Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in Luhmanns System der Massenmedien
2.1 Einordnung der Theorie
2.2 Systemausdifferenzierung
2.3 Realitätenkonstruktion
3. Luhmanns Beitrag zur Medienwissenschaft
3.1 Funktion der Massenmedien
3.2 Beeinflussung der Wahrnehmung durch Selektion
3.3 Status der Wahrheit in Luhmanns Theorie
4. Grenzen der Theorie der Massenmedien
4.1 Der Begriff der Massenmedien bei Luhmann
4.2 Praxisbezug
5. Schluss
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Mit dem Text „Die Realität der Massenmedien“ nimmt der Soziologe Niklas Luhmann die Massenmedien auf, in seine systemtheoretische Betrachtung der Gesellschaft. Aus Sicht der Massenmedien war diese Aufnahme wahrscheinlich längst überfällig. Doch welchen Status kann Luhmann mit seinem Ansatz in der Medienwissenschaft erlangen? Welche relevanten Aussagen macht Luhmann über die Massenmedien? Mit diesem Thema wird sich der folgende Text beschäftigen um folgende Frage zu beantworten: Welche Erklärungen kann Luhmanns Theorie der Massenmedien geben und wo liegen ihre Grenzen?
Das zweite Kapitel ordnet Luhmanns Systemtheorie allgemein ein und grenzt sie von anderen Theorien ab. Es folgt ein Überblick über einige Begriffe der luhmannschen Systemtheorie. Anschließend wird in die Funktionsweise des Systems der Massenmedien eingeführt.
Das dritte Kapitel zeigt den Beitrag den Luhmanns Ansatz für die Medienwissenschaft leisten kann. Die Frage nach der Funktion der Massenmedien für die Gesellschaft wird beantwortet. Auf Wahrnehmungsbeeinflussung durch die Medien und Realitätskonstruktion wird eingegangen sowie auf den Manipulationsverdacht mit dem die Medien konfrontiert sind. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Kritik Rainer Leschkes an Luhmanns Systemtheorie. Dieses Kapitel zeigt einige Grenzen auf, an die Luhmanns Theorie, durch ihre Definition der Massenmedien und ihre abstrakte Theoriekonstruktion, stößt. Es stellt sich die Frage wie differenziert eine Theorie sein kann, die die gesamte Gesellschaft beschreiben möchte? Wie konkret und speziell können Luhmanns Aussagen über die Massenmedien sein?
Meine Arbeit ist eine Analyse und Interpretation von Luhmanns Schrift über die Massenmedien bezogen auf medienwissenschaftliche Aspekte. Deshalb wird vor allem Luhmanns Schrift selbst herangezogen. Außerdem wird Reiner Leschkes Luhmann kritischer Text zur Systemtheorie verwendet, um die wichtigsten Mängel aufzuzeigen.
Schwierigkeiten bei der Bearbeitung dieses Themas ergeben sich hauptsächlich durch Luhmanns kompliziertes Begriffskonzept. Zur Begriffsklärung wird Detlef Krauses Luhmann-Lexikon verwendet. Ich werde der Erklärung der Systemtheorie nicht annähernd soviel Aufmerksamkeit geben können wie sie es von ihrer
Komplexität her benötigen würde. Da meine Arbeit dem Bereich der Medientheorie zuzuordnen ist, bitte ich dies bei der Lektüre nachzusehen 1 . Ich werde versuchen trotz des Umfangs von Luhmanns Theorie den Schwerpunkt auf medienwissenschaftliche Aspekte zu legen, um zu belegen, dass Luhmann einige relevante Aspekte aufgreift, jedoch vieles außer Acht lässt, wodurch der Eindruck entsteht Luhmann arbeite abstrakt und praxisfern.
