EINLEITENDE ÜBERLEGUNG. 3
DEFINITIONEN DES WUNDERBEGRIFFS 4
WUNDERPARALLELEN IN DER ANTIKE 5
DIE WUNDERGLÄUBIGKEIT IN DER ENTWICKLUNG 6
Stufeneinteilung nach Fowler 7
DIE URCHRISTLICHEN WUNDERGATTUNGEN. 7
MOTIVIK DER NEUTESTAMENTLICHEN WUNDERGESCHICHTEN 9
NEUTESTAMENTLICHE BEISPIELE FÜR WUNDERGESCHICHTEN. 10
Die Heilung des Gelähmten (Mk. 2,1-12) 10
Einteilung der Motive. 11
Exegetische Kernaussagen zu Mk. 2,1-12 11
Die Hochzeit zu Kana (Joh. 2,1-12) 12
Einteilung der Motive. 13
Exegetische Kernaussagen 13
DIDAKTISCHE LEGITIMATION. 14
UNTERRICHTSENTWURF ZUM THEMA: JESU HANDLUNGEN - EIN
WUNDER ? 16
Die Heilung des Gelähmten (Mk. 2, 1-12) 16
Unterrichtsentwurf zu: Hochzeit von Kana (Joh. 2, 1-12) 17
FAZIT 18
LITERATURVERZEICHNIS 20
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Einleitende Überlegung
Die folgende Arbeit behandelt das Thema: Wundergeschichten im Religionsunterricht 1 . Dabei wird in zwei späteren Unterrichtsentwürfen in einer fiktiven Berufsschulklasse gedacht. In dieser Klasse handelt es sich um Schüler / innen, die den Beruf, der / des Arzthelferin / Arzthelfers erlernen. Bei der Thematik neutestamentlicher Wundergeschichten darf man annehmen, dass es zu den unterschiedlichsten Meinungsäußerungen, Vorstellungen und Überzeugungen in der Klasse kommen wird. Es ist ein Thema, das eine enorme Polarität erzeugen kann. Dabei spielen in meinen Augen folgende Aspekte eine Rolle. Im Rahmen des RU im Allgemeinen und im Speziellen der Bibel, finden sich im Alten Testament (z. B. die Wunder Elisa´s) wie im Neuen Testament eine Vielzahl von Wundergeschichten unterschiedlichster Gattungen. Diese Tatsache macht natürlich in erster Linie neugierig und fragwürdig zugleich. Weiterhin bekommen wir über die Medien eine Vielzahl von wundersamen Geschichten präsentiert. Hierbei kann es sich zum Beispiel unter anderem um Überlebende einer Naturkatastrophe handeln, wo man sprichwörtlich äußert: „Ein Wunder, dass dieser Mensch überlebte!“ Natürlich gibt es auch schöne, geradezu wundervolle Ereignisse, wenn z. B. eine Frau eine Mehrlingsgeburt (z. B. Drillinge) hat und alle Kinder gesund und wohl auf sind.
Unterschwellig kann immer ein gewisses Fantastmoment mitschwingen. Das darin Übersinnliche macht neugierig, lässt Träume aufkommen, die nicht zuletzt dann entstehen, wenn sich ein junger Mensch einen Ausbildungsplatz wünscht oder man sich das Erreichen seiner beruflichen Traumposition vorstellt. Für einige wird die Verwirklichung vermutlich einem kleinen Wunder gleichkommen: „Da kann nur noch ein Wunder helfen.“
Letztendlich ergibt sich meines Erachtens die Problematik, dass biblische Wundergeschichten in einer rational naturwissenschaftlich - orientierten Umwelt nur schwer Einzug in die Herzen der Schüler halten können. Gerade die bereits erwähnte Zielgruppe, die sich häufig im medizinischen Spannungsfeld von heilbaren Erkrankungen bis zur ausweglosen Situation wiederfindet, kann Heilung bei infauster 2 Prognose als ein „Wunder“ ansehen. Hier erscheint mir eine Erarbeitung der Thematik als äußerst interessant!
