-2- Bildungund Tradition von Familiengut in Augsburg
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Prof. Dr. Christoph Becker Universität Augsburg
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A.Die Fugger
I. Geschichte der Fugger 1.Die Anfänge des Fuggerimperiums 2. Die Fugger als Weltmacht II. Die Bildung und Erhaltung des Fuggervermögens 1. Bildung
a)Grunderwerb der Familie Fugger aa) die Grundherrschaften bb) Die Eigengüter b) Die Heiratspolitik der Familie Fugger 2. Der Erhalt des Vermögens a)allgemein
b) Die Testamentspolitik der Fuggerfamilie aa) Allgemeines zu den Testamenten bb) Die Testamente der Fugger im Allgemeinen bbb) Die Testamente des Jakob Fugger des Reichen ( 1 ) Die Errichtung der Testamente
(3) Das zweite Testament vom 22.12.1525 a)Allgemeine Einleitung b) Die Sorge um das Begräbnis c) Die Seelgerätsbestimmungen d) Die Vermächtnisse e) Die Erbeinsetzung f) Gehorsams- und Unterwerfungsklausel g) Der besondere persönliche Wille h) Die Kodizillarklausel und VorbehaltderÄnderung j)Die Testamentsvollstreckung
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k) Die Förmlichkeiten
(4) Der Unterschied des zweiten Testaments zum ersten Testament cc) Die Testamente und die Gesellschaftsverträge B. Die Welser im Vergleich zu den Fuggern I.Überblick über die Welser II. Vergleich 1. Bodenpolitik der Welser 2. Die Testamente der Welser
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Zu Beginn der Neuzeit spielte der Name Fugger in der Handels-und Wirtschaftsgeschichte nicht nur Augsburg, sondern Deutsch- landsund Europas , eine überaus große Rolle. Obwohl die Fugger aus kleinbürgerlichen Verhältnissen hervorgingen, war ihnen innerhalb erstaunlicher Zeit ein Aufschwung gegönnt, der sie als bedeutendeste Geldmacht ihrer Zeit dastehen ließ. 1 Für heutige Verhältnisse ist es unvorstellbar, welcher Reichtum und welche Macht in den Händen der Konzernchefs Jakob und Anton Fugger konzentriert waren. Man hat vor Jahren errechnet, dass die wirtschaftliche Bedeutung des Hauses Fugger zu seiner Glanzzeit, etwa der eines Konzerns mit rund 100 der größten Unternehmen in Deutsch -land entsprochen haben soll. Doch wie kam es dazu?
Wie schafften es die Fugger so reich zu werden? Im Jahre 1367 zog der junge Hans Fugger und bald sein Bruder Ulin von Graben nach Augsburg, um Bürger dieser Stadt zu werden 2 . Hans Fugger war nicht ganz mittellos und nutzte somit die Gelegenheit als Angehöriger der Weberzunft in erster, sowohl auch in zweiter Ehe eine Tochter eines Zunftmeisters zu heiraten. So mehrte sich das Anfangsvermögen und 1396 war Hans Fugger bereits Zunftmeister und Ratsherr und stand an 41. Stelle der Augsburger Steuerzahler.
Nach seinem Tod nahm unter der Leitung der tüchtigen Mutter Elisabeth, geborene Gefattermann, das Vermögen weiter zu.
1 Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger, S. 116
2 Pölnitz, Jakob Fugger, S.5
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Während sein Sohn Andreas Fugger, auch „Fugger vom Reh genannt“ in die Bedeutungslosigkeit zurückfiel, sollte sein Sohn Jakob, auch „der Ältere“ oder „Fugger von der Lilie“ genannt der Stammvater epochemachender Kaufleute sein. Jakob der Ältere war schon nicht mehr nur Ratsherr und Webermeister, sondern
Führungspositionen der Fuggerfirma bereits besetzt waren, sollte er Geistlicher werden. Als seine Brüder Hans, Peter und Markus im Jahre 1473 verstarben, hatte er bereits die niederen Weihen im fränkischen Stift Herrfrieden empfangen. Lediglich dem Umstand, dass seine Brüder so früh verstarben, verdankte es Jakob, das Kloster verlassen zu können und Einzug in die Fuggerfirma zu
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Zuerst wurde er Lehrling in der Nürnberger Filiale, danach führte sein Weg über Rom nach Venedig. Während Jakob in Venedig das Kaufmannswissen erlernte, legte sein Bruder
Ulrich den wichtigsten Grundstein für den Aufstieg der Fugger. Nunmehr begann für das Hause Habsburg und die Fugger gleich schicksalhafte Verkettung von Finanzen und Politik.
3 Pölnitz, Jakob Fugger, S. 10
4 Pölnitz, Jakob Fugger, S. 15
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Durch sie kamen die Fugger innerhalb kürzester Zeit zu fast unglaublichem Reichtum.
