Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Strukturveränderungen auf dem Arbeitsmarkt. 3
aufgrund der Weltwirtschaft
3. Ein Niedriglohnsektor für Deutschland? 5
3.1 Eine Kritische Betrachtung. 5
3.2 Die USA als Vorbild für einen Niedriglohnsektor? 6
4. Das Konzept der langen Konjukturwellen. 8
4.1 Was ist ein Kondratieffzyklus? 8
4.2 Der fünfte Kondratieff - Was ist in Deutschland schief. 9 gelaufen?
4.3 Der sechste Kondratieff - Wo liegt die Zukunft? 12
4.3.1 Biotechnologiemarkt. 13
4.3.2 Markt für Licht-Anwendungen. 13
4.3.3 Umweltschutzsektor. 13
4.3.4 Informationsmarkt. 14
4.3.5 Gesundheitsmarkt. 15
5. Dienstleistungsgesellschaft. 17
5.1 Personnahe Dienstleistungen. 19
5.2 Unternehmensorientierte Dienstleistungen: 20
5.3 Dienstleistungen und Frauenerwerbsarbeit. 21
6. Arbeitsstellen durch Existenzgründungen. 21
7. Cluster. 27
8. Bildung. 28
8.1 Welchen Einfluss hat Bildung auf die Ökonomie? 28
8.2 Was sollten Schule/ Ausbildung/ Studium beibringen? 30
8.3 Wachstum durch psychische Qualitäten der Arbeitnehmer. 31
9. Fazit. 32
10. Quellenangaben. 36
2
1. Einleitung
Mit diesem Text habe ich mir die Frage gestellt was für Auswirkungen die Internationalisierung der Wirtschaft auf den Arbeitsmarkt hat, was für Kräfte neue Arbeitsstellen hervorrufen und wo arbeitsintensive und nicht-internationalisierbare Beschäftigungen vorliegen.
Die strukturellen Arbeitsmarktveränderungen entstehen nach meiner Ansicht im wesentlich aufgrund von Innovation, der Internationalisierung der Wirtschaft und aufgrund der preisbewussten Konsumenten bzw. der technischen Möglichkeiten der Rationalisierung. Herausgekommen sind, dass die personnahen Dienstleistungen, das Bildungssystem und die Möglichkeiten der Kindererziehung (bzw. die Frauenerwerbsarbeit) der Gesundheitssektor, die Existenzgründungsmöglichkeiten und Bildung von Clustern eine Schlüsselrolle für die Lösung der Arbeitsmarktprobleme spielen.
In dieser Arbeit sind konkrete Ideen für die politische Umsetzung zu finden. Viele Ansätze werfen dagegen Fragen auf, die in einem nächsten Schritt auf konkrete und kreative politische Lösungen herunter gebrochen werden müssten.
Das Thema Ostdeutschland habe ich aufgrund meiner globalen Herangehensweise nicht gesondert behandelt. Die Arbeitslosigkeit ist vielmehr ein ost-, als ein westdeutsches Problem, weil im Osten der strukturelle Umbruch schwerer wiegt. Meinen Ausführungen gelten für beide Teile Deutschlands gleichermaßen. Orientiert habe ich mich vor allem an vier Texten:
- GEM (2004): Executive Report 2003,
- Hans-Böckler-Stiftung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit
- DIW Wochenbericht 23 (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?
