GLIEDERUNG
1. EINLEITUNG 3
2. DIE STUDENTENBEWEGUNG ALS INTERNATIONALES
PH ÄNOMEN 5
2.1 USA 6
2.2 FRANKREICH 8
3. DIE STUDENTENBEWEGUNG IN DER BRD 9
3.1 AUSGANGSSITUATION UND VORGESCHICHTE 9
3.2 URSACHE UND WIRKUNG I 10
3.2.1 DIE GROßE KOALITION 11
3.2.2 DIE NOTSTANDSGESETZE 12
3.2.3 NS-VERGANGENHEIT 13
3.2.4 DER VIETNAMKRIEG 13
3.3 DIE ANFÄNGE IN BERLIN 14
3.3.1 VORGESCHICHTE 15
3.3.2 DER 2.JUNI 1967 16
3.4 URSACHE UND WIRKUNG II 17
3.4.1 DIE SPRINGER-PRESSE 17
3.4.2 AUFTRAGS- UND MILITÄRFORSCHUNG 18
4. DIE STUDENTENBEWEGUNG IN BADEN-WÜRTTEMBERG 19
4.1 HEIDELBERG 19
4.1.1 DIE "JUSTIZKAMPAGNE" 20
4.1.2 DIE "ROTE-PUNKT-AKTION" 21
4.2 STUTTGART 21
5. FAZIT 23
6. QUELLE-N UND LITERATURVERZEICHNIS 24
2
1. Einleitung
An was denkt man, wenn man Studentenbewegung 1968 hört? An Hippies und Flower Power? An Demonstrationen und Straßenschlachten? An Sit- ins und Kampagnen gegen den Vietnamkrieg, die Verhältnisse in der Dritten Welt oder den Springerkonzern? Den SDS und Rudi Dutschke oder an den Tod Benno Ohnesorgs?
Gerade in Deutschland stellt die Studentenbewegung von 1968 ein sehr umfassendes Thema mit vielen Facetten dar. Sie war ein prägendes Ereignis der Nachkriegsgeschichte, in dem all die oben genannten Themen und vieles mehr eine Rolle spielten. Getragen von der Jugend entstand ein gesellschaftspolitischer Umwälzprosses mit der Forderung nach Demokratisierung und öffentlicher Diskussion über die bestehenden Verhältnisse. Ausgehend von den Hochschulen wirkte die Bewegung auch auf andere Teile der Bevölkerung und es herrschte ein Zustand permanenter Mobilisierung. Ziel dieser Arbeit ist es, Ursachen und Auslöser dieser einzigartigen Protestbewegung, besonders für die BRD, aufzuzeigen und zu analysieren.
Da die Zeit der Studentenbewegung in die jüngste Vergangenheit fällt, besteht ein riesiges Sammelsurium an Beschreibungen und Deutungen der Ereignisse. Auch Berichte und Analysen von Zeitzeugen und Mitträgern des Protestes stehen reichlich zur Verfügung, ebenso wie Veröffentlichungen auf Internetseiten. Grundlagen dieser Arbeit stellen so neben literarischen auch Archiv- und Internetquellen dar. Die Erläuterungen zu den Hintergründen der Studentenbewegung in Deutschland beruhen hauptsächlich auf den Ausführungen von Gerhard Bauß 1 und Berichten von Uwe Bergmann 2 über die Verhältnisse in Berlin. Einführend in die Thematik soll zunächst der internationale Kontext der Studentenbewegung grob umrissen werden. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll allerdings auf Ausführungen über die Verhältnisse in der BRD und abschließend der lokalen Seite der Studentenbewegung in Baden-Württemberg liegen.
Im internationalen Rahmen werden vor allem die Parallelen der Bewegung weltweit (Kapitel 2), aber auch die nationalen Charakteristika in den USA und Frankreich, dargestellt. Um die Besonderheiten der Studentenbewegung in Deutschland vom internationalen Geschehen abzugrenzen, ist es notwendig auch die (politische) Vorgeschichte und die Ausgangssituation zu betrachten (Kapitel 3.1), denn darin finden sich bereits die Ansätze zur
1 Gerhard Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre in der Bundesrepublik und Westberlin. Köln 1977.
2 Uwe Bergmann u.a. (Hrsg.):1968: Rebellion der Studenten oder die neue Opposition. Hamburg 1968.
3
Formierung der Bewegung. Konkrete Ursachen und Auslöser, von den Notstandsgesetzen über die Ereignisse des 2. Juni 1967 bis hin zur Kampagne gegen Springer, sollen dann im Folgenden beschrieben werden. Allerdings ist dem gleich voranzustellen, dass, obwohl ein wichtiges Thema, auf die Hochschulpolitik nicht näher eingegangen werden soll. Abschließend sollen noch die Verhältnisse der Studentenbewegung in Baden-Württemberg (Kapitel 4) betrachtet werden, wobei das Hauptaugenmerk auf Heidelberg, einem der bundesweiten Zentren der Studentenbewegung, liegt; vergleichend dazu soll noch kurz die Situation in Stuttgart geschildert werden.
