INHALTSVERZEICHNIS:
1. Vorwort 5
2. Einleitung 6
3. Was ist Public Health? 8
4. Bedarfsanalyse 11
4.1. Definition ausgewählter Zivilisationskrankheiten 11
4.1.1. Adipositas 12
Definition 13
Folgen 15
4.1.2. Diabetes Mellitus 16
Definition 17
Folgen 19
4.1.3. Hypertonie 21
Definition 22
Folgen 25
4.2. Darstellung der aktuellen epidemiologischen Situation hinsichtlich der genannten
Zivilisationskrankheiten 26
4.2.1. Adipositas 26
4.2.2. Diabetes Mellitus 29
4.2.3. Hypertonie 32
4.3. Fakten zur Gesundheitsvorsorge, -förderung und Prävention in Österreich 34
4.3.1. Subjektives Gesundheitsempfinden der Österreicher 35
4.3.2. Ausgewählte gesundheitliche Einflussfaktoren 37
Somatische Basisdaten 38
Ern ährung 52
Sport und Bewegung 57
Suchtverhalten 61
Belastungen im Alltag 63
4.3.3. Regionale Disparitäten - Zusammenfassung 63
4.3.4. Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung in Österreich 66
4.4. Sportwissenschaftlicher Exkurs: Welchen Stellenwert hat körperliche Aktivität in
Pr ävention und Therapie? 67
4.4.1. Körperliche Aktivität in der Prävention 69
5. Die Einrichtung des Universitätslehrganges 72
2
5.1. Wissenschaftliche Leitung 72
5.2. Organisatorische Leitung 73
5.3. Fachbeirat 73
5.4. Homepage 73
6. Zielqualifikationen 74
6.1. Zulassungsvoraussetzungen 74
6.2. Vermittelte Kompetenzen 74
6.3. Leitende Prinzipien 75
7. Anforderungen an das Curriculum 77
7.1. Dauer und Gliederung 77
7.2. Basis- und Vertiefungsstudium 78
7.3. Curriculum - Beschreibung der Pflichtfächer 79
7.3.1. Basisstudium 79
Basismodul 1 - Biostatistik 79
Basismodul 2 - Epidemiologie 80
Basismodul 3 - Environmental Health Sciences - Umweltmedizin 80
Basismodul 4 - Health Services Administration - Gesundheitsökonomie 80
Basismodul 5 - Social and Behavioral Sciences - Gesundheitssoziologie 81
Basismodul 6 - Ethik 81
7.3.2. Vertiefungsstudium 81
Modul A - Grundlagen der Gesundheitswissenschaft und von Public Health 81
Modul B - Grundlagen der Organisation und Managementwissenschaften 82
Modul C - Lifestylemanagement 82
Modul D - Leistungsphysiologie - Sportmedizin 82
Modul E - Sportmedizinische und Sportmotorische Testverfahren und Trainingsberatung 83
Modul F - Funktionelle Anatomie, Biomechanik, Traumatologie, Orthopädie, Physikalische
Medizin 84
Modul G - Sportmedizinische Betreuungsmodelle im Leistungssport, Breitensport, Prävention und
Rehabilitation 84
Modul H - Ernährung und Stoffwechsel 85
Modul I - Psychologie und Gesundheit 86
Modul J - Skilltraining 86
Modul K - Betriebliche Gesundheitsförderung 87
Modul L - Lebensstilfaktoren - Alkohol, Nikotin, Suchtverhalten, Medikamentenabusus 87
3
Modul M - Spezielle Populationen 88
Modul N - Gesundheitskommunikation 88
Modul O - Teilnahme an Tagungen und Kongressen im Rahmen des Vertiefungsstudiums 88
Modul P - Wissenschaftliches Arbeiten 89
8. Berufsbild „Master of Public Health“ 90
8.1. Bezeichnung der Absolventen 90
8.2. Berufsbild 90
8.3. Berufschancen 90
9. Semesterdetailplanung 1. Semester 92
9.1. Impulsvorlesungen 92
9.2. Blockseminare 92
9.3. Praxisseminar 93
9.4. Internship 93
10. Lehrgangsevaluierung 94
11. Abbildungsverzeichnis 96
12. Literaturverzeichnis 98
12.1. Web-Links 102
13. Tabellenanhang 103
4
1. VORWORT
Im Jahr 2004 Wurde von Univ.- Prof. NORBERT BACHL und Univ.- Prof. ANITA RIEDER die Idee eines Universitätslehrganges „Master of Public Health - Prävention und Gesundheitsvorsorge“ ins Leben gerufen. Geplant als Kooperation zwischen Universität Wien und Medizinischer Universität Wien sollte mit der Implementierung eines derartigen Lehrganges eine Bedarfslücke in der Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Lebensstilmedizin und Gesundheitsvorsorge geschlossen werden. Mein Kollege Dr. PIERO LERCHER und ich (HANS-CHRISTIAN MIKO) wurden in diesem Zusammenhang beauftragt, im Sinne einer organisatorischen Lehrgangsleitung und nach Vorgaben durch die wissenschaftliche Lehrgangsleitung - repräsentiert durch Univ.- Prof. NORBERT BACHL und Univ.- Prof. ANITA RIEDER -, diesen Lehrgang vorzubereiten, zu implementieren und in weiterer Folge zu leiten. Die vorliegende Arbeit wurde während der Vorbereitungsarbeiten und der Implementierung dieses Lehrganges erstellt. In einer Art Berichterstattung sollen grundlegende und weiterführende Überlegungen zu N momentaner epidemiologischer Situation, N der Notwendigkeit eines derartigen Lehrganges, N inhaltlichen Anforderungen an das Curriculum, N Zielqualifikationen für die Studierenden N und Berufsbild sowie Berufschancen der Absolventen dargelegt werden.