- Leo Nefiodow (1996): Der sechste Kondratieff
2. Strukturveränderungen auf dem Arbeitsmarkt aufgrund der Weltwirtschaft
3
Eines der wichtigsten strukturellen Veränderungen ist die zunehmende Internationalisierung und Liberalisierung der Weltwirtschaft (bzw. „Globalisierung“). Das Tempo der Handelsströme hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verschärft. Die Internationalisierung kommt einem stetigen, durchaus langsamen Prozess gleich. Bei Kapitalströmen ist die Intensivierung der weltwirtschaftlichen Verflechtungen am deutlichsten zu erkennen. 1
Harald Trabold vom DIW kommt zu dem Schluss, dass sich zwischen der Globalisierung und dem Niveau der Arbeitslosigkeit in den Industrieländern nicht direkt nachweisen lässt. Vielmehr findet eine Umstrukturierung des Arbeitsmarktes statt, bei der unqualifizierte und arbeitsintensive Arbeitsstellen in Deutschland abnehmen und qualifizierte, humankapitalintensive Arbeitsstellen zunehmen. 2 So waren nach dem Deutschen Statistikamt 2000 nur 4,8 % der Arbeitslosen Fachhochschul- (1,4%) und Universitätsabsolventen (3,4%). Ohne abgeschlossene Berufsausbildung bildeten 37,8% der Arbeitslosen (Ost: 22,4%, West: 46,3%). Allerdings scheint eine Berufsausbildung heute nicht mehr genug zu qualifizieren. 43,3% aller Arbeitslosen im Westen hatten eine betriebliche Ausbildung. Im Osten ist der Anteil der Menschen mit einer betrieblichen Ausbildung an den Arbeitslosen 68,3%. Die Arbeitslosenquoten bei gering Qualifizierten Arbeitskräften liegen um ein vielfaches über denen der Qualifizierten. 3
Die allgemeine Annahme, dass Globalisierung Arbeitslosigkeit schaffen würde, sei nach dem DIW unter anderem ein Folgefehler aus Partialanalysen. Es sei nicht sinnvoll von einzelnen Salden der Zahlungsbilanz auf gesamtwirtschaftliche Arbeitsplatzgewinne oder -verluste zu schließen. Außenhandels und Direktinvestitionsdefizite lassen nicht gleich auf die Verringerung von Arbeitsplätzen schließen; so gehe das „Beschäftigungswunder“ der USA Hand in Hand mit einem hohen Außenhandelsdefizit und die Arbeitslosenquote bleibt in Japan konstant, obwohl es Defizite bei den Direktinvestitionen gibt. 4 Direktinvestitionen in östlichen und südlichen Ländern reduzierten tendenziell die Nachfrage nach ungelernten relativ zu qualifizierten Arbeitskräften im Norden. Das verstärke einerseits den Druck auf die Löhne bzw. die Beschäftigungschancen ungelernter, verbessere jedoch die Einkommens- bzw. Beschäftigungsmöglichkeiten qualifizierter Arbeitskräfte im Norden.
1 Vgl. Trabold, Harald (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?, DIW Wochenbericht 23/97. 2 Vgl. Trabold, Harald (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?, DIW Wochenbericht 23/97. 3 Vgl. Deutsches Statistikamt (2002): Datenreport 2002, S.107.
4 Vgl. Trabold, Harald (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?, DIW Wochenbericht 23/97.
4
Auch die Zuwanderung könnte die Löhne unter Druck setzen, wenn das Angebot an gering qualifizierten Arbeitskräften zunehme. 5
Nach dem DIW sind die zum Teil hohen Realeinkommen in den Industrieländern auf Innovationsrenten zurückzuführen, die verloren gehen, wenn sich das Innovationstempo im Vergleich zu den aufholenden Ländern verlangsamt. Trabold schlussfolgert, dass der hohe Konkurrenzdruck auf dem internationalen Markt die Unternehmen zu einer beschleunigten Anwendung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zwingt. 6 Aufgrund des Drucks von Ländern mit geringeren Löhnen wird häufig ein Niedriglohnsektor für Deutschland vorgeschlagen.
3. Ein Niedriglohnsektor für Deutschland?
3.1 Eine Kritische Betrachtung
Die Zukunftskommission der Freistaaten Bayern und Sachsen schlägt eine Senkung des Lohnniveaus und eine Differenzierung der Lohnstruktur vor. Einkommen unterhalb des Existenzminimums werden ausdrücklich in Kauf genommen. Um Anreize für eine Arbeitsaufnahme zu schaffen, wird eine Senkung des Sozialhilfeniveaus vorgeschlagen. Die möglichen Folgen der Strategie werden von der Kommission auch abgeschätzt: Wachsende materielle und immaterielle Ungleichheit, städtische Armenviertel, schlechterer Gesundheitszustand, sinkende Lebenserwartung sowie steigende Kriminalität müssten nach der Kommission in Kauf genommen werden. 7
Harald Trabold vom DIW stellt fest, dass vieles dafür spreche, dass sich international divergierende Löhne über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten lassen, ohne dass es aus diesem Grund zu Arbeitslosigkeit kommen muss. Das Lohnniveau eines Landes sei umso höher, je stärker dieses in der Lage ist, ökonomisch verwertbares Wissen zu produzieren bzw. aus externen Quellen zu absorbieren und es effizient für Produkt- und Prozessinnovationen einzusetzen. Das Aufholen der Schwellenländer bedeute keineswegs, dass vom Außenhandel negative Einflüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung der Industrieländer ausgingen. 8
5 Vgl. Trabold, Harald (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?, DIW Wochenbericht 23/97. 6 Vgl. Trabold, Harald (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?, DIW Wochenbericht 23/97. 7 Vgl. Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen (1997): Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit in Deutschland. Entwicklung, Ursachen und Maßnahmen. Teil III. Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigungslage. Bonn. S.16ff.
