem Eintreten der Handlung beträgt also nur wenige Strophen und ist deshalb als enge Wölbung zu bezeichnen.
Bezieht sich eine Vorausdeutung jedoch auf einen der Hauptprotagonisten oder auf einen Sachverhalt, der noch in weiter Ferne liegt, so ist die Rede von einer „weiten Wölbung“ (Burger 1985: S. 41). Schon zu Beginn des Nibelungenliedes findet der Leser einige solcher Vorausdeutungen vor. So wird in den Versen 2.4 („dar umbe muosen degene vil verlíesén den lîp.“) und 6.4 („si stúrben sît j?merlîche von zweier edelen frouwen nît.“) schon der Untergang der Burgunden vorausgesagt, obwohl die eigentliche Handlung dieses Geschehens erst im zweiten Teil des Nibelungenliedes einsetzt. D adurch haben diese Vorausdeutungen eine weite Wölbung.
Eine weitere Form von Vorausdeutungen bilden die Überschriften, die in wenigen Worten, für das Verständnis jedoch in ausreichender Form, den folgenden Abschnitt kurz zusammenfassen. Erst im Folgenden „wird dasselbe Geschehen ausführlich geschildert und dargestellt und in seinem Ablauf mit seinen einzelnen Phasen vorgeführt“ (Wachinger 1960: S. 8). Auf diese Form der Vorausdeutung, die in der mittelhochdeutschen bzw.
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vor- und frühhöfischen Epik durchaus gebräuchlich gewesen ist, soll im weiteren Verlauf meiner Arbeit nicht konkreter eingegangen werden. Auffällig ist nur, dass die Überschrift der letzten Aventiure („Wie her Dietrîch mit Gunther und mit Hagene streit“) noch nicht das Ergebnis des Geschehens innerhalb der Aventiure vorwegnimmt. Bei der großen Mehrheit an Überschriften des Nibelungenliedes verrät der Titel ansonsten den Ausgang der Handlungen in der Ave ntiure.
2.1 Vorausdeutungen des Erzählers
2.1.1 Vorausdeutungen, die zu einem komplexen Verständnis des Textes durch den Leser führen
Durch seine Vorausdeutungen greift der Autor des Nibelungenliedes als Erzähler erläuternd in den Verlauf der Erzählung ein. Dieses passiert auf unterschiedliche Art und Weise. „Am häufigsten kommt die kurze, aus einer Zeile bestehende, am Ende einer Strophe erscheinende Vorausdeutung im Nibelungenlied vor“ (Tisdell 1978: S. 114). Ich beschränke mich an dieser Stelle auf die oben schon angegebenen Beispiele in den Versen 2.4 und 6.4., aber auch weitere Beispiele im Verlauf des Nibelungenliedes zeigen, dass es sich bei den Vorausdeutungen des Erzählers um Strophen handelt, in denen meistens nur ein Vers die Vorausdeutung beinhaltet. Eine Ausnahme bildet Strophe 335, in der Siegfried und Gunther ihre Abmachung, Kriemhild gegen Siegfrieds Hilfe bei den Kampfspielen diesem zur Frau zu geben, bekräftigen. Des swuoren si dô eide, die réckén vil hêr.
des wart ir arbeiten verre deste mêr,
ê daz si die frouwen brâhten an den Rîn.
des muosten die vil küenen sît in grôzen sorgen sîn. (335)
Der ersten Vorausdeutung im zweiten Vers, die auf den bevorstehenden Kampf zw ischen Siegfried und Brünhild hinweist, folgt im dritten Vers die Konsequenz dieses Kampfes: Gunther nimmt Brünhild zur Frau und reist mit ihr an den Rhein. Die letzte Vorausdeutung im vierten Vers wird als Resultat des Kampfspieles dargestellt und nimmt wiederum Bezug auf den bevorstehenden Untergang der Burgunden. Beziehen sich die Vorausdeutungen im zweiten und dritten Vers also auf die folgenden vier Ave n-
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Arbeit zitieren:
Jens Finger, 2005, Verschiedene Arten der Vorausdeutung und deren Funktion im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag GmbH
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Der Aufbau der Siegfried-Figur in den ersten Aventiuren des Nibelungen...
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Hanswilhelm Haefs
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