Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Du sollst nicht töten. 4
2.1. Modell Anna-Maria vs. Hilde Voss 4
2.2. Funktion der Männer im Kontext der filmischen Abtreibungsdiskussion. 6
3. Glaube - Liebe - Hoffnung. 9
3.1. Motive der Nächstenliebe 9
3.2. Motive der Versöhnung und Erlösung 13
4. Fazit. 14
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1. Einleitung
Die Hausarbeit behandelt den Film „Kinderseelen klagen euch an“. Er entstand 1926/27 unter der Regie von Kurt Bernhardt in Deutschland. Am 24.02.1926 wurde der Film zensiert und einen Monat später uraufgeführt. Schauspieler sind unter anderem Fritz Rasp, der auch im „Tagebuch einer Verlorenen“ eine Hauptrolle spielt, und Clair Rommer. Der Film wurde von der katholischen Kirche mitfinanziert, was besonders für den moralischen Diskurs eine wichtige Rolle spielt. Ein zentrales Thema ist die Abtreibung. Diese wird ausführlich und mit allen Konsequenzen im Film diskutiert. Der Katholizismus gibt für die Abtreibungsdebatte klare Richtlinien vor, welche sich seit tausenden von Jahren nicht verändert haben. Schwangerschaftsabbruch ist demnach ein Verbrechen, welches hart bestraft werden muss, da es Mord am ungeborenen Leben ist. Für viele Menschen beruht diese Art der Einstellung auf „Denken aus dem Mittelalter“ 1 . Die konsequente Einstellung des Vatikans und dessen unveränderliche Meinung löst bis heute heftige Debatten zu dem Thema aus. In dieser Hausarbeit geht es um die Konzeption religiöser Werte und Normen und ihre Funktion für die Abtreibungen in dem Film „Kinderseelen klagen euch an“ (1927). Eine literarische Grundlage dieser Arbeit ist daher auch die Bibel, denn sie bildet die Basis aller Interpretationsansätze und Lehren des Christentums, die im Film anklingen. Weiterhin fanden verschiedene Artikel aus der Zeitschrift „SPIEGEL“ Verwendung, da das Thema bis heute eine hohe Brisanz besitzt und auch von Mitgliedern der katholischen Kirche oft und kritisch betrachtet wird. Weiterhin wurden Werke zum besseren Verständnis des Themas Religion genutzt.
Aufgrund des thematischen Schwerpunktes „Religion“ stehen die gesellschaftlichen und politischen Konventionen in der Zeit der Weimarer Republik, in welcher der Film entstand, im Hintergrund. Anzumerken ist allerdings, dass der §218, der so genannte Mordparagraph, Schwangerschaftsabbrüche mit bis zu fünf Jahren Zuchthaus bestrafte. Dieser Paragraph aus dem Gesetzbuch der Weimarer Republik stieß oft auf verheerende Zustände, denn gerade Frauen aus der Unterschicht konnten sich keine Verhütungsmittel leisten, oder waren nicht aufgeklärt. So kam es vermehrt zu Selbstmorden, Kindstötungen oder Kindsaussetzungen. Immer öfter wurden Stimmen gegen den „Mordparagraphen“ laut. Abtreibung wurde als Krisenmotiv in viele Filme aufgenommen. So entstand zwischen November 1918 und Dezember 1932 jedes Jahr mindestens ein Film zu diesem Thema. 2
1 Drewermann, Eugen: Eugen Drewermann über das mittelalterliche Denken der katholischen Kirche. In: SPIEGEL 5(1998).
2 Dohrmann, Olaf: Kämpfer für eine Reform des § 218, „Limonade“ oder Gretchentragödie? „Cyankali“ im sozialhistorischen und intermedialen Kontext. München 2000 S.102 - S. 114.
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Im Folgenden wird zunächst der Grundsatz der Kirche „Du sollst nicht töten“ in Verbindung mit der Abtreibungsdiskussion des Films ausdiskutiert. Dabei spielen vor allem verschiedene Frauen- und Männermodelle eine Rolle. Danach folgen religiöse Motive, die sich aus dem Inhalt des Filmes ergeben.
2. Du sollst nicht töten
„Du sollst nicht töten“ - So steht es in den 10 Geboten in der Bibel geschrieben. 3 Jeder Mensch soll die Güte der Schöpfung Gottes erkennen und sein Menschsein vor dem Schöpfer leben. 4 Außerdem ist die katholische Kirche der Meinung, dass die Menschen als fertige Seelen aus der Hand des Schöpfers in den Menschenleib eingehen. 5 Somit ist jede Abtreibung aus Sicht der katholischen Kirche ein schweres Verbrechen. Denn damit wird die ungeborene Seele dem Leben im Paradies vorenthalten, da sie vor ihrer Geburt noch nicht getauft ist. Nur die Taufe, also das Bekenntnis zum katholischen Glauben, garantiert ein „Leben“ in der Ewigkeit.
Wer gegen diesen Grundsatz verstößt, hat mit verschiedenen Sanktionen und Konsequenzen zu rechnen. Abgesehen von den seelischen Qualen, drohen die Exkommunion, also der Ausschluss aus der Kirche und deren Gemeinschaft.
