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Inhaltsverzeichnis
1. Novgorod und die Hanse 1
2. Von Visby nach Novgorod - Die Anfänge der
hansisch -russischen Beziehungen 1
3. Das Hansekontor in Novgorod 3
3.1 Der Peterhof 3
3.2 Die Sommer- und Winterfahrer 4
3.3 Die Hofordnung - die Schra 4
3.3.1 Abgaben der Kaufleute und der Handel
mit den Russen 5
3.3.2 Die Organisation im Kontor 5
4. Der Handel 6
4.1 Die Exportwaren 7
4.2 Die Importwaren 8
4.3 Die Handelsbeziehungen zu den Russen 8
5. Das Ende des Kontors 9
5.1 Die Spätzeit der Handelsbeziehungen mit Novgorod 9
5.1.1 Die Konkurrenz mit den livländischen Städten 10
5.1.2 Die Schließung des Kontors 11
5.1.3 Die Neueröffnung des Peterhofes 12
6. Anhang 13
7. Quellennachweis 15
7.1 Literaturverzeichnis 15
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1. Novgorod und die Hanse
Seit dem Niedergang Kievs im 12. Jahrhundert bildet Novgorod das wirtschaftlich und kulturell bedeutendste Zentrum der Rus‘ und wurde erst im 15. Jahrhundert von Moskau abgelöst. Novgorod war im Mittelalter die bei weitem größte Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern im 13. Jahrhundert. Diese mittelalterliche Großstadt war durch ihre verkehrsgünstige Lage am Wolchow ein Eckpfeiler des Hansehandels, das Zentrum hansisch-russischer Beziehungen geworden. Novgorod, was soviel wie „Neue Burg“ bedeutet, war zu jener Zeit ein Fürstentum, das faktisch unter der Herrschaft der Bojaren stand. Novgorod war neben Pleskau die größte Stadt im Norden Osteuropas und ab dem 12. Jahrhundert auch bedeutendes Zentrum des Handwerks. 1 Besonders die deutschen Kaufleute nutzten Novgorod als Kontor für ihren Handel im Ostseeraum und nahmen in hohem Maße Einfluß auf die Stadtentwicklung. Die Geschichte des aufstrebenden Hansehandels mit dem Novgoroder Kontor, der seine Anfänge im 12. Jahrhundert fand, bis zu seinem Ende im 16. Jahrhundert, soll diese Hausarbeit mit besonderem Hinblick auf den Handel mit den Deutschen und die Entwicklung deren Niederlassung, dem Peterhof, näher erläutern. Wie sich der Handel mit Novgorod im Mittelalter entwickelte, welche die Handelsbeziehungen regelnden Institutionen es gab, welche Beziehungen die Deutschen zu den Russen pflegten und warum Novgorod seine bedeutende Stellung im 16. Jahrhundert verlor, sollen die Leitfragen dieser Hausarbeit sein. 2. Von Visby nach Novgorod - Die Anfänge der hansisch-russischen Beziehungen Nach der Neugründung Lübecks durch den Sachsenherzog Heinrich den Löwen im Jahre 1159 nahmen deutsche Kaufleute sobald den Handel mit Gotland auf, welches im 11. und 12. Jahrhundert den Mittelpunkt des Ostseehandels darstellte. 2 Die Gotländer trieben schon früh Handel mit den Russen. Sie folgten den von den Warägern eröffnetem Weg nach Rußland, bzw. bis zum Schwarzen Meer. Als sich dieser im 11. Jahrhundert jedoch schloß, fanden die Skandinavier in Novgorod immer noch die begehrten orientalischen Waren, die über Kiew und Smolensk dorthin gelangten. Von Visby aus folgten die deutschen Kaufleute den gotländischen Kaufleuten - vom regen Handel der Gotländer mit den Russen beflügelt - nach Novgorod.
1 Vgl. Angermann, Norbert; Novgorod und die Hanse im späten 13. Jahrhundert, in: Hansson, Pär
(Hrsg.), Novgorod-Örebro-Lübeck after 700 years, Örebro 1995, S. 54.
2 Vgl. ebda., S. 53.
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Hier fanden sie anfangs als Gäste in der gotländischen Niederlassung, dem Gotenhof, Unterkunft, bis sie einige Jahre später mit dem Bau ihrer eigenen Niederlassung, dem Peterhof bzw. der namengebenden Peterskirche, begannen. 3 Der erste Handelsvertrag der deutschen und gotländischen Kaufleute läßt sich etwa auf das Jahr 1190 datieren. 4 Fürst Jaroslav schloß diesen Vertrag gemeinsam mit den Deutschen und Gotländern, nachdem es erste Zusammenstöße zwischen Novgoroder Kaufleuten und der Gotländischen Genossenschaft gab. Der Vertrag sicherte den deutschen und gotländischen Kaufleuten Schutz ihrer Person sowie ihrer Waren zu, unter der Voraussetzung der Gegenseitigkeit für die russischen Kaufleute. 5 Die Bedeutung des deutschen Kaufmannes zeigte sich schon einige Jahre darauf. Als im Jahre 1230 Novgorod von einer Hungersnot bedroht wurde, waren es die deutschen Kaufleute, die durch Getreidelieferungen die Not der Novgoroder lindern konnten.