4
2. Die Studentenbewegung als internationales Phänomen
Laut Definition stellt die Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre "eine mehrjährige Protestbewegung an den Universitäten, die eine umfassende Hochschulreform, sowie die grundlegende Veränderung der Gesellschaft anstrebte" 3 dar. Sie zeichnet sich besonders durch ihre internationalen Parallelen aus. Diese Internationalität spiegelt sich vor allem in der Gleichzeitigkeit und im Verlauf der Ereignisse bis zu ihrem Höhepunkt 1968, sowie in vergleichbaren Zielen und Methoden wieder. So lassen sich verschiedenste internationale Gemeinsamkeiten in der Grundstruktur der Bewegung feststellen, wobei man allerdings auch nationale Eigenheiten nicht außer Acht lassen sollte.
Eine solche Gemeinsamkeit stellt beispielsweise die Sozialstruktur der Akteure dar. Wie schon aus dem Begriff hervorgeht wurde die Bewegung größtenteils von Studenten getragen. Aber auch Teile der Schülerschaft wurden von der Bewegung erfasst; eine Verschmelzung mit der Arbeiterbewegung wurde allerdings nur in Frankreich in großem Stil erreicht (siehe Kapitel 2.2), sodass die Bewegung insgesamt eher intellektuell geprägt war. Einen weiteren gemeinsamen Nenner stellt eine antiautoritäre und antiimperialistische Werteorientierung der Jugend dar.
Eine antiautoritäre Einstellung f indet sich in der 68er-Generation in nahezu allen Lebensbereichen wieder. Mit Idolen wie Che Guevara und Ho-Chi-Ming rebellierte die Jungend gegen das Establishment ("Jeder, der in Politik, Wirtschaft, Kirchen, Verbänden, Massenmedien und all den anderen I nstitutionen unseres pluralistischen Systems Verantwortung trägt" 4 ), also gegen die gefestigten Normen und Konventionen der Gesellschaft. Die konservativ-autoritäre "Heile-Welt-Mentalität" der 50er Jahre wurde stark in Frage gestellt und der Wunsch nach me hr Demokratisierung und Liberalisierung wurde stärker. Es entwickelte sich im Zuge dessen eine einzigartige Jugendkultur, mit Extremformen wie den so genannten Hippies, die durch ihr teils verwahrlostes Auftreten und dem Streben nach totaler Freiheit noch heute im kollektiven Gedächtnis geblieben sind. Die antiimperialistische Haltung drückt sich besonders in einem sich Verantwortlichfühlen für die Probleme der ganzen Welt und vor allem in Form von Solidarisierung und Identifikation mit der Dritten Welt aus 5 . Besonders der Vietnamkrieg der USA löste auf der ganzen Welt
3 Axel Kuhn: Vorlesung "Deutsche Geschichte von 1945 - 1990". Stuttgart 2004. Paper vom 16.12.04.
4 Hans-Joachim Winkler (Hrsg.): Das Establishment antwortet der APO. Eine Dokumentation. Opladen 1968.
S. 7.
5 Vgl.: Gerd Langguth: Die Protestbewegungen in der Bundesrepublik Deutschland 1968 - 1976. Köln 1976.
S. 24.
5
eine enorme Protestwelle aus, so dass man bezogen auf den Vietnamkrieg sogar von Antiamerikanismus sprechen kann.
Auch die angewandten Protestmethoden glichen sich: es wurden unzählige Sit-ins (Besetzung eines Raumes/Gebäudes), Go- ins (Stürmung einer Veranstaltung/eines Gebäudes) und Teachins (Umwandlung einer Lehrveranstaltung in eine politische Debatte) veranstaltet. Es kam zu Kundgebungen und Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen, welc he teils enorme Ausmaße annahmen, sowie zu vereinzelten subversiven Aktionen (z.B. Tomaten auf Politiker werfen -Sinn der Aktion ist ihr Scheitern, angewandt um die Lächerlichkeit zu demonstrieren).
Ausgehend von den USA (ab 1964) griff die Studentenbewegung schnell auf Europa und andere Teile der Welt über und erreichte ihren Höhepunkt 1968. Größtes Ausmaß erlangte die Bewegung vor allem in den USA, Frankreich und der Bundesrepublik 6 , deren Besonderheiten und Charakteristika in den folgenden Kapiteln skizziert werden sollen. An dieser Stelle soll allerdings auch ein kurzer Blick auf andere Nationen und die dortigen Umstände der Studentenbewegung geworfen werden.