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2. E INLEITUNG
Wenn man in Internet-Suchmaschinen den Begriff „Public Health“ eingibt, so finden sich bei weltweiter Abfrage fast 62 Millionen Einträge. Beim Suchbegriff „Beatles“ erscheinen „nur“ knapp 13 Millionen Einträge. Daraus lässt sich auch die Bedeutung erahnen, die diesem Begriff zuzuordnen ist, der ins Deutsche als „Öffentliche Gesundheit“ übersetzt wird. (LERCHER 2005) In den letzten Jahrzehnten stehen eine Vielzahl von epidemiologischen Studien und Metaanalysen zur Verfügung, welche signifikante Zusammenhänge zwischen einzelnen Merkmalen der physischen, psychischen und sozialen Gesundheit und speziellen Lebensstilbedingungen sichergestellt haben. So haben regelmäßige körperliche Aktivität und Sport, eine dem jeweiligen Berufs- und Freizeitverhalten angepasste Ernährung sowie Strategien zur Stressvermeidung beziehungsweise Stressbewältigung eine vorbeugende Wirkung auf verschiedenen Zivilisationserkrankungen unserer Zeit. Aus gesellschafts- und gesundheitspolitischer Sicht sind in Österreich wie in den meisten anderen so genannten „Developed Countries“ Männer und Frauen aller Altersgruppen beziehungsweise Kinder und Jugendliche betroffen. Dabei spielen bei gleicher Wertigkeit sowohl subjektive Faktoren wie Lebensqualität und Lebenszufriedenheit wie auch objektive Faktoren, also erhöhte und stetig steigende Krankheitskosten eine entscheidende Rolle. Der Bogen reicht von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Haltungsschäden (Bewegungsmangel, falscher Ernährung) über Erwachsene, bei denen ein besorgniserregender Bewegungsmangel und Fehlernährung mit einer steigenden Inzidenz und Prävalenz chronischer Erkrankungen einhergehen, bis zu Senioren, bei denen Lebensqualität und Mobilität aufgrund frühzeitig entstandener Erkrankungen beziehungsweise
Multimorbiditäten dramatisch eingeschränkt sind. Die stetig steigenden Kosten im Gesundheits-Krankheitssystem machen es notwendig, qualifizierte „Professionals für Prävention und Gesundheitsförderung“ auszubilden, welche im Sinne der erwähnten Gesamtproblematik adäquate wissenschaftlich gesicherte Konzepte entwickeln oder übernehmen, umsetzen und evaluieren können.
Um der genannten Thematik und somit dem wachsenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften im öffentlichen und privaten Gesundheitssektor Rechnung zu tragen, bieten
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die Universität Wien und die Medizinische Universität Wien in einer erstmaligen Lehrgangskooperation einen Universitätslehrgang „Master of Public Health“ an. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ. Prof. Dr. ANITA RIEDER seitens der Medizinischen Universität Wien und Univ. Prof. Dr. NORBERT BACHL seitens der Universität Wien wurde gemeinsam mit der organisatorischen Lehrgangsleitung durch den Umwelt- und Präventivmediziner Dr. PIERO LERCHER und meiner Person (MIKO HANS-CHRISTIAN) ein Curriculum zusammengestellt, das eine fundierte Qualifikation mit hoher Praxisorientierung darstellt.
Der Master-Lehrgang der beiden Wiener Universitäten bietet in Form eines viersemestrigen, berufsbegleitenden postgradualen Studiums die Möglichkeit, auf dem Gebiet der integrativen Prävention und Lebensstilmedizin die entsprechenden Kompetenzen und Fähigkeiten zu erwerben, um sie im intra- wie extramuralen Bereich zielgruppenorientiert im Sinne der Öffentlichen Gesundheit (Public Health) anwenden und evaluieren zu können. Damit verbunden sind der Erwerb von umfassenden Wissensgrundlagen und fachlichen Qualifikationen für Führungsaufgaben und Leitungsfunktionen im Gesundheitswesen mit Schwerpunkt Prävention und Gesundheitsförderung.
Das interdisziplinäre Curriculum des Master-Studienganges in Public Health setzt den Schwerpunkt in der Ausbildung für Lebensstilmedizin mit besonderer Berücksichtigung der Leistungs-, Ernährungs-und Sozialmedizin, Epidemiologie und
Gesundheitsmanagement mit besonderer Berücksichtigung hinsichtlich Kompetenzen zur nachhaltigen Umsetzung des erworbenen Wissens in der Praxis wie im Ambulanzbereich und schließt damit eine wichtige Bedarfslücke in Österreich. Das Studienprogramm des Universitätslehrganges orientiert sich dabei an international geltenden Standards für wissenschafts- und forschungsgeleitete Lehre im Bereich Public Health, an den EU-Richtlinien für Gesundheitsvorsorge, sowie an vergleichbaren European Master Studies. Der Universitätslehrgang dauert 4 Semester und umfasst 120 ECTS Punkte. Er ist berufsbegleitend in modularer Form aufgebaut und wird in Form von Pflichtmodulen, Wahlfachmodulen, Praxisseminaren, Internships und Modulen an ausländischen Partneruniversitäten durchgeführt.
