„Verstehst Du mich?“ Birgit Canstein
Gebärdenunterstützte Kommunikation in der ergotherapeutischen Behandlung hörbehinderter Kinder Diplomarbeit: 2004
Danksagung
Ich möchte allen danken, die mich beim Schreiben meiner Diplomarbeit unterstützt haben. Vor allem
den Ergotherapeut/Innen, die sich an meiner Umfrage beteiligt haben,
meinen Praktikumsleitern, die gerade in der letzten Zeit viel Unterstützung und aufbauende Worte für mich hatten.
Ursula Berghammer, meiner Diplomarbeitsbetreuerin, die sich viel Zeit für mich genommen hat und ohne die ich gar nicht erst auf das Thema gekommen wäre.
Ein großes Danke auch an meine Familie und die Mädels aus der WG. Sie Haben meine Launen ausgehalten und waren viel für mich da.
Bei der Computerarbeit haben mir besonders mein Vater und meine Brüder Stefan und Christian geholfen.
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Geb ärdenunterstützte Kommunikation in der
ergotherapeutischen Behandlung hörbehinderter Kinder Diplomarbeit: 2004
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 6
2. Das Ohr und seine Funktion Seite 8
2.1 Anatomie und Physiologie des Hörorgans. Seite 9
2.1.1 Äußeres Ohr Seite 9
2.1.2 Mittelohr. Seite 11
2.1.3 Innenohr Seite 12
2.1.4 Das Gleichgewichtsorgan Seite 13
2.1.5 Hörbahn. Seite 14
2.2 Der Hörvorgang. Seite 15
2.3 Die Funktion des Gehörs. Seite 16
3. Hörschädigungen. Seite 16
3.1 Arten der Hörschädigung Seite 16
3.1.1 Periphere Hörstörungen Seite 16
3.1.2 Zentrale Hörstörung Seite 18
3.2 Ursachen von Hörbehinderungen. Seite 18
3.3 Grade der Hörschädigung Seite 20
3.4 Das Audiogramm Seite 21
3.5 Behandlung von Hörschädigung Seite 22
4. Technische Hilfsmittel Seite 24
4.1 Versorgung mit Hörgräten Seite 24
4.2 Cochlea Implantate. Seite 27
4.3 FM- Technik - Funkübertragungsanlagen. Seite 29
5. Kognitive und Psychosoziale Entwicklung von hörbe-
hinderten Kindern Seite 30
5.1 Eltern- Kind- Interaktion. Seite 31
5.2 Spielverhalten. Seite 32
5.3 Intelligenz. Seite 32
5.4 Gedächtnis. Seite 32
5.5 Lesen - Schreiben Seite 33
5.6 Aufmerksamkeit Seite 33
5.7 Psychosoziales Verhalten und Emotionalität. Seite 34
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ergotherapeutischen Behandlung hörbehinderter Kinder Diplomarbeit: 2004
6. Sprache-Kommunikation Seite 35
6.1 Lautsprache Seite 35
6.2 Gebärdensprache Seite 35
6.3 Gebärdenunterstützte Kommunikation Seite 37
6.3.1 Wie sieht Gebärdenunterstützte Kommunikation aus? Seite 38
6.3.2 Sprachentwicklung mit gebärdenunterstützter
Kommunikation Seite 40
6.4 Gegenüberstellung: Hörbehinderte Kinder hörender Eltern -
h örbehinderte Kinder gehörloser Eltern. Seite 42
6.4.1 Hörbehinderte Kinder hörender Eltern Seite 42
6.4.2 Hörbehinderte Kinder gehörloser Eltern. Seite 43
6.4.3 Fazit. Seite 44
7. Ergotherapie mit hörbehinderten Kindern und
Jugendlichen Seite 47
7.1 Ansatzpunkte für die ergotherapeutische Behandlung hör-
behinderter Kinder Seite 47
7.2 Mögliche ergotherapeutische Zielsetzungen. Seite 51
7.3 Konzepte. Seite 52
7.4 Therapiemittel und Spielideen Seite 52
7.5 Ergotherapeutische Arbeit mit den Eltern hörbehinderter
Kinder. Seite 58
7.6 Einbeziehung der Geschwister im Rahmen der ergothera-
peutischen Behandlung Seite 60
8. Empirischer Teil. Seite 61
8.1 Fragebogenerhebung Seite 61
8.1.1 Auswertung des Fragebogens Seite 62
8.1.2 Zusammenfassung und Interpretation der Fragebogener-
hebung Seite 72
8.2 Interview mit Ursula Berghammer und Carola Demler. Seite 75
9. Resümee. Seite 83
Literaturverzeichnis. Seite 85
Abbildungsverzeichnis Seite 88
Abk ürzungsverzeichnis Seite 89
Anhang Seite 90
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1. Einleitung
Den Anstoß zu dieser Arbeit habe ich während meines Praktikums im Landesinstitut für Hörbehinderte bekommen. Meine Anleiterin Ursula Berghammer hat während den Therapien immer sowohl Lautsprache als auch Gebärden eingesetzt.