1 Im Folgenden abgekürzt mit RU
2 ungünstig (z. B. in Bezug auf den angenommenen Verlauf einer Krankheit)
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Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, den sinnvollen Einsatz von
Wundergeschichten im RU zu legitimieren und möchte Wege zum Verständnis der geschilderten Wundergeschichten aufzeigen. Dies soll durch die Darstellung zweier Perikopen aus dem Neuen Testament verdeutlicht werden.
Definitionen des Wunderbegriffs
Um ein hinreichendes Verständnis zum Begriff Wunder zu bekommen, möchte ich diesen aus verschiedenen Quellen definitorisch darlegen. Sachlich und kurz findet sich dazu in der Duden - Reihe folgende Definition: „ Ausnahmeerscheinung, Geheimnis, Hexenwerk, Hexerei, Magie, Merkwürdigkeit, Rätsel, übernatürliche Erscheinung, wunderbare Begebenheit, Wundererscheinung, Zauberei, Zeichen; (geh.): Mirakel; (bildungsspr.): Mysterium, Phänome“ (Duden - Das Synonymwörterbuch, 2004 [CD-ROM]).
Unter religionsgeschichtlichem Aspekt betrachtet findet sich im RGG das hebräische Wort für Wunder „ot“, was so viel wie „Zeichen“ bedeutet und auf ein göttliches Wirken hinweist. Für das rein irdisch erlebte Wunder gibt es das hebräische Wort „paelae“, aus dem Wortstamm „pala`“, was so viel heißt wie „wunderbar sein“.Die Griechische Parallele mit der gleichen Bedeutung lautet „thaumasion“ und im lateinischen hei ßt es „miraculum“ (vgl. Mensching in RGG 3, S. 35870). Im persisch - indischen Raum lautet die Bedeutung für Wunder „ashcaryam“. Nach einer Interpretation R. Otto´s geht es dabei um die blitzartige Erscheinung des Brahman 3 , die mit dem überraschenden und staunenden Ausruf „Aah!?“ begrüßt wird. Zusammenfassend läßt sich d araus folgende Definition ableiten: „ Wunder ist ein Verwundern erregendes Geschehen, das für das betrachtende religiöse Subjekt den Charakter des Geheimnisvollen und Ungewöhnlichen hat und daher zum Erlebnis der in ihm wirkenden und sich manifestierenden göttlichen Kraft führt. Mit dieser Definition soll zum Ausdruck gebracht werden, daß in religiöser Frühzeit das Ungewöhnliche, d. h. das außerhalb des Gewohnten Liegende, aber nicht das einer naturgesetzlichen Ordnung, die man ohnehin noch nicht kannte, Widersprechende Gegenstand des W.glaubens ist“ (a.a.O., S. 35871).
3 Brah|man das; -s: Weltseele, magische Kraft der indischen Religion, die der Brahmane im
Opferspruch wirken lässt
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Zur Wunderthematik im Judentum macht Lohse folgende Feststellungen: „ In der volkstümlichen Überlieferung des Judentums finden sich zahlreiche W.erzählungen. Man suchte die Geschichte Israels großartig auszuschmücken, z. B. den Durchzug durch das Rote Meer, die Übergabe des Gesetzes am Sinai und die Erbauung des Tempels. In reichem Umfang ist auch von W.n die Rede, die sich im oder am Heiligtum ereignet haben sollen und zur Verherrlichung der hl. Stätte beitragen. Von frommen und gerechten Männern weiß man zu berichten, daß sie auf Grund besonderer Kräfte W.taten zu vollbringen vermochten. Sie trieben Dämonen aus, heilten Kranke und konnten sogar Tote erwecken.[…] Von der kommenden messianischen Zeit erwartet man zwar, daß sie voll von wunderbarem Handeln Gottes sein wird und sich W. in reichem Maße ereignen werden. Aber den Messias stellt man sich nicht als W.täter vor. Er hat seine Würde nicht durch W.taten, sondern durch die Erfüllung der Schrift auszuweisen“ (Lohse in RGG 3, S. 35879 u. 35880).