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3. WAS IST P UBLIC H EALTH?
„Public Health“ ist ein multidisziplinärer Bereich, der sowohl Natur- als auch Sozialwissenschaften inkludiert. Auf Basis von biomedizinischen Erkenntnissen und in sinnvoller Ergänzung dazu werden quantitative wissenschaftliche Methoden, wie in der Epidemiologie oder Biostatistik, aber auch qualitative Methoden der Sozialwissenschaften angewandt, um gesundheitsrelevante Daten zu erfassen, Einflüsse von Gesellschaft und Umwelt auf Gesundheit und Krankheit aufzudecken, deren Bedeutung für die gesamte Bevölkerung zu analysieren sowie bevölkerungsbezogene Maßnahmen für die Prävention, Gesundheitsförderung, verbesserte medizinischen Versorgung, Änderung des Verhaltens oder Lebensstils und für die Kontrolle der Umweltbedingungen entwickeln zu können. Das Ziel von Public Health ist demnach, den physischen und psychischen Gesundheitszustand der Bevölkerung durch gesundheitsbezogene Initiativen in Forschung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern.
Außerhalb Europas, insbesondere im angloamerikanischen Raum, wurde der Bedeutung von Public Health an vielen Universitäten durch die frühzeitige Gründung von „Schools of Public Health“ Rechnung getragen (z.B. Harvard 1922!). In Österreich ist der Begriff "Public Health" sowie seine umfassende Bedeutung vergleichsweise wenig bekannt. In Österreich herrscht für „Public Health“ hinsichtlich der universitären Verankerung seiner Aufgaben, Ziele und Bedeutung in Forschung und Lehre und hinsichtlich seiner Akzeptanz in Politik und Gesellschaft ein großer Nachhol- und Entwicklungsbedarf. Ein erster Schritt war die Gründung einer eigenen Organisationseinheit für „Public Health“ an der Medizinischen Universität Wien, in der folgenden bisherigen Einrichtungen dafür eine gemeinsame Plattform geboten werden soll: Sozialmedizin, Umwelthygiene, Medizinische Psychologie, Geschichte der Medizin, Allgemeinmedizin, Epidemiologie, Ökotoxikologie und Ethik in der Medizin.
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Der Forschungsbereich „Public Health“ soll sich nach diesem Ansatz der Medizinischen
Universität Wien in die folgenden Schwerpunkte gliedern 1 : 1. Principles of Public Health
N Entwicklung von Methoden und Verfahren zur Erfassung und Auswertung von gesundheitsrelevanten Daten
N Planung von bevölkerungsbezogenen Maßnahmen zur Krankheitsverhütung, Lebensverlängerung und Gesundheitsförderung 2. Environmental and Occupational Health
N Analyse von Gesundheitszustand der Bevölkerung und sozialer und beruflicher Umwelt
N Erfassung und Quantifizierung von Risiken für die Bevölkerung hinsichtlich physischer und psychischer Gesundheit, Sicherheit und Umwelt N Entwicklung von effizienten Strategien zur Gesundheitsförderung 3. Family and Community Health
N Analyse des gesundheitsrelevanten Verhaltens der Bevölkerung in ihrem sozialen, kulturellen und ethnischen Umfeld N Aufzeigen von gesundheitsstörendem Verhalten
N Entwicklung und Implementierung von begleitend - unterstützenden Maßnahmen 4. Health and Gender
N Untersuchung von geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Gesundherhaltung und bei Krankheitsentstehung und -verlauf sowie Therapie
1 Quelle: Internes Mitteilungsblatt Nr. 25 der Medizinischen Universität Wien, Studienjahr 2004/2005 -Ausgegeben am 17. Mai 2005
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5. Health Services Research
N Erfassung und Analyse von Organisation, Effizienz und Finanzierung von Einrichtungen des Gesundheitssystems sowie Maßnahmen der Gesundheitspolitik N Entwicklung und Evaluierung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen 6. Health Policy Research
N Analyse von nationalen und internationalen Strategien der Gesundheitsversorgung N Evaluierung des Zugangs zu den Versorgungsstrukturen für die verschiedenen sozialen und ethnischen Schichten der Bevölkerung N Analyse der Finanzierung des Gesundheitssystems 7. Education and Training of Health Professionals
N Entwicklung von Methoden zur Verbesserung der Aus-, Weiter- und Fortbildung aller Gesundheitsberufe, biomedizinischer Wissenschaftler und
Führungspersönlichkeiten im Gesundheitswesen
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4. B EDARFSANALYSE
Die Aufgabe von Public Health besteht darin, sich für die Schaffung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Umweltbedingungen, und Bedingungen der gesundheitlichen Versorgung einzusetzen, unter welchen Menschen gesund leben können. Public Health befasst sich entsprechend mit der Gesundheitsförderung und Prävention, aber auch mit dem kurativen und rehabilitativen Bereich. Im zunehmend komplexer werdenden Gesundheitswesen sind heute professionell tätige Fachleute gefragt, welche sich auf wissenschaftlicher Basis und unter optimaler Verwendung vorhandener Ressourcen für die Gesundheit der Bevölkerung, beziehungsweise größerer Bevölkerungsgruppen, einsetzen.
