Gliederung
1. Kindheitserinnerungen
2. Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur
2.1 Was sind Kinderbuchklassiker?
2.1.1 Kinderbuchklassiker - beliebte Kinderbücher?
2.1.2 Popularität und Langlebigkeit als Kennzeichen eines Klassikers
2.1.3 Ästhetische Qualität als Hauptkriterium und ihre Merkmale
2.1.3.1 Innovativität
2.1.3.2 Repräsentativität
2.1.3.3 Ästhetische Gestaltung der Sprache
2.1.3.4 Einfachheit
2.1.3.5 Darstellung der kindlichen Erlebniswelt
2.1.3.6 Phantasie
2.1.3.7 Polyvalenz
2.2 Vorstellung einiger Kinderbuchklassiker
2.2.1 Pippi Langstrumpf (Astrid Lindgren)
2.2.2 Ronja Räubertochter (Astrid Lindgren)
2.2.3 Heidi (Johanna Spyri)
2.2.4 Das doppelte Lottchen (Erich Kästner)
2.2.5 Räuber Hotzenplotz (Otfried Preußler)
2.2.6 Froschkönig oder der eiserne Heinrich (Gebrüder Grimm)
2.3 Unterrichtsvorschläge für die Grundschule
2.3.1 Froschkönig
2.3.2 Pippi Langstrumpf
3. Leseförderung in der Grundschule durch Kinderbuchklassiker
4. Anlagen
5. Kurzzusammenfassungen der Kinderbuchklassiker
6. Quellenverzeichnis
2
1. Kindheitserinnerungen
„Endlich habe ich meine Hausaufgaben gemacht. Jetzt kann ich wieder lesen. Bin ja schon so gespannt, wie es weitergeht. Ob Ronja und Birk sich wohl wieder treffen?“ So oder ähnlich waren meine Gedanken vor über zehn Jahren. Es war das Größte für mich, ganz viele Bücher zu lesen. Und wenn ich so darüber nachdenke, habe ich auch viele Bücher gelesen, die man heute als Klassiker bezeichnen würde: „Ronja Räubertochter“, „Dolly“, „Hanni und Nanni“, „Heidi“, usw. Doch was genau sind Klassiker eigentlich?
Im Folgenden werde ich zuerst auf diese Frage eingehen. Danach werde ich eine kleine Auswahl von sogenannten Klassikern kurz vorstellen. Zum Schluss zeige ich noch einige Überlegungen, wie man das Märchen Froschkönig und den Klassiker Pippi Langstrumpf im Grundschulunterricht methodisch behandeln könnte. In den Anlagen befinden sich die Arbeitsblätter, auf die ich in meinen Unterrichtsvorschlägen eingehe. Außerdem habe ich noch eine Liste mit einigen bekannten Kinderbuchklassikern angefügt.
2. Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur
2.1 Was versteht man unter Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur? Wenn man irgendjemanden fragt, was er unter einem Kinderbuchklassiker versteht, wird derjenige wahrscheinlich sagen, dass es sich dabei um ein beliebtes Buch handelt, das viele Menschen seit Jahren oder gar Jahrzehnten gerne lesen. Doch so einfach ist die Beantwortung dieser Frage leider nicht. Denn demnach würden auch Telefonbücher, Tageszeitungen oder Ähnliches zu den Klassikern zählen. Um einer besseren Antwort auf die Spur zu kommen, beschäftigen sich viele Literaturforscher mit genau dieser Frage und inzwischen haben sich zwei Gruppen gespalten, die zwei mögliche Definitionen vertreten. 1 Beide Gruppen sind der Ansicht, dass sich der Begriff Kinderklassiker auf einzelne Werke bezieht und nicht generell auf bestimmte Autoren. Man tendiert jedoch teilweise dazu, Autoren wie zum Beispiel Astrid Lindgren oder Erich Kästner als klassische Kinderbuchautoren zu titulieren. Man sollte jedoch beachten, dass jeder Autor, ebenso wie Lindgren und Kästner, auch weniger bekannte Bücher geschrieben haben, die nicht zu den Klassikern gezählt werden. 2
1 Vgl. Kümmerling: „Klassiker Kinder- und Jugendliteratur. SA“, Verlag J. B. Metzler, 2004, auf http://www.metzlerverlag.de/buecher/leseproben/3-476-02021-5.pdf, S. X
2 Vgl. ebd., S. X
3