8 Vgl. Trabold, Harald (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?, DIW Wochenbericht 23/97.
5
Deutschland exportiert und importiert vor allem Sachgüter (keine Dienstleistungen). Von 1980 bis 1990 stiegen die Exportpreise um 20% schneller als die Importpreise, was darauf hinweist, dass sich Deutschland auf höherwertige, weniger preisempfindliche Güter spezialisiert hat. 9 Ein Niedriglohnsektor für preisunempfindliche Güter ist nicht notwendig. Außer Zweifel steht, dass gering Qualifizierte einen schweren Stand auf dem Arbeitsmarkt haben. Ihre Produktivität ist in der Regel nicht hoch genug, weswegen die Löhne gesenkt und ihrer Produktivität angepasst werden sollen. Mit einbezogen werden sollte nach der Hans-Böckler-Stiftung auch, dass Lohnsenkungen Auswirkungen auf das Verhalten der Arbeitnehmer haben. Mit dem Lohn könnte die Motivation und die Arbeitsmoral sinken und damit auch ihre Produktivität, was theoretische eine weitere Lohnsenkung zur Folge haben müsste. Bei geringerem Lohn wird wahrscheinlich auch die Betriebsbindung der Beschäftigten und Unternehmen sinken, was in eine erhöhte Fluktuation in diesem Bereich resultieren könnte. 10
3.2 Die USA als Vorbild für einen Niedriglohnsektor?
Die USA werden gerne als positives Vorbild für einen Niedriglohnsektor benutzt, obwohl in den Vereinigten Staaten vor allem die Beschäftigung höher qualifizierter Arbeitskräfte zugenommen hat. Um amerikanische Lohnstrukturen zu erreichen müsste das Gehalt einer deutschen Verkäuferin von etwa 2000 DM auf 950 DM verringert werden. Die Hans-Böckler-Stiftung bezweifelt, dass sich diesem gesellschaftlichen Preis angemessene Arbeitsmarkteffekte ergeben würden. 11
Die OECD hat mit einer Studie über verschiedene Länder erst keine signifikanten Beziehungen zwischen der Beschäftigungsentwicklung und den Arbeitslosenquoten mit der Entwicklung der Einkommensverteilung feststellen können und auch Trabold vom DIW zeigte auf, dass eine zunehmende Lohnspreizung entgegen der Beschäftigungsprobleme der gering Qualifizierten wenig tragfähig seien. 12
„Solange ein ausreichendes soziales Netz besteht, werden Arbeitskräfte, die in einem Hochlohnland aufgewachsen sind, nicht bereit sein, unter einem Mindestniveau zu arbeiten. Ein Blick auf die USA zeigt, dass das für einen Niedriglohnsektor notwendige Arbeitsangebot in entwickelten Industrieländern unter drei Voraussetzungen entstehen kann:“ 13
9 Hans Böckler Stifung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit, Arbeitspapier 43, S.59.
10 Vgl. Hans Böckler Stifung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit, Arbeitspapier 43, S.60. 11 Vgl. Hans Böckler Stifung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit, Arbeitspapier 43.
12 Vgl. Hans Böckler Stifung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit, Arbeitspapier 43 und vgl. Trabold, Harald (1997): Globalisierung: Falle oder Wohlstandsquelle?, DIW Wochenbericht 23/97. 13 Hans Böckler Stifung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit, Arbeitspapier 43, S.62f..
