1. Einleitung
2. Das Museum als fachwissenschaftliches Arbeitsfeld 2.1. Historischer Rückblick 2.2. Die gegenwärtige Aufgabe des Museums
3. Museumspädagogik 3.1. Allgemeines zur Museumspädagogik 3.1.1. Die Entwicklung der Museumspädagogik 3.1.2. Die Funktion der Museumspädagogik 3.2. Die Vermittlung 3.2.1. Die museumspädagogischen Vermittlungsformen 3.2.2. Anforderungen an einen Kunstvermittler
4. Das Fallbeispiel: Joan Miró - Später Rebell im Kunstforum - Wien 4.1. Biografie Miró 4.1.1. Prägung und Interesse in Kindheit und Jugendjahren 4.1.2. Die Begegnung mit Malerei 4.1.3. In der Großstadt Paris 4.1.4. Eine Welt der Symbole 4.1.5. Wilde Phase 6 Kriegsjahre 4.1.6. Der Traum, das Atelier 4.1.7. Abseits der Malerei 4.1.8. Stiftungen 4.2. Vermittlungsprogramm für Kinder (6 - 11Jahre), für Schulgruppen
5. Eine Nachfrage 5.1. Die These 5.2. Das Museum als Bildungseinrichtung einer Bildungsschicht 5.3. Ausgabe, Rücklauf 5.4. Ergebnisse 5.5. Schlussfolgerungen, Überlegungen
6. Zusammenfassung
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________________________________Kunst als Möglichkeit, Augen zu öffnen_____
Museumspädagogik am Fallbeispiel Miró; eine Themenstellung, die mir persönlich sehr viel bedeutet.
Seit mittlerweile drei Jahren bin ich Kunstvermittlerin für Kinder im Alter von 5-12 Jahren im Kunstforum - Wien.
Ich habe eine Leidenschaft für etwas entwickelt, die durch Zuspruch und Begeisterung genährt wurde. Mit Kolleginnen erstelle ich Führungskonzepte, begleite und führe Kinder durch eine geschaffene (Kunst-)Situation, versuche Interesse und Neugier zu wecken, zu befriedigen. Ich stelle mir die Aufgabe, Bewusstsein und Wahrnehmung für kulturelles Geschehen herauszufordern. Viele Erfahrungen im Laufe meiner Tätigkeit haben mich dazu veranlasst, diese abschließende Arbeit an der Pädagogischen Akademie unter ein Thema zu stellen, das von sehr vielen unterschiedlichen Seiten beleuchtet werden könnte. Mein persönliches Interesse für Kunst und meine Neugierde nach soziologischen Zusammenhängen und Erklärungen haben mich das Gebiet einengen lassen. Ich stelle eine Behauptung und Fragen in den Raum, die durch Erlebtes und Verschriftetes, durch Zahlen und Rückmeldungen beantwortet werden sollen. Ich möchte annehmen und behaupten, dass gute Museumspädagogik ermöglicht, Besucher - Kinder nenne ich hier Besucher (der Zukunft) - aller sozialer Schichten regelmäßig ins Museum zu „holen“. Ich möchte aufzeigen, was Museumspädagogik ist, woher sie kommt, und was meiner Meinung nach JXWH Museumspädagogik ausmacht. Hierfür habe ich bei der Ausstellung „Miró - Später Rebell“ im Frühling 2001 im Kunstforum - Wien Fragebögen an Lehrerinnen, die Führungen gebucht haben, ausgegeben. Meine Absicht war, Gründe zu finden, die das Interesse für Kunst von Klassen auch aus den sogenannten „Arbeiterbezirken“ Wiens festhalten und aufzeigen sollten.
Und gerade in einer musealen Landschaftsveränderung im Wien der Gegenwart scheint es mir wichtig, die Arbeit von Museumspädagogen aufzuzeigen. Das sind
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unter anderem alltägliche Probleme in der Zusammenarbeit mit allen mitverantwortlichen Seiten, die Konfrontationen ergeben.
Als Beispiel werde ich meine Tätigkeit im Laufe dieser Ausstellungsdauer aufzeigen und exemplarisch Beispiele bringen.