Bereits vor dem Praktikum habe ich an einem Gebärdenkurs teilgenommen, weil ich mich während der darauffolgenden Zeit dann so gut wie möglich mit den Kindern verständigen wollte. Gebärden haben mich von Anfang an fasziniert. Sie sind wesentlich vielseitiger und umfassender als ich es mir je vorgestellt hatte. Daher konnte ich selber auch nur einen Bruchteil davon anwenden. Aber schon ein paar Gebärden zusätzlich zur Lautsprache haben mir geholfen näher an die Kinder heran zu kommen und einen besseren Kontakt mit ihnen herzustellen.
Während meines Praktikums habe ich dann erlebt wie gut gebärdenunterstützte Kommunikation von den Kindern aufgenommen wird, sowohl von weniger stark hörbehinderten, als auch von stärker betroffenen Kindern. Es ist mir aber auch bewusst, dass Gebärdensprache mehr und mehr in Bedrängnis gerät. Durch die fortschreitende Technik geht die Tendenz dahin, weniger Gebärdensprache zu lernen und einzusetzen
Daher will ich mich näher mit den Fragen beschäftigen, ob und wie sinnvoll der Einsatz von GuK bei der Arbeit mit hörbehinderten Kindern wirklich ist. Meine Hypothese lautet, dass sich gebärdenunterstützte Kommunikation positiv auf die Entwicklung von hörbehinderten Kindern auswirkt.
Um die Frage zu klären welche Hörstörungen es gibt, wird in der Diplomarbeit in den ersten Kapiteln der theoretischen Hintergrund zum Aufbau und der Funktion des Ohrs gegeben, kurz auf die verschiedenen Grade der Hörbehinderung eingegangen und deren Auswirkungen geschildert.
Anschließend werden die Möglichkeiten zur Behandlung der Hörbehinderungen aufgezeigt und die verschiedenen Hilfsmittel beschrieben.
Weiters sind Informationen über die psychosoziale Entwicklung von hörbehinderten Kindern und zum Thema Kommunikation in meiner Arbeit enthalten.
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Um festzustellen ob österreichische Ergotherapeutinnen GuK im Rahmen der Behandlung von hörbehinderten Kindern einsetzten und wenn ja, in welcher Form, folgt die Vorstellung und Auswertung meines Fragebogens.
Zum Abschluss stelle ich ein Interview mit Ursula Berghammer und Carola Demler vor. Die Antworten der beiden erfahrenen Ergotherapeutinnen sollen ein klares Bild von der vielseitigen Arbeit mit hörbehinderten Kindern/Jugendlichen geben.
Zielgruppe meiner Diplomarbeit sind in erster Linie Ergotherapeutinnen, aber auch angrenzende Berufsgruppen, die mit hörbehinderten Kinder/Jugendlichen in Kontakt kommen. Auch für interessierte Eltern oder Angehörige betroffener Kinder bieten sich möglicherweise wichtige Informationen und Denkanstöße.
Ich habe mich dazu entschieden in meiner Diplomarbeit die Bezeichnung „Ergotherapeutin“ zu verwenden. Dies schließt sowohl die weibliche als auch die männliche Form ein.
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2. Das Ohr und seine Funktion
Um Hördefizite besser verstehen zu können, ist es wichtig, die Grundlagen über den Aufbau und die Funktion des Ohres zu kennen.
Das Ohr besteht aus zwei Sinnesorganen, dem Gehörorgan und dem Gleichgewichtsorgan. Die beiden bilden miteinander eine anatomische Einheit, das sogenannte Innenohr. Es liegt in der Felsenbeinpyramide des Schläfenbeins.
