Geschichte der Basilika: Unter der heute erhaltenen Basilika befinden sich noch zwei weitere Bauschichten: * Tiefste und älteste Bauschicht:
Hier befinden sich die Überreste eines Mithreums aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Der Altarraum befindet sich im Hof eines Wohnhauses, der sogenannten Domus Clementis. Dieser Raum wurde nicht zerstört, da er nach Ansicht der frühen Christen in Zusammenhang mit dem Tod des heiligen Clemens stand und in der ersten Basilika als Confessio diente.
* Erste Basilika:
Die erste Basilika wurde im Pontifikat des Papstes Siricius (384 - 399) errichtet. Es handelte sich um eine dreischiffige Basilika mit einem Narthex und einer Apsis. Als im Jahr 1084 die Normannen, unter der Leitung von Robert Guiscard, Papst Gregor VII. zu Hilfe eilten, kam es zu einem Stadtbrand, bei dem die Kirche schwer beschädigt wurde. Im Jahr 1089 versuchte man die Kirche zu restaurieren und baute im Nordschiff eine Stützmauer ein. Diese Restaurierungsversuche hatten jedoch nur geringen Erfolg.
* Heutige Basilika:
Unter dem Titularpriester Anastasius (1099 - 1125) und Kardinal Pietro Pisani kommt es schließlich zum Neubau. Dafür wurde die alte Basilika bis in die Höhe der Pfeiler, die das Mittel- vom Seitenschiff trennten, mit Bauschutt aufgefüllt und darauf die neue Kirche errichtet. Diese ist erneut eine dreischiffige Basilika mit einer Apsis und einem Narthex, hat aber einen wesentlich kleineren Grundriß. Im Jahr 1128 wird sie konsekriert. In Renaissance- und Barockzeit kommt es zu zahlreichen Ergänzungen im Inneren (z. Bsp.: Wandgemälde im Mittelschiff).Der Neubau entstand zu einer Zeit großer Reformen. Es war das Pontifikat Gregor VII., der es als seine Aufgabe sah, das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen. Daraus folgerte er, daß jeder Christ nur ihm untergeordnet sei. Dies führte zum Investiturstreit und dem Bruch mit dem Kaiser. Darüber hinaus versuchte Gregor der Simonie und der Unenthaltsamkeit des Klerus ein Ende zu setzten. In seinem Pontifikat spielt auch die Zentralisierung Roms eine große Rolle. Die Idee war Rom wieder als caput mundi zu errichten.
3
Das Apsismosaik: Beschreibung und Ikonographie:
Über dem Bogenscheitel der Apsis befindet sich eine Halbfigur Christi, dargestellt mit Kreuznimbus, Segensgestus und Buch. Rechts und links davon sieht man die Symbole der Evangelisten:
v.l.n.r.: Löwe èMarkus Engel èMatthäus Adler èJohannes Stier èLukas In die Bogenzwickel hat der Künstler je zwei Sitzfiguren nebeneinander plaziert. So sieht man auf der linken Seite den heiligen Laurentius auf dem Rost und den heiligen Paulus, auf der rechten Seite den heiligen Petrus und den heiligen Clemens mit dem Anker. Unterhalb davon befindet sich links der Prophet Jesaja, rechts Jeremia. Unter den Propheten sieht man wiederum zwei Städte, von denen die linke Jerusalem, die rechte Bethlehem ist. Aus den Toren kommen zwölf Lämmer, die sich um ein in der Mitte stehendes, nimbiertes Lamm versammeln. Im Scheitel befindet sich ein Kreismedaillon mit dem Christogramm. An den oberen Enden des Buchstaben "CHI" hängen die Schritftzeichen "ALPHA" und "OMEGA". In der Apsiskalotte sieht man den Triumph des Kreuzes. In der Mittelachse steht der Weltenberg mit den Paradiesesflüssen Pischon, Gihon, Tigris und Eufrat 1 aus dem Hirsche trinken. Darüber befindet sich ein Akanthusstock mit kräftigen Grundblättern von dem zwei Ranken ausgehen, die sich in je fünf mal fünf Spiralen ausbreiten, an deren Enden stilisierte Pflanzenelemente sitzen, die den Innenkreis füllen. Vor dem Akanthusstock, der für eine Weinrebe steht, befindet sich ein Hirsch, der mit einer Schlange kämpft. Darüber wächst ein Kreuz als Lebensbaum, auf dessen Balken zwölf weiße Tauben sitzen, die die Apostel symbolisieren. Auf einem Brettchen stehen links Maria und rechts der Apostel Johannes.
