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0 Einleitung
Ein 15-jähriger schreibt kurz vor seinem Suizid: „Ich habe Angst vor dem Sterben, aber dies ist besser, als für alle Zeit als Versager abgestempelt zu werden. Ich hoffe, dass ich wenigstens auf diesem letzten Ausweg das Ziel nicht verfehlen werde. Ich lebe gern, doch ein des Lebens unwürdiges Dasein ist nicht lebenswert.“ (Tölle, 2000, Seite 67).
Diese Einleitung zeigt nicht nur wie wichtig es ist sich mit dem Thema Depression auseinanderzusetzen, sie soll ebenso verdeutlichen, dass diese Erkrankung auch bei vielen Kindern und Jugendlichen vorkommt. Dabei stand lange Zeit nicht fest, ob Jüngere aufgrund ihrer vermeintlich nicht voll entwickelten Persönlichkeit überhaupt depressiv erkranken können. Erst gegen Ende der 60er Jahre wurde erkannt, dass sogar 2-5 % der Kinder an Depressionen leiden und diese Zahl immer häufiger sowie in früherem Alter diagnostiziert wird.
Spätestens jetzt müsste deutlich geworden sein, warum sich jeder angehende Lehrer mit den Erscheinungsformen, den Ursachen und möglichen Interventionsverfahren der Depression vertraut machen sollte, denn falls die Erkrankung unerkannt bleibt, kann sie in 18% der Fälle zu Selbstmordversuchen führen. Auch wenn ein engagierter Lehrer nur einmal in seiner Berufslaufbahn eine solche Tat verhindern könnte, hätte er damit bereits ein kostbares Leben gerettet.
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Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 1
1 Begriffsdefinition und grundlegende Merkmale der Depression 3
2 Erscheinungsformen der Depression 5
2.1 Erscheinungsformen 5
2.2 Major Depression 6
2.3 Dysthyme Störung 7
3 Depression im Kindes und Jugendalter 8
3.1 Kinder im Vorschulalter 8
3.3 Schulkinder 8
3.3 Pubertät und Jugendalter 9
3.4 Weitere Symptome vom Kindesalter bis zur Adoleszenz 9
4 Erklärungsansätze 10
4.1 Biologische Faktoren 10
4.2 Psychische Faktoren 12
4.3 Soziale Faktoren 13
5 Interventionsverfahren 14
5.1 Der dreiphasige Prozess der Behandlung 14
5.2 Pharmakotherapie 14
5.3 Psychologische Interventionen 15
6 Literaturverzeichnis 18
3
1 Begriffsdefinition und grundlegende Merkmale der Depression
Das Thema Depression ist sehr komplex. Deshalb enden die Versuche möglichst kurze Begriffsdefinitionen zu finden häufig enttäuschend. Oft verfällt die Öffentlichkeit dem Irrglauben, dass es sich bei einer Depression nur um einen traurigen Zustand handelt. Eine depressive Erkrankung besteht jedoch nur, wenn darüber hinaus bestimmte Bedingungen erfüllt sind und weitere Symptome hinzukommen. Im Folgenden wird der Begriff zunächst kurz erläutert, bevor seine Erscheinungsformen im nächsten Kapitel genauer betrachtet werden.
Die Depression ist ein längerer Zustand von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, der emotional, kognitiv, im Verhalten sowie körperlich erlebt wird. Er kann mehrere Wochen, aber auch viele Monate in unterschiedlichen Formen sowie Intensitäten auftreten und ist durch diverse Erscheinungsformen gekennzeichnet.
Zur emotionalen und kognitiven Ebene sind außer der Traurigkeit und Niedergeschlagenheit im Allgemeinen folgende Begleitsymptome zu zählen: Ø Konzentrationsstörungen (z.B. im Schulunterricht) Ø Teilweise Unfähigkeit zu jeglicher Gefühls reaktion Ø Teilweise Reizbarkeit (dies kann sich auch in einer Aggression äußern) Ø Gefühle der Wertlosigkeit Ø Schuldgefühle Ø Selbstvorwürfe Ø Pessimistische Einstellung (Überbewertung des Negativen) Ø Hoffungslosigkeit Ø Selbstmordgedanken (78% der Depressiven denken an Selbstmord)
Zu den typischen Verhaltensweisen & körperlichen Begleitsymptomen zählen: Ø Appetitlosigkeit (oft auch in Form eines Frusstessens) Ø Schlafstörungen Ø Vermeidung sozialer Kontakte (Abgrenzung von Freunden) Ø Selbstmordversuche (18% der Depressiven versuchen sich das Leben zu nehmen)
Abbildung 1: Symptome der Depression und ihre Häufigkeit (bearbeitete Veranschaulichung nach Brockhaus AG, 2001)
Die vielen verschiedenen Begleiterscheinungen verdeutlichen, wie schwer es ist eine Depression zu diagnostizieren. Oft wird sie nicht erkannt, da sich die Erkrankung hinter anderen Symptomen verbirgt. Dazu gehören vor allem bei Kindern Schulphobien, Trennungsängste, Hyperaktivität und psychosomatische Erscheinungen. Dabei ist eine frühzeitige Diagnose wichtig um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und vor allem um die Langzeitfolgen wie chronische Depressionen im Erwachsenenalter zu vermeiden.
Derzeit leidet in Deutschland etwa 5% der Bevölkerung an einer Depression – das sind 4 Millionen Menschen, circa 20% sind von dieser Erkrankung zumindest einmal in ihrem Leben betroffen. Damit gehört die Depression neben dem Herzinfarkt zu den häufigsten Volkskrankheiten.
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2 Erscheinungsformen der Depression
2.1 Erscheinungsformen
Da eine Depression bezüglich ihrer Symptome und ihrer Intensität stark variieren kann, gibt es verschiedene Bezeichnungen für die jeweiligen Erscheinungsformen. Unterschieden wird dabei zwischen den so genannten monopolaren depressiven Störungen, die ausschließlich durch depressive Episoden gekennzeichnet sind und den bipolaren Manisch-Depressiven Erkrankungen, bei der sich depressive und manische Episoden abwechseln.
Abbildung 2: Formen der Depression (www.kompetenznetz-depression.de)
In Abbildung 2 ist bei der depressiven Episode zu erkennen, dass die negative Verstimmung sowie ihre Begleitsymptome sehr stark ausgeprägt sind. Man spricht von solch einer Phase, wenn sie mindestens zwei Wochen anhält, im Durchschnitt ist jedoch von einer Dauer zwischen sechs bis neun Monaten auszugehen. In 70% der Fälle tritt eine depressive Phase nicht nur einmal, sondern mehrfach auf. In diesem Fall spricht man von einer rezidivierenden depressiven Episode. Zwischen diesen Phasen, in denen die Erkrankten durchaus ein unbeschwertes Leben führen und frei von Symptomen sein können, vergehen durchschnittlich zwei Jahre. Die dritte Zeichnung in Abbildung 2 zeigt eine bipolare Störung, die durch eine Umkehrung der typisch depressiven Symptome gekennzeichnet ist. Die Betroffenen haben nach einer depressiven Episode plötzlich eine gehobene Stimmung sowie einen stark erhöhten Tatendrang. Außerdem können sie an Größenwahn und einem Kaufrausch leiden. Die bipolare Störung tritt im Kindes- und Jugendalter weniger
Arbeit zitieren:
Michel Allendörfer, Nadja El-Bialy, 2004, Depression, München, GRIN Verlag GmbH
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