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2.1 Anatomie und Physiologie des Hörorgans
Zum Hörorgan gehören das Äußere Ohr und das Mittelohr.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird als Ohr nur die äußerlich sichtbare Ohrmuschel bezeichnet. Die Medizin dagegen fasst unter dem Begriff Ohr die Gesamtheit der anatomischen Gebilde zusammen, die zum Hör- und Gleichgewichtsorgan gehören. Sie werden aufgeteilt in das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr. (vgl. Faller, 1999)
2.1.1 Äußeres Ohr
Zum äußeren Ohr zählen die knorpelige Ohrmuschel (Auricula), der Gehörgang (Meatus acusticus externus) und das Trommelfell (Membrana tympani).
Die Ohrmuschel ist der nach außen sichtbare Teil des Ohres. Sie besteht vorwiegend aus elastischem Knorpel.
Der Gehörgang erstreckt sich von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell. Sein äußerer, beweglicher Teil ist aus elastischem Knorpel, der innere Anteil knöchern aufgebaut. Der elastische Knorpel setzt sich auch in den Anfangsteilen des äußeren Gehörgangs fort. In diesem Knorpelgewebe befinden sich die Drüsen, die für die Produktion des Ohrenschmalzes zuständig sind.
Weiter innen im Gehörgang folgt der knöcherne Teil. Er weist eine leichte S- Krümmung auf. Der knöcherne Gehörgang schließt mit dem Trommelfell ab, das die Grenze zum Mittelohr bildet. (vgl. Faller, 1999)
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Die Ohrmuschel
Die Ohrmuschel besteht aus Knorpel, der glatt, elastisch und von Haut überzogen ist. Sie weist ein charakteristisches Relief auf, das allerdings zahlreichen Variationen unterworfen ist. Die Qualität des Hörens wird von der Ohrmuschel nur sehr wenig beeinflusst. Sie ist lediglich wichtig für das Richtungshören.
Auch Erkrankungen der Ohrmuschel spielen für das Hören fast keine Rolle. Wenn jemand z. B. durch einen Unfall seine Hörmuschel verliert, wird es kaum merkliche Folgen haben, solange der äußere Hörgang nicht beschädigt wurde.
Missbildungen der Hörmuschel dagegen müssen genauer betrachtet werden, da sie oft ein Indikator für weitere Missbildungen anderer Körperteile- und Organe sind. Angeborene Ver-formungen der Ohrmuschel liegen jedoch oft im Rahmen der Norm, z.B. die auffällige Größe oder Kleinheit der Ohrmuschel, oder starkes Abstehen vom Kopf.
Der äußere Gehörgang
Der äußere Gehörgang ist komplett mit Haut ausgekleidet. Im äußeren Drittel befindet sich unter dieser Haut weiches Bindegewebe und Knorpel, tiefer im Gehörgang liegt die Haut fast unmittelbar auf dem Knochen auf. Dieser Bereich ist sehr schmerzempfindlich. Der äußere Gehörgang bildet einen Tunnel, der durch den Schädelknochen zum Mittelohr führt. Er wird vom Mittelohr vollständig durch das Trommelfell getrennt, welches ebenfalls von Haut bedeckt ist. Diese Haut ist allerdings sehr dünn und enthält keine Drüsen. Der äußere Gehörgang weist eine konvexe Krümmung nach vorne und unten auf. Dadurch ist das Trommelfell an seinem Ende nicht ohne weiteres beim Einblick sichtbar. Die Aufgabe des äußeren Gehörgangs ist es, den von außen einfallenden Schall zum Trommelfell und damit weiter zum Mittelohr zu leiten. Das Hörvermögen wird daher von Verengungen oder Verlegungen des Gehörgangs deutlich beeinflusst. (vgl. Faller, 1999)
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2.1.2 Das Mittelohr
Das Mittelohr stellt eine lufthaltige Höhle dar, die von Knochen umgeben ist und nur über den Rachen und die Tube in Verbindung zur Außenwelt steht .Die Tube ist ein enger Gang, der vom Boden des Mittelohrs zum Nasenrachen führt. Ihre Aufgabe ist es, dem Mittelohr die notwendige Luft zuzuführen und gegenüber der Außenwelt einen Druckausgleich zu schaffen. Dies geschieht aktiv beim Gähnen und Schlucken. Der Ausgleich des Luftdrucks zwischen Mittelohr und Außenwelt ist erforderlich, damit die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells und der Gehörknöchelchen erhalten bleibt.