Diese Verschriftung meiner Interessen war für mich Gelegenheit, an einem Gebiet zu arbeiten, das einen großen Stellenwert in meinem Leben einnimmt. Das Tun mit Kindern und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Formen von Kunst ließen während der Führungen keine Zeit, Fragen an Beteiligte zu stellen und Schlüsse aus ihren Antworten zu ziehen. Ich hoffe hier deswegen aufgeworfene Fragen beantworten zu können und an einem ausgewählten Beispiel die Sparte Museumspädagogik mit all ihren Möglichkeiten zu beleuchten.
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Die Stellung eines Museums in der heutigen Gesellschaft ist verändert. Eingerichtet als Zeitvertreib und Interessensbefriedigung einer gehobenen Bildungsschicht einer vergangenen Generation sind Museen gegenwärtig auch dazu gezwungen, Kunst zu vermarkten. Aggressive Werbeplakate, laut-schreiende Ausstellungsbetitelungen und zirkus-ähnliche Vermittlungsangebote zieren diese Entwicklung. Das Museum ist ein besonderer Raum, der das Aufeinandertreffen von Kunstprodukten und Konsumenten ermöglicht, der soziohistorische Schlüsse zulässt und Wissen herausfordert. Im Zuge der reformpädagogischen Entwicklungen in Wiener Volksschulklassen ist es heute üblich, Exkursionen in den Alltag zu unternehmen. Doch schon lange nicht mehr ist das Museum eine Institution, die den Erwachsenen vorbehalten ist. Der Wert der kulturellen Bildung ist erkannt, und dem Museum wird eine erzieherische Aufgabe zuteil. Im Laufe der letzten 20 Jahre entwickelte sich der Auffassung von Museumspädagogik von alleiniger Aufsichtstätigkeit in Ausstellungsräumen sogar hin zu gewünschtem Zirkus rund um das Objekt.
Angebote zu sinnlicher Wahrnehmung, die das Museum in doppelter Hinsicht bietet, steigern erwiesenermaßen die Empfänglichkeit und Offenheit der Kinder nicht nur für das Kunstwerk 1 . Ebenso entsteht ein neuer Zugang zu anderen Bräuchen, Kulturen und Lebensweisen, der im Alltag der Pflichtschulkinder nur von großem Nutzen sein kann.
Um in den Räumlichkeiten eines Museums, das als Ort zahlreicher faszinierender und interessanter Exponate, die der Neugierde zugänglich sind, mit Kindern arbeiten zu können, bedarf es der notwendigen Voraussetzungen für pädagogische Arbeit. An dieser Stelle gewinnt die Museumspädagogik als Disziplin an Gewicht, ihr Stellenwert in einem Museum ist heute nicht mehr abzustreiten. Fachlich kompetente Kommunikationsfiguren übernehmen die schwierige Aufgabe, ein Objekt vorzustellen. Doch das war nicht immer so...
1 Jacobs, Doris: Interkulturelle Museumspädagogik (Relevanz für das ausländische Volksschulkind), S. 66
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Das Wort Museum kommt vom griechischen Wort „museion“, das mehrere Bedeutungen in der deutschen Übersetzung hat. Zum einen bezeichnet es den Sitz der Musen, andererseits steht es für Bildung, Bildungsstätte, Schule und Schulgebäude, schließlich auch noch für das Lesebuch.
Die Musen, die Töchter des Zeus, galten als Inspirationsquelle für Gesang und Tanz. Jede Muse bekam ihren spezifischen Kunstzweig zugewiesen, der eine bestimmte Wissenschaftsrichtung repräsentierte. Das voranschreitende wissenschaftliche Denken sollte damit in Verbindung gebracht werden.
So wurden den Musen Stätten gebaut, um ihnen darin nahe sein zu können und um sie in diesen Museen zu verehren.
Platon gründete um ca. 387 v. Chr. in diesem Sinne eine Akademie, die er „museion“ nannte, mit der Bedeutung, im Reich der Musen zu sein. Für Platon war jede philosophische Tätigkeit ein Musendienst, so gab es in der Mitte der Akademie ein Musenheiligtum, dem regelmäßig Weihgeschenke dargebracht wurden. Die platonische Akademie war eine Lebensgemeinschaft von Gelehrten, im Mittelpunkt stand das forschende Gespräch und der Dialog.
