Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Dieser Artikel lässt die elementarsten Ideen und Werte der Menschenrechte zur Geltung kommen: Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit und Solidarität.
Diese Ansätze lassen sich in allen Kulturen finden. Menschenrechte entstehen schon mit der Geburt des Menschen, denn der Mensch ist letztendlich ein sittlich freies und mit Würde ausgestattetes Wesen. Hinsichtlich dieser Thematik werde ich mich im Kommenden mit der Frage auseinandersetzen, ob die Wortkombination Islamische
Menschenrechtserklärung nicht ein Widerspruch in sich ist? Aufrufe zum Heiligen Krieg, die Diskriminierung religiöser Minderheiten in islamischen Ländern, die Rolle der muslimischen Frau, Khomeinis Todesurteil gegen den Schriftsteller Salman Rushdi und viele weitere Beispiele von Menschenrechtsverletzungen - besonders in jüngster Zeit - lassen diese Skepsis laut werden. Sie erwecken den Eindruck, Islam und Menschenrechte ständen prinzipiell im Gegensatz zueinander. Geht man davon aus, dass die vorderasiatischen islamischen Gesellschaften, in denen die Sharia Gesetzesgrundlage ist, eine solche Erklärung nicht brauchen, so kann die Frage erlaubt sein, für wen diese islamische Menschenrechtsumdeutung geschrieben wurde.
Lässt sich die Zunahme radikal-islamischer Übergriffe auf Nicht-Muslime in den 90-er Jahren außerhalb der islamischen Geburtsstaaten Vordeasiens möglicherweise auf diese feierliche Erklärung von Kairo über Menschenrechte im Islam zurückführen? Folglich e ine ’Menschenrechtserklärung’ als Grundlage für
Menschenrechtsverletzungen? I n meinem Essay möchte ich mich im Rahmen der Menschenrechte zur Thematik der Kairoer
Menschenrechtserklärung über Menschenrechte im Islam von 1990 äußern. Die Kairoer Menschenrechtserklärung beinhaltet 30 Artikel, auf die
3
ich in Anbetracht der Zeit nicht detailliert eingehen werde, sondern mich auf drei wesentliche Punkte beziehen möchte: Religionsfreiheit, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und die Strafen, die in der Sharia manifestiert sind.
Mit dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, dass das Problem der Menschenrechtsverletzungen nicht an der Religion, sondern an der Tradition der Ausübung im Alltag liegt. Die universelle Erklärung der Menschenrechte umgrenzt den Minimumstandard menschlichen Lebens. In der Erklärung findet sich diesbezüglich folgendes Argument als Basis für die Festlegung der Menschenrechte: „Für jeden der 30 Artikel der Erklärung findet sich Entsprechendes in Qur’an, Hadith und Sunna des Propheten“. Die erste Schlussfolgerung der Konferenz lautete: „Alle Menschen sind Träger von Menschenrechten“. Im Folgenden wäre also zu klären, wobei es sich bei den drei genannten Quellen handelt. Die Sunna umfasst das gesamte Leben des Propheten Muhammads als Vorbild für richtiges Verhalten im Alltag eines Muslims bzw. einer Muslima. Bei den Hadithen handelt es sich um die mündlich und schriftlich überlieferten Aussprüche des Propheten. Der Qur’ an stellt wie in allen monotheistischen Religionen das heilige Buch dar. Ebenso spielt die Sharia , als ein Teil des heiligen Qur’ ans, eine wichtige Rolle. Sie hat, wenn auch nicht offiziell als Staatsgesetz anerkannt, einen großen Einfluss auf die Rechtsprechung in der arabischen Welt.
Aufgrund ihres Alters sind die Strafformen recht mittelalterlich und demzufolge verstoßen die grausamen Körperstrafen gegen die allgemeine Menschenwürde. So wäre beispielsweise das Handabschlagen bei Diebstahl, Auspeitschungen bei Alkoholgenuss, Steinigung von Ehebrechern nennenswert. Diese sind in der Vergangenheit nur selten angewendet worden und sind teilweise in den meisten islamischen Ländern nicht mehr in Gebrauch. Aber es gibt Ausnahmen, auf die ich kurz eingehen möchte. So wurde beispielsweise die Amputationsstrafe in den
4
Ländern Sudan, Jemen, Saudi-Arabien, Iran und Pakistan mit dem Fundamentalismus wieder eingeführt. Steinigungen aufgrund von Ehebruch sind in letzter Zeit nur in Saudi-Arabien und im Iran bekannt geworden. Die Prügelstrafe ist noch über die gena nnten Staaten hinaus verbreitet.