4.1. Definition ausgewählter Zivilisationskrankheiten
Da sich Lebensstil und Umwelteinflüsse in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt haben, treten zunehmend Krankheitsbilder auf, die bei Naturvölkern selten sind oder ganz fehlen. Zu den umweltbedingten Krankheitsursachen gehören nur schwer beeinflussbare äußere Bedingungen wie Lärm und der Schadstoffgehalt von Luft und Lebensmitteln. Aber auch der Lebensstil des Einzelnen, Nahrung und Genussmittel können zur Entstehung von Krankheiten beitragen.
In der Literatur findet man auf der Suche nach Zivilisationskrankheiten wenig einheitliche Definitionen. Die mir am ehesten geeignete fand ich im renommierten online Nachschlagewerk WISSEN.DE:
Unter Zivilisationskrankheiten versteht man zusammenfassende Bezeichnung für funktionelle und organische Gesundheitsstörungen und
Krankheitszustände, bei denen materielle wie ideelle Einflüsse der Zivilisation auf den Menschen von auslösender, begünstigender oder auch ursächlicher Bedeutung sind; die Skala dieser Einflüsse ist außerordentlich weit und reicht von den einfachsten Lebensbedingungen der Wohnung, Kleidung, Ernährung, Hygiene, Beleuchtung über die Arbeits- und Lebensgewohnheiten bis zu den Gegebenheiten des Zusammenlebens der Menschen und den nachteiligen Seiten der Technisierung wie unphysiologisch einseitige Belastung, ungenügende Abhärtung, Lärmeinfluss, Luftverunreinigung,
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Genussmittelmissbrauch, abnorme Betriebsamkeit des modernen
Erwerbslebens, Unsicherheit, Existenzangst. Zu den Zivilisationskrankheiten gehören u. a. Verdauungs- und Stoffwechselstörungen, Verfall des Gebisses (Karies), zahlreiche Erkältungskrankheiten, Neurosen und Kreislaufstörungen. (Quelle: www.wissen.de)
Dazu gehört Adipositas als Folge der Überernährung und deren Folgeerkrankungen wie Diabetes und Hypertonie. Andere Zivilisationskrankheiten sind Allergien durch die oft übertriebene Hygiene und Fußerkrankungen durch untaugliches Schuhwerk. Manche Autoren rechnen auch Alterserkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt und Alzheimer zu den Zivilisationskrankheiten. Sie folgen dabei der Auffassung, dass ihre Ursache im (stressigen) zivilisierten Lebenswandel liegt oder diese unter Umständen durch die Schulmedizin (z.B. Antibiotika) erst ausgelöst werden.
4.1.1. Adipositas
Adipositas ist ein Zustand, der durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper gekennzeichnet ist. Die Adipositas wird heute als eine chronische Gesundheitsstörung verstanden. Sie beruht auf einer polygenetischen Veranlagung, geht mit einer hohen Begleit- und Folgemorbididtät einher und erfordert ein langfristiges Behandlungs- und Betreuungskonzept. Übergewicht und Adipositas sind in der
Bevölkerung epidemisch verbreitet. Etwa jeder dritte erwachsene Österreicher 2 ist deutlich übergewichtig und sollte aus medizinischen Gründen Gewicht abnehmen. Längst ist unbestritten, dass Übergewicht und Adipositas hohe Kosten für das Gesundheitssystem verursachen.
Die Entwicklung der Adipositas hängt stark von genetischen Faktoren ab. In der Bevölkerung ist eine erbliche Prädisposition für Fettsucht weit verbreitet. Bei genetisch veranlagten Menschen entscheiden die Lebensweise (z. B. Ernährung und körperliche Betätigung) und zwischenmenschliche, verhaltensbezogene, kulturelle und
2 Laut Österreichischer Adipositasgesellschaft, http://www.adipositas-austria.org
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gesellschaftliche Faktoren darüber, ob es zur Adipositas kommt oder nicht. Mit der Fettsucht steigt das Risiko einer ernsten Erkrankung z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkerkrankungen. Zwischen einigen Krebsformen und Fettsucht besteht ein starker Zusammenhang. Adipositas wirkt sich auch sehr negativ auf die Lebensqualität aus.