366 v. Chr. wurde ein „museion“ in Athen von Aritstoteles errichtet, in dem Forschungen auf den verschiedensten Gebieten betrieben wurden. In diesen Stätten für Gelehrte und Schüler wurden Gegenstände gesammelt, erforscht und als Anschauungsmaterialien verwendet.
Das Zentrum all dieser Bildungsstätten war Alexandria, 332/31 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet und nach dessen Tod 323 v. Chr. und dem Beginn der Herrschaft der Lagiden unter Ptolemaios Soter zur Hauptstadt Ägyptens ernannt. Im „alexandrinische museio“, das 285-282 v. Chr. errichtet wurde, gab es bereits eine Bibliothek, in der Bücher aus aller Welt gesammelt wurden. Ebenso legte man großen Wert auf den Kontakt mit Philosophen aus anderen Städten und Ländern. Das museion“ war in einem Verein organisiert, dessen Leitung ein vom König gewählter Priester inne hatte. Als Mitglied der Bildungsstätte genoss man ein hohes Prestige und Vorteile wie freie Unterkunft, freie Verpflegung und die Steuerfreiheit. Dies ermöglichte eine völlige Konzentration auf die Forschung und das wissenschaftliche Gespräch.
2 Müller-Graupa, Edwin, in Sauter, Beatrix: Museum und Bildung. Baltmannsweiler 1994, S. 58ff
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Das wissenschaftliche Arbeiten im „alexandrinischen museion“ war auf Platon aufgebaut. Es wurden medizinische, astronomische und historisch - philologische Studien betrieben, wobei die gängigsten Methoden die direkte Beobachtung, Forschungsreisen in andere Länder und der Gebrauch von Büchern aus der Museumsbibliothek waren. Neben der eigenen Bibliothek gab es auch noch ein eigenes Museum, das aus Tieren, wertvollen Objekten und Raritäten, wiebeispielsweise - den zoologischen Studien von Aristoteles bestand. Obwohl Ptolemaios Philadelphos Alexandria durch das „alexandrinische museion“ zum kulturellen Mittelpunkt der Welt machen wollte, wurden andere kulturelle Zentren wie Athen, Rhodos oder Pergamon immer wichtiger.
Denn nach der Übernahme der Macht in Ägypten durch die Römer, die zwar das „museion“ weiterhin unterstützten, begann dennoch dessen langsamer Zerfall. Durch Kriege, durch politische Beschlüsse wie die Aufnahme Militärs und römischer Beamter ins „museion“, aber vor allem durch die Einführung des Christentums als Staatsreligion um ca. 389 n. Chr. unter Kaiser Konstantin und später unter Theodosius dem Großen wurde das „museion“, da es als Musensitz heidnischen Ursprungs war, vernichtet. Die endgültige Zerstörung des gesamten Gebäudes und damit die Verbrennung aller wertvollen Bücher und Sammlungen des „alexandrinischen museions“ wurde am Beginn der arabischen Herrschaft in Ägypten von Kalif Omar veranlasst.
Der Begriff „Museum“ wird zum ersten Mal im 18. Jahrhundert gebraucht. Die Verwendung dieses Vokabels hängt zu großer Wahrscheinlichkeit mit der Wiederentdeckung des Geists der Antike unter der Epoche der Aufklärung zusammen. Denn vorher, im 16./17. Jahrhundert, wurden Sammlungen als Naturalienkabinette und Kunstkammern bezeichnet, dienten lediglich der Repräsentation in Burgen oder Schlössern und waren nur der adeligen Bevölkerungsschicht zugänglich. Im Zuge der Aufklärung wurde nicht nur die Bezeichnung dieser Sammlungen, sondern auch die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit überdacht.
„Museum“ bedeutet von da an einen andauernden Prozess, Kunst und Kulturgut für alle zur Schau- und darzustellen und die Möglichkeit einer selbstständigen Meinungsbildung zu bieten.
