Gliederung:
1. Einleitung
2. Modelle und Entwicklungsschemata
2.1 Das „Idealschema der islamisch-orientalischen Stadt“
2.2 Das „Modell einer orientalischen Stadt unter westlich-modernem Einfluß“
2.3 Das „Modell der Stadt des islamischen Orients“
2.4 Das „Schema der Stadtentwicklung in Marokko“
3. Ethnische Differenzierung
3.1 „Privatsphäre und Öffentlichkeit“ - Erwünschte Formen der Segregation
3.2 Konkrete ethnische Differenzierung - die Quartiersbildung
3.2.1 Beispielquartiere ethnischer Minderheiten - Judenviertel (Mellahs) und
Christenviertel
3.2.2 Die „villes nouvelles“ - Europäische Stadtviertel in Abgrenzung zur
Medina
4. Sozioökonomische Differenzierung
4.1 Die Medina - Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung und
Problematik
4.1.1 Traditionelle Einwohnerschaft
4.1.2 Die heutigen Bewohner der Medina
4.2 „Bidonvilles“, die spontan Siedlungen - Elendsviertel und Slums?
4.3 „Cités“ - der Massenwohnungsbau
5. Ausblick - Trends und Entwicklungen in der orientalischen Stadt
6. Fazit
7. Literatur
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1. Einleitung
Schwerpunkt dieser Arbeit soll es sein, die charakteristischen Merkmale der orientalischen Stadt (insbesondere im Maghreb) in generalisierender und beispielhafter Form darzustellen. Zunächst wird dabei auf die verschiedenen Modelle für die orientalische Stadt eingegangen, in denen die sozialräumliche Differenzierung und die Wanderungsbewegungen dargestellt werden.
In der Folge wird dann die ethnische und die sozioökonomische Differenzierung in bezug auf einzelne Gebiete und Quartiere der orientalischen Stadt dargestellt werden. Dabei sollen sowohl die ethnische Quartiersbildung (Judenviertel, Christenviertel, die europäische „ville nouvelle“) als auch die sozioökonomische Entwicklung der Medina und der außerhalb liegenden neuen Viertel, insbesondere der „Bidonvilles“ näher betrachtet werden. Abschließend wird in einem Ausblick die Zukunft der orientalischen Stadt angesprochen werden. Dabei soll insbesondere die Tendenz zur Überbevölkerung der orientalischen Städte und die damit verbundenen Probleme der Beschaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen sowie die Zukunft der Stadtentwicklung besondere Beachtung erfahren.
2. Modelle und Entwicklungsschemata der orientalischen Stadt
Zunächst bietet es sich an, für die orientalische Stadt (im Besonderen in den Ländern des Maghreb) charakteristische Gliederungsformen und Differenzierungen aufzuzeigen. Für die Stadt des islamischen Orients sind im deutschsprachigen Raum vor allem drei Modelle und ein Entwicklungsschema besonders erwähnenswert.
2.1 Das „Idealschema der islamisch-orientalischen Stadt“
Ganz wesentlich für eine erste Darstellung ist dabei das „Idealschema der islamisch-orientalischen Stadt“ von DETTMANN (1969). Neben den charakteristischen Bauelementen der zentralen Moschee und des Haupt-Bazars („suq“) ist dabei für dieses Referat vor allem die Existenz zahlreicher Wohnquartiere, die durch eine starke ethnische oder ökonomische Differenzierung und Segregation gekennzeichnet sind, entscheidend. Man kann innerhalb der orientalischen Stadt von einer starken Viertelsbildung ausgehen. Dies wird ermöglicht
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beziehungsweise begünstigt durch den Sackgassengrundriß der Medina der orientalischen Städte, da durch die Abgeschlossenheit der einzelnen Stadtteile eine Segregation unterstützt sowie verstärkt wird und auch gewünscht ist (dazu im weiteren Verlauf dieser Arbeit mehr).
2.2 Das „Modell einer orientalischen Stadt unter westlich-modernem Einfluß“
Als zweites Stadtmodell soll das von SEGER ab dem Jahre 1975 entwickelte „Modell einer orientalischen Stadt unter westlich-modernem Einfluß“ erwähnt werden. Im Unterschied zum „Idealschema der islamisch-orientalischen Stadt“ von DETTMANN (1969) besitzt die Stadt hier bereits zwei Zentren. Neben dem alten Stadtkern der Medina kommt ein zweiter Mittelpunkt, nämlich der unter „westlich-modernem“ Einfluß entstandene CBD hinzu.