Man hört immer wieder Berichte von nicht fair geführten Gerichtsverhandlungen und Folterungen in der Haft in den Staaten Arabiens. Allerdings haben diese keineswegs einen religiösen Bezug, sondern sind vielmehr auf einen inneren Notstand zurück zuführen. Bezüglich der im Artikel 1 aufgeführten Menschenwürde - unter anderem unabhängig von Religion - existiert keine praktische Gleichstellung anderer Religionen. Dies betrifft, wenn auch nicht ganz so stark, die monotheistischen Buchreligionen Juden- und Christentum. Den Polytheisten wird hingegen das Existenzrecht theoretisch aberkannt, o bwohl sie nach der Verfassung des Staates eigentlich gleichberechtigt sein sollten.
Es gibt geschichtliche Beispiele, d ie den islamischen Großmut gegenüber christlichen Minderheiten belegen, in dem sie diesen Schutz vor Verfolgern gewährten. So leben beispielsweise schon seit Jahrhunderten und auch noch bis heute Hindus und Muslime in Südasien zusammen. Nichtmuslime nehmen dem gegenüber eine diskriminierende Sonderrolle ein und werden im Zivilrecht und im öffentlichen Leben benachteiligt. So wird beispielsweise im Iran den Angehörigen anderer Religionen die Rechtsfähigkeit aberkannt. Besonders hart wird jedoch ein Abfall vom Islam geahndet. In den letzten Jahren ist im Sudan und Iran, obwohl offiziell eigentlich nicht vorgesehen, deshalb die Todesstrafe vollstreckt worden. Die Menschen, deren Ehen daraufhin zwangsgeschieden werden, wird das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen und sie werden vom Erbrecht ausgeschlossen, kommen dabei wenigstens mit dem Leben davon.
5
Arbeit zitieren:
B.A. Daniela Künzel, 2005, Die Kairoer Erklärung über Menschenrechte im Islam von 1990, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Frauen in islamischen Gesellschaften
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Seminararbeit, 21 Seiten
Die Problematik der Vereinbarkeit der universalen Menschenrechte mit d...
Hausarbeit, 23 Seiten
Islamische Menschenrechtserklärungen
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Der Islam - Muslimische Frauen zwischen Koran und Sharia
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Gefahr aus dem Orient? Zum Feindbild Islam
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Seminararbeit, 18 Seiten
Türkische Frauen in Deutschland - Auf dem Weg in die Moderne?
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Magisterarbeit, 100 Seiten
Die Entstehung der Reichskreise
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 24 Seiten
Die Rolle des Mannes und der Frau im Islam
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Bachelorarbeit, 26 Seiten
Nationbuilding als weltpolitisches Ordnungsinstrument und seine Anwend...
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Strukturprobleme und Entwicklungspotenziale des heutigen Irak
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Examensarbeit, 93 Seiten
Die Stellung der Juden im Merowingerreich
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 19 Seiten
Demographische Prozesse in Deutschland und ihre Auswirkungen auf die M...
Medizin - Gesundheitswesen, Public Health
Hausarbeit, 12 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Luthers Verständnis des allgemeinen Priestertums in der Schrift „An de...
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 25 Seiten
Kontinuität und Diskontinuität in Martin Luthers Stellung zum Judentum
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Examensarbeit, 27 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Diplomarbeit, 103 Seiten
Die Grundlagen des christlichen Antijudaismus
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 35 Seiten
Daniela Künzel hat den Text Die Kairoer Erklärung über Menschenrechte im Islam von 1990 veröffentlicht
Daniela Künzel hat einen neuen Text hochgeladen
Timing and Temporality in Islamic Philosophy and Phenomenology of Life
Anna-Teresa Tymieniecka
Knowledge in Later Islamic Philosophy: Mulla Sadra on Existence, Intel...
Ibrahim Kaln, Ibrahim Kalin
0 Kommentare