Inhaltsverzeichnis
1.
EINLEITUNG , ZIEL DER ARBEIT, VORGEHEN. 1
1.1. Das Neue der NSB. 2
1.2. Definition der NSB und Problematisierung 2
2.
PARADIGMENVIELFALT DER BEWEGUNGSFORSCHUNG 2
3.
DER GESELLSCHAFTSBEZUG DER NEUEN SOZIALEN BEWEGUNGEN 3
3.1. Die moderne Gesellschaft 3
3.2. Folgeprobleme funktionaler Differenzierung 3
3.3. Zusammenfassung 5
3.4. Funktionsbestimmung der neuen sozialen Bewegungen. 6
3.4.1. Die Beobachtung der organisierten Unverantwortlichkeit durch die neuen sozialen
Bewegungen 6
3.4.2. Einheitliche Selbstbeschreibung der Gesellschaft 6
3.4.3. NSB als Angebot der Identitätsstiftung. 6
3.4.4. Neue soziale Bewegungen als Immunsystem der Gesellschaft 7
3.5. Zusammenfassung 8
3.6. NSB als soziale Systeme 9
3.6.1. Die Operationsweise der NSB. 9
3.6.2. Das Zugleich von Geschlossenheit und Offenheit. 10
3.6.3. NSB Interaktionssystem oder Organisation? 11
3.6.4. Die soziale Basis der NSB 11
4.
SCHLUSSBEMERKUNGEN 13
4.1. Erfolg der NSB. 13
4.2. Würdigung der systemtheoretischen Ansätze zu NSB 14
1. Einleitung, Ziel der Arbeit, Vorgehen
Angesichts massiver gesellschaftlicher Veränderungen, die sich vor allem in den Begriffen Globalisierung, Wertewandel, Enttraditionalisierung, Individualisierung und Risikogesellschaft widerspiegeln, scheint die Gesellschaft in einer Orientierungskrise zu stecken. Traditionelle Pflicht- und Gemeinschafts-orientierungen verblassen zunehmend und an ihre Stelle treten individuelle Freiheiten, der Drang oder auch Zwang nach Selbstverwirklichung und auch geistiger Wandel. Gleichzeitig treten virulente gesellschaftliche Probleme wie Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit auf und nicht zu vergessen, die Gefahr angesichts der ökologischen Zerstörung die Lebensgrundlage kommender Generationen aufs Spiel zu setzen. Die Bedrohung durch neue Kriege und das trotz des Endes des Kalten Krieges immer noch vorhandene Zerstörungspotential nuklearer, chemischer und biologischer Waffen, versetzt die Menschen in Be-sorgnis. All diese Risiken und Bedrohungen überfordern den Einzelnen zunehmend und so richten viele ihre Hoffnungen auf die Handlungsfähigkeit der Politik. Doch diese erweist sich angesichts der mannigfaltigen Probleme als überfordert und überlastet und so wird vieles auf die Zeitschiene gesetzt bzw. die eigene Ohnmacht mit bloßer Rhetorik kaschiert. Die Folgen davon lassen sich an der Verdrossenheit der Wähler ausdrücken und messen. Parallel zu diesen Entwicklungen entstehen Netzwerke und Bündnisse, die eine neue Form der Vergemeinschaftung jenseits der traditionellen Familie darstellen und die ein Solidaritäts- und Identifikationsangebot vorhalten, so dass viele bereit sind sich an diesen neuen Formen der Bewegung zu beteiligen und ein beträchtliches Maß an Engagement unter der Zielsetzung zu investieren, etwas an den gesellschaftlichen Zuständen und Problemen zu ändern. Die Rede ist von den neuen sozialen Bewegungen (künftig: NSB), wie etwa die der Globalisierungskritiker von Attac, die Frauenbewegung, die Anti-AKW-Bewegung. Es scheint so, als seien sie die Hoffnungsträger vieler Menschen, in ihrem Kampf um Identität und Problembewältigung. Diese Umbruchsituation ist es auch, die mich momentan selbst beschäftigt und insofern wollte ich einen theoretischen Zugang zu diesem Phänomen gewinnen. Ich erhoffte mir vor allem von der Systemtheorie Antworten auf meine Fragen bezüglich der NSB, da sie ja den Anspruch vertritt eine universale Gesellschaftstheorie zu sein und insofern für alles Soziale Zuständigkeit zu reklamieren. Ich ließ mich auch nicht von den Aussagen Luhmanns in einem Zeitungsinterview abschrecken, die NSB´s seien „Terror-Desperados“ oder gehörten dem „Njet-Set“ an. (vgl. Luhmann 1988) Dies machte mich nur noch neugieriger in der Suche nach dem systemtheoretischen Beitrag zur Bewegungsforschung. Auch wenn Luhmann die ökologische Bedrohung