Zum Abschluss soll eine Erklärung, unter neutestamentliche
religionsgeschichtlichem Aspekt das Kapitel der Definition komplettieren, da im Verlauf dieser Ausarbeitung, wie eingangs erwähnt, auf zwei n eutestamentliche Wundergeschichten zurück gegriffen wird, die Gegenstand eines späteren Unterrichtsentwurf sein sollen. Zu diesem Punkt äußert sich Käsemann: „ In der Antike bekunden W. göttliche oder dämonische Epiphanie (ð Wunder: I). Menschliches Leben gilt hier als den Eingriffen und dem gegenseitigen Kampf überirdischer Mächte ausgesetzt. Das W. erweckt Entsetzen und Dank, indem es die verborgene Wirklichkeit der Existenz freilegt. Als Predigtgegenstand weist es auf das jenseitige Heil. Erbauliches Interesse schmückt die Wiedergabe mit mythischen, märchenhaften, legendarischen Motiven. Intention und Weltbild der W.berichte lassen sich nicht in eine vom Menschen absehende, am Kausalgesetz orientierte Naturbetrachtung einfügen“ (Käsemann in RGG 3, S. 35882).
Wunderparallelen in der Antike
Nicht nur im Alten und Neuen Testament sind Wunder überliefert und aufgeschrieben worden. Im antiken Umfeld Israels / Palästina sind eine Reihe von Wundererzählungen ebenso vor wie nach der bestehenden Zeitrechnung bekannt. Für den Unterricht kann die Erkenntnis über derartige Parallelen hilfreich sein, da
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diese durchaus gleichartigen Erzählmustern unterliegen und dem Schüler deutlich machen können, dass der antike Mensch im Allgemeinen einmythisches Wunderverständnis besaß
Ein bekanntes Wunder, das seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. Und bis ins 5. Jahrhundert weiterhin überliefert wurde, ist das an Titus Latinus gewirkte Straf- und Heilwunder (vgl. Weiser, 1988, S. 167). Ebenso prägnant sind die Wundergeschichten des Apollonius. Danach soll er die Fähigkeit gehabt haben, Tote zu erwecken. Das Wunder kommt über eine Berührung des Leichnams zustande. Es handelt sich hierbei nicht um Augenzeugenberichte. Weiser schreibt dazu: „Der zeitliche Abstand zwischen dem Werk des Philostratos und dem Leben des Apollonius beträgt bereits mehr als 100 Jahre. Philostratos war auf Quellen angewiesen. […], daß die Quellen selbst schon manch phantastische Ausgestaltung erhielten und darüber hinaus Philostratos mit diesem Überlieferungsstoff sehr frei umging und ihn im Sinne seiner eigenen Zielsetzung verarbeitete“ (a.a.O. S. 155). Es findet sich also in der Zielsetzung des Philostratos eine deutliche Parallele zu den Evangelisten, da diese Geschichten immer etwas bestimmtes bewirken sollen. Zum Sc hluss sei noch eine Wundererzählung aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnt, die von dem jüdischen Gelehrten Josephus als Augenzeuge, niedergeschrieben worden ist. Es geht darin um den Exorzismus des Eleazar. Er hält dabei, in Anwesenheit des Vespasian, einem Besessenen einen Ring mit einer Wurzel darin unter die Nase und macht eine Beschwörung. Der böse Geist verlässt daraufhin den Körper des Mannes (vgl. Theißen, 2001, S.257).
Die Wundergläubigkeit in der Entwicklung
Für die Vermittlung der Unterrichtsinhalte zum Thema Wunder, ist das angenommene Verständnis der Zielgruppe von entscheidener Bedeutung. Macht es doch einen großen Unterschied, wie die Einstellung, Verständnis und Wahrnehmung der Schüler zur Wunderthematik ist. Nach Fowler ist dabei zu beachten, dass es mindestens sechs verschiedene Stufen der Wundergläubigkeit gibt, die altersmäßig bzw. vom Entwicklungsstand des Menschen abhängig sind. Im Folgenden sollen diese kurz erläutert werden, wobei für den späteren Unterrichtsentwurf, das Alter der angenommenen Zielgruppe, im Hinblick auf die didaktische Konzeption, wichtig ist. Vorab sei hier beispielhaft erwähnt, dass Unterrichtsinhalte für junge Erwachsene anders aufbereitet und thematisiert werden
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Arbeit zitieren:
Bernd Kasper, 2005, Neutestamentliche Wundergeschichten im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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