Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
Minderbegabung : Ursachen und Merkmale 4
Allgemeine Probleme der Persönlichkeitsentwicklung 7
Lernbehinderter und ihre psychische Vorgänge
S. 9
Das Klassenklima: Lehrer-Schüler-Beziehung und
Sch üler-Schüler-Kontakt
Hilfsma ßnahmen zur Verminderung der Lernschwierigkeiten 11
Schlussfolgerungen S. 15
2
Einleitung
Laut sozialwissenschaftlichen Thesen, werden die Leistungen der einzelnen Individuen als bedeutender Maßstab für ihre Integration innerhalb eines Sozialgefüges angesehen. Je höher die erreichte Leistung ist, desto größer ist auch die soziale Anerkennung. Es ist in unserer Gesellschaft Allgemein bekannt, dass Individuen, die eine schwache Leistung bringen, und daher kaum soziale Anerkennung und eine geringe Anzahl von sozialen Kontakten haben, unter psychischen Beeinträchtigungen leiden. Die Betroffenen werden dann Minderwertigkeitsgefühle gegenüber ihren Mitmenschen entwickeln. Das Misslingen in verschiedenen Bereichen tritt nicht erst im Jugend- oder Erwachsenenalter auf, sondern schon im Kindesalter, d.h. die zukünftige soziale Stellung eines Individuums wird schon während der frühen Kindheit vorbestimmt. 1 Kinder mit geringer Leistungsfähigkeit werden als Minderbegabte bezeichnet. 2 Der Begriff Minderbegabung bezeichnet „alle Grade und Formen intellektueller Subnormalität…, die bereits im Kleinkindalter vorhanden sind und bis ins Erwachsenenalter hinein als dauernder Rückstand der Test- (und Schul-) Leistung sowie als Störung des Anpassungsverhaltens objektiviert werden können“ (Wegener, 1971, S.505, zitiert nach Awiszus-Schneider u. Meuser, 1982, S. 4). Die psychosoziale Situation der lernbehinderten Kinder, ohne körperliche Beeinträchtigungen, ist das Hauptanliegen dieser Hausarbeit. Gründe dafür sind die verschiedenen Urteile der Gesellschaft gegenüber dieser Gruppe. Tatsache ist, dass gegenüber diesen Kindern, die später auch Verhaltensauffälligkeiten aufzeigen können, eine geringere Bereitschaft besteht, sie sozial zu integrieren und zu akzeptieren. Während man für die körperlich Behinderten eher Mitleid hat, und versucht, ihnen so gut wie möglich zu helfen, ist die Situation für diejenigen Kinder, die nur schwach begabt sind, anders. Ihr mangelnder Verstand wird oft als unakzeptabler Mangel empfunden. Man hat mehr Bedauern als Mitleid für sie, und sie werden oft stigmatisiert.
Ziele der vorliegenden Hausarbeit sind die Darstellung der Minderbegabung, ihre Ursachen und ihre Merkmale, sowie die Erklärung des psychischen Zustands minderbegabter Kinder bzw. Schulkinder. Weiterhin folgt ein zusätzlicher
1 Awiszus-Schneider, H. & Meuser, D. (1982). Psychotherapeutische Behandlung von Lernbehinderten und
Heimkindern. S. 3
2 Ebenda. S. 4
3
Schwerpunkt bezüglich des Schulklimas, und dessen Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Kindes, unter besonderer Berücksichtigung der Schüler-Lehrer-Beziehung. Schließlich werden einige Ansätze in Erwägung gezogen, die zur Unterstützung der Lernbehinderungen helfen können.
Die Minderbegabung: Ursachen und Merkmale
Ein erster wichtiger Punkt im Bezug auf die Minderbegabung, ist dessen Einteilung in endogene und exogene Faktoren. Das sind die Bedingungen, die für diesen Zustand Verantwortung tragen.
