In diesem Buch geht es um Stigmata und Stigmabewältigung. Es wird erläutert, was das eigentlich ist, welche verschiedenen Typen es gibt, wie man zu einem Stigmatisiertem wird, wie diese von "Normalen" behandelt werden, warum es Stigmata gibt und wie Stigmatisierte ihre Rolle bewältigen.
Außerdem geht es um die Frage, was überhaupt die "Norm" ist und was eine Abweichung ist. Was kann zur Entstigmatisierung beitragen? Gibt es heute überhaupt noch Stigmata, hat sich in den letzten Jahren etwas verändert?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stigma – Was bedeutet das?
3. Stigma und Stigmatisierte
3.1. Verschiedene Typen von Stigmata
3.2. Wie wird man zu einem Stigmatisierten?
3.3. Haltungen von „Normalen“ gegenüber Stigmatisierten
3.4. Der Sinn von Stigmata
4. Stigmabewältigung
4.1. Soziale Information
4.2. Persönliche Identität
4.3. Biographie
4.4. Biographische Andere
4.5. Täuschen
4.6. Techniken der Informationskontrolle
4.7. Kuvrieren
4.8. Zurückweisung von Vorwürfen
5. Gruppenausrichtung und Ich-Identität
5.1. Ambivalenz
5.2. Professionelle Darstellungen
5.3. In-group-Ausrichtungen
5.4. Out-group-Ausrichtungen
5.5. Identitätspolitik
6. Abweichungen und Normen
6.1. Der normale Abweichende
6.2. Stigma und Realität
6.3. Deviationen und Devianz
7. Entstigmatisierung
8. Stigmata heute
9. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das soziologische Phänomen des Stigmas, seine Entstehung, die Auswirkungen auf die Identität der Betroffenen sowie die Strategien, mit denen Stigmatisierte ihre soziale Rolle bewältigen. Im Fokus steht dabei die Frage, wie gesellschaftliche Normen abweichendes Verhalten definieren und welche Dynamiken zwischen stigmatisierten Individuen und der sogenannten „normalen“ Mehrheitsgesellschaft entstehen.
- Sozialpsychologische Grundlagen von Stigmatisierungsprozessen
- Methoden der Informationskontrolle und des Stigma-Managements
- Die Rolle von In-group- und Out-group-Identitäten
- Normenbegriff und gesellschaftliche Deviation
- Diskussionsansätze zur Entstigmatisierung
Auszug aus dem Buch
4.5. Täuschen
Es gibt Stigmatisierte, die sich einigen Personenklassen offenbaren müssen, aber anderen Personenklassen, vor allem der Polizei, etwas anderes vortäuschen müssen, als sie es sind. Vor diesen Personenklassen müssen sie ihr Stigma unbedingt geheimhalten. Z. B. darf sich ein Drogendealer nicht vor der Polizei outen, muss sich aber gegenüber Drogenkonsumenten erkenntlich zeigen. Ein anderes Beispiel: Ein Landstreicher muss sich der Hausfrau offenbaren, damit er etwas zu Essen von ihr bekommt, aber vor der Polizei muss er geheim halten, dass er ein Landstreicher ist.
Bei fast jedem Stigmatisierten, der darauf bedacht ist, sein Stigma geheimzuhalten, wird es Personen geben, die über sein Stigma Bescheid wissen.
Es gibt Fälle, bei denen das Stigma eigentlich offensichtlich ist, es aber oft anders gedeutet wird. Goffman nennt ein Beispiel, bei dem über einen Jungen mit einem gelähmten Bein oft gedacht wird, dass das vorübergehend ist, z. B. durch einen Unfall passiert ist. (vgl. Goffman, 1967, S. 95)
Andere Stigmatisierte werden dazu gezwungen zu täuschen. Wenn z. B. Körperdeformationen an Stellen vorhanden sind, die die normal Ausgestatteten in der Öffentlichkeit auch verbergen, so ist es unvermeidlich, dass diese Geheimnisse verborgen werden. Wenn beispielsweise eine Frau, der eine Brust abgenommen werden musste, in die Öffentlichkeit geht, so wird sie, wie alle anderen Frauen, die noch zwei Brüste haben, ein Oberteil tragen, das nicht erkennen lässt, ob sie zwei echte Brüste hat oder nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas Stigma und Definition der zentralen Forschungsfragen zur Identität und Bewältigung.
2. Stigma – Was bedeutet das?: Erläuterung des soziologischen Stigmabegriffs und dessen historischer Ursprung bei den Griechen.
3. Stigma und Stigmatisierte: Analyse verschiedener Stigma-Typen, Ursachen für Stigmatisierung und die Haltung der „Normalen“.
4. Stigmabewältigung: Untersuchung verschiedener Strategien wie Informationskontrolle, Täuschen, Kuvrieren und die Zurückweisung von Vorwürfen.
5. Gruppenausrichtung und Ich-Identität: Betrachtung der Auswirkungen auf das Selbstbild durch In-group- und Out-group-Zugehörigkeiten.
6. Abweichungen und Normen: Diskussion der gesellschaftlichen Normen und des „normalen“ Abweichenden.
7. Entstigmatisierung: Kritische Auseinandersetzung mit Aufklärungskampagnen und der Utopie einer Gesellschaft ohne Stigmatisierung.
8. Stigmata heute: Reflexion über die heutige Relevanz von Stigmata trotz veränderter gesellschaftlicher Einstellungen.
9. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Beantwortung der einleitenden Fragestellungen.
Schlüsselwörter
Stigma, Stigmatisierung, Identität, Soziale Normen, Abweichung, Devianz, Stigmabewältigung, Informationskontrolle, Normalität, Diskriminierung, Soziale Interaktion, Erving Goffman, Asmus Finzen, Entstigmatisierung, Gruppenidentität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziopsychologischen Phänomen des Stigmas, der Dynamik zwischenstigmatisierten Personen und der Gesellschaft sowie den Bewältigungsmechanismen der Betroffenen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Identitätsmanagement, soziale Kontrolle, Normenbildung, die Rolle der Massenmedien bei der Stigmatisierung und Strategien zum Umgang mit Ausgrenzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Stigmabegriff zu klären, die Belastungen für stigmatisierte Individuen aufzuzeigen und die Frage zu beantworten, wie eine erfolgreiche Stigmabewältigung aussehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, maßgeblich gestützt auf die soziologischen Konzepte von Erving Goffman und die psychiatriesoziologischen Analysen von Asmus Finzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Stigma-Typen, Strategien der Stigmabewältigung (Täuschen, Kuvrieren), den Einfluss von Gruppenidentitäten sowie die Analyse von Entstigmatisierungsansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Stigma, Identität, Devianz, soziale Normen, Stigmabewältigung und Informationskontrolle.
Was unterscheidet bei Goffman „Diskreditierte“ von „Diskreditierbaren“?
Diskreditierte haben ein bereits sichtbares oder bekanntes Stigma, während Diskreditierbare ein verborgenes Merkmal tragen und ständig mit der Gefahr der Enthüllung und der Kontrolle ihrer Informationen leben.
Warum hält Finzen eine generelle Entstigmatisierung für utopisch?
Finzen argumentiert, dass Stigmatisierung tief in der menschlichen Psychologie und sozialen Strukturen verankert ist und daher durch bloße Aufklärungskampagnen, die oft an der Realität der Medienberichterstattung vorbeigehen, kaum vollständig beseitigt werden kann.
- Arbeit zitieren
- Silke Wilkens (Autor:in), 2003, Stigma und Stigmabewältigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46656