Der Film „Kinderseelen klagen euch an“ zeigt nun zwei Modelle zur Bewältigung des Krisenmotivs Abtreibung. Außerdem werden verschiedene Männertypen thematisiert. Beides soll nun in diesem Kapitel näher betrachtet werden.
2.1. Modell Anna -Maria vs. Hilde Voss
Beide Frauen verkörpern ein Modell im Abtreibungsdiskurs des Filmes. Trotz vieler Unterschiede lassen sich auch einige Gemeinsamkeiten feststellen. Hilde und Anna-Maria sind junge und hübsche Frauen, die der Schicht des Kleinbürgertums angehören. Zusammen mit Hildes Bruder wohnen sie in einer mittelgroßen Wohnung in einer kleinen Stadt. Sie haben keine Familie im Sinne der bürgerlichen Idealvorstellung. Während des ganzen Filmes werden keine Verbindungen zwischen Anna-Maria und ihrer Familie gezeigt. Weder der Vater, noch die Mutter, noch irgendein anderes Familienmitglied treten auf. Sie scheint von ihrer Familie alleingelassen. Hilde dagegen hat wenigstens ihren Bruder Heinrich, der sich um sie und auch um Anna Maria kümmert.
3 2. Mose 20.
4 Freudenberg, Hans/Goßmann, Klaus: Sachwissen Religion. Ein Begleit- und Arbeitsbuch für den Religionsunterricht. Göttingen 1995.
5 Drewermann: Über Mittelalterliches Denken. SPIEGEL 98/5.
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Beide Frauen sind verliebt, als sie in eine scheinbar ausweglose Situation geraten. Sie werden schwanger. In beiden Fällen scheitert die Liebesbeziehung. Woran allerdings beide Frauen keine Schuld tragen. Anna-Maria verliert Helmut Enzenberg im Krieg und Hildes Beziehung scheitert an der Tatsache, dass sie ihr Kind abgetrieben hat und diese Tat mit dem Tod sanktioniert wird.
Hier klingt auch schon einer der größten Unterschiede der Modelle an. Anna-Maria entscheidet sich zusammen mit Helmut für ihr Kind und gegen die Abtreibung, die Helmuts Vater, der Kommerzienrat Enzenberg will. Hilde dagegen, lässt sich von ihrem Freund, dem Buchhalter Banthler zu einer Abtreibung überreden. Diese wird von einer so genannten „Enge lmacherin“ durchgeführt. Schon an der Kleidung und dem Auftreten der Frau erkennt man, dass es sich nur um eine „Kurpfuscherin“ handeln kann. Sie wirkt wie eine Bäuerin. Die Tatsache, dass Hilde zu dieser Frau geht und ihre Schwangerschaft abbricht, muss mit dem Tod bestraft werden. Kirche und Staat verurteilen solche Taten aufs heftigste. Wenn die Frauen die Abtreibung dann auch noch illegal und unter höchsten Gefahren für ihre eigene Gesundheit vornehmen lassen, muss es zu hohen Sanktionen kommen. 6 Im Film wird das durch den Tod Hildes verwirklicht.
Auch Helmuts Mutter, Frau Enzenberg, hat in einer früheren Zeit ein Kind abtreiben lassen. Diese Tat hat für sie schwere seelische Qualen zur Folge. Sie vergöttert ihren Sohn Helmut. Er ist ihr ein und alles. Als dieser nun in den Krieg zieht und stirb, spürt sie dies und zerbricht daran. Sie stirbt. Auch ihr Tod ist als eine Sanktionierung für den Schwangerschaftsabbruch zu werten. Allerdings konnte sie erst nach dem Tod ihres einzigen Kindes belangt werden, da sie sich vorher um diesen kümmern musste, um ihre Mutterpflichten zu erfüllen. Hier zeigt sich, dass Mutterglück das höchste Glück ist. 7
Daneben lässt sich das kirchliche Prinzip, dass alle Menschen vor Gott gleich sind, erkennen. Genauso wie Hilde Voss wird auch Frau Enzenberg für ihre Tat mit dem Tod bestraft. Obwohl die beiden aus verschieden Schichten kommen, nämlich Kleinbürgertum und Großbürgertum, erhalten sie dieselbe Strafe.
Im Gegensatz dazu scheint Anna-Maria den moralischen richtigen Weg zu gehen. Obwohl Helmuts Vater von ihr verlangt das Kind abtreiben zu lassen und ihr dazu auch scheinbar die Legitimation gibt, entscheidet sie sich, zusammen mit Helmut, für ihr Kind und bekommt dieses auch. Letztendlich muss sie es aber allein großziehen, denn Helmut fällt im Krieg. Sie widersetzt sich also den Männern. Damit verstößt Anna Maria allerdings gegen ein Gesetz der Kirche. Die Frau hat sich dem Mann unterzuordnen und ihm zu dienen. Die katholische
6 Ecclesia catholica (Hg.): Katechismus der katholischen Kirche, § 2270 - § 2273.
7 Ariès, Philippe: Geschichte der Kindheit. 4. Aufl. München/Wien 1977 S.493 - 496.
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Arbeit zitieren:
Patricia Laukó, 2005, Der Moralismus der katholischen Kirche in Kurt Bernhardts "Kinderseelen klagen euch an" (1927), München, GRIN Verlag GmbH
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