2. Einführung in das System der Massenmedien
Das System der Massenmedien stellt ein System der Gesellschaft dar. Es reiht sich damit an andere Systeme wie beispielsweise das der Politik, das der Wirtschaft und das der Wissenschaft. Luhmann geht davon aus, dass: „[...] die Massenmedien [...] eines der Funktionssysteme der modernen Gesellschaft [darstellen A.F.], das wie alle anderen auch, seine gesteigerte Leistungsfähigkeit der Ausdifferenzierung, der operativen Schließung und der autopoietischen Autonomie des betreffenden Systems verdankt“ (Luhmann, 1996: 22). Die Ausdifferenzierung bezeichnet die Grenzziehung die ein System vollzieht um sich selbst von seiner Umwelt abgrenzen zu können 2 . Die operative Geschlossenheit sorgt dafür, dass die Systemoperation innerhalb der Grenze des Systems vollzogen werden 3 . Die Autonomie des Systems ist eine relative Unabhängigkeit des Systems von seiner Umwelt, trotz der Beziehungen - strukturellen Kopplungen - zu seiner Umwelt operiert das System autonom 4 . Autopoiesis bezeichnet die Fähigkeit des Systems die
systemkonstituierenden Elemente - die Kommunikation selbst zu erzeugen und dadurch in der Lage zu sein sich selbst zu produzieren und zu erhalten 5 . Die gesteigerte Leistungsfähigkeit erhält das System also anders formuliert durch interne Komplexitätssteigerung und gleichzeitige Komplexitätsreduktion durch die Abgrenzung von seiner Umwelt 6 .
1 Für eine differenzierte Betrachtung siehe Horster, Detlef, 1997
2 Krause, 2001: 108
3 Krause, 2001: 28
4 Krause, 2001: 109
5 Krause, 2001: 208
6 Krause, 2001: 10
2.1 Einordnung der Theorie
Luhmanns Theorie ist allumfassend und stellt damit eine Beobachtung der Wegen ihrem Anspruch auf Universalität 7 kann sie Gesamtgesellschaft dar.
insgesamt als Supertheorie aufgefasst werden. Betrachtet man nur die Theorie der Massenmedien, ist sie als systemtheoretischer Ansatz der sich auf das gesamte Mediensystem bezieht, der generellen Medientheorie zuzuordnen 8 . Luhmann befindet sich mit seinen Betrachtungen grundsätzlich auf der Makroebene. Individuen spielen für ihn in der Regel keine über das Psychische System hinausgehende, erwähnenswerte Rolle. Wobei hier sein Kapitel „Individuen“ in „Die Realität der Massenmedien“ eine Ausnahme darstellt 9 . Doch es handelt sich auch hier nicht um Wesen aus Fleisch und Blut, sondern um das Konstrukt eines Menschen, das sich der Medien bedient 10 .
Luhmanns theoretisches Konstrukt kann wie folgt verstanden werden: Das allumfassende soziale System ist die Gesellschaft, innerhalb dem sich durch Kommunikation konstituierenden Gesellschaftssystems, bilden sich die
Funktionssysteme heraus, die ihrerseits Kommunikation als systemkonstituierendes Element haben 11 Jedes System verfolgt eine für das System spezifische Funktion 12 . Für die Systemausdifferenzierung wird ein spezifisches Medium benötigt. Im Fall der sozialen Systeme ist das Medium ein symbolisch generalisiertes
Kommunikationsmedium, welches mit Hilfe der Codierung Kommunikation ermöglicht 13 . Die Codierung erfolgt auf dem positiven und dem negativen Wert des Mediums und wird dementsprechend auch Leitdifferenz genannt. Dese binäre Codierung ermöglicht den Ausschluss dritter Möglichkeiten und dient somit der Komplexitätsreduktion 14 . Jedes System ist operativ geschlossen 15 und kann mit anderen Systemen nur über strukturelle Kopplungen bzw. strukturelle Beziehungen in Kontakt treten 16 . Einflüsse von Außen wirken zunächst lediglich als Irritation und
7 Vgl. Leschke, 2003: 215
8 Vgl. Leschke, 2003: 215
9 Siehe Luhmann „Die Realität der Massenmedien“ Kapitel: 10
10 Vgl. Luhmann, 1996: 135
11 Krause, 2001:34
12 Krause, 2001: 132
13 Krause, 2001: 171
14 Krause, 2001: 114 und 115
15 Krause, 2001: 28
16 Krause, 2001: 58
Arbeit zitieren:
Anna Fiege, 2005, Die Position von Luhmanns Theorie der Massenmedien in der Medienwissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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