Allgemein kann man auch sagen, dass sich die Kinderklassiker in drei große Gruppen einteilen lassen: die Abenteuerbücher, die Märchen und intentionale Kinderliteratur, das bedeutet, dass Literatur speziell für junge Leser geschrieben wurde. 3 Die eine Gruppe der Kinderliteraturforscher beruft sich auf das „Postulat der Popularität und Langlebigkeit“. 4 Das bedeutet, ein Buch wird dann zu einem Klassiker, wenn es über mehrere Generationen hinweg beliebt ist und zwar trotz verschiedener gesellschaftlicher und sozialer Situationen. Man betrachtet vor allem auch die Bücher als Klassiker, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, wenn also Kinder mit Vergnügen die Lieblingsbücher ihrer Eltern lesen. 5
Die zweite Gruppe orientiert sich besonders an der literarischen Qualität der Kinderbücher. Die Vorbildfunktion wird als wichtiges Kriterium gesehen. Das KKJL, ein Lexikon der Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, umfasst inzwischen 534 Bücher aus 65 Ländern, die aufgrund ihrer literarischen Qualität als Klassiker angesehen werden. 6 Man begründet die Auswahl folgendermaßen: „Als Kinderbuchklassiker gelten diejenigen Werke, die in der Kinderliteratur eines Landes oder eines Sprachraums eine herausragende Rolle spielen, bzw. gespielt haben und sich hinsichtlich ihrer literarisch-ästhetischen Qualität durch eine besondere Innovationsleistung und Repräsentativität für ihre Epoche auszeichnen.“ 7 Das Kinderbuch sollte also einige der folgenden Kriterien erfüllen, um als Klassiker zu gelten. Innovativität: Man beachtet in diesem Punkt alle literarischen Merkmale, die der Text aufweist wie zum Beispiel Inhalt, Motive, Erzählweise oder Sprache. Das Buch soll mindestens eines dieser Merkmale aufweisen und es beispielhaft verarbeiten. Repräsentativität: Das Kinderbuch soll eine Entwicklung in der Kinder- und Jugendliteratur einer bestimmten Zeit vorbildlich vertreten. Oder es zeigt ein neu aufkommendes literarisches Merkmal exemplarisch auf und wird somit zum wichtigsten Vertreter dieses Merkmals. 8 Ästhetische Gestaltung der Sprache: Das Kinderbuch soll entweder verschiedene Sprachstile verbinden oder neue Sprachformen erfinden und einführen. Zum Beispiel können Sprachspiele verwendet werden, die kindliche Sprache kann nachgeahmt werden, man kann einen mündlichen Erzählstil anwenden oder Ähnliches. Wichtig ist, dass die Sprache trotz allem transparent und einfach bleibt.
3 Vgl. Heidi Lexe: „Pippi, Pan und Potter. Zur Motivkonstellation in den Klassikern der Kinderliteratur. Kinder-und Jugendliteraturforschung in Österreich. Band 5“, Hrsg.: Ernst Seibert, Peter Malina, Edition Praesens. Verlag für Literatur- und Sprachwissenschaft, S. 30
4 Vgl. Kümmerling, S. X
5 Vgl. Lexe, S. 16
6 Vgl. Kümmerling, S. V
7 Vgl. ebd., S. XI
8 Vgl. ebd., S. XII
4
Einfachheit: Bei Kinderbüchern ist es von ganz großer Bedeutung, dass der Autor auf den
noch begrenzten Erfahrungshorizont seiner jungen Leser Rücksicht nimmt. Des Weiteren muss beachtet werden, dass die Kinder noch nicht über das Sprachvermögen und die Erfahrung, die Erwachsene bereits mit Literatur gemacht haben, verfügen. Das gute Klassikerbuch sollte einfach sein, ohne simpel oder trivial zu wirken. Darstellung der kindlichen Erlebniswelt: Die typischen Kinderbücher haben kindliche oder
jugendliche Hauptpersonen und rücken deren Leben, ihre Gefühle und Erlebnisse in den Mittelpunkt. Man muss beachten, welche bemerkenswerte Leistung die erwachsenen Autoren vollbringen, die die Welt ja nicht mehr mit Kinderaugen sehen können. Sie können sich nur auf längst vergangene Erinnerungen und das Beobachten von Kindern stützen und schaffen es trotzdem, Kinder durch ihre Erzählungen zu fesseln. 9
Phantasie: In dem Text sollen disparate Elemente sinnvoll und originell verbunden werden.
