Technische Universität Berlin Studiengang Landschaftsplanung Institut für Soziologie Fachgebiet Stadt- und Regionalsoziologie
Ansätze für eine urbane Kreislaufschließung
Ergebnis des Hauptstudienprojektes „Entwicklungsstrategien für den städtischen Freiraum“
von Jean-Francois Bricout, Janine Kahra, Robert Sadlowski, Lieselotte Schachner, Thomas Weichert
2005
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG ... 5
II. STADTENTWICKLUNGSTENDENZEN – DIE ROLLE DER FREIRAUMPLANUNG ... 8
III. STADTSCHRUMPFUNGSPROZESSE ... 12
A. URSACHEN, AUSMAß UND FOLGEN VON SCHRUMPFUNGSPROZESSEN ... 12
B. METROPOLREGION BERLIN ... 15
C. ZUKÜNFTIGE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG ... 16
1. GEBURTENHÄUFIGKEIT ... 17
2. LEBENSERWARTUNG ... 17
3. AUSWIRKUNGEN AUF DIE ALTERSTRUKTUR ... 18
4. MIGRATION ... 18
5. BEVÖLKERUNGSPROGNOSEN FÜR GESAMT-BERLIN ... 18
6. DIFFERENZIERTE ENTWICKLUNG IN DEN TEILRÄUMEN DER METROPOLREGION BERLIN ... 19
7. BEVÖLKERUNGSPROGNOSEN FÜR DIE BERLINER BEZIRKE ... 21
IV. GRÜNDE FÜR EIN VERÄNDERTES HANDELN ... 22
A. ÖKOLOGISCHE ASPEKTE ... 22
B. ÖKONOMISCHE ASPEKTE ... 24
C. SOZIALE ASPEKTE ... 25
D. GENOSSENSCHAFTEN – EINE ALTE IDEE NEU ENTDECKT ... 27
1. GESCHICHTE UND FAKTEN ... 27
2. UNTERSCHIED VON GENOSSENSCHAFT UND DER RECHTSFORM KAPITALGESELLSCHAFT ... 28
3. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFTEN ... 28
4. WAS BEDEUTEN ALTSCHULDEN? ... 29
5. EIGENTUMSORIENTIERTE WOHNUNGSGENOSSENSCHAFTEN ... 29
6. VERMIETUNGSGENOSSENSCHAFTEN ... 30
7. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFTEN IN MARZAHN ... 30
8. PROBLEME UND POTENTIALE DER WOHNUNGSGENOSSENSCHAFTEN ... 31
V. ANSÄTZE FÜR EINE URBANE KREISLAUFSCHLIEßUNG ... 32
A. ÜBERGEORDNETES LEITBILD – DAS LANDSCHAFTSPROGRAMM VON BERLIN ... 32
B. LEITBILD ... 34
C. DAS PLANUNGSGEBIET ... 35
D. DAS MODELL-GEBÄUDE ... 41
E. DIE WOHNUNGSBAUSERIE WBS 70 ... 43
F. ENERGIEKONZEPT ... 49
1. PROBLEMSTELLUNG ... 50
2. ERNEUERBARE ENERGIETRÄGER UND ENERGIESYSTEME ... 53
3. DAS ENERGIEKONZEPT ... 59
G. WASSERKONZEPT ... 67
1. PROBLEMSTELLUNG ... 68
2. ANFORDERUNGEN AN DAS WASSERKONZEPT ... 70
3. DIE GRAUWASSERBEHANDLUNG - WASSERREINIGUNG UND NUTZSTOFFRÜCKGEWINNUNG ... 76
4. DIE GELBWASSERBEHANDLUNG ... 85
5. DIE BRAUNWASSERBEHANDLUNG ... 86
H. DIE FREIRAUMGESTALTUNG ... 87
1. PFLANZBEREICH DACH ... 89
2. FASSADE ... 101
3. FREIFLÄCHEN ... 102
VI. FAZIT UND AUSBLICK ... 107
ABKÜRZUNGEN ... 112
LITERATURANGABEN ... 113
INTERNETQUELLEN ... 117
ABBILDUNGSVERZEICHNIS ... 119
TABELLENVERZEICHNIS ... 120
ANHÄNGE ... 121
I. Einleitung
Der vorliegende Bericht ist zusammen mit dem Entwurf das Ergebnis eines einsemestrigen selbstbestimmten Hauptstudienprojektes des Studienganges Landschaftsplanung an der Technischen Universität Berlin im Wintersemester 2004/2005. Betreut wurde das Projekt von Sandra Huning vom Institut für Soziologie am Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin. Des weiteren sei darauf verwiesen, dass das Ergebnis dieses Projektes Anlass für die Internetseite wasserblock.de gegeben hat.