Die endogenen Faktoren sind auf die Vererbung oder/und auf Organ- und Hirnschädigungen zurück zu führen. 3 Vererbt werden können geringe Intelligenz- und Gedächtnisleistungen, wobei organisch bedingten Faktoren, u. a. Missbildungen der Sinnesorgane, Abweichungen im Zentralnervensystem, vorgeburtliche Infektionen und Stoffwechselstörungen während der Schwangerschaft, Frühgeburt oder Geburtskomplikationen und postnatale Gehirnentzündungen sowie Vergiftungen durch Impfungen, sind. 4
Die exogenen Faktoren werden durch einen Mangel an soziokulturellen Bedingungen definiert. 5 Umweltbedingungen und ihre Auswirkungen schließen verschiedene heterogene Faktoren mit ein. Je nach familiärer und soziokultureller Lage, können Begabung, Erfolg in der Schule und Motivation beeinträchtigt oder gefördert werden. 6 „Das Schulversagen wird… erklärt mit Insuffizienzen der Intelligenz, der sogenannten „Geistesschwäche“, die jedoch erheblich durch soziale Randständigkeit und die damit verbundenen ungünstigen Sozialisationsbedingungen verursacht wurde“ (Bleidick, U., 1978, S. 81, zitiert nach Brähler, H., 1991, S. 34). Im Bezug auf die familiäre Lage sind unterschiedliche Bedingungen von Relevanz: die Anzahl der Geschwister, der geringe emotionelle Kontakt zwischen den Kindern und den Eltern, der Mangel an Geborgenheit, die problematische Elternbeziehung und Lebensführung, der Erziehungsstil, sowie die mangelnden sprachlichen
3 Awiszus- Schneider, H. & Meuser, D. S. 5
4 Borchert, J. (1996). Pädagogisch-therapeutische Interventionen bei sonderpädagogischem Förderbedarf. S. 127
5 Awiszus-Schneider, H. & Meuser, D. S. 6
6 Berg, K. H. (1972). Lernbehinderte Kinder und ihre Verhaltensformen. S. 27
4
Anregungen. 7 Die wirtschaftliche Lage der Eltern, sowie das geringe Einkommen oder die Arbeitslosigkeit müssen auch als mögliche Faktoren mit einbezogen werden. Weitere Umweltbedingungen, die berücksichtigt werden müssen, sind sowohl ökologisch als auch kulturell. Diese sind: geringe Anzahl sozialer Kontakte, unvorteilhafte Wohngegend, Anschauungen und Wertorientierungen der Eltern. 8 Verschiedenen Studien haben gezeigt, dass die Mehrheit der schwachen Schüler aus den unteren Schichten kommt, und die ungünstigen sozialökonomischen Faktoren sehr stark auf die Lernfähigkeit dieser Kinder einwirken. 9 Gleichzeitig wird auch vermutet, dass nicht nur das Milieu der Minderbegabten verantwortlich für die Schädigungen ist, sondern auch Hirnschäden, die schwer zu diagnostizieren sind, so dass auch in diesem Sinne, keine Homogenität in dieser Gruppe besteht. Man geht aber hauptsächlich davon aus, dass Hauptgründe für diese Minderintelligenz soziokulturelle Bedingungen mit einschließen. Besondere Geltung findet diese Aussage im Fall der Minderbegabung mit leichtem Grad. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass gerade in Familien, in denen die Eltern selbst minderbegabt sind, die Kinder mehr Probleme haben, sich an die Gesellschaft anzupassen, und sie zeigen häufig Hemmungen in ihrem Intellekt auf. Auf die Frage, ob dies ein Problem der Vererbung ist, oder nicht, bleibt die Antwort offen. 10 Letztendlich zählt nicht so sehr, ob die Familie reich oder arm ist, ob die Eltern geschieden sind oder nicht, oder, ob diese Familien viele Kinder in die Welt setzen oder nicht, sondern das Wichtigste ist immer, dass diese Kinder, sowie jedes Kind, das Recht auf elterliche Liebe haben; und dies soll ihnen auf keinen Fall entbehrt werden. 11
Infolge der genannten Faktoren lassen sich die kognitiven Kennzeichen minderbegabter Kinder deutlich von den Merkmalen der Anderen unterscheiden. Die Lernvorgänge sind im Allgemeinen langsamer, im Vergleich zu den „normalen“ (Hervorhebung von mir) Kindern. 12 Aufgrund dieser vielfältigen Ursachen fällt es den Betroffenen schwer, Reize richtig aufzunehmen und zu verarbeiten. Dies wird sich
7 Berg, K. H. (1972). Lernbehinderte Kinder und ihre Verhaltensgrundformen. S. 27
8 Ebenda. S. 28
9 Brähler, H. (1991). Schüler mit Lernbehinderungen in der Allgemeinen Schule. S. 37
10 Awiszus- Schneider, H. & Meuser, D. S. 6
11 Berg, K. H. (1972). Lernbehinderte Kinder und ihre Verhaltensgrundformen. S. 29
12 Awiszus-Schneider, H. & Meuser, D. S. 11
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Arbeit zitieren:
Barbara Branca, 2005, Minderbegabung: Ursachen und Merkmale, München, GRIN Verlag GmbH
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