Die gesellschaftlichen Kosten der Adipositas und der mit ihr verbundenen Erkrankungen sind hoch. Das Wissen über die Kostenwirksamkeit verschiedener Maßnahmen gegen Fettsucht ist jedoch beschränkt. Die Kostenwirksamkeit präventiver Maßnahmen lässt sich nicht berechnen, da über ihren Erfolg zu große Unsicherheit herrscht. Unter den verschiedenen Methoden zur Gewichtsreduzierung verursachen Ernährungsberatung, Verhaltenstherapie, Umstellung auf fettarme Lebensmittel mit geringerem Energiegehalt
und chirurgische Eingriffe im Gegensatz zu Arzneimitteln relativ die geringeren Kosten. 3 Die Vernetzung der Untersuchung, Behandlung und Prävention von
Übergewichtsproblemen mit den so genannten Essstörungen ist hoch relevant. Viele unkoordiniert laufende Maßnahmen zur Prävention von Essstörungen und Adipositas stellen ein eminentes Problem dar: Maßnahmen zur Prophylaxe oder Bekämpfung einer Störung können die anderen Störungen auslösen. Obwohl die Behandlung von Adipositas nur interdisziplinär zum Erfolg führen kann, werden zahlreiche Einzelangebote gemacht. Vor allem Ernährungsberatung durch Nichtfachleute, Kurzdiäten ohne Nachbetreuung, für Adipöse mit Bluthochdruck oder orthopädischen Problemen gefährliche Sportangebote und bisweilen völlig wirkungslose Naturheilstoffe erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie hinterlassen bei Wirkungslosigkeit nicht nur finanziellen Schaden sondern auch den, dass sich adipöse Menschen den weiteren gescheiterten Versuch selbst zuschreiben. Sie werden misserfolgsorientiert, leiden unter Diätenburnout und werden depressiv. Definition
Als Übergewicht wird eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes verstanden. Als Berechnungsgrundlage dient der Body-Mass-Index (BMI),
3 ÖSTMANN, BRITTON, JONSSON 2004
13
der das Körpergewicht (Masse in Kilogramm) in Relation zur Körpergröße (Quadrat der Körperlänge in Metern) setzt. Als Kenngrößen dienen laut WHO folgende Bezeichnungen: N Untergewicht: Ein BMI unter 18,5 N Normalgewicht: Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 N Prä-Adipositas (Übergewicht): ein BMI von 25 bis 29,9 N Adipositas Grad 1: ein BMI von 30 bis 34,5 N Adipositas Grad 2: BMI von 35 bis 39,9 N Adipositas Grad 3: Ein BMI von 40 und höher
Eine etwas von dieser Klassifizierung abweichende Definition wird von Eurostat bei der Datenerhebung und Datenauswertung herangezogen. Nach den Definitionen von Eurostat
gilt ein Body-Mass-Index (BMI) von 21 bis unter 26 kg/m 2 als „normal“. Bei einem BMI von 18 bis unter 21 gilt die betreffende Person als untergewichtig und bei einem BMI unter 18 als stark untergewichtig. Eine Person mit einem BMI zwischen 26 und 30 ist laut Eurostat als übergewichtig einzustufen, ab einem BMI von 30 als stark übergewichtig (vgl. EUROSTAT 2000, S. 3).
Diese Einteilungen erfolgen, um jene Personen zu identifizieren, die einer besonderen Gefährdung ausgesetzt sind, die bereits oben erwähnten Erkrankungen zu entwickeln. Es ist allerdings zu beachten, dass der BMI nicht uneingeschränkt für alle Personen verwendet werden kann: Da Muskeln schwerer sind als Fett, haben sehr aktive Sportler häufig ein hohes Körpergewicht und damit einen BMI, der Übergewicht oder mehr angibt. Um solche Fehlinterpretationen zu verhindern, muss evtl. zusätzlich das Muskelmasse/Fett-Verhältnis berücksichtigt werden. Auch bei Kindern und Jugendlichen wird der BMI zur Diagnosestellung herangezogen, allerdings unter Zuhilfenahme geschlechts- und altersabhängiger Bewertungskurven modifiziert.
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Folgen
Ein hoher Body-Mass-Index gilt als unabhängiger Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus Typ II, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, koronare Herzkrankheiten, Arteriosklerose und deren Folgeerkrankungen,
Gallensteinleiden, Malignome, Gicht und kann das Obstruktive Schlafapnoesyndrom 4 verursachen. Weiters bestehen ein erhöhtes Operationsrisiko und eine reduzierte Beweglichkeit sowie eine Beeinträchtigung der Lebensqualität. Es wird geschätzt, dass in einer fiktiven Population von 1 Million Personen im Alter von 35 bis 84 Jahren 45 Prozent aller Fälle von Hypertonie, 85 Prozent aller Fälle von Typ-II-Diabetes, 18 Prozent aller Fälle von Hypercholesterinämie und 35 Prozent aller Fälle von koronarer Herz-Krankheit
auf Adipositas zurückzuführen sind. 5
In Amerika gilt Adipositas bereits jetzt als Hauptursache für Morbidität und Mortalität. Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr 300.000 Todesfälle auf die Folgen der Fettsucht zurückzuführen sind, da ein Body-Mass-Index über 30 kg/m² die Mortalität
zwischen 50-150 Prozent erhöhen kann 6 .
Die Adipositas stellt ein weltweit dermaßen zunehmendes Problem dar, dass die WHO
ebenso wie die CDC 7 inzwischen von einer globalen Epidemie bzw. Pandemie sprechen, die ebenso ernst genommen werden sollte wie jede zum Tode führende Infektionskrankheit.
4 abgekürzt OSAS; Ein pathologischer Schlafzustand, der als nächtliche Atemregulationsstörung durch Schnarchen und Atempausen gekennzeichnet ist. Durch diese Atempausen kommt es zu Hypoxämien, einem
Abfall der Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes, und somit zu einem Erwachen. Die Folge sind
Schlafstörungen.