Das Mittelohr enthält eine von Schleimhaut ausgekleidete Paukenhöhle mit den Gehörknöchelchen, ihre Fortsetzung nach vorn Richtung Rachenraum, die Ohrtrompete und zahlreiche kleine mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume im Bereich des Wurmfortsatzes. Das Trommelfell ist annähernd rund und hat einen Durchmesser von etwa 1 cm. Es bildet die äußere Wand der Paukenhöhle und ist aus drei Schichten aufgebaut. Das Trommelfell ist größtenteils straff bindegewebig und ist nur im kleinen oberen Bezirk schwächer ausgebildet. Es ist innen von Schleimhaut und außen von Haut bedeckt. Der mit dem Trommelfell verbundene Hammergriff übt einen Zug aus, so dass sich das Trommelfell trichterförmig nach innen wölbt.
Das Trommelfell und die Gehörknöchelchen bilden gemeinsam den Schallleitungsapparat. Hammer, Amboss und Steigbügel bilden eine gelenkige Verbindung zwischen Trommelfell und ovalem Fenster, in welchem die Fußplatte des Steigbügels endet. Die Schwingungen werden vom Steigbügelfuß im ovalen Fenster auf die Flüssigkeit im Innenohr übertragen. Zwei Muskeln fixieren zusätzlich Hammer und Amboss, der Spannmuskel des Trommelfells (M. tensor tympani), sowie der Steigbügelmuskel (M. stapedius). Beide nehmen Einfluss auf die Empfindlichkeit der Übertragung.
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2.1.3 Das Innenohr
Das Innenohr besteht aus zwei funktionellen Teilen, die miteinander in Verbindung stehen: den Gleichgewichtsorganen mit dem Vorhof und den drei Bogengängen sowie dem Hörorgan in der Schnecke (Cochlea).
Das Innenohr ist von einer Knochenkapsel umgeben und stellt ein verzweigtes Labyrinth von Gängen und Hohlräumen dar (knöchernes Labyrinth), die mit einer Flüssigkeit (Perilymphe) gefüllt sind.
Eingelagert in das mit Perilymphe gefüllte knöcherne Labyrinth, ist das häutige Labyrinth. Dieses ist ebenfalls mit einer Flüssigkeit (Endolymphe) gefüllt. Das häutige Labyrinth enthält das Gehörorgan und das Gleichgewichtsorgan.
Die knöcherne Schnecke (Cochlea) des Innenohrs ist etwa 3 cm lang und stellt einen Gang dar. Dieser windet sich beim Menschen etwa zweieinhalb mal um eine knöcherne Achse, die Schneckenspindel (Modiolus).
Betrachtet man einen Querschnitt durch eine Schneckenwindung, so lassen sich drei vonein-ander getrennte Räume feststellen: der mittlere Schneckengang (Ductus cochlearis), die darüber liegende Vorhoftreppe (Scala vestibuli) und die darunter liegende Paukentreppe (Scala tympani). Die Vorhoftreppe und die Paukentreppe gehen an der Schneckenspitze ineinander über, sind mit Perilymphe gefüllt und enden am runden bzw. am ovalen Fenster.
Der Schneckengang selbst ist mit Endolymphe gefüllt und endet mit einer Basilarmembran an die Paukentreppe und mit einer Reissnermembran an die Vorhoftreppe. Die Basilarmembran enthält das so genannte "Corti Organ" mit mehreren in Reihen angeordneten Hörsinneszellen (innere und äußere Haarzellen) sowie zahlreichen Stützzellen. Die darüber gelegene gallertartige Schicht ist mit den Sinneshaaren der Haarzellen verbunden.
(vgl. Faller, 1999)
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2.1.4 Das Gleichgewichtsorgan
Das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Hörgang im knöchernen Labyrinth des Felsenbeins.
Es ist für das Bewegungsverhalten von großer Bedeutung und ermöglicht die räumliche Orientierung sowie eine aufrechte Körperhaltung.