Im Jahre 1473 hatte sich Kaiser Friedrich III. in seiner Geldnot das erste mal an Ulrich Fugger gewandt und das Entgegenkommen des Fuggerbruders mit der Verleihung eines Wappenbriefes belohnt 5 . 1480 stiegen die Fugger in den Bergbau ein. Über Kredite an Sigmund den Münz-reichen, der ihnen zur Tilgung Silber zu Vorzugspreisen überließ, erlangten die Fugger bald eine Vorherrschaft im Tiroler Silberge-schäft. Von noch größerer Bedeutung wurde der „Ungarische Handel“ für die Fugger. Sie bildeten dort mit Johannes Thurzo eine Gesellschaft, um sich im ungarischen Silber- und Kupferberg-bau festzusetzen und das dort gewonnene Kupfer unter Ausnutz-ung der fuggerischen Handelsbeziehungen gewinnbringend abzu-setzen. 6 Ihre weitere Entwicklung führte über die Tiroler und un-garischen Silber- und
Kupferkontrakte zur fürstlichen Geldleihe. Immer mehr wurde Jakob Fugger in die Politische Finanz und damit in die politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit hineingezogen. Zielbewusst wertete er die Zusammenhänge von Politik, Wirtschaft und auch der kirchlichen Situation für sich aus. Er vermochte die Papstwahlen Pius III und Julius II zu beeinflussen. Ohne sein Einvernehmen konnte Maximilian I weder einen Heereszug gegen die Türken unternehmen, noch seine Hausmacht am Balkon ausweiten. 7 Selbst die ungarische Krone geriet durch die von ihr beanspruchten Kredite in Fugger`sche Abhängigkeit.
Schließlich kam die Vorentscheidung über die Wahl des Nachfolgers Maximilians auf dem Kaiserthron, die auf dem Augsburger
5 Pölnitz, Jakob Fugger, S. 14
6 Pölnitz, Jakob Fugger, S, 52
7 Pölnitz, Jakob Fugger, S. 152
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Reichstag 1518 fallen sollte. Sie wurde für Maximilian I zum Prüfstein in seinem Großmachtstreben, für die Fugger aber eine europäische Prestigefrage. In dem Ringen zwischen Franz I von Frankreich und Maximilian für seinen spanischen Enkel Karl, bürgte Jakob Fugger dem Habsburger und gab den Kurfürsten hochbegehrte Verschreibungen auf seinen Namen. Als nach dem Tod des Franz I von Frankreich sämtliche Stimmen der Kurfürsten am 28.6.1519 sich auf Karl vereinigten, bestand kein Zweifel darüber, wem Karl seinen Sieg verdankte. Es war Jakobs Meisterstück hoher Finanzierungskunst, die ungeheuren Kosten der Wahl aufzubringen. Trotz alledem wurde mit dieser Kaiserwahl das Fuggersche Prinzip absoluter Sicherheit und Deckung aufgegeben, den von nun an war das Unternehmen auf den Herrscher angewiesen. Der Keim zu jener jahrzehntelangen Abhängigkeit von der Gnade des übermächtigen Schuldner war gelegt und brachte durch den spanischen Staatsbankrott den Handel der Fugger schließlich zum
Die erste größere Krise trat ein mit dem Aufstand der Ungarn gegen die vermeintlichen Ausbeuter, die Fugger. Zugleich drohte vom Osten der Türkeneinfall. Jakob fand für die Verluste in Ungarn aber im Quecksilber Geschäft guten Ersatz. Die Krisenzeit war allerdings nicht vorbei, als Jakob Fugger , inzwischen auch „ der Reiche“ genannt, am 30.12.1525 verschied. Jakob verstarb kinderlos. Seine Nachfolger waren die Söhne der Brüder Ulrich und Georg. Allerdings lebten von den männlichen Nachkommen Ulrichs nur mehr Hieronymus. Sein älterer Bruder Ulrich II war schon vor Jakob im Jahre 1525 gestorben. Hieronymus selbst zeigte für das kaufmännische Leben wenig Geschick und Neigung. Er starb unverheiratet im Jahre 1538. So
8 Pölnitz, Jakob Fugger, S. 440
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waren die Söhne Georgs, Raymund und Anton, berufen, Namen und Geschlecht der Fugger fortzuführen. Georgs ältester geistlicher Sohn war schon 1511 gestorben und Raymund Fugger konnte sich wegen seiner schwachen Ge-sundheit nicht mehr zu sehr im anstren-genden Handelsbetrieb betätigen. Daher übernahm Anton Fugger allein die Leitung der großen Gesellschaft. Zu seiner Zeit konnten die von Jakob gelegten Wurzeln reiche Früchte tragen. Unter ihm
erreichten die Fugger ihren Höhepunkt ihrer Kapitalkraft, ihrer kaufmännischen, industriellen
Leistung 9 . Als etwa im Jahre 1546 der Gipfelpunkt in der Entwicklungskurve erreicht
Geschäftsvermögen von fast 5 Millionen Gul-den 10 . Der noch größere äußere Glanz, die Macht und das Anseh-en, das Anton genoss, dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäu-schen, dass die zu Jakobs Zeiten vorhandene innere Festigkeit und Stärke schon wieder fehlte. Unerschütterlich hielt auch Anton Fugger als einer der entschiedensten Förderer kaiserlicher Macht und katholischer Gegenreformation zu Karl V., der ihm 1526 zu-sammen mit seinem Bruder Raymund uns seinem Vetter Hierony-mus die Würde erblicher Reichsgrafen verlieh. Jakob hatte Karl V. zur kaiserlichen Würde verholfen und Anton rettete ihn aus den kritischsten Situationen des Jahres 1552, als Kurfürst Moritz wider ihn zu Felde gezogen war, indem er ihm ein Darlehen in Höhe von 400 000 Dukaten gewährte 11 . Diese Treue zum Kaiser brachte es mit sich, dass das Schicksal
9 Strieder, Jakob Fugger der Reiche, S. 164
10 Strieder, Jakob Fugger der Reiche, S. 165
11 Hering, Die Fugger, S. 224f
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des Hauses Habsburg zu dem der Fugger werden musste. So ist es nicht erstaunlich, dass beide Häuser zu gleicher Zeit die Jahre ihrer höchsten Macht erlebten. Die Schattenseite war allerdings, dass auch Rückschläge der Habsburger zu Rückschlagen der Fugger wurden.