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Neben dem Fakt der Zweipoligkeit ist besonders die soziale Differenzierung innerhalb dieses Modells erwähnenswert. Als wesentliches Element dieses Stadtmodells lässt sich zunächst festhalten, daß die Stadt in einen europäischen und einen arabischen Teil aufgeteilt ist. „Die Europäisierung, die neue Lebens- und Arbeitswelt ist mit dem System der alten islamischen Stadt keine Synthese eingegangen, wir können bestenfalls von einer Symbiose sprechen.“ 1 Es kommt also zu keiner Vermischung der Lebensweisen von europäischen Einwanderern und der ursprünglichen Bevölkerung, sondern zunächst zu einem „Nebeneinander“ in den Bereichen Leben, Bauen, Wohnen und Arbeiten.
SEGER geht zudem für die in den Randgebieten der orientalischen Städte liegenden Wohngebiete nicht mehr nur von einer ethnischen Aufgliederung der Wohngebiete, sondern ebenfalls von einer auf ökonomischen Gesichtspunkten basierenden räumlichen Differenzierung aus.
Die Unterschicht und untere Mittelschicht sind in diesem Modell vorwiegend in der Medina sowie den angrenzenden, jüngeren Vierteln angesiedelt. Außerdem wohnen viele Einwohner der Unterschicht in an diese Quartiere angrenzenden Slumbereichen. Mittel- und Oberschicht dagegen sind in diesem Modell in den naturräumlich günstigeren Standorten (Hanglagen usw.) zu finden. Die besten Standorte werden dabei durch Villenviertel besetzt, angrenzend finden sich direkt die Quartiere der Mittelschicht.
1 aus SEGER (1975), S. 36
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Zwischen den Vororten der höheren Schichten und dem CBD sind in diesem Modell Mietshäuser angesiedelt, die über mehrere Geschosse verfügen und somit wie die Villenviertel der neuen Stadtentstehung zuzurechnen sind.
2.3 Das „Modell der Stadt des islamischen Orients“
Als dritte verallgemeinernde Darstellung der räumlichen Differenzierung soll das „Modell der Stadt des islamischen Orients“, das von EHLERS im Jahre 1993 veröffentlicht wurde, dargestellt werden.
EHLERS hat dabei die Differenzierung der orientalischen Stadt sowohl hinsichtlich sozioökonomischer, baulicher als auch funktionaler Merkmale skizziert. Zu bemerken ist hierbei, daß seine Annahmen auf dem Modell von SEGER basieren und große Ähnlichkeit mit dessen Merkmalen aufweisen. Das wesentlich Neue an dem dritten Modell ist hierbei das Auftreten von Strömen, die die Beziehungen der einzelnen räumlichen Gebiete und damit auch der Schichten in privater als auch geschäftlicher Hinsicht darstellen. Bezüglich der Differenzierung der Wohnquartiere ist zu sagen, daß auch in diesem Modell von einer starken Segregation ausgegangen wird. Unterschicht-Viertel sind räumlich weit entfernt von den Oberschicht-Villenvierteln, grenzen jedoch an Slums, weitere Unterschicht-Viertel oder Mittelschichtwohngebiete an. Die Slums selbst lassen sich vor allem in räumlicher Nähe zu Industriegebieten finden. Hier ist die Nähe zum Arbeitsplatz entscheidender Faktor für die Errichtung von provisorischen Bauten (weitere Ausführungen dazu weiter unten).Die Villenvororte der Oberschicht finden sich dagegen auch hier in landschaftlicher attraktiver, vom Stadtzentrum nicht weit entfernter, aber abgegrenzter Lage. In ihrer Nähe befinden sich vor allem moderne Einkaufszentren und sogar ganze Einkaufsgebiete. Auch in diesem Modell befinden sich die Mittelschichtviertel im Umfeld von CBD und Oberschichtvierteln.
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Abb. 3 / Quelle:
Heineberg (2001)
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2.4 Das „Schema der Stadtentwicklung in Marokko“
Erwähnt werden muß auch das „Schema der Stadtentwicklung in Marokko“ (EHLERS 1984). In dieser Darstellung skizziert EHLERS die vier verschiedenen Phasen der baulichen Veränderung sowie des Wanderungsverhaltens innerhalb der marokkanischen Stadtgebiete. Phase I dieses Schemas stellt den ursprünglichen Typ der marokkanischen Stadt vor der Protektoratszeit dar. Außerhalb der Medina finden sich nur einige Douars (= „Dörfer“, ländliche Siedlungen). In der zweiten Phase (zeitlich definiert als die Protektoratszeit bis zum Ende des zweiten Weltkrieges) zeigt sich in der Darstellung dann eine Zuwanderung durch Europäer (v.a. Franzosen), die mit dem Zweck der deutlichen Abgrenzung zur Medina eine sogenannte „ville nouvelle“ erbauten. Die in Phase I bereits bestehenden Elemente (Medina und Douars) bleiben zunächst unverändert.
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Arbeit zitieren:
Timo Cyriax, 2003, Die orientalische Stadt - Soziale Differenzierung und Problematik, München, GRIN Verlag GmbH
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