Beispielsweise sollen phantastische Elemente im Alltagsleben nicht unlogisch und distanziert erscheinen, sondern integriert werden. 10
Polyvalenz: Ein guter Kinderklassiker ist mehrdeutig gestaltet, um den Kindern die
Möglichkeit zu geben, darüber nachzudenken. Oft sind die Figuren offen gezeichnet oder das Ende.
Unabhängig von diesen Kriterien der literarischen Qualität, gibt es andere Eigenschaften, die fast allen Kinder- und Jugendbuchklassikern gemein sind. Typisch ist die sogenannte Episodenreihung, die wir zum Beispiel von Pippi Langstrumpf, Winnetou oder Trotzkopf kennen.
Sehr häufig findet man auch, dass sich der Autor auf Märchen bezieht und fantastische Elemente einfügt. Er kann dabei sowohl die Handlungsgeschichte als auch die Figuren fantastisch gestalten. 11 Zum Beispiel durch dieses Einbeziehen von Fantastischem und Märchenhaftem erfährt man in Kinderbüchern immer wieder eine Komik des Unerwarteten und Überraschenden, die bei Kindern sehr gut ankommt.
Wichtig ist, dass die Hauptfiguren keinen bestimmten Typ verkörpern, sondern einzigartig sind. Nur so können sie für die Kinder ein großes Identifikations- und Distanzierungsangebot darstellen. Die jungen Leser können Gefühle wie Überlegenheit, Neid, Bewunderung oder Sorge empfinden und so ein Verhältnis zu den Protagonisten aufbauen. Dazu trägt außerdem
9 Vgl. Kümmerling, S. XIII
10 Vgl. ebd., S. XIV
11 Vgl. Lexe, S. 33
5
bei, dass in Kinderbüchern nur Themen behandelt werden, die von den Wünschen, Sorgen, Ängsten oder Konflikten erzählen, mit denen sich Kinder beschäftigen. 12
2.2 Vorstellung einiger Kinderbuchklassiker
Astrid Lindgren: „Pippi Langstrumpf“: Astrid Lindgren ist die wohl in Deutschland bekannteste Kinderbuchautorin. Sie schuf 1949 die Figur der Pippi Langstrumpf. Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Effraims Tochter Langstumpf lebt eigentlich auf einem Piratenschiff bei ihrem Vater Kapitän Langstrumpf und seiner Piratencrew. Doch bei einem Sturm geht ihr Papa über Bord und Pippi will in der Villa Kunterbunt auf ihn warten. Sie verabschiedet sich von der Piratencrew und nimmt drei Dinge mit: ihr Äffchen Herr Nilson, ihr Pferd Kleiner Onkel und eine Kiste voller Piratengold. In der Villa Kunterbunt freundet sie sich sehr schnell mit ihren Nachbarn Thomas und Annika an. Die drei Kinder erleben aufregende Abenteuer, denn mit Pippi muss man einfach Spaß haben. Sie weiß lustige Spiele, ist so stark, dass sie sogar ihr Pferd in die Luft heben kann, ist frech zu allen Erwachsenen, muss nicht in die Schule gehen, erzählt unheimliche Geschichten und hat einfach immer spannende Einfälle. Die Kinder jagen zum Beispiel den Spunk, ein unsichtbares Ding, das einen fressen will, wenn man den Fußboden berührt. Mit Pippi wird sogar putzen lustig. Und weil sie ja den riesigen Piratenschatz hat, muss sich Pippi auch keine Sorgen ums Geld machen.