So stand beispielsweise die Studentenbewegung in Spanien im Zusammenhang mit dem Ende der Franco-Diktatur und dem Versuch eines institutionellen Umsturzes des Landes. In Italien erweiterten sich die Studentenunruhen bis hin zum so genannten Arbeiterfrühling 1969, einem der größten sozialen Konflikte im Italien der Nachkriegszeit. Auch im Osten Europas, wo der Sozialismus realisiert worden war, entwickelte sich eine starke Studentenbewegung. Unter dem Motto "Sozialismus bedeutet nicht Knüppel" versuchte man besonders in Polen und der Tschechoslowakei den realen Sozialismus zu verbessern und ihn demokratischer zu gestalten. Selbst in Lateinamerika und Japan kam es Ende der sechziger Jahre zu Studentenunruhen, jedoch stehen diese nicht in so engem Zusammenhang mit den Ereignissen in den USA und Europa. 7
2.1 USA
Die enormen Ausmaße, welche die Bewegung in den USA annahm, sind besonders auf die einhergehende Vereinigung mit anderen vorherrschenden Strömungen zurückzuführen, die im amerikanischen "movement" zusammenflossen 8 . Diese schlossen unter anderem auch die
6 Vgl.: http://geogate.geographie.unimarburg.de/parser/pars er.php?file=/deuframat/deutsch/4/4_3/gilcher/
start.htm.
7 Vgl.: http://www.media68.net/germania/storie.htm.
8 Vgl.: Ebd.
6
Bürgerrechtsbewegung und die Bewegung gegen den Vietnamkrieg mit ein, mit denen sich die Studentenbewegung solidarisierte.
Aber zunächst zu den Studenten an sich. Die Hauptzentren der Studentenbewegung in den USA waren die Columbia University in New York und Berkeley in Kalifornien, wo sich bereits seit 1964 studentische Gruppen zusammenschlossen um gegen die Einschränkung der politischen Betätigungsmöglichkeiten an den Universitäten vorzugehen. Im Jahr 1964 gründete sich so auch die Free Speech Movement, eine radikale Studentenorganisation, die als Dachorganisation der zahlreichen schon vorhandenen Hochschulgruppen in Berkeley fungierte.
Die studentischen Maßnahmen, die zum Protest angewandt wurden, hatten auch großen Einfluss auf die Studentenbewegungen in anderen Ländern, gerade in Deutschland ga lten die amerikanischen Studenten als großes Vorbild. Vor allem Aktionen wie Sit- ins oder Go- ins wurden zuerst in den USA angewandt und exportiert. .
In den USA kamen zum Höhepunkt der Studentenbewegung 1968, wie zu Beginn erwähnt, unterschiedliche Faktoren und Motivationen zusammen. Da war zunächst die Bewegung gegen den Vietnamkrieg, der sich auch die Studenten anschlossen. Je mehr sich die Ereignisse in Vietnam dramatisierten, desto weniger Rückhalt fand sich in der Bevölkerung, besonders da der Krieg auch erstmals in aller Härte und Brutalität in den Medien, vor allem im Fernsehen, präsent war. Der Höhepunkt der Antikriegsstimmung wurde schließlich durch die Tet-Offensive, einem überraschendem Schlag gegen die US-Armee, 1968 erreicht. In der Bevölkerung demonstrierten die verlustreichen und intensiven Kämpfe, vor allem aber die Stürmung der US-Botschaft, einen ohnehin verlorenen und sinnlos gewordenen Krieg. Schockiert von den Bildern aus Vietnam schlossen sich infolgedessen immer mehr Menschen in den US A und weltweit der Antikriegsbewegung an.
Ebenso die Bürgerrechtsbewegung, die sich für die Rechte der Schwarzen einsetzte, wurde von den Studenten unterstützt. Auch sie erreichte 1968, mit der Ermordung ihres Anführers Martin Luther Kings, ihren Höhepunk t. (Aus dieser Bewegung entstand 1968 die Black Panther Party, die sich aber im Gegensatz zum Black Power der Bürgerrechtsbewegung nicht mit dem kulturellen Nationalismus identifizierte, sondern marxistische Grundsätze vertrat 9 . Mit der Black Panther Party solidarisierten sich auch die deutschen Studenten.) In ganz Amerika kam es 1968 zu riesigen Demonstrationen, Protestmärschen und auch zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und zwischen einzelnen Gruppen, bei denen
9 Vgl.: Ebd.
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Arbeit zitieren:
Carina Groß, 2005, Die Studentenbewegung von 1968 -international-national-lokal, München, GRIN Verlag GmbH
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