Gliederung
1. Einleitung 3
2. Experiment 4
2.1. Vorbereitung der Verfasser 4
2.1.1. Vorbereitung der Testpersonen 5
3. Problemstellen 6
3.1 Problemstelle 1 6
3.2 Problemstelle 2 8
3.3 Problemstelle 3 9
3.4 Problemstelle 4 10
3.5 Problemstelle 5 12
4. Bewertung und Vergleich der Übersetzung 14
5. Schluss 15
6. Literaturverzeichnis 16
7. Anhang 17
7.1 Originaltext 17
7.2 Übersetzung der Testpersonen 18
7.3 Deutsche Originalübersetzung 19
8. LD-Protokoll 1 19
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3. Einleitung
Eine kreative Übersetzung entsteht laut Kußmaul „[...] aufgrund einer obligatorischen Veränderung des Ausgangstexts, und sie stellt etwas mehr oder weniger Neues dar, das zu einer bestimmten Zeit und in einer (Sub-)Kultur von Experten (=von Vertretern eines Paradigmas) im Hinblick auf einen bestimmten Verwendungszweck als mehr oder weniger angemessen akzeptiert wird.“ Kreativität wurde bisher selten mit Übersetzen in Verbindung gebracht. Aber auch eine Übersetzung kann in gewissem Maße eine kreative Leistung sein, denn während des Übersetzungsvorgangs laufen Denkprozesse ab, die zu kreativen Lösungen führen. Um kreative Denkprozesse besser aufzeigen zu können, wird ein Dialogprotokoll erstellt. Dafür werden zwei Testpersonen beim Übersetzen auf Tonband aufgenommen und das auf diese Weise entstehende Gesprächsprotokoll analysiert. Die Analyse des Protokolls wird im Folgenden ausführlich dargestellt.
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2. Experiment
Damit kreative Prozesse während des Übersetzens deutlich werden, wird ein Experiment durchgeführt. Hierbei müssen zwei Testpersonen einen kurzen Text mit Problemstellen übersetzen. Dieser Übersetzungsprozess wird auf Tonband aufgenommen und anschließend als Protokoll des lauten Denkens (LD-Protokoll) transkribiert.
2.1. Vorbereitung der Verfasser
1. Schritt: Auswahl eines Texts
Der Text sollte möglichst kurz und ohne Hintergrundwissen leicht zu verstehen sein. Trotzdem sollte er Problemstellen enthalten, da diese kreatives Übersetzen erfordern. Die Wahl fiel auf einen Artikel aus der Zeitschrift „H.O.M.E“ (07/08//03), in dem es um Autos geht, deren Karosserie von Designern gestaltet wurde.
2. Schritt: Auswahl der Testpersonen Üblicherweise sollten die Testpersonen Übersetzen oder Dolmetschen studieren beziehungsweise gewisse übersetzerische Vorkenntnisse haben. Die Auswahl fiel auf eine Studentin im 5. Semester am FASK Germersheim (Testperson A) und einen Informatik-Studenten der Universität Karlsruhe (Testperson B). Wir entschieden uns für Testperson B, weil wir beobachten wollten, inwiefern sich die Denkprozesse einer Person, die nicht vom Fach ist, mit denen einer angehenden Übersetzerin vergleichen lassen.
2.1.1 Vorbereitung der Testpersonen
Die Testpersonen treffen sich, um die Übersetzung anzufertigen. Nach erstmaligem Lesen des Textes und einer Erklärung der Verfasser, beginnen die Testpersonen mit der Tonbandaufnahme und somit auch mit der Übersetzung. Folgende Wörterbücher standen zur Verfügung: PONS Kompaktwörterbuch Englisch-Deutsch - Deutsch-Englisch, PONS Großwörterbuch für Experten und Universität Englisch-Deutsch - Deutsch-Englisch, Langenscheidt DCE. Da viele Vokabeln unbekannt waren, wurden diese Wörterbücher des Öfteren eingesetzt. Sie arbeiteten in einer entspannten und konzentrierten Atmosphäre, was man dadurch erkennen kann, dass trotz langer Diskussionen über Problemstellen die Stimmung immer wieder durch Lachen aufgelockert wird. Die Testpersonen benötigen für die Übersetzung etwa eineinhalb Stunden. Die vollständige Übersetzung der Testpersonen, die Original-Übersetzung und die Transkription der Tonbandaufnahme werden dem Anhang beigefügt.
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3. Problemstellen
Im Folgenden werden die Problemstellen der Testpersonen genauer analysiert, und es wird untersucht, welche Denkprozesse ablaufen und ob diese Denkprozesse zu kreativen Lösungen führen. Bei der Auswahl des Texts wurde besonderes Augenmerk auf Problemstellen wie zum Beispiel „[...] clothes for their bodies [...]“ (vgl. Anhang, Originaltext, Zeile 3/4), „[...] fragile models that walk the Paris catwalk […] (vgl. Anhang, Originaltext, Zeile 12/13) und „[...] the agile city model [...]“ (vgl. Anhang, Originaltext, Zeile 13) (H.O.M.E. 07/08//03) gelegt.
Im LD-Protokoll traten jedoch, zusätzlich zu den erwarteten Problemstellen, Schwierigkeiten an anderen Textstellen auf. Diese waren zum Beispiel die Überschrift „Micra’s Metamorphoses“ (vgl. Anhang, Originaltext, Zeile 1), und der erste Satz „Haute Couture pour la voiture“ (vgl. Anhang, Originaltext, Zeile 2) oder „[...]had to do without [...]“ (vgl. Anhang, Originaltext, Zeile (2/3).