5 OSTER, G., ET. ALIAS (2000) in KIEFER, I., KUNZE, M., RIEDER, A. (2001), S. 17
6 SEIDELL, JC. ET ALIAS (1999) in KIEFER, I., KUNZE, M., RIEDER, A. (2001), S. 17
7 CENTERS FOR DISEASE CONTROL AND PREVENTION; staatliche Gesundheitsbehörde in den USA
15
4.1.2. Diabetes Mellitus
In der wissenschaftlichen Literatur und in WHO-Dokumenten wird von einer weltweiten Diabetes-Epidemie gesprochen und in diesem Zusammenhag von einer der größten Herausforderungen des öffentlichen Gesundheitssystems in den kommenden Jahrzehnten.
Einer aktuellen Studie der WHO 8 zufolge waren im Jahr 2004 3,2 Millionen Strebefälle direkt den Folgen einer Diabetes-Erkrankung zuordenbar. Diese Zahl ist vergleichbar mit den Sterbeziffern durch HIV/AIDS Erkrankungen! Besonders drastisch stellt sich die Situation dar, wenn man einzelne demographische Altersgruppen betrachtet. So ist jeder zehnte Todesfall in der Altersgruppe der 35 bis 64 Jährigen durch Diabetes verursacht (dem WHO-Bericht zufolge in manchen Regionen sogar jeder vierte!). Im Jahr 2004 lag die Zahl der weltweit an Diabetes erkrankten Menschen bei mehr als 171 Millionen. Infolge der Kombination von Bevölkerungswachstum, höherer Lebenserwartung und veränderten Lebensstilen rechnet die WHO mit einer Verdopplung
dieser Zahl bis zum Jahr 2030 9 .
Das Risiko von Diabetes und den dadurch bedingten Komplikationen und Folgeerkrankungen kann deutlich reduziert werden. Gewichtsreduktion in Kombination mit angemessener körperlicher Aktivität hat sich hinsichtlich einer Prävention oder zumindest Verzögerung einer manifesten Diabeteserkrankung bei Personen mit verminderter Glukosetoleranz als die beste Behandlungstaktik erwiesen. Um nachhaltig Einfluss auf die weltweit bedrohliche Entwicklung von Diabetes zu nehmen, ist es notwendig, nationale und internationale Aktionspläne zu erstellen, welche zu einer Reduktion von Fettleibigkeit/Übergewicht und Adipositas, sowie zu einer Steigerung körperlicher Aktivität der Bevölkerung führen. Derartige Aktionspläne werden seit einigen Jahren unter anderem von der WHO verfasst, ihre Umsetzung lässt jedoch
8 WHO 2004, Reducing the impact of diabetes on the world’s poor. S. 1. Zugriff am 14.04.2005 unter http://www.who.int/diabetes/en/funding_brochure_final.pdf
9 ebendort, S. 1
16
aufgrund mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung (und wie ich persönlich meine auch beim medizinischen Personal!) weiterhin zu wünschen übrig. Definition
Der Diabetes Typ 1 ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Verursacht wird die Erkrankung durch den Mangel am Hormon Insulin. Daher wurde der Diabetes Typ 1 früher auch insulinabhängiger Diabetes mellitus genannt. Lange Zeit war der Diabetes Typ 1 auch unter dem Begriff "jugendlicher" Diabetes geläufig, da er in der Regel bei Kindern und Jugendlichen zum ersten Mal auftritt. Unter den Diabetes-Erkrankungen macht der Diabetes Typ 1 etwa fünf Prozent aus. Diabetes Typ 1 gehört zu den so genannten Autoimmunerkrankungen. Körpereigene Abwehrstoffe zerstören die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Diese fortschreitende Entzündung und Zerstörung der Zellen entsteht über viele Jahre. Bei manchen Menschen werden Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit bereits Abwehrzellen gegen die Zellen der Bauchspeicheldrüse gefunden. Alle Körperzellen benötigen das Hormon Insulin, um Zucker aus der Blutbahn aufzunehmen. In der Zelle wird der Zucker zu Energie verbrannt. Kann der Zucker nicht von den Zellen aufgenommen werden, steigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Ist eine bestimmte Konzentration des Zuckers im Blut überschritten, gelangt der Zucker in den Harn, wird ausgeschieden und kann dort nachgewiesen werden. Die Ursachen für diese Fehlsteuerung des Immunsystems sind heute noch weitgehend unbekannt. Man glaubt, dass manche Bakterien oder Viren den Bauchspeicheldrüsenzellen so ähnlich sind, dass der Körper nicht nur diese eingedrungenen Bakterien oder Viren unschädlich macht, sondern auch die eigenen Zellen angreift. Auch Erbfaktoren spielen bei der Krankheitsentwicklung eine gewisse Rolle.
Der Typ-I-Diabetes ist nicht heilbar. Das Auftreten von Komplikationen hängt von der Stoffwechseleinstellung ab. Je besser der Diabetes eingestellt ist, desto später und seltener treten Komplikationen auf.
Diabetes Typ 2 ist eine Stoffwechselerkrankung, die ebenfalls zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Der Körper kann Kohlenhydrate wie Zucker nicht mehr richtig
17
verwerten. Die häufigste Ursache des Diabetes Typ 2 ist das Übergewicht. Risikofaktoren für Diabetes mellitus Typ 2 sind das Alter, sozioökonomische Faktoren, das metabolische Syndrom als Vorläufer (Definition siehe weiter unten!), Gestationsdiabetes, ein hoher BMI und Rauchen, während von einer gesunden Ernährungsweise, körperlicher Betätigung und moderaten Alkoholkonsum ein gewisser Schutz ausgeht. Ein hoher BMI scheint sich am stärksten auf das Diabetesrisiko auszuwirken. Die genetische Prädisposition spielt in der Entstehung des Typ-II-Diabetes eine Rolle.