Anton, der die Gefahren sah und um das Schicksal seiner Handelsgesellschaft bangte, hegte trotzdem immer wieder die trügerische Hoffnung, er werde die alten Darlehen zurück bekommen. 1560 starb Anton Fugger und hinterließ seine noch jugendlichen Söhne, von denen keiner die Begabung und das Interesse zeigte, die Fugger-Firma weiter zu leiten. Trotzdem übernahm Hans Jakob für kurze Zeit notgedrungen die Leitung. Er schied aber wie Ulrich und Christoph Fugger bald aus der Firma aus und so wurde das Imperium von Markus, dem ältesten Sohn Antons weitergeführt 12 . Unter ihm nahm zwar der spanische Handel nach einen Aufschwung, aber ihm fehlte es an Konsequenz, Vorsicht, Geschicklichkeit und Energie, um sich gegen die aufkommende Kon-
kurrenz der Genuesen durchzusetzen.
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Da überdies die spanischen Finanzen immer kritischer wurden, weil König Philipp II von Spanien rigoros die Forderungen seiner Gläubiger beschnitt, war das Ende der Fuggerischen Handlungen abzusehen. Die Gesellschaft erlitt ungeheure Einbußen. Der Gesamtverlust der Fugger an die Habsburger, bedingt durch die spanischen Staatsbankrotte, wird um die Mitte des 17. Jahrhunderts mit 8 Millionen Gulden beziffert
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. Das war der größte Teil des Verdienstes, den die Firma in rund hundert Jahren erzielte. Es gelang ihnen zwar einen Konkurs abzuwenden, allerdings mussten sie dafür enorme private Mittel aufbringen. In seinen letztes
12 Hering, Die Fugger, S. 293
13 Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger, S. 171
14 Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger, S. 186
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Lebensjahren übergab der gelähmte Markus die Leitung seinem Bruder Hans, der allerdings auch schon 1598 verstarb. Die streitsüchtigen Erben, die nunmehr in das Geschäft kamen, entzogen der Firma aus Furcht vor einer Katastrophe den größten Teil des Betriebskapitals, so dass ihr nur mehr verhältnismäßig wenig Geld zur Verfügung stand 15 . Die fehlende Führerpersönlichkeit im 17. Jahrhundert, die mangelnde kaufmännische Begabung der späteren Generationen, die Zersplitterung der Geschäftsanteile der einzelnen Familienmitglieder, sowie die schweren Schicksalsschläge von außen, insbesondere die wirtschaftlichen Krisen in Spanien, führten 1657 zum offiziellen Erlöschen der Fuggerfirma.
Fraglich ist, warum in den Jahrzehnten ihrer Blütezeit die Fuggerfirma alle anderen Geld- und Handelshäuser Europas überrundet hat. Dies ist umso erstaunlicher, da die Fugger ihre Geschäftsideen eigentlich nur bei ihren anfangs erfolgreichen Augsburger Konkurrenten abgeschaut hatten. Den Wechsel vom Weberhandwerk zum Fernhandel hatten schon viele Familien vor ihnen
Für die alten Augsburger Geschlechter waren die Fugger neureiche Emporkömmlinge und noch 1498 standen die Fugger im Augsburger Stadtsteuerbuch nicht einmal unter den reichsten Augsburgern. Was machte den Erfolg der Fugger aus? Zunächst einmal war da der Zusammenhalt der Familie, die die Firma über drei Generationen auf- und ausgebaut hatte. In dieses Familienunternehmen brachte Jakob Fugger sein strategisches
15 Hering, Die Fugger, S. 305
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Susanne Kaske-Weber, 2002, Bildung und Tradition von Familiengut in Augsburg anhand der Familie Fugger mit einer kurzen Synopse zur Familie Welser, München, GRIN Verlag GmbH
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