anfänglich für ein lebbares Risiko hielt, so musste er doch eingestehen, dass die NSB sich insbesondere in der Ökologiedebatte zahlreiche Meriten erworben haben und dass sich daraufhin zahlreiche Veränderungen ergaben. Wie kann man nun die NSB systemtheoretisch beschreiben, welche Funktionen haben sie auf welche Probleme beziehen sie sich, sind es Funktionssysteme oder System eigener Art, können sie „die Gesellschaft“ verändern? Auf alle diese fragen erhoffte ich mir von der Systemtheorie eine Antwort. Insofern verwunderte es mich, dass es relativ wenig Beiträge der Systemtheorie zu diesem Thema gibt. Luhmann hat dieses Phänomen nicht strukturiert und gebündelt untersucht, es fanden sich lediglich verstreute Beiträge zu dieser Thematik. Es machte für mich den Eindruck, als ob seine Distanz zu den neuen Bewegungen auch daran lag, dass er sie mit seinem Instrumentarium theoretisch nicht richtig zu fassen bekam. Es ließ sich aber dann doch noch einiges Material finden, um die systemtheoretische Rekonstruktion des Phänomens NSB zu „erforschen“. Die Zielsetzung der Arbeit ist es denn auch, einen vertieften theoretischen Einblick in die systemtheoretischen Ansätze der Analyse der NSB zu erhalten, sie strukturiert aufzuarbeiten und die Frage zu beantworten: lassen sich NSB als autopoietische Systeme beschreiben? Dabei gehe ich wie folgt vor: Zuerst versuche ich den Begriff der NSB genauer zu ergründen, im Anschluss daran stelle ich einen kurzen Exkurs zu weiteren Theorien der Bewegungsforschung an, dann versuche ich die Bezugsprobleme der NSB herauszuarbeiten, wonach ich mit dem Systemstatus der NSB beschäftige. Daran schließt sich eine Analyse des
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Systemstatus der NSB an, um schlussendlich ein Resümee zu ziehen, welches die Erfolgsaussichten der NSB thematisiert und die verschiedenen Ansätze kritisiert bzw. würdigt.
1.1. Das Neue der NSB
Die Kennzeichnung bspw. der Frauen- der Ökologie- der Friedensbewegung als neue soziale Bewegungen durch die Bewegungsforschung impliziert die Fragestellung, welche Kriterien es sind, die eine Unterscheidung der neuen sozialen Bewegungen von den „klassischen“ sozialen Bewegungen, wie etwa der Arbeiterbewegung rechtfertigen. Nicht zuletzt dient diese Unterscheidung Begriffsschärfung und der differenzierten Beobachtung des Phänomens NSB.
Japp (vgl. Japp 1993, S. 230-251) sieht in der Verlaufschronik der sozialen Bewegungen vor allem eine Änderung der Bezugsprobleme der neuen sozialen Bewegungen, die es nahe legt, ihre Entwicklung in drei Phasen aufzugliedern. Am Beginn der Bewegungsgeschichte stehen demnach eine Vielzahl von Normkonflikten, die wegen divergierender Rechtsauffassungen öffentliche Revolten und Aufstände zur Folge hatten. Im 19 Jahrhundert sind diese dann aber von Knappheitskonflikten abgelöst worden, die sich an der ungleichen Verteilung von Gütern und Geldern entzündeten und sogar zum zentralen Systemkonflikt der hochkapitalistischen Gesellschaft avancierten. Im Verlauf des 20 Jahrhunderts sind es nun Konflikte um riskante Entscheidungen, die sich protesterzeugend auswirken. Die Protestthemen der neuen sozialen Bewegungen liessen sich zwar unter das strukturelle Rubrum der Risikoproblematik der modernen Gesellschaft subsumieren, seien aber dennoch heterogener Natur und münden im Unterschied zu den alten Bewegungen nicht in einen Zentralkonflikt, sondern bleiben vielschichtig und mehrdimensional.(vgl. Japp 1986 a) Die Entwicklung hin zu einer modernen und funktional differenzierten Gesellschaft bleibt demnach auch für die neuen sozialen Bewegungen und vor allem für deren Bezugsprobleme nicht folgenlos, in dem Sinne, als sie unter den Bedingungen einer primär funktional differenzierten Umwelt keinen zentralen Zugriffspunkt vorfinden können, sie ihr Bezugsproblem und damit auch sich selbst erzeugen müssen.