Das Gleichgewichtsorgan besteht aus drei Bogengängen (Ductus semicircularis) und zwei Vorhofsäckchen.
Zu den Bogengängen gehören deren Erweiterungen (Ampullae), in denen sich die Sinnesleisten (Cristae ampullaris) mit den Sinneszellen befinden.
Die Vorhofsäckchen werden unterschieden zwischen großem (Utriculus) und kleinem (Sacculus) Vorhofsäckchen. Sie sind mit Flüssigkeit (Endolymphe) gefüllt und über feine Gänge miteinander verbunden Sie enthalten die jeweiligen Sinnesfelder und dienen der Registrierung von Beschleunigungen und Lageveränderungen und somit der Orientierung im Raum. In diese Flüssigkeit ragen spezialisierte Sinneszellen hinein, die empfindlich auf Flüssigkeitsbewegungen reagieren. Bei einem Wechsel der Position des Kopfes erfolgt eine Bewegung in der Endolymphe. Dadurch werden die Sinneszellen stimuliert und senden Informationen zum Kleinhirn. Dieses reagiert reflektorisch auf die Veränderung.
Macula ultriculi und Macula sacculi
Die zwei Sinnesfelder des kleinen und großen Vorhofsäckchens registrieren vor allem geradlinige Beschleunigung, besonders horizontale (z.B. Abbremsen eines Autos) und senkrechte Geschwindigkeitsveränderungen (z.B. Fahrstuhl fahren).
Das Sacculus und der Utriculus werden von einem Epithel ausgekleidet, das spezielle Stütz-und Sinneszellen enthält. Auf diesen Sinnesfeldern liegt eine Membran, in die Fortsätze der Sinneszellen (Sinneshaare/ Zilien) hineinragen. Durch Scherkräfte kommt es vor allem zu Horizontal- und Vertikalbeschleunigungen, die eine Stimulation der Sinneszellen bewirken.
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Crista ampullaris
Jeder der drei Bogengänge enthält in seiner Erweiterung eine Sinnesleiste, die Sinnes- und Stützzellen trägt.
Die Sinnesleisten, nehmen vor allem Drehbeschleunigungen wahr, welche wiederum die Endolymphe in Bewegung setzen. Die Sinnesleisten dienen hauptsächlich den reflektorischen Blickbewegungen der Augen.
Jede Sinnesleiste hat einen gallertartigen „Hut“ (Capula) auf, in den die Sinneszellen mit den Sinneshaaren hineinragen. Bei Bewegung der Endolymphe kommt es zu einer Bewegung der capula und damit der Sinneshaare. Dadurch werden die Sinneszellen erregt. Die Erregungen werden von den Rezeptoren als mechanischer Reiz wahrgenommen und in einen elektronischen umgewandelt.
Diese Reize werden dann über den N. vestibulocochlearis an das Gehirn (Kleinhirn, Thalamus, vier vestibuläre Kerngebiete) und das Rückenmark weitergeleitet.
(vgl. Reichert/Stemme, 1998; Faller,1999)
2.1.5 Die Hörbahn
Die oben genannten Haarzellen treten in synaptischen Kontakt zu Neuronen, deren Zellkörper im Ganglion spirale cochleä, im Bereich der Schneckenspindel liegen. Die zentralen Fortsätze mit dem Hörnerv (N. cochlearis) und dem Gleichgewichtsnerv (N. vestibularis) ziehen von hier aus als VIII. Hirnnerv (N. vestibucochlearis) zum Hirnstamm. Die Axone des N. vestibularis enden in den Vestibulariskernen, die Enden des N. cochlearis enden in den Cochleariskernen. Auf dem Weg zur Hörrinde im Bereich der queren Schläfenlappenwindungen wird die Hörbahn mehrmals umgeschaltet.
(vgl. ebda)
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2.2 Der Hörvorgang
Das Gehör ist ein Fernsinn. Akustische Sinnesreize werden von Schallwellen erzeugt. Diese Schallwellen erreichen von außen durch die Luft das Ohr und erzeugen akustische Schwingungen, indem sie die umgebende Luft durch ihre mechanischen Schwingungen in Bewegung setzen. Ist die Schwingung so, dass sie das Hörorgan reizt, bezeichnet man diese als Schallwelle.