6
• Geringe Investition in Bildung bei einem großen Teil der Bevölkerung. 45vH Menschen in den USA ohne Berufsausbildung (s. untere Graphik) konkurrieren um einen knapperen Teil einfacherer Arbeit. Das Produktivitätsniveau ist bei dieser Bevölkerungsschicht sehr gering.
• Der Druck des Arbeitskräfte-Überangebots wird nicht durch ein soziales Netz abgefedert, woraus ein Zwang zur Arbeitsaufnahme entsteht.
• Eine hohe Zuwanderung aus weniger entwickelten Ländern, die niedrige Löhne in den USA gemessen an ihrer Herkunft als hoch wahrnehmen und gerne bereit sind zu diesen Löhnen zu arbeiten.
Quelle: Freeman/ Schettkat (1998)
Mehr ungelernte Arbeiter bergen die Gefahr, dass sich das Innovationstempo eines Landes verringern könnte. Auch könnte ein Zusammenhang, zwischen den hohen Kriminalitätsraten der USA und ihrem Niedriglohnsektor bestehen. 14
Der Beschäftigungszuwachs in den USA könnte auch erklärt werden durch zielgenauere antizyklische Fiskalpolitik, geringere Sparquoten und Investitionsfinanzierungen aus dem Ausland. Außerdem geben die USA bei einer dreimal so großen Bevölkerung fünfmal soviel für Forschung und Entwicklung aus und besetzen folglich auch wichtige Leitmärkte der Weltwirtschaft in Innovationsfeldern, wie z.B. bei der Mikroelektronik. 15
14 Vgl. Hans Böckler Stifung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit, Arbeitspapier 43.
15 Vgl. Hans Böckler Stifung (2001): Zur Zukunft der Erwerbsarbeit, Arbeitspapier 43.
7
Abgesehen davon, dass sich keiner Lebensverhältnisse wie in einem Niedriglohnland wünscht, ist es 1. äußerst schwierig mit den Löhnen der Niedriglohnländer zu konkurrieren und 2. der falsche Ansatz in Bezug auf den Weltmarkt, weil Deutschland auf hochwertige, innovative, preisunempfindliche Produkte spezialisiert ist.
4. Das Konzept der langen Konjukturwellen: 16
Um den innovativen Markt zu fördern ist es wichtig das Konzept der langen Konjunkturwellen zu kennen, die auch unter dem Begriff Kondratieffzyklus bekannt sind.
4.1 Was ist ein Kondratieffzyklus?
Kondratieffzyklen sind lange Konjunkturwellen, die 40-60 Jahre umfassen. Auslöser und Träger der langen Wirtschaftschwankungen sind Basisinnovationen. Basisinnovationen (oder Leitsektoren) bestehen aus einem Bündel eng gekoppelter technischer und nichttechnischer Neuerungen, die für die Dauer des Langzyklus die Funktion einer Lokomotive für die gesamte Wirtschaft übernehmen.
Zur Zeit befinden wir uns im fünften Kondratieffzyklus, der seine Antriebsenergie aus der Entwicklung und Anwendung der Basisinnovation Informationstechnik bezieht. In diesem Zyklus entstandene Produkte sind z.B.: Universalrechner, PC, digitale Telefonvermittlungsanlage, Roboter, Computertomografen, digitale Oszilloscopen usw. All diese Produkte stammen aus unterschiedlichen Branchen, sind jedoch auf eine Basisinnovation zurückzuführen. Die Basisinnovation schafft nicht nur die Möglichkeit neuer, gänzlich neuer Innovationen, sondern entwickelt auch ältere Technik weiter. Die Computer- und Informationstechnologie hat insbesondere breite Auswirkungen auf andere Technologien gehabt z.B.:
- Kommunikation,
- Verarbeitungstechnik,
- Mikroelektronik,
- Fertigungstechnik,
- Medizintechnik,
16 Für diesen Abschnitt lag falls nicht anders erwähnt folgender Text vor: Leo Nefiodow (1996): Der sechste Kondratieff - Die großen neuen Märkte des 21. Jahrhunderts, in: Oppenländer, Karl Heinrich (Hrsg.), ifo-Studien - Zeitschrift für empirische Wirtschaftsforschung, 43. Jahrgang 1997/1-4, S. 253 - 303.
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Arbeit zitieren:
Tobias Düring, 2004, Arbeitsstellen der Zukunft - Zukunft der Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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