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Die aktuelle Definition für den Begriff „Museum“ wird durch das International Council of Museum, dem ICON, das als eine Aufgabe des Museums die einer Bildungseinrichung angibt, lautet wie folgt:
Aus dem Artikel 2, Paragraph 1 der Statuten des ICOM: „a non-profit making, permanent institution in the service of society and of its development, and open to the public which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits, for the purposes of study, education and enjoyment, material evidence of people and their environment“.
Das Museum hat also die Aufgabe, keine profitträchtige, aber permanente Institution Im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung zu sein. Zeigen soll das Museum Angeworbenes, Konserviertes, Nachforschungen, es soll der Kommunikation und Asustellungwen dienen, mit der Absicht, Studien, Erziehung und Vergnügen zu ermöglichen, genauso wie einen materiellen Beweis der Menschen und ihrer Umgebung aufzuzeigen.
Die Formulierung über das Museum als Bildungseinrichtung übernehme ich nachstehend: „The museum should take every opportunity to develop its role as an educational resource used by all sections of the population or specialized group that the museum is intended to serve.“
In meiner Übersetzung: Jede Gelegenheit sollte das Museum wahrnehmen, um seiner Rolle als erzieherische Quelle, die von allen Teilen der Gesellschaft wahrgenommen werden kann, gerecht zu werden.
Das ICOM wurde 1946 in Paris von der UNESCO gegründet und beschäftigt sich seitdem mit der Entwicklung der Museologie und der Museumspädagogik. 1948 wurde zusätzlich ein Komitee, das Council of Education and Cultural Action (CECA), das dem ICOM untersteht, mit der museumspädagogischen Arbeit betraut. Diese war auch Schwerpunkt in internationalen Konferenzen und Seminaren, wie zum Beispiel in Tokio (1960), in New Delhi (1966), oder auch in Leningrad und Moskau (1968) und in Paris und Grenoble (1971), wo die Bedeutung der Museen als kulturelles Bildungszentrum hervorgehoben wurde:
3lGDJRJLN GLH N0] Erziehungswissenschaft Kunst des Lehrens und Erziehens 3 ;
Ist im Museum Platz für Pädagogik? Welcher Platz muss Pädagogk eingeräumt werden? Welche Anforderungen stellt der Besucher an eine Pädagogik zum Objekt? Welche Aufgabe trägt das Museum, um Pädagogik erziehlich mitgestalten zu können?
Vorerst möchte ich Entwicklung und Formen der Museumspädagogik vorstellen, anschließend mit dem Kunstforum - Wien und der Ausstellung „Miró - Später Rebell“ ein konkretes Beispiel bringen.
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Die Museumspädagogik ist eine neuere Disziplin der Pädagogik und besteht vorerst aus den verschiedensten Ansätzen und Methoden, je nach ihrer Herkunft. Daraus haben sich spezifische Mittel, beeinflusst von der schulischen Entwicklung und Bildung sowie von der Erwachsenenbildung und Erwachsenenarbeit, entwickelt. Die wichtigste Aufgabe der Pädagogik im Museum ist die Vermittlung zwischen der ausgestellten Kunst und dem Besucher. Dies geschieht durch die Gestaltung der Ausstellungen und der zentralen museumspädagogischen Form der Kommunikation zwischen Museum und Öffentlichkeit. Demnach liegt die Hauptaufgabe der Museumspädagogik in der Besucherbetreuung, in der Lenkung von Erziehungs- und Bildungsprozessen, die wegführt vom rein passiven Betrachten hin zur Auseinandersetzung mit der Sache, dem Objekt selbst. Der Begriff Museumspädagogik, der das Berufsfeld und die Organisationsformen definiert, ist ein relativ neuer und moderner Begriff. Eine Definitionsfindung scheint schwierig, weil die Pädagogik im Museum nur eine relative Autonomie besitzt und somit auch die Vermittlungsfunktion im Museum eine geringer Bedeutung einnimmt gegenüber anderen musealen Funktion, wie beispielsweise dem Bewahren von Objekten.
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Obwohl die Wurzeln der Museumspädagogik bis in die Renaissance zurückreichen, wurde der wesentliche Grundstein für eine Pädagogik im Museum erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelegt.