Im Gegensatz zum Diabetes Typ 1 bildet der Körper bei Diabetes Typ 2 zu Beginn der Erkrankung noch das Hormon Insulin, der Körper reagiert aber nicht richtig auf dieses Hormon. Man spricht daher von Insulin-Resistenz. Diese Art des Diabetes wurde früher auch nicht-insulinabhängiger Diabetes mellitus oder Altersdiabetes genannt, da er in der Regel bei älteren Menschen zum ersten Mal auftritt. In den letzten Jahren findet sich der Diabetes Typ 2 aber auch bei übergewichtigen Jugendlichen. Der Diabetes Typ 2 beginnt meist schleichend und ist sehr häufig mit anderen Zivilisationskrankheiten wie hohem Blutdruck (Hypertonie), Übergewicht (Adipositas), hohen Blutfettwerten und erhöhten Harnsäurewerten vergesellschaftet. Die Kombination aus Übergewicht, Typ-II-Diabetes, Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten wird auch Metabolisches Syndrom genannt. Gemäß der Definition internationaler Richtlinien und österreichischer Expertengremien liegt ein Metabolisches Syndrom vor, wenn mindestens
drei der folgenden Grenzwerte überschritten sind: 10 1. Abdominelle Fettsucht: Taillenumfang:
2. Hypertriglyzeridämie: _ 150 mg/dL
3. niedriges High-Density-Lipoprotein (HDL)- Cholesterol:
4. Arterielle Hypertonie: _ 130/85 mm Hg
10 sinngemäß aus HANEFELD 2004
18
5. erhöhte Nüchternglukose: _ 110 mg/dL
Studien haben für jeden dieser Risikofaktoren gezeigt, dass er unabhängig von den anderen das Risiko erhöht, eine Herzkrankheit zu bekommen. Außer diesen fünf wichtigen Risikofaktoren sind noch etwa 200 weitere Faktoren bekannt, die ebenfalls die Herz-Gefahr erhöhen (z.B. Rauchen). Bei der Beurteilung des Gesamt-Risikos ist es wichtig, zu beachten, dass sich die Gefahr durch die einzelnen Risikofaktoren nicht bloß addiert,
sondern multipliziert oder sogar potenzieren kann. 11
Die wirksamste Primärprävention stellt die so genannte Lebensstilmodifikation dar. Die größte Herausforderung dabei ist die Umsetzung in die Praxis, d.h. im niedergelassenen Bereich vor allem beim Hausarzt oder bei vergleichbaren Gesundheitsbetreuern. Die Verschreibung von Medikamenten stellt allerdings nach wie vor die Intervention der Wahl in der aktuellen Praxis dar und der Großteil der Mediziner hat weder eine entsprechende Ausbildung noch Zugang zu Ressourcen für Lebensstilinterventionen. Es wäre notwendig, dass Ärzte Zugang zu wirksamen Programmen und zu Personal haben, welches mit dem Arzt im multidisziplinären Team die Patienten betreut und Interventionen durchführen kann. Möglicherweise wird dafür zusätzlich eine neue Gruppe von Gesundheitsberufen notwendig. Die Intervention selbst muss die sozialen, ethnischen und kulturellen
Gegebenheiten berücksichtigen. 12
Folgen
Der Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar. Das Auftreten von Komplikationen hängt von der Stoffwechseleinstellung ab. Je besser der Diabetes eingestellt ist, desto später und seltener treten Komplikationen auf.
Der Diabetes Typ 2 kann viele Jahre lang durch kalorien- und fettarme Kost sowie durch regelmäßige Bewegung behandelt werden. Später wird die Therapie durch Medikamente und/oder Insulininjektionen ergänzt. Das Auftreten von Folgeerkrankungen und
11 ebendort
12 Vgl. Public Health Strategien zur Prävention des Diabetes mellitus Typ II in Österreich. DORNER, T., KIEFER, I., KUNZE, M., RATHMANNER, T., RIEDER, A., SCHWARZ, F. (2004)
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Komplikationen hängt von der Stoffwechseleinstellung ab. Je besser der Diabetes eingestellt ist, desto später und seltener treten diese auf. Zu den häufigsten Komplikationen bei Diabetes zählen diabetische Augenkrankheiten, Nervenentzündungen, Nierenerkrankungen, Wundheilstörungen, Infektionen der Haut und der Schleimhäute, sowie Arteriosklerose und daraus folgend Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Die beiden häufigsten Akutkomplikationen bei Diabetikern sind das diabetische Koma und der hypoglykämische Schock (Hypoglykämie). Bei den diabetischen Spätkomplikationen wird grundsätzlich zwischen makro- und mikrovaskulären Komplikationen unterschieden. Während sich makrovaskuläre Komplikationen im Herz-Kreislaufsystem manifestieren, sind von mikrovaskulären Komplikationen in erster Linie Augen, Nieren und das Nervensystem betroffen. Die diabetische Retinopathie ist die Hauptursache für Erblindung bei Erwachsenen.