Schwingungen (Schallwellen), die zuerst auf das Trommelfell, die Gehörknöchelchen, und dann auf das ovale Fenster treffen, erzeugen in der Perilymphe der Vorhoftreppe fortlaufende Druckwellen, die sich bis zur Schneckenspitze weiter fortsetzen und dann durch die Paukentreppe zurücklaufen.
Weil die Flüssigkeitsströme der Perilymphe in Vorhoftreppe und Paukentreppe gegenläufig fließen, wird die Endolymphe im Ductus cochlearis in Schwingung versetzt und die Sinneszellen werden über die Sinneshaare erregt.
Die Frequenz der Druckwellen nimmt zur Spitze der Schnecke hin ab. Daher werden die hohen Töne an der Schneckenbasis, die tiefen Töne an der Schneckenspitze registriert. Töne und Klänge werden anders erzeugt als Geräusche. Regelmäßig wiederkehrende (periodische) Schwingungsvorgänge von bestimmter Frequenz und Intensität rufen Töne und Klänge hervor, unperiodische (unregelmäßige) Schallereignisse charakterisieren dagegen Geräusche. Allgemein kann man sagen, dass Schallempfindungen, also Ton, Klang oder Geräusch, von Schallwellen mit einer Frequenz zwischen 20 und 16.000 Herz (Hz - Schwingung pro Se-kunde) ausgelöst werden. Frequenzen, die unter 20Hz (Infraschall) oder über 16.000Hz (Ultraschall) liegen, lösen im menschlichen Innenohr keine Erregungen aus. Ebenso müssen Schallereignisse eine bestimmte Intensität, den sogenannten Mindestdruck, überschreiten, um gehört zu werden. Der Schalldruckpegel steht als Maß für den Schalldruck und wird in Dezibel (dB) angegeben.
Der gerade noch als Hörempfindung auslösende Schalldruck wurde bei 0dB angesetzt.
(vgl. Campenhausen, 1993)
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2.3 Die Funktionen des Gehörs
• Warn- und Alarmfunktion (warnende Rufe, Fahrzeuggeräusche, ...)
• Kommunikation (soziale Kontakte)
• Informationen empfangen und übermitteln (Sprache, Lachen, Gewitter, ...)
• Klangwahrnehmung (Melodien und Töne hören,...)
• Orientierung im Raum (Raumhören, Richtungshören,...)
• Emotionale und soziale Funktion (Lautstärke beim Sprechen, Betonungen, Stimmun-
gen, ...)
• Spracherwerb (Sprechen ist ein Nachahmen des Gehörten, das Gehör ist nötig um die
eigene Stimme zu kontrollieren, ...)
(vgl. Keilmann, 2000)
3. Hörschädigungen
"Hörstörungen sind ein sehr weit verbreitetes Problem, das Millionen von Men-schen betrifft." (Faller,1999, S.650, Z.7)
3.1 Arten der Hörschädigung
Man kann abhängig von der Lokalisation der Schädigung mehrere Arten von Schwerhörigkeit unterscheiden.
3.1.1 Periphere Hörstörungen
Periphere Hörstörung ist der Überbegriff für Schallleitungsschwerhörigkeit und Innenohr-oder Schallempfindungsschwerhörigkeit.
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Schallleitungsschwerhörigkeit
Die Schallleitungsschwerhörigkeit wird durch eine Funktionsstörung im Außen- und/ oder Mittelohr hervorgerufen. Sie ist die häufigste Form der Hörstörung im Kindesalter. Die Tonqualität bleibt in der Regel erhalten, aber Geräusche werden entweder leiser oder gar nicht wahrgenommen. Eine Hörgeräteversorgung kann hier sinnvoll eingesetzt werden. Häufig wird die Schallleitungsschwerhörigkeit bei Kleinkindern durch Mittelohrergüsse verursacht. Es kommt zu einer Schwellung der Schleimhäutein der Eustach´schen Röhre und damit zu einem Verschluss der Verbindung von Nase zu Ohr. Daher kann nicht genügend Luft ins Mittelohr gelangen und es kommt zu einer Ansammlung von Sekret (Mittelohrerguss). (vgl. Keilmann, 2000)
Innenohr- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit
Bei der Innenohr- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit ist das Innenohr beeinträchtigt. Es lässt sich oft schwer oder gar nicht unterscheiden, ob das Hörorgan, der Hörnerv oder das Hörzentrum selbst geschädigt ist.