3.1 Problemstelle 1
Die ersten Schwierigkeiten treten schon in Zeile 3/4 an der Stelle „[...] clothes for their bodies [...]” auf.
Große Probleme bereitet das Wort „clothes“, da die Übersetzung „Kleidung“ die ganze Zeit über als nicht passend für Autos empfunden wird. Auch Begriffe wie „Klamotten“, „Dress“ oder „Schmuck fürs Auto“ führen nicht zu einer zufriedenstellenden Übersetzung. Es folgt eine lange Diskussion, aus der der Vorschlag „Karosserie-Kleidung“ hervorgeht. Durch die Alliteration macht Kandidat B den Vorschlag „Mobil-Make-Up“, der zunächst als Übersetzung akzeptiert wird. Die Testpersonen widmen sich daraufhin dem nächsten Satz, kommen aber schon nach kurzer Zeit auf die Problemstelle „clothes“ zurück.
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Die endgültige Übersetzung lautet „Outfit fürs Auto“. Die Lösungsfindung kann anhand des Vierphasenmodells (vgl. Zusammenfassung bei Preiser 42-49) erklärt werden. In der Präparationsphase wird der Text gelesen und das Wort „clothes“ als Problem erkannt. In der darauf folgenden Inkubationsphase wird das lexikalische Wissen der Testpersonen durch Top-Down-Prozesse (vgl. Kußmaul 67) aktiviert, woraufhin das Wort „clothes“ automatisch mit „Kleidung“ übersetzt wurde. Diese Übersetzung ist für Testperson A jedoch prototypisch für einen Menschen und nicht mit einem Auto assoziierbar (Prototypentheorie, vgl. Kußmaul 106). Es folgen zahlreiche Vorschläge, wie „Kleidung“, „Klamotten“ und „Dress“, die deutlich die von Guilford beschriebene Flüssigkeit des Denkens aufzeigen (fluency of thinking, vgl. Kußmaul 75). In der darauf folgenden Diskussion regt Testperson A zu kreativem Übersetzen an, woraufhin Testperson B den Vorschlag macht, deutsche Modewörter mit Alliterationen, wie zum Beispiel „Karosserie-Kleidung“, zu verwenden.
Es ist zu beobachten, dass Inkubations- und Illuminationsphase ineinander übergehen. Aus der Alliteration des Wortes „Karosserie-Kleidung“ entsteht der vorerst endgültige Vorschlag „Mobil-Make-Up“, welcher von Testperson A sofort als positiv evaluiert wird (Ausrufe wie „Ist das geil.“, „Das ist geil.“, „Das nehmen wir.“; vgl. LD-Protokoll 5). Diese vorschnelle Begeisterung wandelt sich im nächsten Satz schon sehr schnell in Zweifel um. Daraufhin entschließen sich die Testpersonen, den endgültigen Feinschliff am Ende vorzunehmen und noch einmal auf das Wort zurückzukommen. Während des Übersetzens des nächsten Satzes kommt Testperson A plötzlich noch einmal auf das Wort „Mobil-Make-Up“ zurück. Hieran sieht man, dass der Evaluationsprozess noch nicht vollständig abgeschlossen ist, da Testperson A sich immer noch in Gedanken mit diesem Wort beschäftigt und es noch nicht als positiv evaluiert hat.
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Nachdem der Text vollständig übersetzt ist, kommen die Testpersonen noch einmal auf die Textstelle „clothes for their bodies“ zurück. Ohne das Wort „Mobil-Make-Up“ erneut angesprochen zu haben, entsteht der Vorschlag „Outfit fürs Auto“. Die Begriffe „Mobil-Make-Up“ und „Outfit fürs Auto“ sind Szenenelemente des Gesamtszenarios „Micra’s Metamorphose“. Eine Metamorphose stellt immer einen Wandel zum Schönen dar. Die Fokussierung des Szenenelementes „Mobil-Make-Up“ ruft die Vorstellung einer kurzfristigen Veränderung hervor, da „Make-Up“ für gewöhnlich nur temporär ist, wohingegen die Fokussierung des Szenenelementes „Outfit fürs Auto“ eine längerfristige Veränderung darstellt. Die Übersetzung ist kreativ, da durch das Wort „Outfit“ eine größere Bildlichkeit gegeben ist, als durch das im Ausgangstext vorgegebene Wort „clothes“.
3.2. Problemstelle 2
Mit dem Ausdruck „[...] and many drivers are finical design aficionados [...]“ (vgl. Anhang, Originaltext 8/9) widmen sich die Testpersonen der nächsten Problemstelle. Hierbei handelt es sich nicht um ein syntaktisches oder grammatikalisches, sondern um ein Vokabelproblem, denn die Wörter „finical“ und „aficionado“ sind unbekannt. Die Präparationsphase besteht darin, dass die beiden unbekannten Wörter im Wörterbuch nachgeschlagen werden. Testperson A aktiviert mit dem Rahmen „aficionado“ ihre Top-Down-Prozesse und kommt dabei zu dem Schluss, dass es spanisch klingt. Nachdem die Vokabelfragen geklärt sind („aficionado” - Fan, Liebhaber), versuchen die Testpersonen über szenische Darstellungen („Die jagen diesen Design-Dingern hinterher“, (vgl. LD-Protokoll 7 ) eine Übersetzung zu finden. Auch hier gehen Inkubations- und Illuminationsphase stark ineinander über, da durch das Vorhandensein der Szene schnell der neue Rahmen „Design-Junkies“ gefunden wird. Um sich noch einmal zu versichern, leitet
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Andishe Gottlieb, Tina Hollstein, 2004, Kreatives Übersetzen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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