Doch die kleine Pippi hat nicht nur Freunde. Die Leiterin des Kinderheimes hat das Mädchen schon lange beobachtet und es ist ihr ein Dorn im Auge, dass die Kleine ganz alleine in der großen Villa wohnt. Und durch ihr vieles Gold hat Pippi auch die Geldgier mancher Leute geweckt. Aber die pfiffige Pippi findet immer eine noch pfiffigere Lösung für ihre Probleme. Und so erleben Pippi, Annika und Thomas noch viele aufregende Geschichten. 13 Astrid Lindgren: „Ronja Räubertochter“: In einer furchtbaren Gewitternacht wird in der Räuberburg auf dem Mattisberg ein Kind geboren: Ronja ist die kleine Räubertochter des Räuberhauptmanns Mattis und seiner Frau Lovis. Genau in dieser Nacht bricht die Mattisburg in zwei Teile und der Höllenschlund entsteht. Als die kleine Ronja etwas älter ist, darf sie in den Mattiswald, um die Umgebung zu erkunden und um zu lernen, wie sie sich vor den Graugnomen, den Wilddruden und den anderen Bewohnern des Mattiswaldes schützen kann. Ihre letzte wichtige Aufgabe, die sie noch zu bewältigen hat, ist sich vor dem Höllenschlund zu hüten. Also geht sie dahin und überlegt, wie sie das anstellen kann. Doch plötzlich ist da ein anderes Kind in ihrem Alter. Es ist Birk, der Sohn von Borka, dem Räuberhauptmann der Borkasippe und zugleich der Erzfeind von Mattis. Birk erzählt, dass die Borkaräuber jetzt den
12 Vgl. Praxis Deutsch. Zeitschrift für den Deutschunterricht, November 1997, S. 12
13 Vgl. Astrid Lindgren: „Pippi Langstrumpf“, Oetinger Verlag, 1987
6
anderen Teil der Mattisburg bewohnen, die neue Borkafeste. Mattis und seine Räuber sind außer sich, als sie davon hören und beschließen, die unerwünschten Nachbarn schnell wieder loszuwerden und schmieden Pläne. In der Zwischenzeit treffen sich Ronja und Birk immer wieder im Wald und retten sich gegenseitig das Leben. Dadurch freunden sie sich an und beschließen, von nun an Bruder und Schwester zu sein. Das darf aber niemand mitbekommen, denn ihre Eltern sind ja bis aufs Blut verfeindet.
Die beiden Räuberkinder verbringen jeden Tag heimlich miteinander. Doch eines Tages nimmt Mattis Birk gefangen, um Borka zu zwingen, endlich aus der Mattisburg auszuziehen. Ronja, die den Streit zwischen den Räuberbanden leid ist, geht sie freiwillig zu Borka und lässt sich von ihm ebenfalls gefangen nehmen. Mattis lässt zu, dass die beiden Räuberkinder ausgetauscht werden, beachtet Ronja aber von da an nicht mehr und erzählt allen, dass er kein Kind mehr hat.
Beide Räuberkinder sind sehr unglücklich und beschließen, alleine in den Wald zu ziehen und beziehen eine Höhle. Obwohl vor allem Ronja schlimmes Heimweh hat, erleben die beiden einen schönen aufregenden Frühling und Sommer. Am Schluss aber springt Mattis über seinen Schatten, entschuldigt sich bei Ronja und bittet beide Räuberkinder, in die Mattisburg zurückzukommen. Die beiden stimmen zu und auf der Burg tun sich die beiden Räuberbanden zusammen, denn sie haben eingesehen, dass sie zusammen viel stärker sind, als wenn sie sich immer gegenseitig bekämpfen. Und so findet ein riesiges Fest auf der Mattisburg statt. 14 Johanna Spyri: „Heidi“: Heidi, deren Eltern schon früh gestorben sind, hat ihre Kindheit bei ihrer Tante Dete verbracht. Die möchte jetzt aber heiraten und will Heidi nicht mehr bei sich haben. Also soll Heidi in die Stadt zu ihrem Onkel. Der befindet sich aber gerade auf Geschäftsreise und kann nicht gefragt werden, deswegen wird Heidi auf die Alm zu ihrem Großvater nach Dörfli gebracht. Dieser, bekannt als Dickkopf und Eigenbrödler, weigert sich zuerst, Heidi aufzunehmen, lässt sich aber dann überreden.
Auf der Alm lernt Heidi den Ziegenjungen Peter kennen und freundet sich mit ihm und seiner Großmutter an. Obwohl der Großvater anfangs kaum mit Heidi redet, ist sie sehr glücklich auf der Alm und nähert sich dem sturen alten Mann Stück für Stück an. Inzwischen ist Heidis Onkel heimgekommen und entschließt sich, Heidi bei sich aufzunehmen, einerseits um ihr ein gutes Zuhause zu geben, andererseits um eine Spielgefährtin für seine kranke Tochter Klara zu haben. Der Großvater aber hat Heidi lieb gewonnen und will sie nicht gehen lassen, stimmt aber dann doch zu.