Beweggründe für das Projektthema sind einerseits in den derzeit stattfindenden Nachhaltigkeitsdebatten zu finden. Die Notwendigkeiten und Lösungswege für eine nachhaltige Entwicklung sind oft zu kurz gedacht und stehen oftmals im Widerspruch zu derzeitigen Ansätzen in der Stadtentwicklung und –Politik und in Vorstellungen über heutige Großstädte. Definitionen und Erklärungen für Nachhaltigkeit in gesellschaftlichen oder sozialen Bereichen werden selten im naturwissenschaftlichen/ökologischen Zusammenhang betrachtet. ′Echte′ Nachhaltigkeit findet sich nur in intakten Prozessen der Natur und sollte als Basis und Vorbild für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche betrachtet werden.
Andererseits zeigen die Diskussionen um Stadtschrumpfungsprozesse, dass Großstädte in der heutigen Ausprägung nicht nachhaltig existieren können, denn diese sind geprägt durch offene Systeme der Ver- und Entsorgung und durch Trennung von Produzieren und Konsumieren. Der vorliegende Bericht versucht, Nachhaltigkeit aus naturwissenschaftlicher Sicht zu definieren und diese auf heutige ökologische, ökonomische und soziale Prozesse zu übertragen. Nachhaltigkeitsdefizite in diesen Bereichen sollen aufgedeckt werden und die Konsequenzen für das Leben in (Groß-)Städten gezeigt werden. An einem Beispiel - das Planungsgebiet in Marzahn-Nord - sollen Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung, aufbauend auf einer urbanen Kreislaufführung, vorgestellt werden.
Aristoteles bezeichnete die Stadt als den Ort, an dem der Mensch sein Wesen, die Vielfalt seiner Anlagen und Vermögen am besten entfalten kann. Sozusagen ist die Stadt das natürliche Biotop des Menschen (WENZEL 2002). Heutige (Groß-)Städte sind gekennzeichnet durch eine große Zahl an Menschen, Gebäuden, Autos sowie an weit reichenden Verkehrs-, Versorgungs- und Entsorgungsnetzen. Schon in diesem Definitionsversuch zeigt sich, wie ineffektiv und abhängig Städte der Gegenwart sind, und wie wenig diese mit der ursprünglichen Funktion und Form von (antiken bzw. europäischen) Stadtgründungen gemein haben. Die Menschen gründeten freiwillig Siedlungen und Städte, denn es war effizienter und sicherer, gemeinschaftlich Flächen zu bewirtschaften. Antike Städte waren autonome, unabhängige Stadtstaaten mit zentralem, kollektivem Markt- und Handelsplatz, Verwaltungs- und Verteidigungszentren, sowie Landbesitz. Lage und Größe der Städte wurden bestimmt durch die Ver- und Entsorgbarkeit sowie Transportmöglichkeiten, geregelt durch erneuerbare Energieträger (RIPL 2001).
Der Zugang zu nicht erneuerbaren Energieträgern hob diese Beschränkungen auf. Städte wuchsen und wucherten, und eine massive Landflucht setzte ein. Um Existieren zu können, plünderte die Stadt dem (Um-)Land das Wasser, die Mineralstoffe und Nährstoffe. Der lokale Wasserhaushalt und das Kühlsystem sind heute in den Städten und umliegenden intensiv genutzten landwirtschaftlichen Produktionsflächen stark und nachhaltig beschädigt (ebd.).
Billige und scheinbar grenzenlose Transportmöglichkeiten, basierend auf fossilen Energieträgern und Rohstoffen schaffen einen globalen Markt. Dies führt zur Öffnung sowohl von wirtschaftlichen als auch von Stoffkreisläufen. Das heißt, es kommt zu einer Entkopplung von Produktion und Konsumtion sowie von Wohnen und Arbeiten. Des Weiteren werden wichtige Nutzstoffe aus Abfällen nicht mehr am Ort ihrer Entstehung wieder verwendet, sondern unter Einsatz fossiler Energieträger an anderer Stelle wieder neu produziert.
