Gliederung:
1 Vorwort
2. Distributionspolitik
3.1 Barsortimente
3.2 Anfänge
3.3 heutige Situation
3.4 KNV- Unternehmensgruppe
4.1 Eigen- kontra Fremdauslieferung
4.2 Vor- und Nachteile
5.1 Bezugsquelle Barsortimente
5.2 Vorteile für den Verlag
5.3 Vorteile für den Sortimenter
5.4 Kritikpunkt Barsortiment
6. Funktionsverschiebung
7. Fazit
8. Literaturliste
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1. Vorwort
In dieser Hausarbeit geht es um Unternehmen, die dem Zwischenbuchhandel zugerechnet werden, den Barsortimenten. Als Vermittler zwischen Verlag und Sortiment nehmen sie im deutschen Buchhandel eine wichtige Position ein. Anfänglich befasst sich diese Arbeit mit der Entstehung solcher Großbuchhändler sowie der heutigen Situation, in der sich die Branche der Barsortimente befindet. Es wird näher darauf eingegangen, welche Vorteile und Nachteile sich ergeben, wenn die Distribution über diese Form des Zwischenbuchhandels getätigt wird. Es soll gezeigt werden, welchen Stellenwert die Barsortimente im heutigen System des deutschen Buchhandels einnimmt.
2. Distributionspolitik
Mit dem Begriff Distribution sind alle Entscheidungen gemeint, die sich mit dem Weg eines Buches vom Verlag zu den Lesern befasst. Es müssen Entscheidungen getroffen werden über die Wahl des optimalen Vertriebsweges zu den gewünschten Verkaufspunkten (Point of Sales). Distribution betrifft also die Wahl der Auslieferungsform, der Absatzkanäle, der Absatzmittler, der Versandwege und der Absatzhelfer. Und eine Möglichkeit der Distribution ist eben das Barsortiment.
3.1 Barsortimente
Die Barsortimente werden dem Zwischenbuchhandel zugeordnet, und besitzen daher eine vermittelnde Funktion zwischen Verlag und Sortiment. Sie übernehmen die Beschaffung und Logistik für Buchhandlungen, damit diese problemlos die Kundenwünsche erfüllen können. Friedrich Schulze definiert 1925 das Barsortiment wie folgt: “Das Barsortiment ist ein großhändlerischer Betrieb mit Büchern und gehört, wirtschaftlich gesehen, zu dem Zwischenbuchhandel. Es kauft und verkauft auf eigene Rechnung und bietet dem Sortiment
den Vorteil, die Bücher verschiedener Verlage aus einer Hand zu beziehen.“ 1 Es muss unterschieden werden zwischen allgemeinen Barsortimenten und Spezialbarsortimenten. Allgemeine Barsortimente führen ein breites Angebot an Buchtiteln mit bis zu 400000 Titeln. Spezialbarsortimente haben ihre Auswahl auf ausgewählte Gebiete und Fachliteratur beschränkt, solche Gebiete sind etwa Landkarten, Theologie, Schulbücher oder Fremdsprachen. Die Angebotskataloge der Spezialbarsortimente sind oft ein wichtiges bibliografisches Hilfsmittel, da sie einen nahezu kompletten Überblick über die vorhandene Fachliteratur geben.
1 Schulze, F. (Hrsg.): Der Buchhandel und die geistigen Strömungen der letzten hundert Jahre. Leipzig, 1925
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Da Barsortimente bis zu 40 % aller deutschsprachigen Buchproduktionen führen, und somit bis zu 95 % des Bedarfs einer mittleren Sortimentsbuchhandlung abdecken, werden sie auch als Hintergrundlager bzw. als Fachgroßhandel des Buchhandels bezeichnet. 2 Die Funktion kann man als ein Lager von gängigen Buchtiteln für die sofortige Lieferung an das Sortiment bezeichnen, und zwar nicht nur Titel eines oder weniger Verlage, sondern „sortiert“ durch alle bzw. mehrere Verlage.