Kinder mit einer derartigen Hörschädigung hören Sprache nicht nur leiser, sondern oft auch anders. Das liegt daran, dass bei dieser Art der Schwerhörigkeit das Gehör im Hochtonbereich mehr beeinträchtigt ist als im Tieftonbereich. Daher ist eine Hörgeräteanpassung hier nicht immer geeignet, da das Problem der Verzerrung nicht gelöst werden kann. Mehr Chancen auf eine Verbesserung der Hörqualität stellt die Versorgung mit einem Cochlea- Implantat dar. (Näheres zu Cochlea- Implantaten siehe Kapitel. 4.2)
Kombinierte Schwerhörigkeit
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Schallempfindungsschwerhörigkeit und Schallleitungsschwerhörigkeit können manchmal auch in Kombination auftreten. Hierbei sind sowohl Mittelohr und als auch Innenohr geschädigt.
Dies kann z.B. bei einer cochleären Missbildung in Kombination mit einem Mittelohrerguss auftreten. Die Symptome sind dieselben wie bei einer Innenohrschwerhörigkeit.
(vgl. ebda)
3.1.2 Zentrale Hörstörung
Die zentrale Hörstörung ist eine funktionelle Störung in der Hörbahn vom Hirnstamm bis zur Hirnrinde.
Daher spricht man hier von einer Hörverarbeitungs- oder Hörwahrnehmungsstörung.
(vgl. Hör mal, 2001)
3.2 Ursachen von Hörbehinderungen
Es gibt verschieden Ursachen, die zu einer Hörbehinderung führen können. Um einen besseren Überblick zu geben, sind sie hier nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens gegliedert.
pränatale Ursachen:
• Vererbung (Hörstörung in der Familie)
• Krankheit der Mutter während der Schwangerschaft (Röteln, Masern, Virus Infektion)
• Schwere Blutungen während der Frühschwangerschaft
• Abusus (Drogen, Medikamente, Alkohol)
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perinatale Ursache:
• Frühgeburt (früher als 32. Schwangerschaftswoche)
• Geburtsgewicht unter 1500 Gramm
• Missbildungen im Kopfbereich
• Geburtstrauma (durch Einblutung ins Innenohr)
• Sauerstoffmangel
postnatale Ursache:
• Ohrenkrankheiten wie: Entzündungen des Außen- und Mittelohrs Erkrankungen des Innenohrs Otosklerose
• Unfall
• Schädel-Hirn-Trauma
• Meningitis (Hirnhautentzündung)
• Infektionskrankheiten wie Scharlach Mumps Diphtherie
• Augenerkrankungen
• Nierenerkrankungen
• Nebenwirkungen bestimmter Medikamente
• Skelett- und Muskelerkrankungen
• Umwelteinflüsse (z.B. Lärm)
• Lärmschwerhörigkeit
• Altersschwerhörigkeit
• Hörsturz
(vgl. Welzl- Müller/ Nekaham, 2000)
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3.3 Das Audiogramm
Das Audiogramm dient dazu festzustellen, welche Töne bei welcher Lautstärke gehört werden. Man unterscheidet zwei verschiedene Arten von Audiometrie; die Tonaudiometrie und die Spielaudiometrie.
Tonaudiometrie: Töne werden in verschiedenen Frequenzbereichen und Lautstärke Angeboten; der Klient zeigt an, wann er den Ton bewusst wahrnimmt.
Spielaudiometrie: Wie Tonaudiometrie, aber speziell für Kinder (ab ca. 3 Jahren). Das Kind
Im Audiogramm ist horizontal die jeweilige Frequenz in Hz ersichtlich, und vertikal die Lautstärke in dB.
In diesem Bereich (Abb.2) kann der Klient einen Ton mit der Frequenz von 250 Hz erst ab einer Lautstärke von 30 dB wahrnehmen.
Die Fläche zwischen Nulllinie und eingetragener Kurve macht den Hörverlust ersichtlich.
(vgl. Berghammer, 2004)
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Birgit Canstein, 2004, 'Verstehst du mich?' Gebärdenunterstützte Kommunikation in der ergotherapeutischen Behandlung von hörbehinderten Kindern, München, GRIN Verlag GmbH
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