Zwischen den Spiralen befinden sich Personen, bzw. Personengruppen:
U V VI VII VIII
I II III IV
1 Vergleiche dazu Gen 2, 10 - 14
4
I Hl. Augustinus 2 II Ein junger Mann mit einer Tunica, der einem Vogel einen Becher reicht.
III Hl. Hieronymus IV Drei Personen, die möglicherweise den Stifter und seine Familie darstellen.
V Ein Mann mit einem Umhang, ein Kind mit einer Tunica und ein Mädchen VI Hl. Gregor VII Ein Mönch mit Tonsur, der einem Vogel Speise und Getränke reicht.
VIII Hl. Ambrosius In den übrigen Zwischenräumen sieht man Eroten, sowie Jagd - und Fischfangszenen.
Über dem Kreuz wird aus den Wolken die Hand Gottes sichtbar. Der Bodenstreifen zeigt Hirtenszenen, sowie Pfaue, als Symbole der Auferstehung Christi. Die Inschrift darunter lautet:
+ ECCLESIAM CHRISTI VITI SIMILABIMUS ISTI + DE LIGNO CRUCIS IACOBI DENS IGNATIIQUE IN SUPRASCRIPTI REQUIESCUNT CORPORE CHRISTI + QUAM LEX ARENTEM SET CRUS FACIT ESSE VIRENTEM + 3 Für das zwölfte Jahrhundert ist die Ikonographie sehr ungewöhnlich. Die vom sechsten bis zum dreizehnten Jahrhundert übliche Ikonographie findet man in der römischen Kirche Santi Cosma e Damiani. Deshalb stellt sich die Frage, ob es sich um eine Kopie des Apsismosaiks von Alt - San Clemente handelt, was jedoch sofort negativ beantwortet werden kann, da im vierten Jahrhundert Darstellungen des Gekreuzigten noch unbekannt waren. Die spitzen Ausweitungen an den Balkenenden weisen auf ein Triumphkreuz hin, wie es in den ersten Jahren des fünften Jahrhunderts in der römischen Kirche Santa Pudenziana zu sehen ist. Dort sieht man eine Abbildung der Crux vera, die von der heiligen Helena gefunden, von ihrem Sohn 2 Nach einer mündlichen Mitteilung vom Father Paul Lawler OP, dem Bibliothekar und Archäologen des Collegio di San Clemente, hat sich bei einer Untersuchung des Mosaiks durch das Instituto Centrale di Restauro gezeigt, daß die vier hier abgebildeten Kirchenväter den Habit des Benediktinerordens tragen und möglicherweise die Künstler zeigen, die das Mosaik geschaffen haben. 3 Die Inschrift besteht aus zwei Teilen. Der Teil von "de ligno" bis "corpore Christi" ist ein Einschub und bezieht sich auf Reliquien, die im Kreuz eingesetzt sind. Die Übersetzung des ersten Teils lautet: Die Kirche Christi werden wir mit dem Weinstock vergleichen, den das Gesetz dürr, das Kreuz aber lebendig macht.
Die Übersetzung der Interpolation lautet:
Vom Holz des Kreuzes, ein Zahn des Jakob und des Ignatius ruhen im darüber dargestellten Körper Christi.
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Matthias Rist, 1997, Das Apsismosaik der BASILICA DI SAN CLEMENTE in Rom, Munich, GRIN Publishing GmbH
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