Inhaltsverzeichnis
1 Struktur 03
2 Inhalt 05
3 „Verfall“ und Trakls biographischer 12
Hintergrund
4 Literatur 14
2
Struktur
Bei dem Gedicht „Verfall“ von Georg Trakl handelt es sich um ein Sonett, bestehend aus zwei Quartetten und zwei Terzetten. Er schafft ein fast vollkommen nach dem Muster Petrarcas gebautes Sonett: Verse mit fünf jambischen Takten, die alle weiblich enden. Allerdings variiert er das Reimschema leicht abba cddc efe fef,
so dass er zwei Reime mehr benötigt. Die Reime aa („läuten“ - „Weiten“) sind nicht rein, alle anderen sind es. Die verlässige Form der geprägten Bindung gibt dem Gebilde im Zusammenhang mit den immer weich klingenden Endungen eine in sich ruhende Dynamik. Trakl hat sich fast pedantisch an die „Philosophie des Sonetts“ gehalten: Das erste Quartett bietet das Thema, das im zweiten variiert wird. Allerdings nimmt schon in Zeile sechs die Antithese zwischen dem „dämmervollen Garten“ und „helleren Geschicken“ den Umschlag voraus, wie er dann in der neunten Zeile erfolgt. Das Oktett stellt die Harmonie oben dem Verfall unten im Sextett gegenüber. Beim Blick in den Himmel hinauf ist der Dichter das Subjekt, auf der Erde machen ihn Amsel, Pflanzen und Stein zum Objekt. Das zweite Terzett steigert seine Betroffenhe it, wie sie im ersten Terzett geschildert ist, noch. Eine Synthese zwischen These und Antithese findet nicht statt, sondern das Gedicht endet mit der furchtbaren Niedergeschlagenheit des Dichters, der seinen „Aufblick“ der ersten Verse vergessen zu haben scheint.
Auf eine Gesamtzahl von 91 Wörtern kommen 24 Substantive. Während in der ersten Strophe noch sieben Substantive zu finden sind, so sind es in der zweiten und dritten Strophe nur noch sechs und schließlich nur noch fünf Substantive in der vierten und letzten Strophe. Die Verringerung der Substantive unterstreicht die sich steigernde Betroffenheit des Dichters: Die
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Substantive der ersten beiden Strophen sind durchweg positiv konnotiert (Glocken, Frieden, Vögel, Flüge, Pilgerzüge, Weite ...). Auf der anderen Seite ist die Wortwahl der letzten beiden Strophen eher mit negativen Konnotationen verbunden (Verfall, Hauch, Zweige, Todesreigen ...). Die Wortwahl wird bei der späteren inhaltlichen Analyse eingehender behandelt werden.
Die innere Harmonie der beiden Quartette klingt aus den vollen, tiefen Lauten und wird noch stärker betont durch die zahlreichen Alliterationen, die in fast allen Versen - auch über die Zeilen hinweg, wie beim f -Lautauftreten. Hypotaktische Satzfolgen tragen die träumerische Stimmung. Das weihevolle Gefühl kommt nicht nur akustisch zum Ausdruck, sondern auch in den Bildern von den Vogelzügen, dem Vergleich mit dem Wallen frommer Pilger und den freundlichen Attributen (wundervoll, fromm, klar, dämmervoll, heller). Besonders e inprägsam ist der Stillstand der Zeit gestaltet, wie er fast eintritt: „der Stunden Weiser“, der „kaum mehr rückt“. Äußerlich scheint sich im Sextett nicht viel zu ändern. Und doch herrscht hier eine ganz andere Tonart: Die Vokale, die hörbar immer dunkler werden, geraten fast in Not, von den harten, scharfen Konsonanten erdrückt zu werden. Statt der vielen „Vögel“ oben klagt jetzt eine einzige „Amsel“ unten. Wein und Gitter sind kraftlos geworden und vom Tode bedroht. Besonders krass ist das abschließende Bild, das in einer umgedrehten Personifizierung die sterbenden Astern mit blassen, sterbenden Kindern vergleicht.
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Inhalt
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten
Der erste Vers des Gedichtes beginnt mit den beiden Wörtern „Am Abend“
Die Alliteration, die Stellung der Wörter am Anfang des Verses und die
Abtrennung durch das Komma geben den Wörtern eine besondere
Gewichtung. Wenn man den Titel des Gedichtes außer Acht lässt, muss
„Abend“ nicht unbedingt negativ konnotiert sein. Abend ist der Übergang
vo m Tage zur Nacht, und ist somit eigentlich etwas recht Unbestimmtes,
Vages. Es ist nicht mehr taghell, aber auch noch nicht nachtdunkel. Abend
ist ein Prozess, birgt Dynamik, Bewegung in sich. Auch der Lebensabend ist
solch ein Prozess. Da das Gedicht jedoch in seinen weiteren Versen viele
Begriffe der Natur aufgreift, gehe ich bei meiner weiteren Analyse eher von
einem naturbezogenen Standpunkt aus. Die Konjunktion „wenn“ präzisiert
einen Punkt in der Zeit und führt den Anfang des Verses fort. Die gleich
lautenden Endungen der Wörter „Glocken“, „Frieden“, „läuten“
unterst ützen deren positive Bedeutung. Glocken geben immer ein Signal, sie
k ündigen etwas an. In Trakls Gedicht wird explizit gesagt, dass sie „Frieden
l äuten“ Frieden wird meist als Kontrast zu Krieg gesehen, kann aber auch
innere Ruhe und Zufriedenheit bedeuten. Wenn der Tag fast vorüber ist, tritt
Ruhe unter den Menschen ein. Der Vers erstellt ein sehr bewegtes Bild,
denn „läuten“ bringt viel Dynamik und Bewegung in den Vers: Glocken
bewegen sich beim Läuten.
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die gleich lautenden f-Laute (folg, Vögel, wundervoll, Flüge) unterstreichen
wieder das Angenehme. Der Vers ist die syntaktische und semantische
Fortf ührung des ersten Verses und präzisiert das Geschehen, „wenn die
Glocken Frieden läuten“ Es erscheint zum ersten Mal das lyrische „Ich“,
das ich im weiteren Verlauf der Analyse mit dem Dichter Georg Trakl
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Arbeit zitieren:
2001, Georg Trakl: Verfall - Gedichtinterpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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