14 Vgl. Astrid Lindgren: „Ronja Räubertochter“, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 1982
7
Heidi findet in ihrer Cousine Klara, die seit dem Tod ihrer Mutter im Rollstuhl sitzt, schnell eine Freundin, aber sie leidet unter schrecklichem Heimweh nach ihrem Großvater und den Bergen. Endlich erlaubt der Onkel, dass sie Ferien auf der Alm machen darf. Heidi verbringt schöne Tage beim Großvater und ist überglücklich, als ihr der Onkel erlaubt, auf der Alm zu bleiben. Kurz darauf kommt Klara zu Besuch. Als Klara Heidi und Peter spielen sieht, möchte sie auch laufen können. Sie versucht es immer wieder und schließlich schafft sie es auch. Happy End auf der ganzen Linie: Klara kann laufen, der Großvater ist nicht mehr verbittert und Heidi lebt glücklich in den Bergen. 15
Erich Kästner: Das doppelte Lottchen: Die Zwillingen Luise und Lotte werden schon als kleine Babys getrennt, weil sich ihr Eltern scheiden lassen. Luise wächst bei ihrem Vater, dem berühmten Dirigenten und Komponisten Ludwig Palfy, in Wien auf und Lotte bei ihrer Mutter Luiselotte Körner in München. Da seit der Trennung kein Kontakt mehr zwischen den Eltern besteht, wissen die Mädchen nichts voneinander.
Als die Zwillinge zehn Jahr sind, machen beide zur selben Zeit in einem Ferienheim Urlaub und erleben einen Schock, als sie sich treffen. Nach anfänglichem Schrecken, erraten die beiden, dass sie Zwillinge sein müssen und werden dicke Freundinnen. Sie beschließen, nach den Ferien ihre Rollen zu tauschen und erzählen sich gegenseitig so viel wie möglich aus ihrem Leben. Mit Hilfe der anderen gelingt es beiden ihre Umgebung zu täuschen. Beide Mädchen freuen sich, endlich das andere Elternteil kennen zu lernen. Die Situation ändert sich aber, als der Vater wieder heiraten will. Luise ist schockiert und wird schwer krank. Währenddessen kommt die Mutter hinter das Geheimnis und spricht Luise darauf an. Luise, die sowieso sehr beunruhigt ist, weil Lotte ihre Briefe nicht mehr beantwortet, ist froh, dass sie sich nicht mehr verstellen muss und ihre Sorge um Lotte mit der Mutter teilen kann. Die beiden rufen in Wien an, klären den Rollentausch auf und reisen nach Wien. Lotte wird daraufhin schnell wieder gesund und die Zwillinge beschließen, sich nie wieder zu trennen. Mit ihrem festen Willen schaffen es Luise und Lotte, die Eltern zu versöhnen und sogar wieder zusammenzubringen. Die Eltern heiraten ein zweites Mal und alle sind wieder eine richtige Familie. 16
Otfried Preußler: „Räuber Hotzenplotz“: Der „Räuber Hotzenplotz“ ist nicht nur ein beliebtes Buch, sondern auch ein gern gesehenes Kasperletheater. Die beiden Freunde Kasperl und Seppel hatten der Großmutter ein besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht: eine Kaffeemühle, die Großmutters Lieblingslied spielt, wenn man daran kurbelt. Doch eines Tages entdeckt der weit und breit gefürchtete Räuber Hotzenplotz die einzigartige
15 Vgl. Johanna Spyri: „Heidi“, Arena Verlag, 1995
16 Vgl. Erich Kästner: „Das doppelte Lottchen“, Cecilie Dressler Verlag, Berlin 1968
8
Kaffeemühle, überfällt die Großmutter und stiehlt die Kaffeemühle. Seppel und Kasperl beschließen, den Dieb zu fangen und hecken einen Plan aus. Sie verkleiden sich, indem sie ihre Hüte tauschen und machen sich auf den Weg. Der Plan misslingt und der Räuber Hotzenplotz hat beide gefangen. Er behält den Seppel, den er für den Kasperl hält und bringt Kasperl zum bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann.
