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Inhaltsverzeichnis
Einleitung S.1
Allgemeines und Quellenlage S.2
Skedemosse S.3
Fundort und Geschichte S.3
Funde und Datierung S.3
Interpretation S.6
Illerup Adal S.7
Fundort und Geschichte S.7
Funde und Datierung S.7
Interpretation S.10
Vergleich Skedemosse/ Illerup Adal 11
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Einleitung
In der folgenden Arbeit will ich mich mit den Opferungen von Lebendkreaturen und Niederlegungen von Gegenständen in Mooren während der Kaiser und Völkerwanderungszeit (ab ca. Christi Geburt bis ca. 600 n.Chr.) in Skandinavien beschäftigen. Ich konzentriere mich hierbei auf zwei paradigmatische, bedeutende und relativ gut erforschte Mooropferplätze: Skedemosse in Schweden und Illerup Adal in Dänemark.
Was bewegte die Menschen, ihre Mitmenschen/ Tiere so grausam sterben zu lassen? Was war der Grund, dass wertvolle Gegenstände wie Waffen oder Schmuck niedergelegt wurden? Mit Sicherheit spielten rituelle Beweggründe in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle. Das Christentum war in der dortigen Region (Skedemosse ist ein Moor auf der Insel Öland vor Schweden, Illerup Adal in Dänemark.) während des zu untersuchenden Zeitraums noch nicht vorhanden, und die altrömische Religion hatte für diese Völker ebenfalls keine Bedeutung.
In der Interpretation der Funde herrschte bis zu den Arbeiten von Ernst H. Jankuhn und J. Brondsted die Meinung vor, dass es sich bei den Funden um Kriegsopferfunde, also um geopferte Feinde, handeln müsse. Die alleinige Interpretation als Kriegsopfer erscheint jedoch nicht zutreffend, wenn man bedenkt, dass über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren geopfert wurde (ab ca. Christi Geburt bis ca. 6. Jahrhundert nach Christi). Es ist unwahrscheinlich, dass während dieser Zeit permanent Kriege geherrscht haben sollen. Ferner sind die Funde von Gebrauchsgegenständen, Tieren, Speisen und Tongefäßen ein Beleg dafür, dass man versuchte, die Götter mittels stammeseigener Gaben milde zu stimmen. Ca. alle 20 Jahre finden Archäologen einen neuen Mooropferplatz, der neue Erkenntnisse für den Forschungsstand bringt. Somit kann man nie davon ausgehen, dass der momentane Erkenntnisstand schon die endgültige Wahrheit auch für die Zukunft darstellt. Wie bereits Max Weber sagte, müssen wir uns bewusst sein, dass der momentane Stand der Wissenschaft in einigen Jahren wieder überholt sein kann.
Ich stütze mich in der vorliegenden Arbeit auf den aktuellen, zugänglichen Stand der Forschung und Interpretation, in der Hoffnung, dass die Ergebnisse eine gewisse vorläufige Gültigkeit haben.
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Allgemeines und Quellenlage:
Die Quellenlage ist für die Fundstelle Skedemosse älter als die für die Fundstelle Illerup. Die Hauptuntersuchungen für Skedemosse fanden in den Jahren 1959- 1962 durch Ulf-Erik Hagberg statt, über Illerup Adal verfasste Jorgen Illkjaer 1994 einen Artikel zum Stand der Bearbeitung.
Moorfunde sind keine Grabfunde im Sinne eines Grabes für einen Stammesfürsten, und sie sind auch keine Einzelfunde, wie einzelne Schwerter oder gar Siedlungsfunde. Bei der Interpretation der Funde können alle Quellengattungen herangezogen werden, womit sich gute Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Funden außerhalb der Moore eröffnen . Die Forschung stützt sich bei den Mooren in erster Linie auf archäologische Quellen, da schriftliche Quellen (siehe Adam von Bremen) erst später auftauchten (10. Jahrhundert) und nicht originär von den opfernden Gemeinschaften stammen. Mooropfer finden sich nicht nur in Skandinavien, auch in Deutschland (Niedersachsen, Thüringen) und Polen (Pommern) wurden bedeutende Stätten gefunden.
Die Stätte eines Mooropferfundes ist zweifelsohne ein Grab. Hier liegt ein Mensch begraben. Eine Siedlung befand sich aufgrund der topographischen Beschaffenheit der Umgebung keinesfalls an diesem Ort. Einzeln niedergelegte Gegenstände, wie einzelne Schwerter oder Lanzen, lassen sich in Mooren meist nicht finden. Die Opferplätze waren bedeutende Orte, an denen mehrere Gegenstände ins Moor bzw. in den See gegeben wurden. Mit ihrer Hilfe kann ein Archäologe Rückschlüsse auf die Bedeutung der Fundorte ziehen. Eine Deutung der Moore als Heiligtümer erscheint in diesem Zusammenhang naheliegend. Carsten Colpe legt drei Kriterien dafür fest.