Durch zunehmende Transporte und Verbrennungsprozesse in den Städten kommt es zu einem massivem Ausstoß von so genannten Feinstäuben. Die derzeit neu entfachte Diskussion um Staubemissionsminderung sieht ihren Lösungsansatz in einer Verkehrseinschränkung und einer Stadtmaut. Doch können durch einen autofreien Tag im Monat bzw. einer Gebührenerhebung Staubemissionen kaum gemindert werden. Vegetationsflächen sowie Regenwasser und hygienisiertes Grauwasser könnten zur Kühlung und Emissionsminderung in der Stadt herangezogen werden. Hierfür weist die Stadt erhebliche Flächenpotentiale auf, z.B. Mittelstreifen, Häuserwände, Stadtbrachen etc.
So wie die Stadt als natürliches Biotop des Menschen bezeichnet werden kann, so könnte analog dazu der Wohnraum, das Haus, als ′biologische Zelle′ – also als kleinste lebens- und vermehrungsfähige Einheit (BROCKHAUS) - betrachtet werden. Denn der eigentliche, unmittelbare Lebensraum des Menschen, der Ort an dem er sich die meiste Zeit aufhält und alle lebenswichtigen Funktionen ausübt, ist wohl der Wohnraum im Haus. Unabhängig von unterschiedlichsten Bedürfnissen und Ansprüchen an Wohnraum und deren Gestaltung und unabhängig von gesellschaftlichen und sozialen Erfordernissen ist das Vorhandensein von Wasser und Wärme für den Menschen lebensnotwendig. Zudem ist beispielsweise das Vorhandensein von Badewanne und Wassertoilette ein Indikator für Lebensqualität und –Standard (ebd.). Der derzeitige, aus ökologischer Sicht kaum effiziente und kaum nachhaltige Umgang mit Wasser und Energie sowie steigende Preise für Trinkwasser, Abwasser und für Wärme und Strom machen deutlich, dass eine entsprechende Versorgung mit diesen lebensnotwendigen Elementen keineswegs dauerhaft gesichert und selbstverständlich ist.
In der Diskussion um Stadtschrumpfungsprozesse sollte also generell die Funktion bzw. das Funktionieren von Städten in der heutigen Form sowie deren Verhältnis zum Umland überdacht werden. Eine Stadt kann nicht nachhaltig existieren, solange sie auf Kosten des Umlandes oder anderer externer Flächen lebt. Der Umgang mit Frei-Räumen in Stadt und Land sowie deren Nutzung und Gestaltung muss in Zukunft noch stärker die Funktionalität der landschafts- und klimaprägenden Faktoren Wasser und Boden und der darin zirkulierenden Nutzstoffe in den Mittelpunkt stellen.
Ziel unserer Arbeit ist es, innerhalb der Stadt unabhängige, selbständige Ver- und Entsorgungsstrukturen zu schaffen, um die notwendige Versorgung mit Wasser und Energie zu gewährleisten und somit für den Menschen einen dauerhaften, sicheren Lebensraum zu schaffen. Hauptaugenmerk liegt in einer Wiederverwendung und Kreislaufführung vorhandener Nutzstoffe innerhalb urbaner Ver- und Entsorgungswege. Dabei soll auf der Fläche ein eigener Brauchwasserkreislauf entstehen, das im Haushalt entstehende Brauchwasser soll mittels verschiedener Reinigungsstadien durch eine geeignete Pflanzenauswahl gesäubert und wieder ins Haus zurückgeführt und genutzt werden. Der Weg und der Kreislauf des Wassers und hinsichtlich der Inhaltsstoffe verschiedenen Funktionen des Wassers sollen in einer entsprechenden Freiraumgestaltung dargestellt werden. Dadurch soll sichtbar und bewusst gemacht werden, das eine kurzgeschlossene Kreislaufführung von Wasser und auch von Energie sinnvoll, notwendig und möglich ist, und dass dieser eher ingenieurstechnische Aspekt durchaus mit ästhetischen Komponente von Wasser und Pflanzen in der Freiflächengestaltung verknüpft werden kann.
Untersuchungs- und Planungsgebiet ist ein Gebäudekomplex in einem Marzahner Wohngebiet des Stadt-Umbau-Ost-Quartiers Marzahn Nord.
Janine Kahra
[...]
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Janine Kahra, Lieselotte Schachner, Thomas Weichert, Robert Sadlowski, Jean-Francois Bricout, 2005, Ansätze für eine urbane Kreislaufführung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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