Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Begriffsbestimmung: Staat und Religion 6
2.1 Staat 6
2.2 Religion 7
3. Genese politischer Religionen - Echnaton 8
4. Die Verbindung vom Menschlichen mit dem Göttlichen - Sakrale Symbole 9
5. Die neue politisch-sakrale Ordnung - Thomas Hobbes 11
6. Fazit und Perspektiven 13
Literatur und Fußno ten. 15
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1. Einleitung
Eric Voegelin wird 1901 als Erich Hermann Wilhelm Voegelin in Köln geboren. Im Jahre 1910 zieht er mit seinen Eltern nach Wien, wo er 1919 an der staatswissenschaftlichen Fakultät mit seinem Studium beginnt und 1922 zum Dr. rer. pol. bei Hans Kelsen und Othmar Spann promoviert. Bis 1938 veröffentlicht er mehrere wissenschaftliche Schriften, darunter Rasse und Staat, Die Rassenideen in der Geistesgeschichte und Der autoritäre Staat. Von 1936 bis zu seiner Flucht vor der Gestapo in die Schweiz und anschließenden Emigration in die USA im Jahre 1938 ist er als Professor für Staatslehre und Soziologie an der Universität Wien tätig. Nach Stationen an der Harvard University, dem Beningten College in Vermont sowie an der University of Alabama übernimmt er schließlich ab 1942 an der Louisiana State University eine Professur für Government. 1958 kehrt Voegelin nach Europa zurück und wird Professor für Politikwissenschaft an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität. Nach seiner Emeritierung im Jahre 1969 kehrt er in die USA zurück, wo er bis zu seinem Tode im Jahr 1985 an der Stanford University in verschiedenen Positionen tätig ist und an seinem Lebenswerk, dem vierbändigen Order and History, weiterarbeitet.
Voegelin beschreibt den Begriff der politischen Religionen in seiner gleichnamigen, 1938 erstmals in Wien veröffentlichte Studie. Darin interpretiert er die ideologischen Massenbewegungen des Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus als säkularisierte politische Religionen und unternimmt deren Einordnung in einen tieferen historischen Kontext. Er entwickelt eine Typologie politischer Religionen, die seiner Ansicht nach bis zum Sonne nglauben der Ägypter zurückreicht. Voegelins These ist es, „daß dem Aufstieg der ideologischen Massenbewegungen sehr wesentlich religiöse Bedürfnisse breiter Teile der Bevölkerung zugrunde lagen, die von jenen Ideologien befriedigt wurden“ 1 Er sieht die westlich-christliche Zivilisation in einer geistigen Krise stecken, deren Wurzeln von der Aufklärung, über den Humanismus eines Thomas Hobbes, Niccolò Machiavelli oder Thomas Morus bis hin zu den christlichen Sekten des Mittelalters und den gnostischen Bewegungen der Spätantike reichen.
Voegelin geht davon aus, dass der Mensch ein tiefsitzendes religiöses Gefühl besitzt und dass eine Untersuchung der politischen Ordnung stets die religiöse Komponente miteinbeziehen
1 P.J. Opitz (1993): Nachwort, in: E. Voegelin, Die politischen Religionen, München: Fink, S. 71.
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muss. Die Studie Die politischen Religionen (PR) wendet sich dieser Beziehung von Religion und Politik zu und Voegelin stellt fest: „Das Leben der Menschen in politischer Gemeinschaft kann nicht als ein profaner Bezirk abgegrenzt werden, in dem wir es nur mit Fragen der Rechts- und Machtorganisation zu tun haben. Die Gemeinschaft ist auch ein Bereich religiöser Ordnung, und die Erkenntnis eines politischen Zustandes ist in einen entscheidenden Punkt unvollständig, wenn sie nicht die religiösen Kräfte der Gemeinschaft und die Symbole in denen sie Ausdruck finden, mitumfasst, oder sie zwar umfasst, aber nicht als solche erkennt, sondern in a -religiöse Kategorien übersetzt“. 2 Die gedankliche und theoretische Trennung von den Begriffen Staat und Religion, die in Europa ihren Ursprung in dem mittelalterlichen Kampf zwischen Politik und Kirche hat, soll überwunden werden. Für ihn stellen diese Begriffe kein Gegensatzpaar dar, sondern sind als sprachliche Symbole in einem Antagonismus verharrt, der mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt.