„1.) Die Kontinuität der heiligen Stätte, die oft über einen Religionswechsel hinaus erhalten bleibt. Sie lässt sich nachweisen aus Anhäufungen von Niederlegungen spezifischer Art, Beibehaltung auffälliger Grundrisse oder Lagen und bis zu einem gewissen Grad aus allem, was sich in einer aus Alltagsumständen nicht mehr erklärbaren Weise über Zeiten hin wiederholt, in denen es in anderer Hinsicht Kontinuitätsbrüche gegeben hat. 2.) Die Kategorie der Entdeckung. Heiligtümer werden nicht geplant, sondern der Ort für ein Heiligtum wird entdeckt, d.h. es kann überall ein Heiligtum gewesen sein, nicht nur an Orten von heute noch besonderer Anziehungskraft (Felsformationen, Moore/Seen, Höhlen, Quellen etc.) Für die Entdeckung können archäologisch nicht nachweisbare Gründe vorliegen.
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3.) Der Symbolismus des Außergewöhnlichen, der sich durch topographische Besonderheiten nachweisen lässt. Dieses Kriterium muss nicht mit den beiden anderen gekoppelt sein, kann also für sich ein Heiligtum anzeigen. Als zusätzliches Erkennungsmittel, das aber nicht definierend für ein Heiligtum ist, tritt der Nachweis von Opfergaben und Handlungen hinzu.“ 1
Wie Helmut Geisslinger in seinem Aufsatz schreibt, kann eine Verwendung der Moore als Verstecke für Schätze zwar nicht völlig ausgeschlossen werden, 2 erscheint aber unlogisch, da es äußerst schwierig war, die Gegenstände wieder zu bergen. Es gab mit Sicherheit als Versteck besser geeignete Orte. Ferner würden die Gegenstände, durch die im Moor vorhandenen Säuren, stark angegriffen werden.
Im Folgenden gehe ich auf die Fundgeschichte und Interpretation der Moore Skedemosse und Illerup Adal ein.
Skedemosse
Fundort und Geschichte:
Skedemosse befindet sich im heutigen Staat Schweden auf der Insel Öland. Das Gebiet umfasst eine Größe von ca. 28 000 qm. Die untersuchte Fläche beträgt 700 x 400m. 3 Im Jahre 1901 traten im Zuge von Feldarbeiten immer wieder Funde zu tage, die archäologisches Interesse weckten. Seit 1680 wird das Moor kultiviert. Es ist somit wahrscheinlich, dass bedeutende Funde zerstört und dadurch verloren gegangen sind. 4 Der Platz, an dem die meisten Gegenstände gefunden wurden, befindet sich am Rande eines inzwischen verlandeten Sees. Erste kleinere Ausgrabungen fanden bereits 1928 - 1930 statt. Ulf Erik Hagberg, der 1959 mit größeren Ausgrabungen begann, vertritt die These, dass die Menschen am Rande des Sees gemeinsam Opfermahlzeiten zu si ch genommen haben, und dass danach die Speiseopfer in das Wasser geworfen wurden. 5
1 Colpe, Carsten: Theoretische Möglichkeiten zur Identifizierung von Heiligtümern und Interpretation von
Opfern in ur- und parahistorischen Epochen. In: Jankuhn, Herbert (Hrsg.) Vorgeschichtliche Heiligtümer und
Opferplätze in Mittel und Nordeuropa. Bericht über ein Symposium in Reinhausen bei Göttingen in der Zeit
vom 14. bis 16. Oktober 1968, S. 31ff
2 Geisslinger, Helmut: Soziale Schichtungen in den Opferdepots der Völkerwanderungszeit. In: Jankuhn, Herbert
(Hrsg.) Vorgeschichtliche Heiligtümer und Opferplätze in Mittel und Nordeuropa. Bericht über ein Symposium
in Reinhausen bei Göttingen vom 14. bis 16. Oktober 1968. S.202
3 Hagberg, Ulf Erik: Religionsgeschichtliche Aspekte des Moorfundes vom Skedemosse auf Öland. In: Jankuhn,
Herbert (Hrsg.) Vorgeschichtliche Heiligtümer und Opferplätze in Mittel und Nordeuropa. Bericht über ein
Symposium in Reinhausen bei Göttingen vom 14. bis 16. Oktober 1968. S.167
4 Bemmann, Jan und Hahne, Güde: Ältereisenzeitliche Heiligtümer im nördlichen Europa. In: H.Beck, D.
Ellmers u. K. Schnier (Hrsg.) Germanische Religionsgeschichte. Quellen und Quellenprobleme 1992. S. 51ff
Arbeit zitieren:
Georg Fichtner, 2005, Mooropferplätze der Kaiser und Völkerwanderungszeit in Skandinavien: Skedemosse und Illerup Adal, München, GRIN Verlag GmbH
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