1.2. Definition der NSB und Problematisierung
Aus meiner Sicht ist der Rekurs auf eine Definition von NSB für eine systemtheoretische Analyse dieses Phänomens denkbar ungeeignet. Eine Nominaldefinition trifft schon vorab ontologisierende Festlegungen, die sich als dysfunktional erweisen, will man sich den NSB über ihren gesamtgesellschaftlichen Bezug, die Funktion die sie innerhalb der Gesellschaft übernehmen und ihren Systemstatus als autopoietische soziale Systeme nähern. Ich will aber trotzdem eine nennen, um den Begriff der NSB nicht ganz unausgefüllt der Analyse zuzuführen, um quasi als Sprungbrett in die „systemtheoretischen Untiefen“ nutzen. Die Definition von sozialen Bewegungen lautet bei Rucht folgendermaßen: „ Eine soziale Bewegung ist ein auf gewisse Dauer gestelltes und durch kollektive Identität abgestütztes Handlungssystem mobilisierter Netzwerke von Gruppen und Organisationen, welche sozialen Wandel mit Mitteln des Protests- notfalls hin bis zur Gewaltanwendung -herbeiführen, verhindern oder rückgängig machen wollen.“ (Rucht 1994, S. 77)
2. Paradigmenvielfalt der Bewegungsforschung
Blickt man auf die verschiedenen Ansätze und Theorien der Bewegungsforschung, so wird zweierlei deutlich: erstens, ist die Bewegungsforschung momentan noch weit davon entfernt eine Normalwissenschaft im Sinne Thomas S. Kuhns zu sein. Es hat sich bis dato kein einheitliches hegemoniales Paradigma mit weitreichender Erklärungskraft herausbilden können, zweitens kann man feststellen, dass die Bewegungs-forschung keine eigene Theorie besitzt und sich deshalb über Anleihen bei schon bestehenden Theorien (bspw. rational choice) behelfen muss, was durchaus zu der folgenden Schlussfolgerung verleiten kann: „The concept ´social movement´ is a theoretical nightmare.“ (Marwell/Oliver 1984, S.4). In diesem „Albtraum“ tauchen neben dem weniger bedeutenden Relative Deprivation-Ansatz, der die Entstehung der
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NSB als direkte Folge der bestehenden sozialen Problemlagen beschreibt, vor allem die beiden wichtigeren Ansätze: der Resource Mobilization-Ansatz (RM) und der New Social Movement-Ansatz (NSM) auf. Der RM-Ansatz operiert mit rational choice Überlegungen und beschreibt die NSB als rational kalkulierende kollektive Akteure, während der NSM-Ansatz die expressive Seite der NSB stärker betont, indem weniger das Interessenkalkül, als ein Identitätskalkül im Vordergrund steht, das eher im kulturellen Bereich beheimatet ist und die Realisierung und Verteidigung individueller Autonomie verfolgt. Der Unterschied zwischen den letzteren Ansätzen lässt sich mit Hilfe der Schlagwörter strategy vs. identity schlaglichtartig verdeutlichen. Letztlich können die (Teil-) Antworten, welche die oben genannten Ansätze liefern nicht zufrieden stellen. Ihnen fehlt schlicht die Erklärungstiefe und -reichweite, die nur eine Synthetisierung der beiden Ansätze (strategy and identity) unter Zugrundelegung einer zeitgemäßen Gesellschafts-theorie erreichen könnte. „Letztlich geht es um die Frage, welche Theorie dem Phänomen soziale Bewegungen am ehesten gerecht wird, ob es nur einer oder mehrerer bedarf, und wenn mehrerer, welcher und wie sich mehrere Theorien angemessen miteinander kombinieren lassen“ (Hellmann 1996, S.14). Hierzu versucht die systemtheoretische Betrachtung der NSB das Ihre beizutragen, wie sich im folgenden zeigen wird.