Während der Ostseeraum zu Zeiten des beginnenden Ostseehandels von Lübeck aus noch weithin unterentwickelt war, so bildete Novgorod schon einen Stadtstaat mit großer wirtschaftlicher Kraft. Alle wichtigen Entscheidungen wurden von der Novgoroder Volksversammlung getroffen. Diese setzte sich aus den handeltreibenden Grundbesitzern, Kaufleuten und einigen Handwerkern zusammen. Mitglieder der Volksversammlung besetzten wichtige Ämter und wählten den Bischof. Die Fürsten waren nur noch Exekutivbeamte, lediglich als Heerführer besaßen sie im Krieg noch wirkliche Macht. Das Gebiet Novgorods erstreckte sich zwischen Livland und dem Großfürstentum Moskau sowie dem ganzen zum Flußsystem des Wolchow und des Lowater Landes gehörenden Gebietes, zuzüglich der weiten Landschaften am Weißen Meer und am nördlichen Eismeer bis Sibirien hinein. Gerade diese Gebiete bescherten Novgorod den Reichtum an der begehrtesten Handelsware, dem Pelzwerk. 6
3 Die Gotländer besaßen schon seit dem 11. Jahrhundert den Gotenhof, eine eigene Faktorei. Dieser
Gotenhof mit der St. Olafskirche befand sich auf der sog. „Handelsseite“ der Stadt, also auf der Ostseite
Novgorods, das durch die Wolchow in eine Ost- und eine Westseite getrennt wird. Vgl. Schildhauer, J.,
Fritze, K., Stark, W.; Die Hanse, Berlin 1974, S. 49.
4 Vgl. Angermann, a.a.O., S. 54.
5 Vgl. Dollinger, Philippe; Die Hanse, 2. Auflage, Stuttgart 1976, S. 44.
6 Vgl. Pagel, Karl (neu bearbeitet von F. Naab); Die Hanse, Braunschweig 1983, S. 29 f.
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3. Das Hansekontor in Novgorod
Nachdem sich die Zahl der deutschen Kaufleute in Novgorod ständig vergrößerte, die Unterkunft im Gotenhof somit nicht mehr möglich war, erwarben die Deutschen bald selbst eine eigene Niederlassung in Novgorod.
3.1 Der Peterhof
Als Resultat des ersten Handelsvertrages mit den Novgorodern, erhielten die Deutschen um 1190 das Recht, ihre eigene Niederlassung, den Peterhof oder curia sancti Petri, zu gründen.
Novgorod stellte das älteste Auslandskontor und mitunter auch das wichtigste Kontor der Hanse dar. 7
Die Niederlassung befand sich auf dem östlichen Wolchow-Ufer, auf der sogenannten Handelsseite, am Südrand des Marktes und wurde von einer Palisade umgeben, welche im Verteidigungsfall ausreichend Schutz bieten sollte. Das Zentrum der Niederlassung bildete die Peterskirche, ein gewölbter, chorloser, dreischiffiger, unterkellerter Steinbau. Die Peterskirche wurde nicht nur als Kirche genutzt, sie diente gleichzeitig als Warenspeicher, Schatzkammer und Archiv. Durch ihren Steinbau war die Kirche vor Feuer relativ geschützt.
Wegen des Wertes der dort eingelagerten Waren, wurde zum Schutz vor Diebstahl die Kirche während der Nacht verschlossen, und es wurden zwei Wachen in die Kirche eingeschlossen, die wegen Feuergefahr allerdings kein Licht bei den Waren brennen lassen durften. Sie mussten die Fenster der Kirche geschlossen halten und einen schweren Holzriegel an der Kirchentür vorlegen. Den Kirchenschlüssel bewahrte über Nacht der Ältermann des Hofes auf, kein Russe durfte den Schlüssel jemals zu Gesicht bekommen.
Weitere Speicher außerhalb der Kirche sowie Wohnhäuser waren aus Holz gebaut. Die Kaufleute legten ihre Warenproben und -muster in besonderen Verkaufshallen aus, zu deren Besichtigung die russischen Kaufleute in den Hof gelassen wurden. Die Schlafräume der Kaufleute erstreckten sich auf mehrere Gebäude und boten in der Regel etwa 80 bis 100 Kaufleuten Unterkunft.
7 Kontore sind Hauptstützpunkte des hansischen Handels im Ausland. Sie sind zu verschiedenen Zeiten
als freie genossenschaftliche Zusammenschlüsse der in der Fremde tätigen Kaufleute entstanden.
Innerhalb der Kontore regeln Satzungen oder Hofordnungen das Zusammenleben und die Grundzüge des
Handels. Kontore erwarben vielfältige Privilegien von den jeweiligen Obrigkeiten. Nach der Mitte des 14.
Jahrhunderts wurden sie dem Hansetag unterstellt.
Arbeit zitieren:
Andreas von Münchow, 2001, Novgorod und die Hanse, München, GRIN Verlag GmbH
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