Voegelin versteht seine Schrift als eine Kampfansage an den Nationalsozialismus, jedoch sieht er diese Bewegung - im Gegensatz zu seinen progressivistischen Zeitgenossen - nicht als einen ‚Rückfall‘ an, sondern als Kulmination eines Prozesses bei dem das Göttliche im Leben der Menschen immer mehr in den Hintergrund geraten ist, er will zeigen „daß die Säkularisierung des Lebens, welche die Humanitätsidee mit sich führte, eben der Boden ist, auf dem antichristliche religiöse Bewegungen wie der Nationalsozialismus erst aufwachsen konnten.“ 3 Er geht von der Annahme aus, dass es Böses in dieser Welt gäbe und zwar nicht als „einen defizienten Modus des Seins, als ein Negatives, sondern als eine echte, in der Welt wirksamen Substanz und Kraft.“ 4 Jene ‚satanische‘ Kraft könne man nicht allein mit „Sittlichkeit und Humanität“ 5 bekämpfen, sondern man müsse die geistige Krise durch eine „religiöse Erneuerung, sei es im Rahmen der geschichtlichen Kirchen, sei es außerhalb dieses Rahmens“ 6 überwinden. Die Massenbewegungen des 20. Jahrhunderts als politische Religionen, als Ersatzreligionen zu entlarven ist somit wichtiger, als sich in Verurteilungen über die Dummheit und Abscheulichkeit derselben zu ergehen.
2 E. Voegelin (1993): Die politischen Religionen, München: Fink, S. 63.
3 Ebd., S. 7.
4 Ebd., S. 6.
5 Ebd.
6 Ebd.
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Nach dieser kurzen Vorstellung der Biographie des Autors, den Grundannahmen und des Untersuchungsgegenstandes von Die politischen Religionen möchte ich die eigene Vorgehensweise in dieser Hausarbeit skizzieren.
Diese Ausführungen sollen hauptsächlich das Konzept der ‚politischen Religionen‘ wie es von Eric Voegelin in PR dargestellt werden erläutern. Zudem soll Voegelins ‚Katastrophensicht‘ der Säkularisierung untersucht sowie seine Gnosistheorie als eine Fortentwicklung des Konzeptes der politischen Religionen vorgestellt werden. Die Untersuchung des Begriffs der ‚politische Religionen‘ soll Aufschluss über zwei Themenbereiche bringen: Einerseits soll erläutert werden, in welcher Weise die totalitären Gewaltregime des 20. Jahrhunderts als Produkt eines historischen Prozesses in der christlichwestlichen Zivilisation verstanden werden können, der nach Voegelin bis zu den Anfängen des Christentums zurückreicht und, anderseits, inwiefern diese Bewegungen oder die ihnen zugrundeliegenden Weltanschauungen als religiös bezeichnet werden können. Der universelle Charakter politischer Religionen - im Unterschied zu den christlich-westlichen Ursprüngen der genannten totalitären Massenbewegungen - bei Voegelin am Beispiel des Sonnenglauben der alten Ägypter demonstriert, soll hier nur grob skizziert werden.
Neben der Studie zu den politischen Religionen, werden für diese Untersuchung weitere Schriften Voegelins verwendet, nämlich: Der Gottesmord, Das Volk Gottes, sowie Autobiographische Reflexionen, die allesamt unter der Reihe Periagoge beim Fink Verlag erschienen sind.
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Arbeit zitieren:
Malik Malocho, 2004, Politische Religionen und Säkularisierung im Denken Eric Voegelins, München, GRIN Verlag GmbH
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