3. Der Gesellschaftsbezug der neuen sozialen Bewegungen
3.1. Die moderne Gesellschaft
Die moderne Gesellschaft zeichnet sich durch primäre Differenzierung in funktionsspezifische Teilsysteme aus, die jeweils für sich zuständig sind, ein bestimmtes gesamtgesellschaftlich relevantes Problem zu lösen: Wirtschaft ist für die Beseitigung von Knappheit und damit für Bedürfnisbefriedigung zuständig, Politik für die Herstellung kollektiv bindender Entscheidungen, Recht für die Konfliktregulierung, Wissenschaft für den Erkenntnisgewinn, etc. Jedes Funktionssystem ist autonom darin, was seinen Zuständigkeitsbereich anbelangt und indifferent gegenüber allen anderen, verlässt sich aber darauf, dass anderswo Probleme gelöst werden, für die es sich selbst als nicht zuständig empfindet. Da aus der Tätigkeit eines Funktionssystems Probleme entstehen, die außerhalb seines Zuständigkeitsbereichs liegen, führt die Gleichzeitigkeit von Autonomie und Indifferenz aller Funktionssysteme dazu, dass sich für bestimmte Folgeprobleme keiner zuständig fühlt und keiner zuständig ist, ja dass die Funktionssysteme diese Probleme in ihrer selektiven Sichtweise nicht einmal sehen.
3.2. Folgeprobleme funktionaler Differenzierung
„Funktionale Differenzierung besagt, daß der Gesichtspunkt der Einheit unter dem eine Differenz von System und Umwelt ausdifferenziert ist, die Funktion ist, die das ausdifferenzierte System (also nicht: dessen Umwelt) für das Gesamtsystem erfüllt“ (Luhmann 1998, Bd. II S.745 f.)
Jedes Teilsystem hat also eine bestimmte Aufgabe, die als gesamtgesellschaftlich relevant betrachtet wird ausschließlich und exklusiv zu erfüllen. Dies macht die Leistungsfähigkeit der modernen Gesellschaft aus, da sich die Funktionssysteme ausschließlich ihren spezifischen Aufgaben widmen können und sich nicht mit der gesamtgesellschaftlichen Komplexität auseinandersetzen müssen, sondern nur mit einem Ausschnitt daraus. Diese Konzentration auf nur einen Aspekt hat eine enorme Komplexitätssteigerung zur Folge. Das Leistungsvermögen für spezifische Bezugsprobleme nimmt zwar zu, jedoch führt dies zu einer Radikalisierung der je eigenen Perspektive, die keine Rücksicht nimmt auf die anderen Funktionssysteme bzw. auf die Abstimmung von verträglichen Lösungen im gesellschaftlichen Gesamtkontext. Es gibt in modernen Gesellschaften keine Instanz die diese integrale Aufgabe leisten könnte. „Im Ergebnis löst sich dadurch jede gesamtgesellschaftlich verbindliche Ordnung des Verhältnisses der Funktionssysteme zuein-ander auf; und um so mehr ist dann jedes Funktionssystem auf eigene Schließung, auf eigene Autopoiesis angewiesen - wie gut oder schlecht auch immer es dafür ausgestattet ist.“ (Luhmann 1998, Bd. II S. 770)
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Dieser Aspekt, also die Radikalisierung der eigenen Perspektive bei gleichzeitiger Blindheit für alle anderen Perspektiven- also Autonomie in der Aufgabenerfüllung und Indifferenz gegenüber allen anderen Perspektiven- wirft jedoch zahlreiche Folgeprobleme auf, die bis zur Selbstgefährdung der Gesellschaft reichen können.