Risikofaktoren für mikrovaskuläre Folgeerkrankungen sind der Nüchternblutzuckerspiegel und der Blutdruck, für die Retinopathie auch der Cholesterinspiegel. Als bedeutendste Risikofaktoren für makrovaskuläre Schäden stellten sich der Blutdruck und - für koronare Herzerkrankungen - der Cholesterinspiegel heraus.
Die makrovaskulären Spätkomplikationen beim Diabetes mellitus entsprechen dem Krankheitsbild der Atherosklerose. Herz-Kreislauferkrankungen treten bei Diabetikern wesentlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Auch das Schlaganfallrisiko von Diabetikern ist in ähnlichem Ausmaß erhöht.
HAFFNER ET ALIAS schreiben in einer 1998 veröffentlichten Studie, dass ein Typ-II-Diabetiker ohne vorhergegangenen Herzinfarkt das gleiche zukünftige Risiko hat, ein koronares Ereignis zu erleiden, wie ein Nichtdiabetiker, der seinen ersten Myokardinfarkt
überlebt hat. 13
13 HAFFNER ET ALIAS, 1998
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4.1.3. Hypertonie
Der Blutdruck ist der in Blutgefäßen und Herzkammern herrschende Druck. Er ist abhängig von der Pumpkraft des Herzens, dem Gefäßwiderstand und dem Blutvolumen. Ist der Druck dauerhaft zu hoch, werden über die Jahre die Blutgefäße geschädigt, und es drohen Folgeerkrankungen, die den gesamten Körper betreffen können. Diabetes mellitus und Hypertonie zählen zu den am häufigsten vorkommenden
Krankheiten, weltweit steigt ihre Prävalenz 14 in den letzten Jahren weiter an. Dafür sind unter anderem Änderungen des Lebensstils mit Abnahme des Energieverbrauchs durch weniger körperliche Bewegung und Zunahme der Energiezufuhr durch überreichliche Einnahme von fettreicher Nahrung und damit verbunden stetiger Anstieg des übergewichtigen Bevölkerungsanteils verantwortlich.
Das Auftreten von Diabetes und Hypertonie nimmt aber auch mit steigendem Alter zu, was aufgrund der steigenden Lebenserwartung ebenfalls zur steigenden Prävalenz dieser Erkrankungen beiträgt. Darüber hinaus ist das gleichzeitige Vorkommen von Diabetes und Hypertonie bei einem Patienten überproportional hoch: Diabetiker - und zwar sowohl Typ 1 als auch Typ 2 Diabetiker - haben gegenüber der nicht zuckerkranken Bevölkerung ein zumindest auf das Zweifache gesteigertes Risiko, auch an Hypertonie zu erkranken. Weiters ist die kardiovaskuläre Mortalität bei Diabetikern wesentlich erhöht, und zwar unabhängig von Alter und zusätzlichen Risikofaktoren.
Die Kombination von Diabetes und Hypertonie, die häufig auch noch mit Übergewicht vergesellschaftet, stellt somit eine beträchtliche Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Dies auch deshalb, weil die gute Wirksamkeit von nichtpharmakologischen Interventionen wie Diät und Erhöhung der körperlichen Aktivität in der Therapie von Diabetes und Hypertonie erwiesen ist und auch in der Prävention eine entscheidende Rolle spielt.
14 Anzahl der aktuell an einer bestimmten Krankheit Leidenden pro 100.000 Einwohner der Wohnbevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. Stichtag (altersstandardisiert).
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Definition
Als Bluthochdruck (Hypertonie) bezeichnet man einen durch abnormal kräftige Pumpbewegungen des Herzens erzeugten (Über-)Druck des schnell und stark fließenden Blutstroms auf die Arterien. Da das Herz der Motor des Blutstroms ist, verändert sich der Blutdruck mit einer veränderten Herztätigkeit bzw. den verschiedenen Bewegungsphasen des Muskels: Zieht sich das Herz in der als Systole bezeichneten Phase zusammen, erreicht der Blutdruck sein Maximum, während er während der Erschlaffung des Herzmuskels (der sog. Diastole) auf den untersten Skalenwert absinkt. Um dieser natürlich bedingten Druckdifferenz Rechnung zu tragen, werden bei der Blutdruckmessung immer zwei Werte angegeben: der systolische und der diastolische Wert. Als optimaler Blutdruck gilt ein Wert von "120 zu 80" (120 / 80). Der erste Wert gibt dabei den systolischen Blutdruck an, dies ist der höchste Druck, der bei der Kontraktion des Herzens erreicht wird. Der zweite Wert beschreibt den diastolischen Blutdruck - darunter versteht man den geringsten Druck, der in den Schlagadern herrscht, während das Herz sich mit Blut füllt. Je nach Alter gibt es bestimmte Normalwerte. Ist der Blutdruck anhaltend erhöht, liegt eine Hypertonie (erhöhter Blutdruck) vor. Im Allgemeinen gilt ein Blutdruck in Ruhe ab 140/90 als erhöht.
Die WHO teilt den Bluthochdruck in drei Schweregrade ein:
Arbeit zitieren:
Mag. Hans-Christian Miko, 2005, Die Erstellung eines Universitätslehrganges 'Master of Public Health - Prävention und Gesundheitsvorsorge'' - Bedarfsanalyse, inhaltliche Gestaltung und Lehrgangsimplementierung, München, GRIN Verlag GmbH
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