Durch die Gründung der öffentlichen Museen während der Aufklärung, dem Gedankenwechsel der kulturellen Modernen, der ein modernes, wissenschaftliches und rationales Weltbild zugrunde liegt, hatten die Museen nun auch die Aufgabe, Kindern Kunst und Kultur bewusst nahezubringen. Die Pädagogik, durch die Arbeiter-und Kunsterziehungsbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zum Anfang des 20. Jahrhunderts, die Kinder für Kunst besonders empfänglich hielten, beeinflusst die Gesellschaft, sie sah sich vor ein neues Arbeitsfeld gestellt. So wurde auch Zeichnen und eine Einführung in die Kunstgeschichte als Unterrichtsgegenstand in den Fächerkanon aufgenommen.
Besonders Dr. Lichtwark, der Leiter der Hamburger Kunsthalle, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Seine Arbeit und seine Veröffentlichungen wie „Übungen in der Betrachtung von Kunstwerken“ gaben der Museumspädagogik eine erste entscheidende Richtung.
Während der Zeit der Nationalsozialisten dienten Museen und die Museumspädagogik der Verherrlichung von national-deutschem Gedankengut, dem national-deutschem Erbe und germanischer Tradition.
Nach dem 2. Weltkrieg, vor allem in den 60er Jahren, als die Pädagogik im Zuge der Studentenbewegung heftig über Chancenungleichheit und Chancengleichheit des Bildungssystems diskutiert wurde, aktualisierte sich die Museumspädagogik wieder. Vor allem zu Beginn erfolgte eine starke Prägung durch angelsächsische Vorbilder, die eine alte, ungebrochene Tradition der Museumspädagogik haben. Beispielsweise ist hier der amerikanische Reformpädagoge John Dewey mit seinem Kreativitätsförderung durch das Konzept „learning by doing“ zu nennen, der Workshops, Puzzles und Rätsel während einer Ausstellung anbot. Ebenso hat das „museum-teaching“, das die museumspädagogische Betreuung von Schulklassen durch eigens dafür ausgebildete Museumspädagogen beinhaltet, große Bedeutung. Und schließlich die Freizeitpädagogik, die das Museum zu einem Spiel- und Erlebnisraum für Kinder macht.
Heute werden der Museumspädagogik gemäß der Auffassung von sinnvoller Museumsarbeit Bildungs- und Erziehungsaufgaben ins Museum übertragen, deshalb
3 aus: Langenscheidts Fremdwörterbuch
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ist auch die Forderung aufgrund neuer Lernformen der Pädagogen unumgänglich, sie von Beginn an bei der Erstellung des Ausstellungskonzeptes bis hin zur Durchführung mit einzubeziehen.
Dieser Forderung liegt ein Verständnis von Pädagogik zugrunde, das nicht alle teilen. Gerade an der Diskussion über die Definition von Pädagogik und somit einer Museumspädagogik, scheiden sich Geister. Zwar wird einerseits angenommen, dass sich Pädagogik in der Praxis mit Erziehungswirklichkeit beschäftigt und als wissenschaftliche Disziplin mit theoretischen Begründungszusammenhängen, doch bei der Frage nach der Zielgruppe - ob nun von Kindern oder Erwachsenen die Rede ist - driftet man auseinander.
Das hier verwendete Verständnis von Museumspädagogik lehnt an das von Wolfgang Brezinka, bei dem Erziehung ein nie ganz abgeschlossener Prozess ist, unabhängig von Alter, von der sozialen Stellung, familiäre Situation,... an. Er erweitert den Pädagogikbegriff, indem er Handlungen, die Kehrvorgänge unterstützen oder in Gang bringen sollen, die zu wünschenswertem Verhalten und Dispositionen führen und von Erwachsenen auf Erwachsene gerichtet sind, einbeziehen. Die Frage nach einer Berechtigung der Museumspädagogik als eigenständige Disziplin bleibt aber offen.