Im wesentlichen existieren drei Kategorien von Folgeproblemen der funktionalen Differenzierung: 1. Kategorie:
Folgeprobleme die sich aus der Autonomie der Funktionssysteme bei der Aufgabenwahrnehmung und der daraus resultierenden Indifferenz für andere Perspektiven bzw. Probleme ergeben, was in eine organisierte Unverantwortlichkeit für die Folgeprobleme mündet. Diese Art der Folgeprobleme lassen sich dann noch wie folgt differenzieren:
Folgeprobleme, die in der funktionsspezifischen Kommunikation zwar als Probleme auftauchen, denen jedoch schlichtweg keine Beachtung geschenkt wird und die damit ungelöst bleiben: Als Beispiele lassen sich die Wasserverschmutzung durch das Chemiewerk, Deponiehalden mit austretendem Dioxin, Akademikerschwemme, Politikverdrossenheit, etc. anführen.
Folgeprobleme, die zwar in der Organisation entstehen, die aber in andere Bereiche der Organisation abgedrängt werden, oder aber an andere Organisationen delegiert werden. Das kann dann in die Ausdifferenzierung einer public-Relations- Abteilung münden, die eine kommunikative Scheinlösung anbietet, oder aber die Probleme werden externalisiert und bspw. auf die sozialen Sicherungssysteme abgewälzt
Folgeprobleme, die auf Grund des Komplexitätsproblems der Handlungsabschätzung als solche nicht erkannt werden bzw. von denen man nicht wusste, dass sie sich zu Problemen entwickeln könnten oder die vorher nicht bedacht wurden. Hier reicht das verfügbare Wissen in den Funktionssystemen oft nicht aus, um die Handlungsfolgen zu kalkulieren. Da die Welt komplex ist und die Zukunft unsicher verweist dieser Gesichtspunkt auf die sich ständig steigernde Risikoproblematik in modernen Gesellschaften, indem sich Entscheidungen die in Funktionssystemen getroffen werden (müssen), unversehens mit katastrophaler Wucht gegen den Bestand der gesamten Gesellschaft richten können. (s. Waldsterben, FCKW-Produktion und Ozonloch).
Folgeprobleme die aus allen Zuständigkeiten herausfallen und nur noch extern als Folgeprobleme zugerechnet werden können. Also Probleme für die die Funktionssysteme strukturell blind sind. „Funktional differenzierte Gesellschaften stehen damit vor dem Problem, die durch Leistungssteigerung bewirkten Folgeprobleme gerade nicht über das bewährte und permanent angewandte Differenzierungsverfahren bewältigen zu können.“ (Forschauer / Lueger 1993, S. 18) (s. anwachsende Verkehrsdichte, Verkehrstote).
All diese Probleme sind dazu angetan, die Zweifel am Rationalitätsvermögen der Funktionssysteme insbesondere der Risikoproblematik erheblich zu nähren.
„Die Risikoproblematik bringt alle diese Folgeprobleme funktionaler Differenzierung gewissermaßen auf einen Nenner. Immer mehr Entscheidungssituationen stehen in der komplexen Gesellschaft an, ohne dass mit Sicherheit gesagt werden könnte, welche Risiken damit verbunden sind.“ (Hellmann 1996, S, 47) Daraus folgt, dass sich modernen Gesellschaften das Risiko als zentrale Problematik stellt, ohne dass die funktionale Differenzierungsform -da die Funktionssysteme operativ blind sind- eine adäquate Antwort auf diese Problem parat hätte. In der Konsequenz bedeutet Risikogesellschaft also auch Risiken bzw. Gefahren ausgesetzt zu sein, die man nicht selbst zu verantworten hat, sondern die Entscheidungen innerhalb von Funktionssystemen zurechenbar sind. Dieses Bewusstsein prägt die moderne Gesellschaft wie man bspw. an der Per- und Rezeption der ökologischen Gefährdung sehr gut zeigen kann. 2. Kategorie
Auf Grund der ständig wachsenden gesamtgesellschaftlichen Komplexität und der damit ständig weiter wachsenden Spezialisierung der Teilsysteme, stellt sich zunehmend das Problem der Integra-
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Arbeit zitieren:
Holger Bertsch, 2005, Systemtheorie und neue soziale Bewegungen - Beiträge der Systemtheorie zur Bewegungsforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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