Die beiden Freunde sind gefangen und können nicht fliehen. Doch als der Zauberer Zwackelmann auf eine Reise geht, findet der Kasperl in einem tiefen Brunnen eine alte Unke, die eine verzauberte Fee ist. Er beschließt, ihr zu helfen, kann mit ihren Ratschlägen das Zauberschloss verlassen und macht sich auf den Weg, ein Zauberkraut zu besorgen. Inzwischen ist der Zauberer heimgekommen, sieht, dass sein Dienstbote geflohen ist und zaubert wütend den Seppel und den Räuber Hotzenplotz herbei. Zornig verzaubert er den Räuber in einen Gimpel und sucht selbst nach dem Kasperl. Kasperl ist aber schon wieder zurück und hat schon die Fee erlöst. Als der Zauberer das sieht, will er sich auf die beiden stürzen und fällt dabei in den tiefen Brunnen und ist für immer verschwunden. Der Seppel und der Kasperl sind frei und bekommen von der guten Fee noch drei Wünsche geschenkt. So gehen sie fröhlich nach Hause und wünschen der Großmutter ihre Kaffeemühle herbei. Den in einen Gimpel verzauberten Hotzenplotz übergeben sie dem Wachtmeister Dimpfelmoser, damit er eingesperrt wird und niemanden mehr berauben kann. 17 Gebrüder Grimm: „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“: Vor langer Zeit lebte ein König mit seinen schönen Töchtern. Die jüngste war die allerschönste. Wenn ihr langweilig war, spielte sie mit ihrer goldenen Kugel. Eines Tages konnte die Prinzessin ihre Kugel nicht fangen und sie fiel in den tiefen Brunnen. Da weinte die Königstochter. Doch plötzlich tauchte ein dicker, hässlicher Frosch auf und bot ihr an, ihre Kugel wieder heraufzuholen, wenn er dafür ihr Spielkamerad sein dürfe, an ihrem Tisch sitzen, von ihrem Teller essen und in ihrem Bett schlafen dürfe. Die Prinzessin versprach ihm alles, woraufhin der Frosch die Kugel holte. Doch die Prinzessin vergaß ihr Versprechen und rannte davon. Am nächsten Tag, als die Königsfamilie beim Essen saß, klopfte es an der Tür und der Frosch wurde hereingelassen. Als der Vater vom Versprechen seiner jüngsten Tochter erfuhr, befahl er ihr, es einzuhalten und der Frosch aß mit der Prinzessin von ihrem Teller und trank aus ihrem Becher. Danach wollte er auch zu ihr in ihr Bettchen. Da wurde die Prinzessin fürchterlich wütend und warf den Frosch mit aller Kraft gegen die Wand. Doch plötzlich war der Frosch kein Frosch mehr, sondern ein wunderschöner Königssohn. Er erzählte, er wäre von einer
17 Vgl. Otfried Preußler: „Der Räuber Hotzenplotz“, K. Thienemanns Verlag,, Stuttgart 1978
9
Arbeit zitieren:
Anja Gutmair, 2005, Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur: Pippi, Ronja und Co. im Grundschulunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Was macht "Pipi Langstrumpf" zu einem Kinderbuchklassiker?
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Die Humanität als Leitidee in Goethes Schauspiel "Iphigenie auf T...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 11 Seiten
Bücher von Anfang an - Wecken der Lese- und Schreibmotivation mit eine...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 24 Seiten
'Pippi Langstrumpf' von Astrid Lindgren - eine phantastische E...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 22 Seiten
Die Großstadt als Handlungsraum städtischer Kinderbanden in der Kinder...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Bachelorarbeit, 57 Seiten
Eine Analyse zu Erich Kästners Buch 'Pünktchen und Anton'
Seminararbeit, 33 Seiten
Zu Georg Büchners "Woyzeck" – Wegweiser zur Moderne?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Die verschiedenen Methoden des Lesen- und Schreibenlernens
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 19 Seiten
Daniel Defoes "Robinson Crusoe" - ein Klassiker der Kinder- ...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 31 Seiten
Morton Rhue - Ich knall Euch ab! Eine Romananalyse
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Bilderbücher als religionsdidiaktische Chance - Reflexion von Eigenart...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Examensarbeit, 84 Seiten
Pippi Langstrumpf - eine didaktische Analyse
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 18 Seiten
Anja Gutmair's Text Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur: Pippi, Ronja und Co. im Grundschulunterricht ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anja Gutmair hat den Text Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur: Pippi, Ronja und Co. im Grundschulunterricht veröffentlicht
Anja Gutmair hat einen neuen Text hochgeladen
Interkulturalität in der Kinder- und Jugendliteratur
Möglichkeiten und Grenzen des ...
Philumena Reiser
0 Kommentare