Als Entgelt für seine Mittlerfunktion erhält das Barsortiment den so genannten Funktionsrabatt. Verlage benötigen etwa 55 % des Ladenpreises von Büchern zur Deckung ihrer eigenen Unkosten und Erwirtschaftung eines Gewinns. Mit einem Rabatt von ca. 45 % werden die Großhändler, also die Barsortimente beliefert. Diese gibt die vom Sortimenter bestellten Bücher mit einem Rabatt von ca. 30 % (? Grundrabatt) weiter. Dem Barsortiment verbleiben somit rund 15 % vom Ladenpreis (? Funktionsrabatt).
Sie helfen dem Buchhandel ihren Versorgungsauftrag zu erfüllen und entlasten die Verlage bzw. deren Auslieferung, besonders in Spitzenzeiten wie Schulanfang, Semesterbeginn oder dem Weihnachtsgeschäft.
3.2 Anfänge
Der Anstoß zur Gründung der Barsortimente gab die Tatsache, dass im 19. Jahrhundert die Verlage in der Regel nur broschierte, also ungebundene, Ausgaben ihrer Bücher an das Sortiment lieferten. Die Sortimenter bzw. die Buchkäufern mussten selber für den Bucheinband sorgen. So lag die Idee nahe, von Verlagen kleinere Teilauflagen in Rohbögen zu beziehen, sie in maschinell betriebenen Buchbindereien preiswert einbinden zu lassen und an das Sortiment weiterzuverkaufen. Im Jahre 1847 begann F. Volckmar auf eigene Rechnung mit solchen gebundenen Büchern zu handeln. Es war zu der Zeit allerdings nur ein kleiner Teilbereich seines Kommissionsgeschäftes.
Das erste selbstständige Barsortiment eröffnete Luis Zander 1852 in Leipzig. Zander bezog von den Verlegern beliebte, gängige Bücher, dabei unter Ausnutzung der Partieexemplare den größtmöglichen Rabatt zu erzielen und so ein eigenes Sortiment dieser oft verlangten Titel zusammenzustellen. Die Idee dahinter war folgende: Durch den Einkauf großer Mengen wurde das einzelne Exemplar im Schnitt billiger als es durch irgendwelche gewährten Rabatte möglich war. Dies galt auch für die Materialien, die zum Einbinden der Bücher nötig war. Hinzu kam, dass sein Unternehmen direkt mit einer Großbuchbinderei verbunden war, welche die von ihm erworbenen Rohbögen in seinem Auftrag einband. So konnte Zander die
2 Bez, T. ( Hrsg.): ABC des Zwischenbuchhandels. 2002, S. 6
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Gewinne am Einband sowie der Rabatte allein auf seinem Konto verbuchen. Zander hatte mit seiner Idee eine Marktlücke im deutschen Buchhandel entdeckt.
„Indem er die neuen Möglichkeiten der maschinellen Buchbinderei ausnutzte, gelang es ihm, einen für den Verlag wie Sortiment hilfreichen Zwischenbuchhandel mit gebundenen Büchern aufzubauen.“ 3
Der Begriff „Barsortiment“ lässt sich darauf zurückführen, dass die Bücher an den Sortimenter oder Buchkäufer zu den Barpreisen des Verlegers abgegeben wurden, zu dem der Verlag seine Titel normalerweise im Einzelbezug an die Buchhändler verkauft, wenn diese „bar“ bezahlten.