Die Schulpädagogen verbringen viel Zeit im Museum und könnten somit das Museum als ihr Arbeitsfeld beanspruchen. Die wichtigste Zielgruppe der Museen ist ja zu großem Anteil auch die der Schüler. Einerseits wegen des demokratischen Bildungsauftrags, den die Museen zu erfüllen haben, andererseits wegen der schwindenden Besucherzahlen, denn Schulklassen sichern ein stabiles Besucherkontigent. (siehe Abb. ) Zudem ist dem Gedanken großen Stellenwert einzuräumen, dass Kinder, die heute im Rahmen der Schule das Museum kennenlernen, die Museumsbesucher von morgen sind. So stellt sich das Museum in den Dienst der Schule, was aber das Aufeinandertreffen von zwei völlig unterschiedlichen Systemen, zwei pädagogischen Zugängen bedeutet: die institutionalisierte Schulpädagogik und die Reformpädagoik. Auch sind die Vermittlungsformen der Schulpädagogik, besonders aber die Ziel ihres pädagogischen Handelns anders als die der Museumspädagogik. Für Pädagogen aus unterschiedlichen Richtungen hat das Museum „nur eine Funktion in einem grundsätzlich ganz anderem Zusammenhang erfüllt, ihr eigentliches Ziel hat aber mit dem Museum nichts zu tun.“ 4
4 Frymann 1988, S.13
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Laut der Definition von Andreas Kuntz ist die Museumspädagogik: „...auf fachwissenschaftlicher Grundlage breiten Schichten der Bevölkerung die Ausstellungsgüter der Museen so lebendig werden zu lassen, dass für die Besucher mit den vermittelten Erfahrungen und historischen Inhalten in der je eigenen Gegenwart eine Erweiterung der alltäglichen Lebenspraxis möglich wird.“ 5
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Im Rahmen meiner Umfrage während der Ausstellung „Miró - Später Rebell“ an Lehrerinnen, die mit ihrer Klasse im Kunstforum - Wien Führungen für ihre Schulklasse gebucht haben, gingen relativ einschlägige Antworten als Anforderungen an die Museumspädagogik heraus. Exemplarisch möchte ich an dieser Stelle einige Aussagen anführen:
Eine Lehrerin, die mit ihrer Klasse aus dem 23. Bezirk bereits regelmäßig zu Ausstellungen kommt, formuliert ihrer Erwartungen beispielsweise so: „Beschäftigung mit Kulturgütern ist schon im Kindesalter wichtig! Freude und Interesse wecken!“ Sie legt offenbar Wert auf kulturelle Bildung.
Ähnlich scheint eine Kollegin aus dem 13. Wiener Gemeindebezirk zu denken: „Kunstverständnis, Offenheit anderen Nationen gegenüber,...“ sind ihre Anliegen, die im Museum behandelt werden sollen. Eine andere Dame drückt es folgendermaßen aus: „Horizonterweiterung, Kindern die "Welt" zeigen“.
„Den Kindern wird neutral und optimal "Kunst" vermittelt; Kinder sind offen und sollen die Möglichkeit haben, so früh wie möglich mit verschiedenen Stilrichtungen und Künstlern konfrontiert zu werden. Aus Erfahrung weiß ich, dass bei den interessierten Kindern viel hängenbleibt und sie später davon profitieren.“, meint eine Lehrerin, die mit ihrer 1. Klasse zur Ausstellung gekommen ist.
Eine andere Pädagogin formuliert es so: „Fachkräfte vermitteln Kunst; Kinder werden dazu angeleitet, Museen zu besuchen;“ Sie gibt an, ein bleibendes Interesse bei den Kindern wecken lassen zu wollen.
Ein weiterer Aspekt ist die seltene Gelegenheit, Kunstwerke als Originale zu erleben und so bleibende Eindrücke zu behalten: „Möglichkeit, Einmaliges kennenzulernen; Konfrontation, näheres Kennenlernen, Auseinandersetzen mit etwas, wozu es sonst vielleicht wenig oder keinen Zugang gibt;“ - und weiters: „Farben und Größe der Originale; Kindern, die sonst nie ins Museum gehen, Kunst zu zeigen;“
5 Kuntz: Technikgeschichte und Museologie. S. 5
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Elisabeth Höbartner, 2002, Museumspädagogik am Fallbeispiel Miró, München, GRIN Verlag GmbH
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