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Gliederung
Einleitung 3
1. Definition und grammatische Einordnung 5
2. Bedeutung 9
3. Abgrenzung des Zustandspassivs von anderen Formen 12
Zusammenfassung 17
Literaturverzeichnis 18
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Einleitung
Die deutsche Sprache verfügt neben dem Vorgangspassiv über eine Konstruktion, die sich aus dem Verb sein und dem Partizip II eines transitiven oder intransitiven Verbs setzt (z.B. Die Tür ist geöffnet oder Den Menschen ist damit nicht geholfen) und von den Grammatikern als Zustandspassiv oder als sein-Passiv bezeichnet wird. Das Zustandspassiv gehört im Deutschen zu den grammatischen Erscheinungen, die relativ spät in das Gesichtsfeld der linguistischen Forschung getreten sind und deren Interpretation erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche, aber recht unterschiedliche und heterogene Ansatzpunkte zur Erklärung des Zustandspassivs. Diese Ansatzpunkte ergeben sich aus den unterschiedlichen theoretischen Rahmen, von denen aus eine Beschreibung versucht wird. Die Meinungsverschiedenheit fängt schon bei der Terminologie an. Während z.B. Helbig/Kempter (1973) und verschiedene Grammatiken den Terminus Zustandspassiv verwenden und das Zustandspassiv dem mit werden gebildeten Vorgangspassiv gegenüberstellen, lehnen Brinker (1971) und Schoenthal (1976) die inhaltlich gefassten Termini ab und sprechen von sein- und werden-Passiv. Die Terminologie hängt offensichtlich damit zusammen, dass das werden-Passiv, nicht nur zu ausgeprägten Vorgangsverben, sondern auch zu Verben, die eher Zustände bezeichnen, gebildet werden kann.
Die grammatische Einordnung dieser Konstruktion wird heutzutage auch noch kontrovers diskutiert. In einigen Grammatiken wird das Zustandspassiv als Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv analysiert. Die anderen G rammatiken betrachten das Zustandspassiv als eigenständige Verbalkonstruktion, also als drittes Genus verbi neben dem Aktiv und Vorgangspassiv. Die dritten behandeln diese grammatische Erscheinung als Kopulakonstruktion, bei der sich sein mit einem adjektivierten Partizip II verbindet.
Einen wichtigen Beitrag zur grammatischen Analyse und Einordnung des deutschen Zustands- oder sein-Passivs haben vor allem Glinz (1952), Brinker (1971), Schoenthal (1976), Helbig (1982), Zifonun (Grammatik der deutschen Sprache, 1997), Rapp (1996), Lenz (1993) geleistet.
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In dieser Arbeit möchte ich die grammatische Einordnung des Zustands- oder des sein-Passivs untersuchen. Ob es eine Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv, ein eigenes Genus verbi oder eine Kopulakonstruktion ist? Dieses wird im ersten Kapitel behandelt. Im zweiten Kapitel versuche ich die Antwort auf die Frage Welche Bedeutung hat das Zustands- oder sein-Passiv? zu finden und festzustellen, wie sich seine Bedeutung von der Bedeutung der anderen Zustandsformen unterscheidet. Im dritten Kapitel werde ich mich mit der Abgrenzung des Zustands- oder sein-Passivs von anderen Konstruktionen befassen.
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1. Definition und grammatische Einordnung
Wie es schon erwähnt wurde, gehört das Zustandspassiv zu den grammatischen Erscheinungen, die in der Literatur nicht einheitlich behandelt werden. Es wird auf verschiedene Weise definiert und eingeordnet. Rapp (1996:231) meint, dass in diesem Zusammenhang prinzipiell drei Analysen existieren:
1. Das Zustandspassiv wird als Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv analysiert.
2. Das Zustandspassiv wird als eigenständige Verbalkonstruktion, d.h. als drittes Genus verbi neben Aktiv und Vorgangspassiv behandelt.
3. Das Zustandspassiv wird als Kopulakonstruktion betrachtet, bei der sich sein mit einem adjektivierten 3. Status verbindet.
Die erste und die dritte Ansicht gleichzeitig vertritt Lenz (1993:45): „Wenn es sich bei einem sein-Partizip nicht um ein reduziertes werden-Partizip handelt, wird es als adjektivisch betrachtet.“ Lenz meint also, dass das Zustandspassiv kein eigenes Genus verbi ist, sondern, ja nach sprachlichem Kontext, entweder als Vorgangspassivellipse oder als Kopula + Adjektivkonstruktion betrachtet wird. Gegen die Ansicht, dass das Zustandspassiv ein reduziertes vorzeitiges Vorgangspassiv ist, gibt es viele Einwände. Rapp (1996:236ff) führt einige Einwände auf, die eine Ellipsenanalyse prinzipiell ausschließen. Vor allem können das Zustandspassiv und Vorgangspassiv nicht immer in den gleichen sprachlichen Kontexten erscheinen. Die Beispiele
1) Das Haus ist vor einem Jahr zerstört worden und
1a) Das Haus ist seit einem Jahr zerstört
zeigen, dass die beiden Konstruktionen einander nicht ersetzen können. Gegen die Ellipsentheorie spricht auch die Tatsache, dass das Zustandspassiv manchmal das Perfekt und Plusquamperfekt bildet (Helbig/Buscha, 1998:162):
2) ich bin geimpft gewesen
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2a) ich war geimpft gewesen
Der weitere Einwand besteht darin, dass bei Zustandsverben das Zustandspassiv nicht mit einem vorzeitigen, sondern mit einem gleichzeitigen Vorgangspassiv äquivalent ist:
3) Die Lampe ist/wird von einem starken Hacken gehalten
4) Die Wiese ist/wird von einer Landstraße durchzogen
Das Zustandspassiv zeigt auch andere Koreferenzeigenschaften als das Vorgangspassiv. Das Vorgangspassiv erlaubt z.B. keine Koreferenz des unterdrückten Subjektsarguments mit dem an Subjektstelle realisierten Akkusativargument des Basisverbs. Die folgenden Beispiele besitzen daher keine reflexive Lesart:
5) Das Kind ist gekämmt worden. → nichtreflexiv
6) Er ist gewachsen worden. → nichtreflexiv 7) Er ist geduscht worden. → nichtreflexiv
Beim Zustandspassiv gibt es solche Restriktionen nicht:
5a) Das Kind ist gekämmt. → reflexiv oder nichtreflexiv
6a) Er ist gewachsen. → reflexiv oder nichtreflexiv 7a) Er ist geduscht. → reflexiv oder nichtreflexiv
Der nächste Einwand bezieht sich auf die Semantik. Sehr oft ist das Perfekt des Vorgangspassivs möglich, das Zustandspassiv jedoch nicht:
8) Der Mann ist gesehe n worden.* Der Mann ist gesehen. 9) Er ist geärgert worden.* Er ist geärgert. 10) Sie ist endlich geheiratet worden.*Sie ist endlich geheiratet.
Der letzte Kritikpunkt besteht darin, dass das Partizip II bei dem Vorgangspassiv im Unterschied zum Zustandspassiv niemals durch un- präfigiert werden kann:
Quote paper:
Alexey Pimanyonok, 2004, Das Zustands- oder sein-Passiv im Deutschen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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