3.3 heutige Situation
In den früheren Epochen wurde der Zwischenbuc hhandel zentral von Leipzig aus organisiert und abgewickelt. In der „Buchstadt Leipzig“ hatten die Kommissionäre, die Sortimenterkommissionäre sowie die Barsortimente eine Bündelung von Informationswegen und Zahlungsströmen im buchhändlerischen Verkehr geschaffen. Heute wird der Zwischenbuchhandel dezentral organisiert. Durch Konzentrationsprozesse bestimmen heute wenige große Unternehmen das Bild der Barsortimente. Die bekanntesten sind:
• Umbreit (Bietigheim- Bissingen)
• Könemann (Hagen)
• Wehling ( Bielefeld)
• Lingenbrink (Hamburg)
• Koch/Neff/Oetinger (Stuttgart)
• Koehler & Volckmar (Köln)
Die Bündelung von Informationswegen und Zahlungsströmen ist auch heute noch die Hauptfunktion des Zwischenbuchhandels, und somit auch der Barsortimente. Durch ihre langjährige Erfahrung und die Entwicklung einer Bestell- und Kommunikationsinfrastruktur sind Barsortimente zum großen Teil verantwortlich für die Rationalisierung des Informations- und Warenflusses zwischen Verlag und Sortiment. Nimmt man die Zahl d er herstellenden Buchhandelsbetriebe (1827) und die Zahl der verbreitenden Buchhandelsbetriebe (4440), die 2004 als Mitglieder im Börsenverein
3 Dohle, V.: Das Barsortiment zwischen 1852-1945. 1991
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registriert waren, so ergeben sich zwischen diesen Beiden theoretisch 8.111.880 Beziehungen, wenn man davon ausge ht, dass es nur Direktbestellungen und Direktlieferungen gäbe. 4 Die enorme Wichtigkeit des Zwischenbuchhandels wird deutlich, schaltet man 25 Zwischenbuchhändler ein. Die Zahl der Beziehungen reduziert sich auf 324475, was nur noch ca. 4 % der ehemaligen B eziehungen ausmacht. Der theoretische Rationalisierungseffekt würde demnach 96 % betragen.
3.4 Beispiel KNV- Unternehmensgruppe
Das Unternehmen KNV ist eine Fusion der Unternehmen Koch, Neff & Oetinger (KNO) und Koehler & Volckmar (KV)aus dem Jahre 2004. Die Kernkompetenz des Unternehmens liegt in der Distribution von Büchern, Geschenkartikeln, Landkarten, Spielen, Puzzles sowie neuer Medien wie Hörbücher, E-Books und CDs. Mit ihren 1400 Mitarbeitern in Köln und Stuttgart beliefert KNV täglich 6500
Buc hhandlungen in 2500 Orten., zudem werden 1500 Buchhandelsfirmen in 80 weiteren Ländern, wie Österreich oder Schweiz, täglich mit deutschsprachigen Titeln beliefert. Das Unternehmen ist nicht nur auf den deutschsprachigen Raum beschränkt, da wöchentliche Lieferungen in die USA und sogar bis nach Japan erfolgen. An diesen Zahlen wird deutlich, welche enormen logistischen und informationsbündelnden Leistungen von den Barsortimenten bewältigt werden.
Nach eigenen Angaben hat dieser Buchgroßhändler über 420.000 lieferbare Titel auf Lager. Jeder Artikel ist in der hauseigenen Titeldatenbank gelistet, die den Buchhändlern gleichzeitig als Recherche-Instrument dient. Auch Endkunden können auf der Internet-Plattform www.buchkatalog.de in dieser Datenbank online Bücher suchen und bei einer der Partnerbuchhandlungen bestellen. Die Auslieferung der Ware an die Buchhandlungen erfolgt von den Standorten Stuttgart und Köln aus über Nacht mit einem firmeneigenen Fahrdienst. Neben der Distribution bietet das Unternehmen noch andere Dienstleistungen an: Fortbildungsangebote, Beratung, Projektleitungen und Hilfe beim Aufbau einer individuellen Internetpräsenz für Buchhandlungen gehören ebenso dazu wie die Entwicklung einer Branchensoftware. Hierzu zählen Datenbanken, Recherche- und Bestellsysteme sowie Warenwirtschafts- und Kassensysteme.
Während KNV die Versorgung der Buchhändler mit den lieferbaren Titeln sicherstellt, übernimmt das Schwesterunternehmen KNO Verlagsauslieferung die komplette Lagerhaltung für Verlage. Etwa 180 Verlage haben die Lagerung und Distribution ihres gesamten
4 Buch und Buchhandel in Zahlen. 2004
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Markus Korn, 2005, Distributionsweg Barsortiment, Munich, GRIN Publishing GmbH
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